Skip to main content

Full text of "Studien zu Euripides: Mit einem Anhang zu Aeschylus, Sophokles und den Bruchstücken der ..."

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



STUDIEN 

ZU 



E U ß I P I D ES. 

MIT EINEM ANHANG 



zu 

AESCHYLUS, SOPHOKLES UND DEN BRUCHSTÜCKEN 
DER GRIECHISCHEN TRAGIKER 



...•VON 



n; wecklein. 



Besonderer Abdruck aus dem siebenten Snpplementbande der Jahrbücher 

für classische Philologie. 




LEIPZIG, 

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 

1874. 



-^ 



I 



t; 






Die Seitenzahlen sind die des siebenten Supplementbandes der Ja' 

für classische Philologie. 




STUDIEN 

m 

ZU 

EURIPIDES 

MIT EINEM ANHANG 

ZU AESCHYLUS, SOPHOKLES UND DEN BRUCHSTÜCKEN DER 

GRIECHISCHEN TRAGIKER 

VON 

N. WECKLEIN. 



Jahrb. f. claas. Philol. Suppl. Bd. VII. Hft. 3. 20 



i • 



f. 

•"■><■ 

'S 



■::.<-■ 



I. Handschriftliches. 

< 

1. Es darf als fester Grundsatz der Euripideischen Textkritik 
betrachtet werden,, dass der Cod. Marcianns 471 (A^)) in den fünf 
Stücken, in welchen er uns zu Gebpte steht, als beste und reinste 
Quelle unserer Ueberlieferung zu gelten habe. Gegen diesen Grund- 
satz fehlen diejenigen Herausgeber, welche Or. 1062 nach den übri- 
gen Handschriften 

KttTib )Liev euT^veiav dTtobeiHuj iröXei 
Tüäicac irpöc -fiTTap cpacTavqj. 

schreiben. Die beste Handschrift giebt dtrobeTHai, woraus hervor- 
geht, dass das ungeschickte iröXei aus ttoGuj entstanden ist, wie 
z. B. ebd. 1148 cod. B C7racö|Lie9a für CTtdciu )Lie\av bietet. Mit 

KÄTib )Litv euT^veiav dTrobeiHai ttoöu) 

vergl. Ion 564 vOv ttoGuj ce )LiäXXov fj irpiv fiTic el ttot' eicibeiv, 
1432 TÖ bk TpiTov TTOÖiü jLiaGeTv, Hei. 945 touc hk Mev^Xeiu ttoGuj 
XÖYouc dKoOcai Tivac ^peT vpuxf]C ir^pi, Herc. f. 262 lö beEid xeip, 
ujc TToGeTc XaßeTv böpu. Auch Hei. 959 

S b' öEi' f)|LiuJv Ktti biKtti' fjTOUjLieGa 
Kai cfic jLidXiCTa Kapbiac dvGdqieTai, 
X^Hu) idb' djucpi |Livfi|Lia coO Trarpöc ttöGuj 

ist das unbrauchbare iröGijJ nicht mit Badham in ireciuv zu verwan- 
deln, sondern zu schreiben: 

X^Hai rdb' d)Li(p\ jiivfiiLia coO Traxpöc ttoGuj. 

Als TToGuj unter Einwirkung des Gen. coO Traxpöc in ttöGuj verschrie- 
ben war, musste XeEai in XeHuJ übergehen, wie es vorher — wir 
haben hier nur die Handschrift t — ^^^ dTTobeiHai geschehen ist. 
. Unbeachtet ist die bessere Ueberlieferung geblieben Or. 390- 

t6 cuj)Lia cppoöbov tö b' övo|li' du XeXoiTre |lioi. 

So nämlich bieten die Handschriften ABFc. Gewöhnlich nimmt man 
aus Ey XdXom^ \xe auf, eine augenscheinliche Correktur. Das über- 
lieferte führt uns auf 



1) Ich bediene mich der Buchstaben von Kirchhoff, nur dass ich 
für u4J?C7 (Handschriften der zweiten Klasse nach Kirchhof fs Classifici- 
rung) lieber a, ß, t setze. 

20* 



308 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

TÖ cuj|Lia cppoöbov, TÖ b* övo|Li' eXXAonre |lioi. 

„Der Name ist mir geblieben" vergl. El. 609 oub' eXXeXoiTrac eXiriba 
Hipp. 325 bietet A allein richtig 

— Ti bpoic; ßidiüei x^^poc eHapTU))LievTi; 

— Ktti cujv T€ TOvdTUJV, Kou )Lie6r|C0)Liai ttotc. 

Alle anderen haben Ktti cujv t€ Tovdxujv ou )Lie0rico|Liai irore. üebri- 
gens "ist in A nicht kou, sondern Kai ou geschrieben. Das gleiche 
ist der Fall Phoen. 1144, wo A Kai 6 cöc (xui'cöc), die übrigen 
Handschriften Kai .c6c, eine 6 cöc b' bietet. Halten wir nun. das 
Scholion zuAndrom. 89 inei toi kou irepißXCTTTOC ßioc: Kar' dviouc ] 
YpdcpeTai Kai x^p'ic tou ou Kai TrepißXeiTTOC, üjcre dv eipuüveiqi \ 
TOuvavTiov XeTCCÖai zusammen mit dem Scholion zu Hipp. 343 j 

eKeiöev f)|LieTc, ou veuiCTi bucTuxeic. i 

YpdqpCTai Kai vciücti, so können wir uns eine solche Variante nur r 
aus der Lesart Kai ou yeujCTi erklären und da eine solche Lesstrt 
sich als ursprünglich kennzeichnet, so werden wir zu schreiben haben, 
wie ich bereits früher bemerkt habe: 

dKeiGev fiiueTc kou veiucTi bucTuxeic. 

Vergl. V. 1043 ^Kxeivd toi c' av kou (putaTc dZiriiLiiouv. Bekannt- 
lich wurde gerade die Krasis am leichtesten verwischt. Auch Iph.' 
T. 396 z. B. hat Lenting kou für Kai emendiert. Mit Eecht behält 
Dindorf Phoen. 1215 kouk av ye XeEai)Lii, welches die meisten Hand- 
schriften bieten, bei, gewöhnlich wird aus cod. F ouk äv T^ XeSaijii 
aufgenommen. Dass Med. 737 kou GeOüV evdj)LiOTOC das ursprüng- 
liche ist, habe ich in der Ausgabe z. d. St. bemerkt. 

Die Varianten, welche in A mit TP- angemerkt sind, haben einen 
verschiedenen Charakter. Zunächst bestehen sie aus GlosseAen imd 
anderweitigen Ueberschriften willkürlicher Bemerkungen. Diesen 
Charakter zeigt am deutlichsten Or. 374 ttJc Tuvbapeiac iraiboc yP- 
GuTCtTpöc: GuyaTpöc stand im Originale über iraiboc und wurde in 
A als Variante notirt, während es in B in die vorausgehende Zeile 
gerieth und dort das Wort ?kXuov verdrängte. 

Ebd. V. 823 jueTdXri Yp. ttoikiXti bekundet die Variante einen 
Versuch die Eesponsion herzustellen; das richtige Wort )LiaivöXic hat 
erst Person gefunden. Manchmal enthält die Variante auch die bes- 
sere Ueberlieferung wie Or. 119 eujLievfi Yp. Trpeu)Lievfi , 298 icxav€ 
Yp. icxvaive, 1022 Xöyouc yP- Y^ouc, wohl auch 1534 Kd|Li€- ji#| 
cibjeiv GeXr] yP- Ka)Li^ )Lif| cuiCT] (vielmehr cuicei) Gaveiv, Phoen. 
755 ^XeTv fp. Kai dXGeiv, 763 d|LiapTiav yP- d)Lia0iav, 787 tt^jlittiji 
Yp. liiXnr] (für jueXTrei), 852 Trapeijüi yP- 7rdpei)Liai (für 7rttpei|iai), " 
lOßl cpiXai YP- <piXa, 1132 ßicx yP- ßdGpiuv,. Hec. 23 XiGobjiriTU) . 
Yp. Ttpöc Geob)LiriTUJ, 44 ttjv ^|Lif|V Trjb' i\^ipq. YP- ^H^b' ^|Lif|V ^v 
filLiaTi, 427 xctpd YP- Tobe. 

• 2. Weit unsicherer wird die Methode in den Stücken, in wel- 
chen die Handschrift A fehlt. Einen Gewinn für die Behandlung des 



• 

N. Wecklein: Studien zu Euripides. 309 

Textes verspricht eine gründliche Untersuchung des gegenseitigen 
Verhältnisses der Euripideischen Handschriften und der besonderen 
Beschaffenheit jeder einzelnen. Die Abweichungen der cod. BCEF 
und der anderen Handschriften der ersten Klasse von A, besonders 
aber die Abweichungen der Handschriften der zweiten Klasse von 
der ersten müssen sorgfältig beobachtet werden, um bestimmte Arten 
der Corruptel festzustellen und dadurch aus der schlechteren Ueber- 
lieferung wenigstens für gewisse Arten der Textverschlimmerung so 
zu sagen die bessere Ueberlieferung zu reconstruieren. Hier sollen 
nur einige Bemerkungen und Andeutungen der Art gemacht werden. 

Wer die besonderen Lesarten des- cod. B betrachtet, wie sie 
hier aus dem Orest. zusammengestellt sind: V. 110 HaXuJC eXeEac 
für öpeuic eX., 430 öttoi für ÖTtri, 609 eic cöv für dm cöv^ 747 
TOÖTO Tap eibevai ttoGiü für TÖbe t«P t'iö^varGeXuj, 779eKßfivai 
KttKUJV füy cu)0fivai KaKiJüV, 856 ^oiKac ftir loiKev, 879 eaujn' für 
cpdciLi', 902 im bk Ttub' für Kam T(bh\ 926 X^P«c für X^'P«» 1064 
ßou\eu)Liaci für To\)Lir||Liaci, 1082 ö|Li|Li' für övo|li', 1093 i^uj dpiu 
für dpd), 1127 aXXoc äXXov dv crdtaic für äXXov aXXoce CTeTnc, 
1135, 1146, 1160 t' für b\ 1142 T€VÖ|Lievoc für XeTÖfLievoc, 1154 
Xexoc für t^voc^), 1528 iii(pr]vac für irecpuKac, 1533 |lioXu)V für 
Xaßiuv, 1561 dvoiY^TUi Tic KXeiöpa für d. t. bujjaa, 1579 bpd- 
ceic cpövov für updcceic (pövov, 1583 irpoiEai für bpdcai, wer wie 
gesagt diese fehlerhaften Abweichungen des cod. B von den übrigen 
Handschriften in Betracht zieht, der möchte glauben, dass diese 
Handschrift sehr unzuverlässig sei und vor allen anderen durch Glos- 
seme gelitten habe. Allein dies ist nur in dem einen Stücke Orest. 
der Fall. Sonst kommen nur vereinzelte Fälle der Art vor wie Phoen. 
70 öpTdc für euxdc, 198 rap für be (mit F), 426 eTrecGai für 
CTT^cGai, 907 direXe^tu) br\ für direXGeTU) vuv, 1629 TToXuveiKTiv 
XOöva für TToXuveiKOuc VeKuv, Hec. 617 6dccouciv ftir vaiouciv 
(mite), Andrem. 1067 TTu9iKf|V dvd xööva für ttuOik^iv irpöc icviav 
(mit C und E). Zum Glücke also ist das Misstrauen gegen B nicht 
gerechtfertigt; wie es scheint, stammt der Orestes aus einem anderen 
Originale. Die verhältnissmässig gute Ueberlieferung in B offenbart 
sich z. B.* Phoen. 492, wo B mit A Kai, alle anderen U)C, oder 572, 
wo B mit A (irpöc Geujv, Tpöiraia ttiüc dvacTr|C€ic) hf\ d. i. All, alle 
anderen bopöc haben. 

Wenn man die Handschriften der zweiten Klasse mit der ersten 
vergleicht, wird man finden, dass die Abweichungen theils auf guter 
Ueberlieferung beruhen, theils aus Correkturen eines unleserlichen 
oder corrupten Textes, aus Interpolationen und Glossemen bestehen. 
So geben z. B. iy. Or. A un4 T zusammen allein das richtige V. 
433 cpövou (B hat cpovou mit überschriebenem oc, EFc (pövoc), 434 
oij T* ou (B ouKOUV, EF ouk du, c du t' ou), 497 rf^c e)Lifjc Guya- 



1) V. 1205—1504 fehlen in B. 



310 • N. Wecklein I Studien zu Euripides. 

• ipöc (das reine Glossem, worüber unten z. d. St., die übrigen das 
corrigierte Glossem GuYaxpöc tf^c i}Jif\c), Correkturen und willkür- 
Hclie Aenderungen geben sich in den Stücken, in welchen wir die 
bessere Ueberlieferung zur Seite haben, in der Eegel deutlich zu er- 
kennen. Tro. 332 

TiLinv, (5 TiLi^vai', T^nv. 

Xopeve^ ILAätep, dvaT^Xacov, 

?Xicc€ T^b' ^Keice juer* iiie&ev Trobiüv 

cp^pouca cpiXTatav ßctciv. 
ist die Lesart dvaYeXacov von BCb in cod. a und ß in ävaYe iröba 
cöv aufgelöst. Diese Correkfcur wird durch das nachfolgende iTobdjv 
als falsch erwißsen. Die bessere Ueberlieferung äva^e AAZON ist 
richtig; es muss nicht mit Aenderung von A in A Trö(ba) ergänzt 
werden, sondern (A)ik(A): 

XÖpeue, i^äTep, ävat', eXiKa cujv 
?Xicce xqib' ^KeTce iLiex' djaeGev Trobuüv 
cp^pouca cpiXTciTav ßdciV. 
d. i. ?XiKa cpepouca cuüv irobOüv cpiXidTav ßdciv ?Xicce Tab' dKeice 
(„im Kreise mit mir drehend deiner Füsse Schritt drehe dahin dort- 
hin sie um") vergl. Phoen. 312 ttiüc airavTa (vielmehr dirdvia d. ii 
dTrdvTi;! vergl. Or. 1267 f irdvTa, die übrigen irdvir]) Kai xepcx Ka. 
XÖYOici TTcXueXiKTOv dbovdv ^Keice Kai tö beOpo irepixo- 
peüouca xepvpiv iraXaidv Xdßu) x^P^o^dv. Nun ist (pepouca nicht 
müssig, da es in ?XiKa eine nähere Bestimmung erhält und der Vers 
XÖpeue, |LiäT€p, avat', ?XiKa cuiv stimmt erst vollkommen überein 
mit dem strophischen Verse lirei cu, iLiärep, im bdKpuci Kai. Mit 
Beibehaltung des impassenden dvaTeXacov wollte Hermann in der 
Strophe Kai beseitigen; Nauck vei^nuthet dva^', ?Xicc' und dazu im 
strophischen Verse diribaKpuc (für im bdKpuci Kai). — Phoen. 1300 
tdXavec, 8 ti ttot^ |Liovö|Liaxov eiri cppev' ^XOdTfjv, 
ßoqi ßapßdpiu 
iaxdv CTevaKtdv 

)LieXo|Li€vav veKpoTc bdKpuci 0pTivr|CU). 
fehlt das Wort CTevaKxdv in ABF; bc geben iaxdv crevaKidv, y 
CTevaKtdv im (pp^v'.^XGexTiv ßoqi ßapßdpqj iaxdv. Diese Weglas- 
sung und Versetzung von CTevaKxdv ist ein deutliches Zeichen, dass 
•das Wort im Original erst nachträglich zur Seite unter |Liov6|Liaxov 
eiTi beigeschrieben war; ebenso fehlt Hippol. 132 KOixa in AE, in 
BCßT steht es vor beVac ^vxöc ^X^iv, in bc nach dieser Zeile. Pie 
jetzige Stellung von cxevaKxdv beruht also nicht auf Ueberlieferung 
und wir sind vollkommen berechtigt dem Worte diejenige Stellung 
anzuweisen, bei welcher der Hiatus zwischen ßapßdptu und iaxdv 
vermieden wird: 

ßoa ßapßdpqj 

cxevaKxdv iaxdv 

|LAeXo)Lidvav veKpoTc bdKpuci 0pTivr|CUJ. 



N. Wecklein: Studien "zu Euripides.- 311 

In der Handschrift t» welche drei Stücke ganz allein erhalten 
hat, kehren gewisse Fehler regelmässig wieder; so irr) (ttt]) für ttoi 
Phoen. 713, 977, 980, 981, 1275, 1324, Or. 511, 598, Hec. 114, 
1099 (Trä-Ttä in einer melischen Partie) vergl. Or. 802 irfi für ttou, 
Hipp. 431 iravTaxfi für dTravTaxoO. Dann "AprjV für "Apri Phoen. 
936, 1006 (mit BF), 1124 (mit B). Für böjLiuüv TTCtpoc am Schlüsse 
des Verses giebt t Phoen. 1264, Or. 112 irdpoc böjLiujv vergl. Or. 
1504 Ik 7Tpobo|LidTUJV elcopuj für eicopui irpö btüfLidTiuv. Hierher 
gehört auch die Herstellung des geläufigen zweiten aor. pass. 'wie 
diraWaTeic Phoen. 902 für dTraWaxöeic, Hec. 600 xpacpfivai (un- 
metrisch) für OpecpBfivai. Bei Euripides ist die Form i^XXd- 
YTiv (dXXaTr|CO)Liai) nur dem Metrum zu Liebe gebraucht, 
z. B. Phoen. 592 aTraWaTeica, 1409 eHaWaTeic. Die regel- 
mässige Form ist ^XXdxOriv (dXXaxörjCOjLiai)^). Wenn die 
besseren Handschriften überall (an etwa zwanzig Stellen) die richtige 
Form haben, an einer einzigen aber die Form des zweiten Aor. ohne 
dass das Metrum sie fordert, nämlich Androm. 592 

ßcTic irpöc dvbpöc 0püYÖc dTTTiXXdTric Xe'xoc, 

so enthält das einen neuen Beweis für die Verderbniss der Stelle, 
welche schon durch die falsche Construction diTTiXXdYric Xexoc au- 
gezeigt ist; es beweist auch, dass man nicht etwa X^x^^c zu corri- 
gieren hat; was übrigens schon die Methode verbietet. Nauck denkt 
an dTTOjXecac; ich halte diriiXXdYTic für ein Glossem imd vermuthe: 

öcTiCirpöc dvbpöc 0puTÖc dcuXrjGTic Xexoc. 

Vergl. Aesch. Prom. 761 Ttpöc toO Tupavva CKf^irrpa cuXriörjcetai ; 
Eur. Ale. 870 Toiov 8)Lir|pöv |la' dTTOCuXiicac. 

Vornehmlich hat die Handschrift y durch Auslassung von Sil- 
ben und Wörtern gelitten. In den Phoen. fehlt 449 iröXiv, 496 
Kai, 541 Tdp, 556, 830, 1626 b^ 577 coi, 620 eic n|Lidc, 737 
auToTc, 760 vöv, 843 töv,- 1307 beöpo, 1705 jli', im Orest. 39 be 
bn, 165, 941 6, 199 re, 215, 846, 1068, 1605 b\ 329 Stto, 345 
oiXXov, 348 bri, 372, 1337 Kai, 752 tö, 816 il von i£a)LieißuJv, 
898 be, 1102 ti (vor ti — ),. 1403 dvrip, 1493 öpeiav, 1511 ouv, 
1538 au, 1562 dXXd, 1612 )liou. Man wird also in den Stücken, 
deren Text von y abhängig ist, bei einer Corruptel an die Möglich- 
keit eines kleinen Ausfalls vor allem denken müssen. 



IL Entstellung des Textes durch Glosseme. 

Daar Eindringen von Erklärungen und anmerkenden Beischriften 
in den Text ist in neuerer Zeit sorgfältiger beachtet und gründlicher 



1) Auch Aesch. Ag. 336 ist aus dem cod. Ven. diraXXaxO^vxec 
herzustellen. Vergl. d^u meine Studien zu Aesch. S. 17 Note. 



312 N. Weckleinr Studien zu Euripides. 

untersucht worden, scheint aber noch nicht allgemein die gebührende ■ • 
Würdigung und Geltung gefunden zu haben. So bieten z. B. Eur. 
Iph. T. 1309 die Handschriften 

vpeubwc 2\eTov aibe Kai |la' djri^Xauvov bojLiiJüv, 

C dKTÖC €IT]G. 

Man hat alle möglichen Verbesserungen vorgeschlagen, welche man 
in der Ausgabe von Köchly aufgezählt findet: ipeubuüc XeYOucai jui* 
aib' dirriXauvov, ipeubOüc IXeYOV aib*, ai |li' dTtriXauvov, i|;ij0p' iXe-. 
TOv'aibcKai |la' dTiriXauvov, dXX' l\eyov aibe Kai |la' dTiriXauvov, 
ipeubijüc dp' aibe Kai |li' dTrrjXauvov, ipeubeic dp' aibe Kai \x' dirri- 
Xauvov, vp€ubd)c dp' aibe Gecic jli' d7rr|Xauvov, cpeö* ibc ^Xetov aibe 
Kai |la' djrriXauvov, M/eubeic dp' aibe t* «i |la' dirriXauvov/ipeubaiv 
TuvaiKiüv ai |la' dTiriXauvov, ttuic b' fXeTOV aibe k. |la' d., ipeubri- 
TÖpoi hr\ |Li' aib' dTrrjXauvov. Alle diese Versuche sind vergeblich; 
das allein richtige ist 

fii/eubov aibe Kai )ui' dirrjXauvov böiiiiüv 

ibc ^KTÖC eiTic. 
Denn vpeubuic IXefOV ist offenbar nichts anderes als die Erklärung 
zu lipeubov, die, wie es scheint, besonders mit Eücksicht auf ibc 
eKTÖc eiTic beigeschrieben worden ist. Diese Verbesserung habe ichr 
nicht allein gemacht; sie ist bereits von Heimsoeth, der bekanntlich 
diese Methode der Textkritik vorzugsweise ausgebildet und verwer- 
thet hat, im Jahre 1867 veröffentlicht worden und doch hat keiner 
der neuesten Herausgeber sich entschliessen könnep die Emendation 
in den Text zu setzen. Es fehlt also ' das rechte Verständniss für 
die Evidenz einer solchen Aenderung. Gewiss zum Schaden der 
Textkritik, wenigstens der Tragiker. Denn gerade diese Methode 
bietet ein ausgezeichnetes Mittel den Text zu reinigen, ein unver- 
brauchtes Mittel, welches noch die schönsten Erfolge verspricht. 
Allerdings lässt sich oft nur erkennen, dass ein Glossem im Texte 
steht, ohne dass das ursprüngliche WoH mit Sicherheit bestimmt 
werden kann. Allein nicht selten ist der anföngliche Text mit voller 
Entschiedenheit herzustellen. Die Sicherheit freilich kann nicht 
durch besondere Regeln festgestellt werden, sondern muss aus dem 
festen Gefüge des Mqtrums, aus dem Sprachgebrauch des Dichters, 
aus der Beobachtung der Gewphnheit und Weise der Erklärer, aus 
dem Sinne und Zusanmienhange entnommen werden. Wir wollen 
dies an einem Beispiel zeigen. 

Ion 695 beklagt der Chor seine Herrin, die kinderlos bleibt, 
während. ihrem Gatten Xuthos unerwartet ein Sohn zu Theil gewor- 
den. Noch kennt Kreusa ihr Schicksal nicht und der Chor überlegt, 
ob er es ihr mittheilen soll: * 

cpiXai, TTÖTep' ^|Liqi beciToivqt 

tdbe Topüjc ^c oöc TeTU)vr|CO|Liev 

TTÖciv, dv & td iravT* äxovc ^Xiribiüv 

ILieTOXOC fjv xXdjiiüv; 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 313 

vOv h' ¥\ jLifev ?pp6i cu|Liq)opaTc, 8 b* euTuxei, 
iToXiöv eiCTrecoOca T^P^^» ttöcic b' 
dtieToc cpiXuiv. 

Nach gewöhnlichem Sprachgebrauch ist drieTOC q)iXiüV s. v. a. 
äcpiXoc cpiXiüV und heisst „ungeehrt voü Freunden, ohne Freunde"- 
Vergl. aqppaKTOC q)iXu)v, KttKOiv avaroc u. a. Diese Bedeutung ist 
hier unbrauchbar. Denn die Bemerkung, dassXuthos keine Freunde 
habe, würde, an und für sich unwahr oder vielmehr ohne jede Be- 
ziehung, in Widerspruch mit €UTUX€i stehen. Wollte man dTieTOC 
q)iXiJüV in aktivischem Sinne „nicht ehrend seine Freunde" nehiften, 
so müsste man cpiXuJV von der Verwandtschaft und vorzugsweise 
von der Gattin verstehen. Aber auch so würde der Gegensatz zu 
f\ |Liiv Ippei cu|LA(popaTc ttoXiöv eiCTrecoöca ff]pac fehlen. Was soll 
das heissen: „nun vergeht sie in Noth, während er glücklich ist, sie 
alt und grau geworden, der Gatte gleichgültig gegen seine Freunde". 
Der Hauptanstoss aber liegt in ttoXiöv eiCTrecoOca yfipac. In wiefern 
soll das Alter in Zusammenhang mit dem Unglück der Kreusa stehen? 
Würde diese unter anderen Umständen minder alt geworden sein? 
Gerade dieser Ausdruck ttoXiöv eicTrecoöca yfipac führt uns jiuf den 
richtigen Sinn der Stelle. Kreusa wird hier offenbar aus demselben 
Grunde beklagt wie V. 618 ctXXuic t€ rrjv cf|V aXoxov oiKTeipui, 
Trdtep, diraiba TTipdcKOUcav. Vergl. dazu V. 658 Kai ydp T^- 
vaTica Tfjv ejuriv ou ßouXo)Liai Xuireiv dTeKVov oucav auxöc €utu- 
xOüV, 789 ÖTOTOTOi* TÖ b' ejLiöv dxeKVöv areKVOV ^Xaßev (vielmehr 
^Xaxev) dpa ßioTOV, Suppl. 170 alc yfipac f^Kei iroXiöv eic 
d7raibiav,-966 xai vöv djüaic drcKVOC yTipdcKUJ bucTTivordTiüc, 
Alc. 735 diraibe iraiböc övtoc, ujcirep dHioi, T^IP^icKete, fr. 336, 
6 K ocoi te TilpdcKOuciv öpcpavoi leKVUJV. Demnach kann kein 
Zweifel sein, was zu drieTOC q)iXuüV gehöre und welche Beziehung 
darin liege. Es . ist eben ttöcic b ' ein Glossem zu dem darüber- 
stehenden 8 b' und dieses Glossem hat das ursprüngliche Wort 
TCKViüV verdrängt: 

vOv b' fi |Litv ?pp€rcu|Li(popaTc, 8 b^' euTuxei, 
TToXiöv eicTrecoöca ff\pac t^kvuüv 
diieTOC cpiXuJV. 

Jetzt haben wir in ttoXiöv ff\pac eicTrecoöca tckviüv (piXiüV dtieTOC 
den erforderlichen Gedanken diraic YTipdcKOUCCt. — Voraus (in V. 
695) fordert das Metrum statt becTTOiva einen creticus (= TtevGi- 
jLiouc). Das richtige ist offenbar 7rOTVi()t, wie bereits Heimsoeth 
emendirt hat. Vergl. V. 704 6 TTÖTViav ^HairacpiüV i}xäv. Ich 
möchte jedoch nicht behaupten, dass auch becTToivqi die Erklärung 
von TTDTVia sei. Beide Wörter konnten leicht unwillkürlich ver- 
wechselt werden. 

In ähnlicher Weise wie ttqcic b^ iJnter 8 b\ ist Iph. T. 465 



314 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

. . be£ai 9uciac, 
Sc 6 Ttap' fijiTv vöjLioc oux ociac 
"€XXtici bibouc dvaqpaivei 

unter fi|LiTv das Glossem "€XXtici in den Text gerathen und hat die 
Ergänzung bibouc nach sich gezogen, wie Bergk erkannt hat. — 
Angefüllt mit Glossemen ist der Text Hek. 72 

dTTOTT^jLnrojLiai ^vvuxov oipiv, 

TIV Ttepl TTttlbÖC ejLlOÖ TOÖ Clu20jLieV0U KttTO GplJKTlV 

djLiqpi TToXu^eiVTic re cpiXtic GuTarpöc bi' öveipiuv 
[eibov Ydp] qpoßepdv [öipiv f|Lia9ov] dbdriv. 

Härtung hat zuerst diese Glosseme ausgeschieden. — Hei. 184 ist 
das Glossem dveßöacev, das zu ?XaKev in V. 185 gehört, in stören- 
der Weise zwischen den Satz gerathen: ?v0ev oiKTpöv dveßöacev 
OjLiabov ^kXuov. — Or. 374 hat cod. A iraiböc Yp. GuTaxpöc. In 
cod. B ist GuyaTpöc in den vorhergehenden Vers gekommen und hat 
dort das Wort IkXuov verdrängt. — Sehr lehrreich ist die haijd- 
schriftliche Lesart in Hei. 189 

U7TÖ bfe TTerpiva jnüxaXa YÜaXa KXaTToTciv 

TTavöc dvaßo^ tomo^c. 

Dindorf hat |Li\JXCiXa T^aXa in T^aXa emendiert. Dieses jHiJXCiXa ist 
nicht aus jLHJXara, wie Cantör dafür geschrieben hat, sondern aXis 

der übergeschriebenen Erklärung Y^ciXa entstanden. Vergl. dazu 
meine Studien zuAeschyl. S. 137 und Philol. XXXI S. 727^). — Hier- 
nach' lässt sich eine Stelle verbessern, welche bisher aller Heilver- 
suche spottete. Tro. 353 erwidert Kassandra ihrer Mutter, welche 
deren Hochzeitsjubel bemitleidet: 

JLXflTep, TTUKtt^^e Kpäx' ^JLIÖV VlKTlCpOpOV 

KOI xoipc TOIC ^iLioTci ßaciXiKOic TOIMOIC 
Kai TrejLiTTe, kSv |Lifi idjud coi 7Tp60ujLid.Y' fj, 
üi9ei aiciac* ei fäQ ecTi Ao^iac, 
'€Xe'vTic YajLieT pÄ bucxep^CTepov YdjLiov 
6 Tujv 'Axctiujv KXeivöc 'ATaMe'jLxviuv ava£. 

Merkwürdig ist die Lesart der besten Handschriften lüGei aiciac und 
inerkwürdig die Variante geringerer Handschriften uj9ei ßiaiujc. In 
dem gänzlich sinnlosen uj9ei aiciac sind natürlich Spuren ursprüng- 



1) Wie sich ursprüngliche Textworte und nachträgliche Zusätze mit 
einander verbinden zeigt auch El. 641 

TTP. "ApYcr irap^CTai 6' ^v iröcei Ooivriv ^m. 

OP. Ti b' oi)\ ä|u' iln)p}xdLT' ^}xi] ^i\TY]p TTÖcei; 
Denn hier stammt tc6c€x offenbar aus dem folgenden Verse , während das 
mit TTÖcei unverträgliche ^v ein Rest des ursprünglichen Textes sein muss. 
Die Aenderongen ^ iröcei, cuv ttöcci, oöv iröcei verkennen also das wahre 
Sachverhältniss. Das richtige ist die Emendalion von Reiske ^v ßpaxet 
(nicht die andere ^v rdxei). Die Angabe der Zeit dient der äusseren 
Motivierung. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 315 

lieber Ueberlieferung vorhanden und ein Besserurigsversuch wie der 
von 0. Goram (Rh. Mus. XVJLLi S. 615) yilÖei ßiaiujc kann nicht 
als methodisch betrachtet werden, abgesehen davon dass damit kein 
irgendwie erträglicher Sinn gewonnen wird. Aber auch die andere 
Lesart uiGei ßiaiiuc sieht nicht wie reine Erfindung aus u^d muss 
in einer. befriedigenden Emendation ihre Erklärung finden. Von die- 
ser Seite empfehlen sich die Vorschläge von M." Schmidt (Philol. 
Vin S. 731) 6 6eT' deicac ei t^P oder 6 9ecTTiiuböc €i YOip am 
allerwenigsten. Zumal verlangt TrejLiTre eine nähere Bestimmung und 
€1 fäp ?CTi AoHiac giebt für sich einen vollständigen Sinn, ohne des 
ungeschickten und unpassend gestellten 6 9eT* deicac zu bedürfen. 
Mit den gewaltsamsten Aenderungen hat Härtung einen unnatür- 
lichen und höchst befremdenden Gedanken zu Stande gebracht: Kai 
TTe'jLiTre, köi jlx' fjv TdjLid coi 7Tp69u|Li' auf], uj0ei ßi(jf cu)c ei xdp ^cxi 
Ao^iac, was heissen soll: „entlass mich, und wenn mir die Neigung 
fehlt, stoss mich, mit Gewalt fort: wenn Apollo wirklich lebt u. s. w." 
Nauck bemerkt zu der Stelle nur „locus Oedipum exspectat". Die 
Lösung des Räthsels liegt in der Erkenntniss, dass der Impe- 
rativ uj9ei eine Erklärung zu dem Imperativ ne}Jine ist. Diese Er- 
kenntniss zusammengehalten mit" dem Sinne und den Spuren der 
Ueberlieferung leitet uns auf das Objekt zu TteiuiTe: in aiciac sind 
noch die Reste von (eüx)dc (ß)iaiac übrig, wäfirend die geringeren 
Handschriften nichts mehr als das Glossem uj9ei ßiaiujc erhalten 
haben. Denn in 

Kai TTeiLiTTe, kSv |Lifi TdjLid CGI 7Tpö9ujLid t' ^» 
euxdc ßiaiac ei jap ^cti Ao^iac kt^. 

ist TTeiLiTTe euxdc ßiaiac („entsende abgezwungene Wünsche", ßia 
cppevujv) ganz passend mit üj9ei ßiaiujc erkläi-t. In der Ueberliefe- 
rung uj9ei aiciac ist Erklärung und ursprünglicher Text wie in dem 
oben angeführten )LiuxctXa sozusagen zusammengewachsen. — Eine 
gleiche Corruptel findet sich " noch in der handschriftlichen Lesart 
einer anderen Stelle recht deutlich angezeigt. In dem bei Athe- 
naeus (p. 636 A) erhaltenen Bruchstücke des Tragikers Diogenes 
von Athen (fr. 1 p. 602 bei Nauck): 

KaiTOi kXuuj jxev 'Acidboc jiiiTpTiqpöpouc 
KußeXric YuvaiKac, Ttaibac öXßiujv OpuTUJV, 
. TUTidvoici Kai pö)Li7T0ici Kai xoXkoktuttujv 
ß6|Lißoic ßpejLioücac*dvTixepci KUjußdXujv 
cocpfjv 9eu)v ujLiviuböv iarpöv 9' ä|Lia 

bieten zwei Handschriften am Ende re ä)Lia fj Xuböv iarpöv re ä)Lia. 
An Stelle des unverständlichen co(pf|V hat Bergk ceßeiv, Nauck 
ipocpeiv vermuthet. Ein solcher Infin. ist unnöthig; von kXuuü hängt 
das Partie. ßpe|Lioucac ab (vergl. Krüger § 56, 7, l). Dagegen ist 
zu 9eu)V u)Liviuböv iarpöv 9' ä)Lia ein Substantiv, welches von ßpe- 
)Lioucac regiert wird (vergl. Bacch. 161 ßpejueiv lepd 7raiY|iiaTa), 



316 " N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

durchaus erforderlich. Nun erkenne ich in f\ Xuböv ein dem Sinne 
entsprechendes Substantiv: f| KeXabov. Das fj aber zeigt an, dass 
KcXabov eine Erklärung neben einer anderen ist und so löst sich das 
sinnlose coqpf|V auf in v|iö(p[ov.^x]^v, so dass die üeberlieferung 

auf folgende Gestalt des Textes hinweist: iix^v. Der ursprüng- 

liche Text lautet also • 

ßöjLißoic ßpeiLioucac dvTixcpci Kii|LißdXujv 
ilX^v Geujv ujuviüböv laxpöv 6' a|Lia. 

Mit Hülfe dieser Beobachtungen wird es möglich, manche Erschei- 
nung, die noch räthselhaft ist, zu erklären. Med. 207 bieten bes- 
sere Handschriften 

öeoKXiiTeT be t* abiKCt TraGoOca, 

d. h. OeoKXuTeT b' ?t' abiKa TraGoOca. Mit Recht hat Kirchhoff das 
an und für sich sinnlose ?t' im Text gelassen; denn die Kritik hat 
kein Eecht ein solches Wort auszuwerfen, bevor sie erklärt hat, 
woher es gekonamen. Wenn Hipp. 354 einige Handschriften ouk 
?t' avacxerd für ouk avacxerd bieten, so ist von selbst klar, wie 
er' entstanden. An unserer Stelle aber kann man dafür keinen 
Grund finden. Dasl^etrum ist tadellos, wenn es bloss OeoKXuTeT b* 
ctbiKtt TraOoöca heisst, während die Einfügung eines einsilbigen Wortes 
das Versmass verdirbt. Was ist also hier geschehen? Die Sache 
klärt sich auf, wenn wir ?t' als Rest eines Wortes betrachten, das 
durch cibiKa glossiert worden. Manchmal nun erhält ?T€poc bei 
eigenthümlicher Färbung des Ausdrucks die Bedeutung „schlimm, 
heillos" und nehmen wir an, es habe ursprünglich geheissen: 

GeoKXuTei b' erepa TraOoöca 
Tttv Ztivöc öpKiav 0ejLiiv, 

so bedeutet das eigentlich „sie ruft Themis an, dass ihr anderes 
widerfahren als geschworen worden"; der Sinn aber kann leicht und 

äbxKa 
passend mit fibiKa TraGoOca wiedergegeben werden. Von er epa 
blieb also ?t' dbiKa übrig. 

In gleicher Weise wird sich das T€ erklären, welches Ion 187 steht. 

dXXd Kttl TTapdr AoEia 

Tuj AaToöc bibu|Liujv xe Ttpoc- 

uiTTUJV KaXXicpapov cpujc 

In der Aldina ist das unnütze T€ einfach weggelassen. Indem man 
gewöhnlich ausserdem KttXXißXecpapov schreibt, wie Brodaeus KaXXi- 
cpapov trefflich verbessert hat, glaubt man mit der Stelle fertig zu 
sein. Aber jenes T€ verlangt seine Erklärung und ich finde sie in 
irpoc 
ILieTUüTTUüv (d. i. jueTUJTTUüv mit dem Glossem ttpociuttuüv): 



w 

N. Wecklein: Studien zu Euripides. 317 

dXXd Ktti TTapd AoHicjt 

TU) AttTOÖc bibu)Liu)v )neTa)- 

7TUJV KaXXißXeqpapov cpujc. 

Ein sehr deutliQhes Merkmal eines Glossems findet sich in der lieber- 
lieferung von Ion 1069 

QU YOip bOjLlUJV y' ^TdpOUC 

•apxovTttc dXXobaTTOuc 
COücd ttot' 8|LijLiaci cpaevvaTc 
dvexoix' äv auTaic 
d tOüv euTraxpiöav t^T^c' oikiuv. 

Das dem Metrum wie dem Sinne widersprechende ö|LijLiaci bietet der 
Palat., die andere Handschrift^ der Flor., hat öjLijLidTUJV Iv, wodurch 
Metrum und scheinbar auch der Sinn hergestellt ist. Aber aus die- 
ser einen Stelle lässt sich das anderweitig bekannte Verhältniss der 
beiden Handschriften erkennen. Der Pal. hat in öjLi)Liaci den ur- 
sprünglicheren Text, der Flor, eine metrische Correktur, wodurch 
auch nur das Metrum, nicht der Sinn in Ordnung kommt. Denn 
dv^X^cGai dv qpaevvmc auTöTc ist eine kaum mögliche Redensart; 
es gehört zu dv qpaevvaic auYaic ein von dvexoiTO abhängiges Par- 
ticipium. Das über aÜYaic stehende ö)Li)Liad aber giebt sich durch' 
das Fehlen des v eqpeXKUCTiKÖv augenscheinlich als Glossem von 
auTCtic zu erkennen. Vergl. Bekk. Anecd. p. 338, 14, wo äxXar 
öjLi)Lia. €upi7TibTic (fr. 1105 N.) wohl in auYtti* ö)Li)Lia zu verwan- 
deln ist. 

Das durch djLijLiaci verdrängte Wort kann nur ein einziges sein 
und wird durch die bekannte und gewöhnliche Eedensart dv 6qp0aX- 
|iioTc öpdv an die Hand gegeben: 

ZiÄcd ttot' elcopujc' dv cpaevVaic 

dvdxoix' äv auTOtic. 

Vergl. Theogn. 1110 Tic Kev xauT' dvdxöir' ecopujv. Die üeber- 
lieferung .stammt also aus einer Handschrift, in welcher geschrieben 
stand: 

Zujcd ttot' eicopüjc' ev cpaevvaTc 

Ö|Ll|LiaCl 

dvdxoir' av auTaic. 

In der einen Handschrift trat öjHjLiaci an die Stelle von eicopujc' dv, 
in der andern an die Stelle von eicopujc' und wurde hier dem Me- 
trum und Sinne zu Liebe in öjHjLidTiüV geändert. 

Dieselbe Art handschriftlicher üeberlieferung mit der gleichen 
Corruptel begegnet uns Suppl. 171 

dXGeiv V frXTicav ?£opoi Hevov Ttöba 
OeTvai jnöXic Ycpaid KivoOcai jueXri. 

So hat der Pal. von erster Hand. Der Flor, giebt dafür dXGew b' 
frXTicav beOpo Kai Edvov tröba OeTvai. Niemand wird zweifeln, dass 
ßopoi ursprünglich ist und dass beOpo Kai weiter nichts bedeutet 



818 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

als eine werthlose Nachbesserung, welclie zwischen den Infinitiven 
eX6eTv und 9eivai die Verbindung herstellen soll. Kirchhoff ver- 
muthet eX9eTv b' eiXticav ?£opoi v Hvi) noha 9eTcai. Allein damit 
ist das wahre Verhältniss von dXGeiv und 0€ivai nur verwischt: 
dX9eTv ist eine Ueberschrift über 9€Tvai und eine Paraphrase von 
9eTvai Tröba. Das absurde Hevov mba kann erst entstanden sein, 
als das zu Hvri gehörige ^v ff] durch 9€Tvai bei Seite geschoben 
war. Wir haben demnach zu schreiben: 

9eivai b' ?TXr|cav ßopoi ^Ivx} noba 
dv Tfl» liAÖXic T€paid Kivoöcai |Li€Xr|. 

Vergl. Hei. 75 ei bk |Lif| 'v £evri | Yaiqt ttöö' eixov. 
Handgreiflich ist das Glossem auch Hipp. 525 

"Gpujc ^€pujc, 8 Kar' 6)LijLidTUJV 
CTdCeic 7t69ov, eicdYOJV T^^KcTav 
ipuXciTc X&QW oöc e7TiCTpaTeijcr|. 

Mit Unrecht hat man dieser einzigen Stelle den Gebrauch von 8 für 
8c bei den Tragikern zugestanden. Vergl. Nauck Eur. St. 11 S. 22. 
Man hätte beachten sollen, dass die beste Handschrift A ßcTic 
.CTdCeic für crdCeic bietet. Dies führt auf 

"GpUJC "GpiUC 6 KttT' Ö|LljLldTUJV 
6CTIC CTd2€lC 

CT&lijJv 7t69ov, eicdYUJV T^UKcTav Kid. 

Der Nominativ mit dem Artikel als Apposition beim Vocat. ist eine 
gewöhnliche Erscheinung (vergl. Krüger I § 45, 2, 7), die übrigens 
immerhin die Erklärung 8cTic craleic veranlasst haben mag. 

Wir haben oben an Hec. 76 gesehen, wie die Erklärung neben 
dem erklärten Worte, f jLia9ov neben dbdr|V, im Texte steht. Ebenso 

• Hec. 911 KaTTVOÖ neben ai9dXou. Den gleichen Fall finden wir 
Heracl. 784 

becTTOiva, jLiu9ouc coi t€ KaXXicTOuc qpepw 

KXlieiV d|Ll0i T€ Ttjjbe CUVTOjHUJTdTOllC. 

• Es ist klar und längst ei^kannt worden , dass dem KaXXiCTOUC kXu€IV 
entsprechen muss cuvTOjHujTdTOUC XeY€iv. Es ist aber umichtig, 
wenn man kXuciv ejuoi re cuVTOjuujTdTOuc Xctciv schreibt; denn wie 
soll Ttube in den Text gekommen sein? Offenbar ist djnoi als Er- 
klärung von Ttube aus dem Text zu entfernen und an dessen Stelle 
das durch das Glossem verdrängte Wort zu setzen: 

becTTOiva, |li\j9ouc coi xe KaXXiCTOuc qpepw 
kXu€iv XeTCiv re Ttube cuvTO|LiujTdTouc. 

Nur in gewisser Beziehung gehört hieher Androm. 1222 . 

OUK^t' ?CTl |L101 TTÖXlC, 

CKTiTTTpd t' dppeTU) rdbe, 

cü t' u) Kar' dvTpa vuxict Nripeiuc KÖpri 

7Tavu)X€9pov |Li' övpeai mTVOVTa. 



N. Wecklein: Studien zu Euripidea. 319 

Schon Hermann hat gesehen, dass vuxia hier nicht am Platze ist. 
Warum sollen die Grotten im Meere als nächtliche bezeichnet wer- 
den? Hermann hat (wie Aesch. Pers. 952) inuxia vermuthet. Diese 
Verwandlung von vuxioc in |Liuxioc wird Med. 211 noth wendig seinj» 
wie ich in der Anm. z. d. St. bemerkt habe; hier aber genügt iLiiix^^ 
nicht, weil sich daraus das Glossem ßuGia, welchös in einer ^uten 
Handschrift über vuxia steht, in einer anderen als Variante am 
Eande beigeschrieben ist, nicht erklärt. Dieses Glossem gehört nicht 
zu inöxia, sondern zu ßpuxia: 

cü t' lö^xar' ävxpa ßpuxioi Nripeiuc KÖprj. 

Nur in einigen Handschriften scheint aClso das Glossem das ursprüng- 
liche Wort verdrängt zu haben, während die andere Lesart vuxia 
von einfacher Verschreibung herrührt. 
Aus Phoen. 1526 

juarpöc i\xäc iv bibujLioi- 

ci Ytt^ciKTOc Ttapa juacroTc 

ist das ungehörige ^v, eine erklärende Ueberschrift über Trapd, 
längst entfernt worden. Dasselbe Glossem steht noch neben d|Liqpi 
im Text Hei. 179 

Kuavoeibfec djLiqp' öbiup 

?Tuxov ^XiKtt t' dvd x^öav 

qpoiviKac dXiou TrdTrXouc 

auTttTciv dv raic xp^ceaic 

GdXTTOuc' djLicpi t' iv bovaKOC ?pv€Civ. 

Als im letzten V. dv neben djLicpi in den Text gerathen, wurde in 
gewöhnlicher Weise zur Vermeidung des Hiatus t', welches hier gar 
nicht am Platze ist, eingefügt. Wir erhalten 

OdXTTOuc' djLiqpi bövaKOC ?pveciv. 

ZuftlUig ist der entsprechende V. der Strophe in gleicher Weise ver- 
dorben (gerade so wie die respondierenden Verse Suppl. 999 u. 1022). 
Dort heisst es: 

Zeipfivec, €10' djuoTc yöoic 

IliöXoit' ?xo^cai töv Aißuv 

XuJTÖv f\ cupiYTCic, alXivoic KttKoTc 

Toic Ijioici cuvox« bdKpua, 

TidGeci 7rd0€a, juAeci jiidXea. 

Hier ist aiXivoc in einer Bedeutung gebraucht, welche dem Worte 
fremd scheint (^,bejammemswerth"). Zudem muss im Dativ ein 
Wort stehen, welches mit bdKpua synonym ist (bdKpuci cüvcx« 
bdKpua, TrdGeci irdGea, judXeci jueXea). Dieser Bemerkung wider- 
spricht die Aenderung von Nauck aiXivov, KaKoTc, die auch von 
Kirchhoff aufgenommen worden ist. Das dem bdKpua entsprechende 
Wort ist offenbar aiXivoic („Weheklagen") und KaKOic ist nichts 
weiter als eine nicht sehr passende Erklärung zu aiXivoic. Eine 
Bestätigung für beide Aenderungen liegt darin, dass sich kaum auf 



320 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

■ 

eine andere Weise die Responsion herstellen lässt. Jetzt entsprechen 
sich die beiden Verse 

171 XiUTÖv f| ciipiTTCtc, aiXivoic 

183 9dX7TOUC' djLlCpl bÖVttKOC ?pv€civ 

ebenso wie vorher V. 168 7Tap0^voi xOovöc KÖpai u.V.* 180 ?tuxov 
?XiKd t' avd X^ociv, und die ganze Stelle ist in Ordnung. 

Die eben behandelte Stelle enthält ein Zeugniss für die ähn- 
liche Beschaffenheit einer anderen Hei. 364 

xd b' djud biüpa KuTTpiboc ^leKe . 

TToXu jLifev atjLia, ttoXu bk bdKpuov, dxed t' axeci, 

bdKpua bdKpuciv fXaße irdGea,. 

ILiarepec xe Ttaibac diXecav Kxd. 

Hier ist f Xaße ein Zusatz, welcher die Construction erklären soll ; es 
muss wie in der angeführten Stelle heissen: 

bdKpua bdKpuci, 7Td0€ci TrdGea. 

Derartige stützende Zusätze finden sich öfters wie KttG^Houca in Suppl. 
1002 TTUpöc cpOüc KaGe^ouca xdqppv xe ßaxeucouca xöv auxov oder 
f^Hui ebd. 1022. Noch unangefochten steht ein solcher Zusatz Or. 
1303 

qpov€\jex€ Kttivexe öXXuxe 

biTTXuxa bicxojLia (pdcjava irejUTrexe 

eK x^pöc ie|Lievoi 

xdv XiTTOTrdxopa XnrÖYajLiov xe. 

Denn dass. das bei WjLievoi sehr überflüssige 7Te|ii7Tex€ nur ein 
nachträglicher Zusatz ist, der den Acc. cpdcYOtva regieren soll, 
damit lejLievoi zu xdv XiTTOTrdxopa genommen werden könne, beweist 
das Fehlen des Wortes in mehreren guten Handschriften. Die beste 
Handsißhrift ^ebt Tre'jLnrexe TP- ^ai Oefvexe. Man begreift jetzt diese 
sonderbare Variante: entweder wollte inan qpdcxava TtejUTrexe ^^— 
ie|Lievoi xdv XiTTOTrdxopa oder (pdcjava leinevoi — Geivexe xdv XiTTO- 
Trdxopa. In 

cpoveuexe Kaivexe öXXuxe 

biTTXuxa bicxo|iia qpdcTOiva 

Ik x^pöc id|Lievoi 

xdv XiTTOTTdxopa XiTTÖTdjuöv xe 

wird der Acc. xdv XmoTTdxopa von cpoveuexe — ÖXXuxe abhängig 
zu machen, nicht etwa der doppelte Acc. auf lejLievoi zu beziehen sein. 
In Tro. 153 

'€KdßTi, XI Öpoeic; xl bk. 9ujucceic; 
TTOi XÖTOC fiKei; bid ydp )LieXd6pujv 
diov oiKXOuc oöc oiKxi2!ei. 

ist TToT XÖTOC f^Kei; ganz impassend, denn der Chor fragt nach dem 
Grunde der. Klage, während ttoT Xötoc fiKei die Klage eher als eine 
unbegründete hinstellt. Ueberhaupt ist ims ttoi Xöyoc fiKei („wo- 



\ 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 321 

hin ist deine Eede gedrungen?") nur dann recht verständlich, wenn 
wir es als eine Interpolation betrachten, die dem ungeschickt 
aufgefassten bxä faß jueXdGpwv ciiov eine Beziehung geben sollte. Mit 

'€KdßTi, Ti OpoeTc; ti be 9ujucceic; 
hiä fäp jLieXctOpujv ciiov otKiouc 
oöc oxKiilex, 

giebt der Chor in gewöhnlicher Weise den Anlass seines Auftretens 
an. Dass ttoT Xöyoc tikci in zwei Handschriften fehlt, ist nur zu- 
fällig, da diese auch die Silben fiiov oiK auslassen. 

Nicht verschieden hiervon ist die Einsetzung von xfe, welches 
für die Verbindung von Wörtern nöthig schien. Suppl. 998 YdjUUüV 
Tujv e|iiujv . . Kai YajueTa xo^^<€OTeuxoöc xe KaTiaveuüc wird ein 
solches T€ schon durch das Metrum als Interpolation erwiesen. Ebd. 
238 

TpeTc Tdp TToXiTujv |Liepib€C' oi jixev öXßioi 
dvujqpeXeic re rrXeiövwv t' dpujc' dei. 
Ol b' ouK ?xovTec Ktti CTTaviZiovTec ßiou, 
beivoi v^jLiovTec riu qp96viu TiXeiov |i^poc 
€ic Touc ?xovTac KevTp' dqpidciv KttKd ktL 

hat eine solche Interpolation den Sinn verkehrt. Denn dviuqpeXeTc 
T€ gehört nicht zum Prädikat, sondern enthält eine nähere Bestim- 
mung zu ciXßioi. Es muss also heissen: 

ot iLifev ÖXßlOl 
dviuqpeXeTc xe TrXeiövuuv dpujc' dei. 

Ebenso unnütz erscheint Herc. f. 833 

dXX' d\ dxeTKXov cuXXaßoöca Kapbiav, 
NuKXÖc KeXaivfic dvujiicvaie TtapG^ve, 
jLxaviac x' dir' dvbpi xujbe Kai TraiboKXÖvouc 
qppevujv xapaYjLiouc Kai TTobujv CKipxrmaxa 
iiavve Kivei 

das x' nach jLxaviac; denn jLxaviai, TraiboKxovoi qppevAv xapaT)iAOi 
und TTobuJV CKipxrjjLiaxa sind nicht gesonderte Begriffe („nicht nur, 
sondern auch"), sondern Dinge die aus einander hervorgehen („Wahn- 
sinn und damit u. s. w."). Das x' scheint seinen Ursprung einer 
beabsichtigten Verbindung von ela und f Xauve Kivei zu verdanken. 

Wir sind vielleicht jetzt im Stande einige Stellen in Ordnung 
zu bringen, an deren Heilung man bisher bald verzweifeln musste. 
Or. 496 bietet die beste Handschrift nebst einer geringeren 

inei fäp iHnvevcev 'ATajLiejLxvuuv ßiov 
TrXTiYeic xfjc ipf\c OuYaxpöc uirfep Kdpa, 
aicxicxov ?pTov QU ydp aiv^cuj Ttoxe* \czL 

Die übrigen Handschriften haben Ouifaxpöc xfic djaflc. Damit ist das 
Versmass, nicht aber die Hand des Dichters hergestellt. Abgesehen 
davon, dass die Umstellung sich als nachträgliche Correktur zu er- 

Jahrb. f. class. PhUol. Suppl. Bd. vn. Hft. 3. 21 



322 N. Wecklein: Studien zu Euripidea. 

kennen giebt, könnte es nur 7tXtit€IC utto, Ttpöc oder ^k Tflc ^^f]C 
OuTarpöc heissen wie z. B. Iph. T. 552 Ik YUvaiKÖc oTx€Tai cqpaTeic 
Von den Beispielen, welche bei Krüger II § 47, 10, 1 für einen 
solchen Gebrauch des Gen. angeführt werden, sind zwei Soph. PhiL 
3 KpaiiCTou TtaTpöc Tp^cpeic, welches nach Analogie von T^T^c, 
cpiic gebraucht ist, und Eur. El. 123, wo man bereits cqxrfeic in 
ccpaYOiTc emendiert hat, abzusondern und es bleibt nur unsere Stelle 
übrig, für die sich kein entsprechendes Beispiel nachweisen lässt. 
Man könnte glauben, dass die schwankende Stellung von GuYCtTpdc 
dieses Wort als Glossem von Ttaiböc kennzeichne, gerade so wie 
ebd. 967 die übergeschriebene Erklärung Tiuv 'ATpeibuJV in einigen 
Handschriften vor, in anderen hinter TTrjjLiaT' oiKiuv in den Text ge- 
kommen ist. Darnach könnte man ttXtitcxici Ttaiböc rfic i\Jif\c uir^p 
KOtpa vermuthen. Allein wenn man beachtet, dass hier nicht Tf]C 
IjLiflc GuYaipöc, sondern Y^vaiKÖc der richtige Ausdruck ist wie in 
der a. St. Iph. T. 552, um das Schändliche der That (atcxiCTOV 
?PY>)v) zu bezeichnen; wenn man femer bedenkt, dass 7tXtit€IC uirfep 
KCtpa, wofür Hermann ttX. inrai Kdpa verlangte, nicht auf den Ge- 
brauch des Beiles hinweist, sondern auf das Ueberstürzen des Trug- 
netzes, wodurch die Schändlichkeit des Werkes ganz besonders her- 
vorgehoben wird, dann dürfte man sich überzeugen, dass das un- 
metrische TTic i}JLf\c GuTCiTpöc eine Erklärung zu Y^vaiKOC ist und 
ausser diesem Worte noch das bezeichnende biKTiJOic verdrängt hat: 

Tf^c ^iJLf{C Guyarpöc 
TiXriYeic T^vaiKÖc biKtuoic utt^p Kdpa. 

Mit dem Gebrauche von TiXtixeic vergl. den Gebrauch von d)LnTXT]C- 

C€IV (2pK€l, TttCpptu). 

Ion 595 schildert Ion seinem Vater im Namen des Dichters 
die Gefabren und Widerwärtigkeiten der Staatslaufbahn: 

F|V b* eic TÖ TTpUJTOV TTÖXeOC 6pjLlT10€lC Ivfov 

lr]T6j TIC eivaij täv infev dbuvdruiv ötto 
)LiiCTic6)Liec6a* Xuirpd fäp rd Kpeiccova. 
öcoi be xp^cToi buvdjLievoi t' eivai coqpoi 

ClYUJCl KOU C7T€UbOUClV EIC id TTpdYJLiaTa, 

TeXuJT' ^v aiiToTc juujpiav xe Xr|VjJOjLiai 600 
oux ficuxdZujv ev TtöXei cpößou TtXda. 
Tujv b' aS XoTiuiv re xpwJM€VU)v t€ xf) ttöXci 
eic dHiujjLia ßdc TrXeov qppoupr|cojLiai 
vprjcpoiciv. 

In V. 602 hat Matthiae tujv b' ev Xöyuj xe, Badham tujv b' au 
coqpüjv Te, ich selbst früher tujv b' dv jlXex Te vermuthet. Hie- 
von ist TUJV b' au coqpujv Te nach V. 598 unrichtig; die beiden 
anderen Vermuthungen können schon desshalb keine rechte Geltung 
haben, weil das passende aüi wegfäUt; auch wird es schwer sein die 
Entstehung der handschriftlichen Lesart daraus zu erklären. Dem 



N. Wecklein: Studien zu Euripidee, 323 

Ausdruck tiüV — XP^M^vuJV re Trj TtöXei entspricht nachher o*i xdc 
TToXeic ?xo^ci KdHiu)|LiaTa und da d\ xdc TtöXeic f xo^ci dem XP^M^- 
vuiV TT) TTÖXei gleichsteht, so wird vorher eine Bezeichnung in der 
Bedeutung von o'i ^xo^^^ dHia)|LiaTa gestanden haben. Das corrupte 
XoYiuiv halte ich nun für einen Rest von eXXoYijLiiuv und betrachte 
dieses als Erklärung von boKOUVTUüv: 

Tujv b' au boKOuvTiuv xpwJ|Li^vu)v re tx} TtöXei. 

Vergl. Hec. 294 Xoyoc ydp ?k t' dboHouvTUJV iubv kuk tuüv boKOu\^ 
Tiuv auTÖc QU xauTÖv c6€V€i, Tro. 612 opuj rd tiüv Geujv, ibc rd 
jLxfev TTOpYOÖc' dvu) rd ^r]bkv övra, rd bk boKoOvT* dTTiiXecav. Hier- 
nach bedeutet tujv boKOuvTUJV s. v. a. tujv dxövTWV dHiiujLiaTa. 
Ein Glossem ist durch die ßesponsion angezeigt Ale. 220 

(bva^ TTaidv, 

ßeupe iLiTixavdv tiv' 'AbjurJTUJ KttKujv, 

TTÖpiZe bf) TTOpiZe' Kai irdpoc ydp 

Toub' ^cpeöpec, Kai vOv 

XuTripioc ^K GavdTOu t^voö. 

Der Vers ToOb' dqpeöpec Kai vOv entspricht nicht dem antistrophi- 
schen durchaus unverdächtigen Vers XÖiuv, rdv dpicrav. Niemand 
wird vermögen durch Buchstabenänderung die ßesponsion herzustel- 
len. Augenscheinlich ist ToOb ' dqpeOpec zu einem allgemeinen Aus- 
druck, der kaum ein anderer als toioötoc oder TOiöcbe gewesen 
sein kann in der Bedeutung, in welcher z. B. El. 645 TOiaÖTa be- 
stätigend steht nach uttotttoc ouca YiTViöcKei TtöXei oder Aesch. 
Ag. 1360 Kayu) toioOtöc ei)Lii mit Beziehung auf die Worte des 
anderen Greises ouk oTba ßouXflc fjcTivoc tuxujv Xct^ ' toö bpÄVTOC 
dcTi Kai TÖ ßouXeöcai Ttepi und in welcher es passend mit ToObe 
(9avdT0u) dqpeöpec (jurixavdv) erklärt werden konnte. Die ßespon- 
sion schliesst toioOtoc aus, so dass zu schreiben ist: 

Kai Trdpoc fäp 

TOiöcbe Kai vöv 

XiiTrjpioc CK 9avdTou t^voO. 

Einen sprechenden Beweis, wie nothwendig die Aufmerksamkeit 
auf Glosseme ist, liefert die Stelle El. 162 

QU jLiiTpaici Y^vrj ce 
bilaj* oub' im crecpavoic, 
Hiqpeci b' djLicpiTOjLioic Xuypdv 
AiTicGou Xu)ßav 9e|Lidva 
böXiov fcxev dKoirav. 

Da von vornherein niemand ahnt, dass AIticOou aus einem anderen 
Wort verdorben sein könne, so sucht man diesem hier absurden 
Wort durch die gewaltsamsten Erklärungen einen Sinn abzugewinnen. 
Heath z. B. erklärte: exitialem Aegisthi iniuriam approbans oder 
ratam habens, Beiske: sed luctuosa calamitate per Aegisthum per- 
fecta. Was XuYpdv XiOßav 9e)Li^va heisst und nur heissen kann 

21* 



324 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 



\ 



(XuTpuJC XujßTica|LieVTi), ist klar. Es gehört also zu Xiüßav Ocju^vn 
ein Gen., der den Agamemnon bezeichnet. AtYicGou kann also nur 
von einem Glossem AiYicGov herrühren, welches böXiov dKOixav er- 

coO 
klärte. Auch hier scheint AiTicGou aus der Verbindung von A?Tic9ov 
entstanden zu sein. Denn der Sinn verlangt: 

coö, TTOiTep, Xiößav 9€|Li€va. 

Die freie Responsion mit x^pa T€ Kpär' em KOijpijLiov bei verschie- 
dener Stellung des Choriambus ist die gleiche wie bei V. 146 und 
163 und bei V. 173 und 196. Vergl. Dindorfs Bemerkung in den 
Jahrb. 1868 S. 407. 

In der stark beschädigten Stelle Tro. 1244 

el b* fjiLiäc 9eöc 
?CTpevjJ€ Tcivu) TiepißaXujv Kdiu) xOovöc, 
dqpaveic äv övrec ouk äv ujLXVTi9ei|Liev civ 
ILioucaic doibdc böviec doiboTc ßpoTUJV. 

hat Nauck jnoucaic doibdc bövrec dqp9iT0UC ßpOTUJV in den Text 
gesetzt und daneben )Lioucaic doibdc evbiboviec dqp9iT0UC vermuthet. 
Dabei ist gerade dasjenige Wort im Text gelassen, welches offenbar 
durch sein Eindringen die ganze Verwirrung hervorgerufen hat 
Denn da entweder doibdc oder doiboTc entfernt werden muss, so 
kann kein Zweifel sein, dass doibdc als Erklärung von jLioucac 
oder jLioOcav zu betrachten ist. Vergl. Ale. 453 Toiav iXmec 
9avoöca juioXirdv laeXeiuv doiboic. Natürlich wurde der Dativ jliou- 
caic corrigiert, als doibdc in den Text eingefügt war. Wir erhalten 
hiefür eine Bestätigung aus dem cod. Palat. Dieser giebt nämlich 
ucTepav ßpoTUJV für doiboTc ßpoTUJV. Dieses ucxepav darf um so 
weniger als eine willkürliche Interpolation angesehen werden, als 
kein Wort vorhanden ist, worauf es sich beziehen könnte. Wir 
müssen ucrepav für ursprünglich halten und daraus auf ein ur- 
sprüngliches jLioöcav schliessen. Ich bemerke dazu, dass uns für 
die Troades die beste Handschrift fehlt. Eine weitere Bestätigung 
liegt darin, dass zwei bessere Handschriften bibövrec für bövxec 
haben. Auch diese Lesart muss gerade desshalb als ursprünglich 
gelten, weil sie in der Ueberlieferung das Versmass stört. Sie ist 
unbrauchbar nach )Lioucaic doibdc, an ihrer Stelle aber nach inoöcav. 
Wenn wir demnach zusammennehmen, was wir als gute Ueberliefe- 
rung erkannt haben, so gewinnen wir: 

jLioOcav bibovxec ucrepav doiboic ßpoTUJV, 

was sich von selbst verbessert in 

ILioOcav bibövrec ucrepav ibboTc ßporujv. 

Vergl. Suppl. 1224 '€7riT0V0i b' dv' '€XXdba KXTi9^vrec ibbdc ucr^- 
poici 9ricere. — Im vorhergehenden ist fcrpeipe rdvu) sinnlos und 
spätere Interpolation. Die Ueberlieferung lautet: 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 325 

dqpaveic äv övrec TrepißaXibv Kaxw xOovoc 
dqpaveic äv övrec ouk Sv ujuvriGTijLiev äv 

denn so giebt B und so stand auch im Originale von C, da in dieser 
Handschrift der erste Vers augenscheinlich bloss wegen des gleichen 
Anfangs weggeblieben ist. Den Interpolator erinnerte der Ausdruck 
TrepißaXuiV kcxtiü x^ovoc an die Eedensart Ävw KCtTiü CTpeqpeiv, 
welche nur hier, wo nicht von Verwirrung und buntem Durcheinan- 
der, sondern von gänzlicher Vernichtung die Eede ist, nicht am Platze 
sein kann. Vielleicht hat das Glossem dqpaveic über diCTOiiC den 
Anlass zu der Dittographie geboten; wenigstens würde der Inter- 
polator besser geschrieben haben: 

ei b' fiiLiäc 6€Öc 
^Gtik' dicTOiic 7T€pißaXu)v Kdriü xöovoc, 
dqpaveic äv övxec kt^. — 

Wir haben oben ein Beispiel kennen gelernt, wo eine über- 
geschriebene Erklärung in den vorausgehenden Vers gerathen ist und 
dort ein Wort verdrängt hat. Diese Beobachtung schafft Ordnung 
in der Verwirrung von Suppl. 838 

ILidXXuJV c' epuJTdv, fjViK* e^rjvrXeic CTpariu 
TÖouc dqprjcu), touc dKei jLxfev dKXnruJv 
eiaca ]uij9oiiC* vöv b' "AbpacTov IcTOpuj. 

Nauck will CTpaitu und dqprjciu . . ^kXittujv tilgen, so dass 

ILieXXwv c' ^puüTäv, tivik' ^HrjvrXeic töouc, 
eiaca )iu9ouc* 

übrig bleibt. Wenn nur ein Grund wäre so mit der Ueberlieferung 
zu schalten! Wir haben hier weiter nichts als die Dittographie 
eiaca jliuGouc und jliij9ouc dqprjcuj im Text. Das über )liu9ouc 
stehende dqpr|CUi hat die Stelle eines Wortes wie crevaKTOUC ein- 
genommen; 

)LieXXuJv c' IptüTdv, tivik' dHrjViXeic CTpaiiu 
YÖouc <CTevaKTOuc>, touc ^kcT \xkv ^kXittujv 
eiaca |iiu9ouc* vöv b' "AbpacTov iCTOpui. 

Vergebliche Mühe ist auch an einem anderen Glosseme ver- 
schwendet worden, Iph. T. 1117 

2!tiXoöc' öiav bid Ttav- 
TÖc bucbai)iov'' ev fäp dvdyKaic 
QU Kd)Livei cuvTpoqpoc u)V 
laeraßdXXei bucbaijuovia. 

Kd)Livei für Kd)Liveic hat Eeiske hergestellt; das c rührt nur von dem 
Anfang von cüvTpoqpoc her; jueTaßdXXei aber, wofür man jLieraßdX- 
Xeiv, iLieTaßdXXuJV, öv ßdXXei, toI irdXai, dXXdccuJV vermuthet hat, 
ist nichts anderes als eine dem Sinne entnommene Beischrift zu ou 
Kd|iivei (ou iLiexaßdXXei). Der Gedanke verlangt einen Ausdruck 
wie eH dpxdc (= Xi|iivav 9' ei- vergl. V. 203): 



326 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

ev TCip dvciTKaic 
oü Kd)Livei, cuvxpocpoc luv 
<eH dpxac> bucbai|Liovi(jt. 

Vergl. Herc. f. 1291 KeKXTi)Lieviu be cpiüTi inaKapiiw TTOxe ai inera- 
ßoXai XuTTTipov & b' dei KttKuic lex', oubtv dXyei ciiYT^vujc bucxti- 

VOC UJV. 

Leicht kenntlich ist das Glossem Androm. 321 

eÖKXeia b' oic lafev ?cx' dXTi9eiac ötto, 
eiibaijLiovi2!uj' xoüc b' uttö vpeubujv ^x^iv 
ouK d^iiücu) TrXfjV xuxq qppoveiv boKeiv. 

ünasonst hat man sich bemüht für den Infin. ^X^iv eine Beziehung 
zu finden. Verständlich wäre xouc b' uttö ipeubOüV exovxac; es muss 
also ^X^^^ von einem Worte abhängig sein, welches unter uttö i|i€U- 
büJV verloren gegangen; uttö vpeubujv wurde übergeschrieben, 
um zu dXriGeiac ötto einen entsprechenden Ausdruck zu 
haben. Ich kann das ursprüngliche Wort nicht bestimmen; nur 
Beispiels halber sei xouc be TrXacajuevouc fx^iv aufgeführt. 

Der Zusatz eines Glossators stört den Zusammenhang Heracl. 181 

dvaE, uTTdpx€i lafev xöb* ev xq cf) xöovi 
eiTieTv dKOucai x' ev jii^pei irdpecxi juci 
Koiibeic )Li' dTiOücei 7Tp6c9ev ujcirep dXXoGev. 
fiiLiiv be Kai xtub' oubev ecxiv ^v jueciu. 

Hier ist irdpecxi jLioi nur ein anderer Ausdruck für UTtdpxei. 
Der Infinitiv eiireiv dKOucai xe ist nähere Bestimmung zu xöbe. 

Eine dem Metrum entsprechende Aenderung scheint das Glos- 
sem Herc. f. 177 erfahren zu haben. Dem Lykos gegenüber, wel- 
cher über die gepriesene Tapferkeit des Herakles verächtlich ge- 
sprochen, beruft sich Amphitryon auf die Götter und die verschiede- 
nen Wesen, welche die Kraft und den Muth des Herakles kennen 
zu lernen Gelegenheit hatten. Er sagt: 

CUV iLidpxuciv Oeoic bei |li' diraXXdEai ce9ev. 
Aiöc Kepauvöv b' t^p6)litiv xeGpiTTTtd xe, 
ev oTc ßeßriKUic . . inexd 9euiv eKiu)Liace. 
xexpacKeX^c 9' ußpicjua, Kevxaupujv jevoc, 
OoXÖTiv ^TTeXGiOv, (b KdKicxe ßaciX^ujv, 
Ipou XIV ' fivbp' apicxov dTKpivaiev dv kx^. 

Unmöglich kann hier das praeteritum TipöjUTiv richtig sein; nur ein 
Imperativ wie nachher epou entspricht dem Sinne. Lykos soll hin- 
gehen und sich erkundigen, wenn er es nicht glaubt oder nicht 
weiss , wie tapfer Herakles . gewesen. Für den Gedanken wie für 
das Metrum eignet sich kaum ein anderes Verbum als icxöpei, wel- 
ches zuerst mit ^pou glossiert worden zu sein scheint. Das Vers- 
mass hatte die Aenderung von dpou in TipöjUTiv zur Folge. Es wird 
also geheissen haben: 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 327 

CUV iLidpTUCiv 9€oTc bei )li' (XTraXXdHai dOev 
Aiöc Kepauvov b' icxöpei TeGpiTTTid t€. 

Ein bedeutender Schaden ist durch die Ueberschrift eines Er- 
klärers Androm. 648 verursacht worden. Die Ueberlieferung lautet: 

alcxpd juev cauiuj XeT€ic, 
fljLiTv b' övdbx] biet Y^vaiKtt ßdpßapov; 
fiv xpflv c' dXauveiv Trjvb' uirfep NeiXou ^odc 
uTtep xe 0äciv Kd|Lie TrapaKaXeiv dei. 

Manche vertheidigen fiv — Trjvbe, soNauck Eur. St. II S. 189, der 
mit den Erklärern von Soph. Trach. 137 (vergl. Bemhardy Synt. p. 
278) auf folgende drei Stellen verweist: 

Androm. 1115 d)V KXuTai)LivricTpac tokoc 

elc fjv dirdviiüv Tujvbe jLiTixavoppdqpoc. 

Iph. A. 155 ccppttTiba cpuXacc' i^v im beXiiw 

Trjvbe KO|LiiZ!eic. 

Soph. Trach. 137 d Kai ce rdv dvaccav eXtriciv XeYU) 

xdb' alev Tcxeiv. 

An der ersten dieser Stellen ist xujvbe durch den Zusatz dTrdvxiüv 
veranlasst; aai der zweiten hat das Pronomen lokale Bedeutung 
(„welchen du an der Hand hier trägst"); ebenso passend ist xdbe 
an der dritten Stelle, wo es nachdrücklich auf die eben vorgetra- 
genen Erfahrungen hinweist. Eine so passende Bedeutung hat xrjvbe 
in Tiv XPflv c' ^Xauveiv xrjvbe nicht. Gewiss mit Recht haben darum 
die meisten Kritiker eine Corruptel angenommen. Die verschiedenen 
Besserungsvorschläge fj XPflv (Porson), xfiX' für xrjvb' (Reiske), öv 
Xpfjv ^Xauveiv (L. Dindorf), xfjV uir^p (W. Dindorf), kSv UTtep (G. 
Hermann), bflG' UTifep (Pix), ou XPflv — dei; (Geel) können an und 
für sich nicht sonderlich befriedigen und müssen als ungenügend 
gelten, da sie eine weitere Schwierigkeit der Stelle nicht beseitigen. 
Diese liegt in dem Zusatz Kd)Lie TiapaKaXeTv dei. Worauf soll ich 
dei (, jedesmal") beziehen? Allerdings haben Geel, Hermann, Här- 
tung dei durch Aenderung entfernen wollen (KdjLie TtapaKaXeTv ebei, 
Kd)Lie xoöxo TrapaKaXeiv, Kdiri TiapaKaXeTv ejiie); allein abgesehen 
davon, dass diese Aenderungen nichts überzeugendes haben, fordert 
eine richtige Methode den Fehler zuerst an der Stelle zu suchen, 
welche sich bereits als schadhaft erwiesen hat. Wenn wir nun einer- 
seits den Gedanken Kdjue TrapaKaXeiv dei ins Auge fassen, andrer- 
seits uns an die häufige Verwechslung von xf]v und ytiv erinnern^). 



1) Auch Rhes. 434 

^irel 6' ^Trepca, xOöv6' öjuripeOcac rdicva, 
TdHac ^T€iov 6ac|Li6v eic 6Ö|liouc qp^peiv 

hat die gleiche Verwechslung den Text verdorben: lirepca entbehrt des 
Objekts und xtlivöe ist ungeschickt. Es muss heissen: 

^TTcl ö' Ixrepca xfjv, öjuiiipeOcac T^Kva kt^. 



328 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

so werden wir auf die bekannte^) Eedensart Tflv Tipö ff]C dXauveiv 
geführt. Setzen wir diese in den Text: 

iiv xpflv c* dXauveiv t^v Trpö t^c NeiXou ßodc 
\)rc4.p T€ ctaciv Kdjufe TtapaKaXeTv dei, 

so begreifen wir, wie durch Ergänzung von vnkp zum ersten Gliede 
(vergl. Phoen. 361 oötuj bk rdpßoc €ic cpößov t' d(piK6|Uiiv, Soph. 
0. ß. 734 ic TttUTO AeXcpujv mnö AauXlac äY€i) die Verderbniss 
entstanden, und dei erhält seine Beziehung auf den Wechsel des 
Landes, — 

El. 862 vkac cxeqpavaqpopiav 

Kpeiccu) ToTc Ttap' 'AXqpeioO pe^Opoic xeX^cac 
KaciTVTiTOC cdOev. 

In diese Stelle hat Canter Sinn gebracht durch die Aenderungen 
viKct und Kpeicciü rfic. Jene ist gewiss richtig. Das c von viKac 
rührt vom Anfang des folgenden Wortes her; Kpeiccu) xflc jedoch 
giebt wohl einen passenden Sinn, entspricht aber nicht dem anti- 
strophischen Yttiac. Das Metrum hat Dindorf durch oiav hergestellt, 
indem er Kpeiccu) xoTc (xf^c) als Interpolation betrachtet. Mit oiav 
aber ist der Sinn von Kpeicciu xfic nicht wiedergegeben^ und dass der 
Interpolator den richtigen Sinn getroffen, beweist die Wiederholung 
des Gedankens V. 883 fiKeic fäp ouk dxpeiov ?K7rXe6pov bpa/nibv 
dYUJv' ic oiKOuc, dXXd 7ToXe|iiiov Kxavwv. Wir haben also Kpeiccuü 
xfic für ein Glossem von einem gleichbedeutenden Ausdruck zu halten 
und zu schreiben: 

viKqi cxeqpavaqpopiav, 

WC ou Ttap' 'AXqpeioO pe^Opoic, xeXecac 

KaciTVTixoc ce9ev. 

Vielleicht beruht auch die Entstellung von Iph. A. 407 

cuvcujqppoveTv coi ßoüXo)i*, dXX' ou cuvvoceTv 

auf einem Glossem oder einer Verwechslung gleichbedeutender Aus- 
drücke. Die Lesart beiPlutarch cucciuqppoveTv ydp, ouxi cuvvoceiv 
?qpuv enthält eine Reminiscenz aus dem bekannten V. oöxoi cuv^- 
XOeiv, dXXd cujiiqpiXeTv ?qpuv (Soph. Ant. 523). Nauck hat ßouXojiiai 
KOU vorgeschlagen, was minder gefäUt. Ich vermuthe 

cuvcujqppoveTv ?xoi)lioc, dXX' ou cuvvoceTv. 

Ein offenbares und bereits von Hermann bemerktes Glossem 
steht Cycl. 369 

VTiXr|C, lö xXa|Liov ocxic 
buijLidxuiv iqpecxiouc HeviKOuc 
iKxf]pac dK9uei b6|iiujv. 

Im zweiten V. hat Hermann buijidxujv ^qpecxiouc HeviKOUc in judxav 
dqpecxiouc verändert; gewiss ist EeviKOUC nur Erklärung zu öuüjidxujv 

1) Vergl. meine Note zu Aesch. Prom, 682. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 329 

eqpecTiouc; aber es ist bedenklich buijLidTiJüV in judiav zu ändern, 
schon weil die Einheit des Begriffs die Verbindung von bujjLidTUJV 
eqpecTiouc empfiehlt. Es fehlt uns ein anderes Wort, H^vouc, wel- 
ches eben unter dem Glossem HeviKOuc weggefallen ist. Nicht Hevi- 
Kouc, sondern HeviKOuc böjLiiJüV ist die Erklärung zu buüjLid- 
TUJV dqpecTiouc, welche zuerst daneben geschrieben war: 

VTlXric, (Jj TXäjLlOV, ÖCTIC 

buüjLidTaiv dqpecTiouc Hcvikouc 

IKTtlpaC eK0U€l H^VOUC. öÖ|iU)V 

Solche Erklärungen stehen oft neben den erklärten Wörtern im 
Text, z. B. Androm. 294 TTdpiv neben viv, 856 ÖTiXabfj iröcic neben 
oXei 6Xei jiie, Tro. 807 6t' ?ßac dqp' *6XXdboc neben tö irdpoiGev 
u. a. Nur als spätere Beischrift der Art kann ich in Tro. 1143 

TTeTrXoiciv, ibc irepiCTeiXrjc vexpöv 
CTeqpdvoic 9*, öct] cgi buvajLiic, ibc ?X€i toi cd, 

das nach ÖCTI coi buvajLiic überflüssige und lästige ibc ^x^i td cd 
betrachten. Ebenso scheint Hipp. 1366 

jLiöxOouc b' dXXuüC 

Tfic €UC€ß€iaC 

eic dv0pi£i7TOUc dirövrica. 

TTic euceßeiac noch durch seine Form und den Artikel die Inter- 
polation zu verrathen. Nur eine geringere Handschrift bietet das 
doppelt bedenkliche ific euceßiac. Auch fragt es sich, ob Iph. A. 
1082 

UJCT€ 7T€Tpa{ujv diT* dvTpuiv dXGoOcav öpeiwv 
jLiöcxov dKriparov, ßpöieiov 
ai|LidccovT€C XaijLiöv. 
öpeuüv in öp€iav zu verwandeln oder vielmehr als nähere Be- 
stimmung zu TTCTpaioJV drr' fivTpuJV zu streichen sei. 
Gewiss aber ist Bacch. 270 

Gpacuc bfe (oder le) buvaröc Kai X^t^iv oiöc t* dvrip 
KaKÖc TToXirric YiTverai voöv ouk fx^v 

buvaröc nichts anderes als Glossem zu oTöc T€. Aenderungen wie 
die von Badham Gpacuc t* iv dcToTc und Heimsoöth bpäcai t€ bu- 
varöc entsprechen auch dem Sinne nicht. Das verlorene Wort kann 
nach einer Stelle von Sophokles mit ziemlicher Sicherheit errathen 
werden: 

Gpacuc bfe fXiIjccrj Kai \ife\v olöc r* dvrip 

KaKÖc TTOXlTTlC YlTVeTttl VOUV OUK ?x^v. 

Nur in gewissem Sinne gehört hieher eine sehr bemerkens- 
werthe Art der Corruptel in Androm. 355 

fljLieTc T&P ei cf|V Traiba qpap|LiaK€uojLi€V, 
. . auTOi Tf|v biKr]V öqpeHofiev 
iv coici YCilLißpoic, oiciv ouk dXdccova 
ßXdßriv öqpeiXiü irpocriGeTc' dtraibiav. 360 



330 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

fjjLieic jLiev ouv Toioibe* Tf^c be cf\c qppevöc 
€V cou beboiKa* biet TVJVaiKeiav fpiv 
Kai Tf]V idXaivav ü&Xecac <t>puTUJV iröXiv. 

Die Stelle Tf^c be cf^c qppevöc ev cou b^boiKa, worin cou unmög- 
lich, ?v hier ganz ungeschickt ist, hat irgendwie bedeutend gelitten. 
Kirchhoff bemerkt: ?v cou ab interpretibus esse videtur nee placet 
asyndeton. fort, beboix' S bpdceic bia fäp okeiav fpiv. Nauck 
Eur. St. n S. 103 vermuthet <tö buc|LX> evec beboiKa* biöi t^vaiKa 
Ydp. An dem bezeichnenden Ausdruck bia fuvaiKeiav ?piv darf 
kaum geändert werden. Das Asyndeton ist bei der Erklärung ganz 
am Platze. Der rechte Weg zur Emendation ist angezeigt durch die 
Variante dßouXiav in V. 360. Dort geben nämlich drei gute Hand- 
schriften, darunter die beste, irpocTiOeTc* dßouXiav; eine gute Hand- 
schrift hat diraibiav, eine Handschrift dßouXiav TP- dnaibiav, andere 
dßouXiav oder dnaibiav. Kirchhoff setzt dßouXiav in den Text und 
giebt dazu die nicht sehr glückliche Vermuthung djLißXuüceuJC. Offen- 
bar ist diraibiav das richtige, sollte es auch nur von Conjektur her- 
stammen. Wie aber ist dßouXiav in den Text gekommen? Als 
Variante oder Glossem zu diraibiav kann es unmöglich angesehen 
werden. Schreiben wir für ev cou mit leichter Aenderung <CT)>f|V 
cou, dann wird uns das ganze Sachverhältniss klar. Ursprünglich 
hiess es: 

ßXdßiqv öqpeiXuü irpocTiGeic* dTraibiav. 

fijLieTc |LX€V ouv Toioibe* rfjv b' dßouXiav 

Tf|V cou beboiKa* bid yuvaiKeiav ?piv 

Kai Tfjv TdXaivav ujXecac ^puTWV iröXiv. 

Die gleiche Endung war der Anlass, dass dßouXiav in den voraus- 
gehenden Vers gerieth und hier dnaibiav soweit verdrängte, dass 
dieses nur als Variante darüber oder daneben zu stehen kam. Die 
Ergänzung ttic be cf^c qppevöc mit der damit zusammenhängenden 
Correktur ?v cou ist eine verwegene Interpolation, die uns verräth, 
wie man mit defekten Stellen umging, deren Sinn man leidlich her- 
zustellen im Stande war. 

Versschlüsse haben bekanntlich am meisten in der Art gelitten, 
dass das Auge des Abschreibers von dem einen Vers zum anderen 
abirrte oder Wörter abfielen und dadurch Lücken entstanden oder 
ungeschickte Ergänzungen eintraten. Bacch. 647 

CTf]cov TTÖb', öptQ b' UTToOec ficuxov TTÖba 

ist TTÖba am Ende des Verses widersinnig und nur eine Lücke nach- 
dem vorhergehenden CTf]COV iröba unpassend ausgefüllt. Der rich- 
tige Ausdruck lässt sich mit ziemlicher Sicherheit herstellen: 

CTflcOV TTÖb*, ÖpT^ b' U7TÖ0eC flCUXOV TpÖTTOV. 

Dies hat bereits, wie ich sehe, Musgrave vermuthet. 

Herc. f. 845 Ti|Lxac b' ^x^ Tdcb*, ouk dTacGfivai qpiXoic, 

oüb' T^bojLiai qpoiTUJc' in' dvGpuüTTUüv [qpiXouc] 



N, Wecklein: Studien zu Euripides. 331 

liegt am nächsten Itt' dvGpUüTruüV böjLiouc, wie Heimsoeth vorgeschla- 
gen hat. (Kirchhoff err' dv0puJTnüV iröXeic.) 

Suppl. 1089 ei b' [eic töö' fjXeov] KaHeTreipdenv [tckvujv] 

oiov CT^p€C0ai TTttT^pa fiYverai t^kvuüv, 

OUK fiv 7T0T* eiC TÖb* fjXGoV eiC VOV KttKOV. 

wird KdHe7Teipd0r]V tuxtic das richtige sein (Canter T€kujv, Nauck 
luaOiuv, Heimsoeth TÖbe). Der Satz otov CTep€C0ai ist zunächst von 
dem unter eic TÖb* f]\0ov verloren gegangenen Verbum (Heimsoeth 
el 5' ^c0ö|LXTiv T€, vielleicht el b* auTÖc ?|Lxa0ov) abhängig. Lästig 
ist der gleiche Ausgang Or. 936 

QU qp0dvoiT* fr* Sv 
0vricKOVT€c f\ TuvaiB bouXeueiv xpewv 
TOuvavTiov bk bpdc€T* f\ bpdcai xpeibv. 

Hier aber ist nicht das zweite XP^^V unrichtig, sondern der ganze 
Vers 938 verräth Interpolation. Denn das folgende vOv |uev 
T dp f] TTpoboOca Kxi enthält eine Begründung zu ou q)0dvoiT' er* 
Sv — bcuXeOeiv XP^^v, nicht aber zu TOuvavTiov bk bpdcer' f\ 
bpdcai xp€U)V. 

Das gleiche Wort findet sich am Schlüsse zweier Verse ebd. 1128 

OP. Kai TÖv fe |Lxf| cifiuvT ' diroKTeiveiv xpciwv. 

TTY. cTt' auTÖ br\\oi roöpTOV ol reiveiv xpciiüv. 

Kirchhoff betrachtet leiveiv XP^iwv als Dittographie; allein ol und 
der Gedanke lässt erkennen, dass leiveiv an seiner Stelle ist und 
gerade den Anlass zur Abirrung geboten hat. Der Sinn fordert, 
wenn man den Zusammenhang ins Auge fasst: 

€Tt* aUTÖ ÖTlXoT TOÖpYOV ol T€iV€l XÖTOC. 

Heraclid. 223 

CGI fdp TÖb' aicxpöv, x^P'ic 2v le iröXei koköv, 
iKeiac dXrjTac cuTT^veTc* oi|lxoi KaKÜüv, 
ßXevpov TTpöc auTouc ßXeipov 2XK€c0ai ßioi. 

rührt KaKÖv ebenfalls aus dem Ende des anderen Verses her. Im 
übrigen ist der Vers gesund; denn es bedarf nur der Verdopplung 
von T€ d. i. T€ T^: 

CGI fdp TÖb' aicxpöv, x^p'ic ^v T€ t^ ttöXci. 

„Es verträgt sich nicht, sagt lolaos, mit deiner persönlichen Würde 
und deinem moralischen Bewusstsein und zieht dir auch äusserlich 
bei der Bürgerschaft üble Nachrede zu." Vergl. Hec. 902 ttSci ydp 
KOivöv TÖbe ibiq. 0' ^KdcTUj Kai iröXei kt^ 

Ebd. 537 XüJpei TTpoceiiroOc* öcTarov Trpöcq)0€T|iid jlioi. 
— (b xoiip€, TTp^cßu, xoiipe Kai bibacKC |uioi 

genügt die Emendation von Elmsley Trpöcq)0€Y|ua bfj. 
Anders als bisher muss Herc. f. 168 

OÖKOUV Tpaqp^VTlüV TUlVbe TljLlUipOUC d|U0UC 

Xp^Ztü XiTr^c0ai tiüv bebpaju^viüv b\Kr\v 



332 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

behandelt werden. Gewöhnlich schreibt man nach Campers Ver- 
muthung TijLiujpouc ijJiOi; aber der Hauptanstoss liegt, wie bereits 
Dobree erkannt hat, in tujv b€bpa|LX€VUJV biKriv; denn was soll hier 
biKTiv für eine Bedeutung haben; tujv bebpajLiejLliDV muss von TijiiU)- 
pouc abhängig sein. Mit Eecht haben darum Härtung und Herwer- 
den biKTiv geändert, jener in KaKUJV, dieser in TTiKpoiic. Aber zu 
bebpajLievuüV gehört offenbar ejiioi und wir werden djnouc aus iixoi 

und einem darüberstehenden mit -ouc schliessenden Worte, also 

<iriKp>oOc 
etwa aus ejiioi abzuleiten haben, während biKT^v wieder als spätere 
Ergänzung betrachtet werden muss: 

oÖKOuv TpaqpevTUüV Tujvbe TijLiuüpouc <(TriKp>ouc 

XP^lvj XmecGai tu)V bebpajLi^vuüv Ijiioi. 

Ein ähnlicher Vorgang hat Suppl. 36 entstellt. Die beiden 
Handschriften bieten: 

oixeiai be jlioi 

KTipuH TTpöc acTU bcOpo 0riC€a xaXujv, 

ibc F| TÖ TOUTUJV XuTTpöv eScXij xöovöc 

f\ idcb' dvoiYKCc iKeciouc Xucr; 0€ouc 

öciöv Ti bpdcac. 
Von der ganzen Stelle giebt Matthiae folgende Erklärung: duplex 
est via rei expediendae, vel ut mulieres permoveantur, ut alio con- 
cedant et ab aliis auxilium petant vel ut precibus earum obsequan- 
tur Athenienses et mortuos ad sepulturam deposcant. Eine ober- 
flächliche Betrachtung der Stelle mag sich allerdings bei einer solchen 
Erklärung beruhigen, aber schon der Ausdruck rdcb* dvdYKac iKC- 
ciouc Xucr) zeigt, dass im zweiten Gliede von der Nichtgenehmigung 
der Bitte die Eede ist. Denn Xueiv dvdyKac iKCCiouc bedeutet offen- 
bar die Entledigung von der Verpflichtung, in welche die iKecia und 
die Theilnahme, welche der Zeuc iK^cioc für Schutzflehende hat, das 
Land gebracht hat. Von dieser frommen Pflicht muss, wenn die 
Schutzflehenden abgewiesen werden, durch eine religiöse Handlung 
(öciöv Ti bpdcac) und ceremonielle Sühne eine Art Dispens erwirkt 
werden. Wenn dies richtig ist, dann muss XÖOVÖC falsch sein. 
Matthiae freilich erklärt nach seiner Ansicht vom Ganzen TÖ toutuüv 
XuTTpöv €. xö. „ut vel molestiam quam hae mulieres supplicationibus 
suis nobis exhibent, e terra amoveat". Aber TÖ toutujv Xurrpöv 
heisst nicht „die Belästigung von Seite dieser Frauen", sondern „die 
Traurigkeit dieser Frauen". Ein Ausdruck aber wie „die Traurig- 
keit dieser Frauen aus dem Lande nehmen" wird nicht als geschmack- 
voll gelten können. Schon Härtung hat an xÖovöc Anstoss genom- 
men und XP^oc dafür geschrieben und auch Nauck findet x^ovöc 
verdächtig. Hiezu konmit der unmögliche Ausdruck Geouc 8ci6v ti 
bpdcac. Wer wird sagen „den Göttern eine fromme That anthun"? 
Beide Fehler stehen offenbar in Zusammenhang. Den richtigen Sinn 
erhalten wir, wenn wir xöovoc in den folgenden Vers nehmen und 



N. Wecklein: Studien zu Euripides, 333 

durch das allein zu TÖ toutujv Xunpöv iH\vi passende qppevöc oder 
cppevujv ersetzen: 

UJC f\ TÖ TOUTUJV XuTTpÖV iHXt} qppcvujv 

f\ Toicb* dvoiYTrac keciouc Xucr) xöovöc 
ociöv Ti bpdcac. * 

Einen anderen Grund scheint die Interpolation koköv in dem 
Versschlusse von fr. 538 

TÖ |ufeV YOIP ^V qpiö, TÖ bk KttTÄ CKÖTOC KttKOV 

ZU haben. Der Fehler zeigt sich am deutlichsten in KaTÖt ckÖtoc, 
wofür der Sprachgebrauch der Tragiker KaTOi ckÖtov fordert. Nie- 
mand wird, weil ihm etwa kukÖV erträglich scheint, einfach KttTOt 
CKÖTOV schreiben wollen. Die Corruptel ist vielmehr aus der 
Schreibung KaTCCKOTicjI oder KaTecKOTÜJjü abzuleiten, welches in das 
später geläufige kutoi ckÖtoc verändert wurde, so dass folgendes als 
ursprüngliche Gestalt des Verses zu gelten hat: 

TÖ |LltV Tttp ^V qpiU, TÖ bk KaTeCKOTlJU|Ll^VOV. 



IIL Umstellung von Versen. 

Bei der Textkritik des Euripides muss mehr als anderswo die 
Umstellung von Versen als ein hauptsächliches Mittel der Emendation 
ins Auge gefasst werden; denn nirgends hat sich dieses Mittel so 
sehr bewährt als in der handschriftlichen Ueberlieferung der Euri- 
pideischen Stücke. Während bei Sophokles bis jetzt nur eine einzige 
Umstellung unbestritten ihren Platz behauptet und bei Aeschylus 
wenige Beispiele sich haben zur Geltung bringen lassen, sind bei 
Euripides zahlreiche Fälle über jeden Zweifel erhaben und stehen 
längst unbedenklich und anstandslos im Text. Diese Beobachtung 
muss einerseits allzu grosse Bedenklichkeit bei der Anwendung 
solcher Emendation heben, andrerseits auffordern den Gedankengang 
und Zusammenhang genau zu untersuchen, weil derartige Corrup- 
telen bei einer minder gründlichen und sorgfältigen Lektüre leicht 
der Aufmerksamkeit entgehen. 

Häufig sind zwei aufeinanderfolgende Verse vertauscht. Hippol. 
12G5 

KO|LxiZ!€T* auTÖv ujc Ibujv dv ÖjLljLiaCl 
TÖv Ta|u' dTiapvTie^VTa |Lif| xpoivai X^xi 
XÖYOic t' dXeTHuj 5ai|Li6vujv T€ cujiiqpopaic. 

haben zwei Handschriften (B und E) die zwei letzten Verse in um- 
gekehrter Folge. Vielleicht ist diese Vertauschung nicht zufällig. 
Zuföllig aber musste eine falsche Ordnung entstehen, wenn der Ab- 
schreiber den übersehenen Vers mit Bezeichnung der richtigen Eeihen- 
folge nachtrug, wie z. B. im Laur. des Sophokles die Verse Oed. Col. 
1119. 1120 in umgekehrter Ordnung mit den Zeichen ß und a 



334 N. Wecklein: Studien zu Euripidea. 

stehen, später aber die Zeichen unbeachtet blieben oder nicht ver- 
standen wurden. Auch an den Eand kann der übersehene Vers ge- 
schrieben worden und nachher an der unrichtigen Stelle in den Text 
gekommen sein. Man begreift, wie leicht das Auge des Schreibers 
abirrte in der von Markland emendierten Stelle Suppl. 588 

XUJpl^CO|Liai fCtp ^TTTOt TTpÖC Kdb|LXOU TTÜXac 

auTÖc cibripov 6Huv ev x^poTv 2x^v 590 
auTÖc be KfjpuH* coi 5e TrpocTdcciü jiidveiv, 589 
"Abpacre kt^. 

Aber auch ohne gleichen Versanfang war ein Abirren des Auges 
leicht möglich. Ale. 107 f. 

HMIX. dj \pr\ cqpe jLioXeiv Kaid Yciidc. 
HMIX. ?0iY€C vpuxac, f0iY€c bk qppevujv 

stehen in zwei Handschriften (ß und f) in umgekehrter Ordnung. 

Herc. f. 1009 

fiiLieTc b' dX€u9epo0vT€C ex bpacjiiujv iröba 1010 
CUV TU) Y€povTi beciLid ceipaiuüv ßp6xu)v 1009 
dvrJTTTOiLiev irpöc Kiova. 

hat Pierson umgestellt. 

In der Stichomythie ebd. 1235 

HP. diT^vec*' €u bpdcac bi c' ouk dvaivo|uai. 

GH. ^T^ bk Trdcxujv eö tot' blKTeipiu ce vöv. 1237 

HP. oiKTpöc fdp eljLii TfijLi* dTTOKTeivac T€Kva. 1236 

rührt die Verbesserung von Brodeau her. 

Eeiske hat die richtige Ordnung hergestellt in El. 680 
HA. vOv irdvra veKpöv dX0^'cu|Li|Liaxov Xaßijuv, 
DP. oi7T€p fe CUV CGI ct)puYac dvdXiucav bopi. 
HA. xwjcoi CTUYoOciv dvociouc luidcTopac. 683 
DP. fJKOucac, iL beiv' ii iiif\c jaiiTpöc Traeiiv; 682 
HA. irdvi', oTb', dKOuei rdbe Ttaii^p kt^. , 

Musgrave in Bacch. 847 

AI. T^vaiKCC, dvfjp eic ßöXov KaGiCTarar 848 
^Hei bk BdKxac, oiü 0avujv biucei biKTiv. 847 

Ganter in Hei. 1291 

f\v b' '€XXdb' ?Xeuj Kai tuxw ciuTTipiac, 
Traucuü vpÖYOu C€ toO Trpiv, ?|v Y^vf) fivx] 1293 
oiav Y^vecOai xpf\ ce cuj Suveuveir). 1292 

G. Hermann in Iph. T. 1209 
10. Kai TTÖXei Tr^jLivpov tiv' öctic crmavei 00. iroiac Tuxac; 
10. iv böjLioic |ui|Lxv€iv SiravTac. 00. |Lif| cuvavTijjev qpöviu; 
10. inucapd Ydp rd Toidb* icci 00. cieTxe Kai crjiaaive cu. 
10. Kai qpiXuüv Y€ bei jadXicra 00. tout' fXeHac eic e^e. 1213 
10. jLiTib^v eic övpiv TreXdZeiv. 00. eu y€ KTibeueic ttöXiv. 1212. 

Hierbei ist zu bemerken, dass die Umstellung eine Correktur zur 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 335 

Folge gehabt hat. An der falschen Stelle ist ttöXiv am Platze, da 
sich dort der Auftrag auf die Bürgerschaft bezieht (iröXei Tr€)Livpov 
Tiv' ocTic CTiiLxaveT). Die richtige Stellung verlangt nothwendig eö 
•f€ KTibeiieic qpiXouc. 

In Or. 781, wo Morelli folgende Umstellung vorgenommen hat, 

OP. dXXot 0fiT' ?X9iJU. TTY. Oavujv fcOv &be KdXXiov 0av€T. 
OP. €u Xefeic* qpeuyuj tö beiXöv xQbe. TTY. jliSXXov ?| |lx^vuüv. 783 
OP. KQi TÖ TTpaTjLia t' ^vbiKÖv |Lxoi. TTY. TÖ boKeiv eöxou jiiövov. 782 
OP. Kai TIC öv T€ ji' olKTiceie ktI. 

muss die Herstellung desshalb unsicher bleiben, weil Nauck Eur. 
St. I S. 51 die Aechtheit von V. 782 in Zweifel zieht. Indessen ist 
kein genügender Grund für die Annahme einer Interpolation gegeben 
und wenn auch die Correktur geringerer Handschriften tu) bOKeiv 
keine Geltung haben kann, so lässt sich doch leicht mit Barnes TÖ 
b^ bOKcTv oder auch Kai (auch) boKCiv bessern („wünsche nur, dass 
deine Sache nicht bloss gerecht sei, sondern auch gerecht scheine"). 
Verkehrt ist noch die Versfolge Bacch. 854 

XQViCiJj bl viv Y^XuJTa Grißaioic öqpXeiv 

YUvaiKÖjLiopqpov dYÖ|LX€Vov bi* acTeuüc 

^K Tujv dTieiXujv Tuiv TTpiv alci beivöc ^v. 

Denn iK tujv direiXuJV tuiv TTpiv ist aufs engste mit Y^XuJTa öqpXeTv 
verbunden, welche Verbindung durch die dazwischen geschobene 
Bestimmung TUVaiKÖ|LXOpqpov — dcTeuJC gestört wird, während bei 
der Umstellung 856. 855 

XP^Cuj be viv Y^XuüTa Grißaioic öqpXeTv 

dK TUIV direiXuiv tuiv irpiv alci beivöc fjv 856 

YuvaiKÖ|Lxop(pov dYÖiLxevov bi* ctCTeujc. 855 

auch der Participialsatz YVJVaiKOjLXOpqpov . . ficTeuJC für sich die seiner 
Bedeutung entsprechende Stellung erhält. 

In gleicherweise ist das Zusammengehörige getrennt ebd. 1330 

bpdKUüv Ycvrjcei jiieTaßaXuiv, bdjuap Te cf| 

dK0Tipiuj0eTc' öqpeoc dXXdHei tuttov, 

iiv "Apeoc fcxec 'Apjuoviav Gvtitöc y^y^c- 

Die richtige Ordnung ist, wie ich bereits anderswo angedeutet 
habe, 1332. 1331: 

bdjLiap T€ cfj 

iiv "Apeoc ?cx€C 'Apiixoviav Gvtitöc y€Yiajc, 1332 

^K0Tipiuj9€Tc' öqpeoc dXXdHei tuttov. 1331 

Der Grund der Verstellung ist deutlich erkennbar Herc. f. 1160 
aicxuvojLiai Ydp toTc bebpaiixevoic KaKOic 
Kai Tuibe TTpocTpÖTTaiov alina TrpocXaßujv 
oub^v KaKiIicai touc dvaiTiouc O^Xw. 

So spricht Herkules bei dem Nahen des Theseus, dessen Augen er 
sich aus Scham über die Ermordung seiner Kinder und aus Angst, 



336 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

auch seinen theuren Freund durch seine Berührung zu beflecken, 
entziehen möchte. Vergl. V. 1219 die jiifi jLiucoc jiie cuiv ßotXr] 
Trpocq)0€TMaTiJUv; Ganter hat TrpocßaXujv für TrpocXaßOuv geschrieben. 
Diese Verwechslung ist bekanntlich so häufig ^), dass die Aenderung 
nicht dem geringsten Bedenken unterliegt. Für den Gedanken aber 
ist TTpocßaXuJV unbedingt nothwendig. Allerdings hat Kirchhoff Kai 
Tujvbe TTpocTpÖTTaiov aljLia TTpocXaßibv in den Text gesetzt; aber 
wie matt und unnütz ist der Gedanke „und da ich Blutschuld auf 
mich geladen habe, will ich den Unschuldigen keinen Schaden zu- 
fügen"? Und wie passen die beiden Gedanken zusammen? Jeden- 
falls hätte der Dichter bei Kai TUJVbe TTpocTpöiraiov aljua TrpocXaßtüv 
ganz anders sich ausdrücken müssen, in der Art wie Kai TUJvbe Trp. 
ai|Lxa TTpocXaßujv (puXdHo|Liai jiif) KaKUicai touc dvaiTiouc. Augen- 
scheinlich ist der Gedanke folgender: „ich schäme mich über das 
angestiftete Unheil un/i will nicht Unschuldige in ' meine Schuld 
ziehen, indem ich auch diesem Blutschuld anhänge". Dieser Gedanke 
entspricht allein dem Zusammenhange, fordert aber die Umstel- 
lung von V, 1161. 1162: 

aicxi5vo|Liai fäp toTc bebpaiiievoic KaKoTc 
Koub^v KaKuicai touc dvamouc 0^Xijü 1162 
Kai Ttube TTpocTpÖTTaiov ai|ua TTpocßaXiuv. 1161. 

Es ist dies nicht der einzige Fall, wo Kai (Kai Tipbe) in der Bedeu- 
tung „auch", statt deren man „und" im Sinne hatte, Verwirrung des 
Textes veranlasste. 

Sehr ansprechend ist auch die Umstellung, welche Weil Hipp. 874 
0H. oT|Lior TÖb' olov öXXo Trpöc KaKiD KaKÖv. 
QU tXtitöv ovbk XeKTÖv iL TdXac eyiw. 

XO. Tl XQfiliOi] \ÜOV €1 Tl |L101 XÖfOU jLl^Ta. 

vermuthet hat: 

XO. Tl \pr]}ia] X^Hov e! ti fioi Xötou jii^Ta. 876 
GH. o\) tXtitöv oubfe XcKTÖv i5 TdXac ^tu). 875 

Denn nach oubfe XeKTÖv ist das Verlangen X^Hov €i ti |lxoi Xötou 
|U^Ta gegenstandslos, während in der neuen Ordnung oubt XeKTÖv 
eine besondere Beziehung erhält. — Dagegen muss die Umstellung 
Bacch. 265. 264, welche von Musgrave in Vorschlag gebracht wor- 
den ist, zweifelhaft bleiben; ebenso die von Kirchhoff mit El. 310. 
311 vorgenommene. 

Wir haben bisher vierzehn Fälle kennen gelernt, in welchen 
zwei aufeinanderfolgende Verse theils zufällig theils auch durch ab- 



1) Auch Ion 1273 

eicuj ydip äv |Li€ irepißaXoOca 6uj|idTUJV 
äpÖT^v öv ^H4Tr€|Lii|J6c elc "Aibou bÖ|LlOUC 
verlangt der Sinn iiEpiXaßoOca für ircpißaXoöca. Die Zusammensetzung 
mit iT€pl deutet die Umgrenzung an. Ihre Bestätigung erhält die Aende- 
rung, die vielleicht schon von manchem andern gemacht worden ist, an 
Bacch. 239 el 6' ainöv ctcui Triebe X/miO)Liai crifr]^' 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 337 

sichtliche Correktur ihren Platz gewechselt haben. Aber solche Un- 
ordnung in den Handschriften beschränkt sich nicht auf zwei einander 
zunächst stehende Verse, sondern verbreitet sich über grössere Par- 
tieen, ja hat oft ganz entfernte Stellen berührt. Hec. 247 sind in 
den besseren Handschriften zwei Verspaare vertauscht (249. 50. 47. 
48). — Ebd. stehen V. 756—758, welche in A fehlen, in F nach 
V. 779. In der von Eeiske verbesserten Stelle El. 115 
TTP. Xefe Kai cr|)Liaiv*, iva Kai fXiuccri 117 

cuvTOva Toic coTc fpdiLxiLiaciv aiibiij. 118 
Ar. Tre|LX7TUJ coi irpöc raic Trp6c0€V 115 

öÄtgic, (x) Arjbac ^pvoc, 116 

|uf| cieXXeiv idv cdv Iviv ktI 

haben zwei Verspaare und zwar wie es scheint durch absichtliche 
Verstellung ihren Platz getauscht. Unabsichtlich ist dasselbe ge- 
schehen Herc. f. 1118, wo Nauck die richtige Ordnung 1120. 1121. 
1118. 1119 hergestellt hat : 

AM. öp^c Yctp auTÖc, ei qppovujv f\br\ KUpeTc. 1117. 
HP. TraTTaT, TÖb' ibc öttgtttov ^viHuj iraXiv. 1120 
AM. Kai c' €1 ßeßaiujc eu qppoveTc f\br] ckottui. 1121 
HP. eirei ti Kaivöv uiTGYpdqpei tu)|uui ßiiu; 1118 
AM. €1 iLXTiKeG' "Aibou, ßdKXOc ei, qppdcaiiuev av. 
HP. QU fctp Ti ßaKxeucac ye |Lxd|Lxvr||uai cppevac. 1122. 

Ebenso Iph. T. 512 nach Badhams und Kirchhoffs Emendation: 
OP. qpeuYUJ Tpöirov fe br\ tiv' oux ^kujv ^kCuv. 512 
10. Kai |ufiv TToGeivöc y* ?iX9ec eH "ApYOVJC |lxoXiuv. 515 
OP. oÖKOuv e|LxauTiu y'* tl b^ coi, cu toöt' ?pa. 516 
10. dp' dv Ti jioi qppdceiac iLv dYUJ O^Xuj; 513 
OP. ujc ev TrapdpYH^ "^^^ ^W^ bucrrpaHiac. 514 
10. Tpoiav tcujc oicG* kt^. 

Jetzt folgen die Gedanken in rechter Weise aufeipander. Nebenbei 
sei bemerkt, dass der V. 514 einen Schreibfehler in sich birgt; denn 
UJC dv TrapdpYtu (dcTi) rfic djuf]C bucirpaHiac giebt keinen geeigneten 
Sinn. Es muss heissen 0r|CUJ irdpepYOV oder vielmehr ibc iv jrap- 
epYtjJ örjco|Lxai bucTrpaHiac. 

In Ion 322, wo Kreusa den Ion nach seiner Vergangenheit aus- 
forscht, 

KP. elc b' dvbp' dqpiKOu riva rpocpriv KeKirmevoc; 

IQN ßiJü|Lxoi |Lx* fqpepßov outtiiuv t' dei Hdvoc. 

KP. xdXaivd c* x] T€KOÖca* Tic ttgt' fjv dpa; 

IQN dbiKTiiLxa Tou Y^vaiKÖc dY€VÖ|Lir|V iciuc. 325. 

KP. fx^ic bk ßioTOv; €Ö Ydp fjcKTicai Tr^TiXcic. 

IQN ToTc ToO 0€oO KOC|Lioü|Lie0', J) bouXeuo|uev. 

KP. oüb' fjHac eic fpeuvav dHeupeiv Yovdc; 

IQN ?xw T«P oubev, u5 Y^vai, TCKjLiripiov 
ist das Zusammengehörige in störender Weise getrennt. Denn ein- 

Jahrb. f. olass. Philol. Suppl. Bd. VH. Hft. 3. *I*1 



338 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

mal gehört die Frage nach der Kleidung zur Frage nach der Nah- 
rung („wer hat dich genährt? wer hat dich gekleidet?"). Noch mehr 
aber muss die Frage oub' ^Hac eic fpeuvav dHeupeiv fovdc; unmit- 
telbar nach dem Ausruf raXaivd c' f] T€KoOca* Tic ttot' f\v apa; 
und der Antwort des Ion folgen. Darum sind, wie ich bereits früher 
bemerkt habe, V. 3 24. 325 nach V. 327 einzufügen: 

KP. eic b' ctvbp' dqpiKOu Tiva Tpoqpfiv KeKTTHuevoc; 

IQN ßuj|Lioi )Li' tqpepßov outtiiüv t' dei Hdvoc. 323 

KP. ?X€ic be ßiOTOv; eö fdp fjcKricai 7T€7tXoic. 326 

IQN ToTc ToO 0eoö KOC|Lxou|Lie0', »L bouXeuojiiev. 327 

KP. xdXaivd c' r\ TeKOÖca* Tic ttot* fjv dpa; 324 

IQN dbiKTiiLia tou fuvaiKÖc eTevö|LXTiv iciuc. 325 

KP. oub' fjHac eic ^peuvav eHeupeiv yovdc; 328 

IQN Ixuj fdp oubev, iS f^vai, TeK|Lxr|piov. 

Ion 992. 993 sind um vier Zeilen zu früh in den Text gekom- 
men und von Kirchhoff wieder nach V. 997 gesetzt worden. 

lieber Iph. T. 116. 117, welche um drei Verse früher 
nach V. 112 einzusetzen sind, soll weiter unten bei der ander- 
weitigen Behandlung der Stelle gesprochen werden. 

Ion 1296 — 1303 sind vier Verse mit vier anderen vertauscht 
worden. Die richtige Ordnung 1295. 1300—1303. 1296—1299. 
1304 hat Nauck geftinden. 

Drei Verse sind um zwei Zeilen zu spät in den Text gekommen 
Or. 544 nach Hartung's und Kirchhoff 's Emendation: 

OP. ui fepov, i^dj toi irpöc ck bei|Lxaiviü Xefeiv, 545 
Ö7T0U ye lueXXuü cr\v ti XuTrrjceiv qppeva. 
direXGeTUü bf] toTc Xöyoiciv eKirobuiV 548 
TÖ ffipac fiiLxtv tö cöv, 8 |lx' dKirXrjccei Xötgu, 549 
Ktti Ka0' oböv eT|Lir vOv be cfjv Tapßuj Tpixa. 550 
efuj b' dvöcioc ei|Lxi juriT^pa KTaviuv, 546 
öcioc be T* ?Tepov övo|Lxa Ti|Liuipujv iraTpi 547 
Ti xpTlv |ue bpdcai; buo fäp dvTiGec buoTv. 551. 

In ähnlicher Weise ist die Stelle Ehes. 333 in Unordnung ge- 
ratheu: 

EK. iLxicui qpiXoiciv licTepov ßoTibpO|LxeTv. 333 

8 b' oijv dTieiTrep fjXGe, cu|U|uiaxoc |Lxev ou, 336 
H^voc be Trpöc TpdTieZiav f]K€TiJU Hdvujv. 
Xdpic ydp auTui TTpiajLiibu)V biiuXeTO. 
XO. ava^, d7TUJ0eTv cu|U|Lxdxouc d7Tiq)0ovov. 334 
Arr. qpößoc Te'voiT* oiv 7ToXe|Liioic öqpöeic |u6vov 335 
EK. cu t' eö TrapaiveTc kqi cu Kaipiiuc CKOTreTc. 339 
6 xpvJCOTeuxric oflv KttT' dYT^Xou Xötov 
Pfjcoc irap^CTai T^be cu|LX|Liaxoc xöovi. 

So ist die ganze Stelle von Nauck glücklich hergestellt. Gerade 
diese Stelle zeigt, wie wenig man sich noch das häuüge Vorkommen 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 339 

falscher Versordnung zum Bewusstsein gebracht hat: sonst würde 
W. Dindorf gegen diese Art der Emendation nicht so eingenommen 
sein, dass er mit Beibehaltung der überlieferten Ordnung und Per- 
sonenabtheilung folgende Textgestaltung vorzöge: 

EK. iLxicOü qpiXoiciv öcrepov ßor|bpO|LX€Tv. 

Ar. ctvaH, dTruj0eTv cu|LX|Lxdxouc dTriqpOovov. 

qpößoc tevoit' av iroXeiixioic oqpöeic |lx6vov. 335 
XO. 6 b' CUV, eTTeiTiep fjXGe, cujuiiLxaxoc |uiev ou, 
Hevoc be irpöc TpaireZiav f^K^Tiu Hevujv. 
Xoipic fäp auTUj TTpia|Lxibujv biuuXeTO. 
EK. cü t' efl TTttpaiveTc Kai cu Kaipiujc CKOireic. 
6 xp^coieuxric kt^. 
Hierin passen weder die Worte cu|LX|Lxaxoc jLiev — f]K€TiJü Heviuv für 
den Chor, dem nicht zusteht darüber zu entscheiden, noch kann der 
Chor sagen X^P^^ Tdp auTiu TTpia|uibiJuv biiuXeTG. Auch ist die An- 
knüpfung 5 b' ouv nicht an ihrer Stelle. Endlich haben die Worte 
cu KaipiuüC CKGireTc keinen passenden Sinn und keine Bedeutung, da 
Hektor schliesslich doch den Rhesos als Bundesgenossen anerkennt. 
Jedenfalls würde man die Worte des Boten nach den Worten des 
Chors erwarten, das stärkere nach dem schwächeren, wenn sich 
Hektor durch die Worte des Boten bestimmen Hesse. 

Eine gleiche Unordnimg der Verse mit falscher Personenbezeich- 
nung ist El. 671 nach dem Vorgang anderer von Kirchhoff verbessert 
worden : 

OP. ui Zeö TTaipuie Kai TpoiraT' €x6pu)V d|uujv, 671 
HA. "Hpa T€, ßui|ua)V f\ MuKTivaiiüv KpaieTc 674 
OP. viKTiv böc fmiv, el biKai' aiToü|U€0a. 675 
HA. böc bfiia Trarpöc loTcbe Ti|LxiJüpöv biKTiv 676 
OP. otKTeipe 0' fiiudc' oiKipd yoip 7Te7T6v0a|Li€V. 672 
HA. oiKT€ip€ bfiia couc T€ (pOvTac dKTÖvouc. 673 
OP. cu t' ü5 Kdiiü Y^c dvociuüc oikuiv Trdiep, 677 
HA. Kai Yotr övacca ktL 
In Folge absichtlicher Correktur, wie es scheint, ist der V. 
Iph. A. 149 um drei Zeilen zu früh in den Text gekommen. An 
seinen Platz nach V. 152 hat ihn zuerst Hermann gerückt. 

Bacch. 239 stehen die drei Verse 239 — 241 um sechs Zeilen 
zu früh im Text und sind erst von Schoene und Kirchhoff wieder an 
die richtige Stelle nach V. 247 gesetzt worden. Kirchhoff hat wohl 
daran gethan, dass er die V. 239 — 41 nicht mehr wie früher zwischen 
V. 246 und 247 unter Aenderung des V. 247 in folgender Weise 
eingefügt hat: 

€1 b' aÜTÖv eicuü Tf]cb€ Xyii|iO|Lxai creTnc, 
iraücui KTUTTGÖvra 0upcov dvaceiovTd t€ 
KÖ|uac, TpdxTiXov ciJü|LiaTOC x^p'^c reinujv 241 
ußpeic ößpiZ;ov0' öcTic dcTiv 6 Hdvoc 247 



340 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Der V. ößpeic — Hevoc könnte nur vor TpdxilXov ciü|LiaTOC XiJJpic 
T€|LXiuv zwischen V. 240 und 241 seine Stelle haben, was durch das 
nachfolgende KÖjLxac ausgeschlossen wird. Freilich kann auch Nie- 
mand die überlieferte Form von V. 246. 247 

Taöi' ouxi beivfic äfx6vr\c fcx' ctHia, 
ößpeic ußpijeiv ScTic ^ctiv ö H^voc. 

unbeanstandet lassen. Denn Taöia muss sich auf die vorhergehende 
Aufzählung übermüthiger Handlungen, l^ann sich nicht auf das fol- 
gende ößpeic ußpiZeiv beziehen. Und doch verbietet ein gewisses 
rhetorisches Gleichgewicht den V. 247 zu versetzen — eine geeig- 
nete Stelle findet sich nirgends für ihn — oder als Interpolation zu 
betrachten. Dieses rhetorische Gleichgewicht fordert vielmehr fol- 
gende Gestalt: 

TttOr' ouxi beivfic dTXOvric &t' dHia; 

toOt' oöx ößpijeiv öcTic dcriv ö Hevoc; 

Unter laOi' ouxi scheint zuerst laui' oux verloren gegangen zu sein, 
und dann die gewöhnliche Eedensart ößpeic ußpijeiv die Ergänzimg 
an die Hand gegeben zu haben. 

Um die Zeilenanzahl einer ganzen Columne, wie es scheint, ist 
der V. Iph. T. 782 verrückt worden. Hermann hat zuerst darauf 
aufmerksam gemacht. Freilich ist die Thatsache nicht allgemein 
anerkannt, imd verschiedne andre Versuche der Emendation sind 
gemacht worden. Dem gegenüber muss vor allem festgestellt wer- 
den, dass in der Stelle 

10. f| coTc dpaia bu)|Lxaciv T€vr|COjLiai, 

*0pec9', IV ' aö0ic övojLia bic kXuujv |Lxd0r)c. 
TTY. 0) 0eoi' 10. Ti Touc Geouc dvaKaXeic ev toTc d|uioTc; 780 
TTY. oubev* irepaive b"* dHeßriv fdp aXXoce. 

Tax' oöv ^pujTUJV c' eic dmcT' dq)iHo|Lxai. 
10. X^T ' oövcK* ^Xaqpov dviiboucd |lxou 0ed 
"ApTeiLxic fcujc^ |Lxe kt^. 

der V. xdx' ouv dpiüTuiv c' eic Öttict' dqpiHojLiai weder im Munde 
des Pylades noch bei der Form der besseren Handschrift dpuJTUJc' 
im Munde der Iphigenie verständlich ist und Sinn hat; oub^V TT^paive 
b'* dHeßriv fdp dXXoce sind die Worte, welche nicht nur vollständig 
den erforderlichen Gedanken ausdrücken, sondern auch jeden ander- 
weitigen Zusatz ausschliessen. Ohne jede Beziehung und jedes Ver- 
ständniss sind die Worte, wenn sie der Iphigenie gegeben werden. 
Nehmen wir mm die Stelle, wo Orestes sich seiner Schwester zu 
erkennen giebt und diese Beweise dafür verlangt: 

10. Ti qpric; ^x^ic ti Tujvbe |lxoi TeK|uripiov; 808 
DP. ?xw iraTpujujv ^k b6|LxuJV ti 7TUV0dvou. 
10. ouKouv XeTeiv |li^v xp^ c^> |uav0dveiv b* djue'. 810 
DP. XdfoiiLx' äv dKOfi TTpujTOV 'HX^KTpac Tttbe* 
'Atp^ujc 0udcTou t' olc0a fevoiLie'vTiv ?piv; 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 341 

so vermissen wir vor oukoöv Xctciv |U€v xPH ^€, |Liav0dveiv b' ejue 
einen begründenden Gedanken. Warum soll Orestes von Dingen im 
Hause sprechen, während sie bloss zuhören will, und worauf bezieht 
sich OUKOÖV? Alles ist in bester Ordnung, wenn wir den an obiger 
Stelle unnützen und unbrauchbaren Vers in der besser beglau- 
bigten Form einsetzen: 

DP. ^xvj' iraTpdiUJV dx öojliujv ti TiuvGdvou. 809 
10. Tax' ouv dpuiToic* eic amcT' d(pi5o|Lxai. 782 
oukoöv X€T€iv jLiev xpn ce, |Lxav9dv€iv b' djiie. 810 
DP. Xctoim' Sv ktL 

Auf die Aufforderung des Orestes hin besinnt sich Iphigenie und 
findet, dass wenn sie selber frage, immerhin der Gefragte eine einiger- 
massen passende Antwort finden könne, die ihr keine Zuverlässigkeit 
bieten würde. Weit sicherer erscheint es ihr den anderen aus eige- 
ner Erinnerung sprechen zu lassen. Wenn er von häuslichen An- 
gelegenheiten erzählen kann, die nur der Eingeweihte, nur das Mit- 
glied der Familie kennt, dann darf sie ihrer Sache gewiss sein. 
Jedermann muss zugestehen, dass allein in diesem Zusammenhange 
der V. 782 an seiner Stelle ist und einen geeigneten Sinn hat. Zu- 
dem wird jetzt auch der äusseren Form des Dialogs Genüge gethan. 
Die Stichomjrthie wird unterbrochen, weil eiQ neuer Gegenstand in 
anderer Weise zur Verhandlung kommt; an der Stelle der Unter- 
brechung haben die beiden Personen zwei Verse. Es fällt also der 
Grund, aus welchem Hermann den Vers mit der Aenderung xdx' 
OUK dpuuTUJc' zwischen V. 811 und 812 einfügte, hinweg. An die 
richtige Stelle hat ihn zuerst Hartimg versetzt, jedoch in der ver- 
änderten Gestalt rdx' ouk dpuüTOüc' eic rd ttict' dq)iHo|uai, woran 
nicht bloss die Aenderung, sondern auch der negative Ausdruck 
OUK dpuJTUJca missfällt. Der V. ist also um 27 Zeilen zu früh in 
den Text gekommen, scheint demnach, wie gesagt in die unrichtige 
Columne gerathen zu sein. In gleicher Weise finden sich, wie be- 
reits erwähnt, Hec. 756 — 758 in einer Handschrift um 21 Zeilen 
später im Text. 

Eine eigenthümliche Unordnung hat sich in die Stelle Heraclid. 
682 eingeschlichen. Der altersschwache lolaos will am Kampfe des 
Hyllos gegen die Argiver Theil nehmen; der Diener sucht ihn von 
dem thörichten Unternehmen, dem seine Kräfte nicht gewachsen 
seien, abzubringen: 

0E. fiKicra Tipöc coö |Lxujpov fjv eiireiv ^ttoc. 
IG. Ktti |Lif| |LX€TacxeTv y' dXKi|Lxou |Lidxt]C qpiXoic. 
0E. OUK ?ct' dv övpei Tpaö|Lxa |Lifi bpuicric x^pöc. 
IG. Ti b'; ou 6evoi|ui kSv i^(x) 6r dciriboc; 685 
0E. Gdvoic dv, dXXd Trp6c0€V auTÖc äv Tiecoic. 
IG. oubeic fjLi' dxOpÄv TTpocßXeinjüv dveHeTai. 
GE. OUK IcTiv, iL Tdv, f^ ttot' rjv pii)m ceOev. 



342 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

10. dX\' ouv |uaxou|uai t* otpiÖMÖv ouk dXdccoci. 
0E. C|aiKpöv TÖ cöv cr|KUi|Lia irpocTiOiic cpiXoic. 690 
10. |ai^ Toi |Lx' fpuK€ bpfiv 7rdpecKeuac|ii€V0V. 
0E. bpäv |uev cu t' o^X oiöc xe, ßoij\€C0ai 5' icuuc. 

Der V. 684 scheint vollkommen unverständlich und sinnlos. Wie 
soll der Diener dazu kommen zu sagen „das Gesicht macht keine 
Wunde, wenn nicht die Hand sie schlägt"? Die Ungehörigkeit eines 
solchen Gedankens hat mich früher veranlasst an eine Corruptel zu 
denken; auch Nauck will ßu|Lxa für TpaO|Lia lesen; aber damit ist 
nichts gewonnen und das ungeschickte i\ öi|i€i nicht beseitigt. Das 
richtige haben Musgrave und Härtung erkannt, welche V. 864 und 
688 ihre Stelle tauschen lassen. Auch Madvig hat in seinen Advers. 
crit. neuerdings diese Entdeckung gemacht. Jetzt, wenn es heisst: 

10. oubeic f)Li' dxöpOüV TTpocßXeiTUJV dveHeiai. 
©E. OUK ?ct' ^v övpei xpaOina |uf| bpiucTic x^pöc. 

haben wir die richtige Gedankenverbindung und folgt auf die Worte 
des lolaos „kein Feind wird meinen Blick ertragen" die passende 
Erwiderung „der Blick thuts nicht, wenn nicht die Hand die Wunde 
schlägt". Diese Umstellung ist so trefflich und so evident, dass sie 
verdient hätte die Aufmerksamkeit der Herausgeber in höherem 
Grade zu erregen. Freilich hat die einfache Annahme dieser Emen- 
dation mehrere Unzuträglichkeiten im Gefolge. In der überlieferten 
Eeihenfolge hat der V, 689 äW ouv — eXdccoci einen passenden 
Zusammenhang mit dem vorhergehenden; denn auf den Einwand des 
Dieners, lolaos besitze nicht mehr die ehemalige Stärke, erwidert 
lolaos, er nehme den Kampf mit ebenso vielen Gegnern auf wie 
vordem. Wenn aber folgende Verse aufeinander folgen: 

0E. OUK €Ct' ev övpei Tpau|Lxa |uf] bpiicric x^pöc. 
10. dX\' oöv |uiaxou|Lxai f'.dpiGiuöv ouk dXdccoci, 

so hat dpi0|LXÖv OUK eXdccoci keine Beziehung im vorhergehenden. 
Wenn ferner der V. 688 an der Stelle von V. 684 steht: 

0E. OUK fCTlV, (b TCiV, f] TTOt' fjV ^IJU|LXT1 c€0ev. 

10. Ti 5'; ou 0evoi|Lii köv Ifib bi' dcmboc; 

so fehlt wieder für kSv ifil) der richtige Gedankenzusammenhang; 
man würde eher Kai vuv ifü) oder Kai Y^pwJV lüv erwarten. Die 
blosse Vertauschung der Verse kann also nicht genügen. In der 
That würde es, wenn dieselben auch gleichen Anfang haben ouk 
&t' ev und OUK fcTiv oder vielmehr wie der Sinn fordert ouk ?ct' 
?T*, doch wunderbar sein, wenn sie einfach ohne weitere Störung 
den Platz gewechselt hätten. Die richtige Eeihenfolge ergiebt sich 
aus zwei Beobachtungen. Einmal gehören folgende zwei Verse zu- 
sammen: 

0E. c|LiiKpöv TÖ cöv crJKUiiLxa 7rpocTi0Tic qpiXoic. 

10. Ti b'; ou 0^voijLii Kttv if(h b\' dcTriboc. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 343 

„Dein Beistand bedeutet nicht viel" — „Bin ich denn nicht so gut 
wie andere?" Zweitens erhält der V. 691 

juri TOI jLi' fpuK€ bpäv Trap€CK€uacja€Vov 

erst dann seinen gehörigen Sinn, wenn er auf die Worte 

ouK Ict' iv öi|i€i TpaO|ua |uf| bpu)CTic x^pöc 

folgt. Dem Diener, welcher sagt „nicht auf den Blick, sondern auf 
das Handeln kommt es an" entgegnet lolaos „ich will ja eben han- 
deln; halte mich nur nicht zurück". Darnach haben die drei Verse 
688 — 690 mit dem V. 684 die Stelle zu tauschen, so dass 
folgende Ordnung zum Vorschein kommt: 

0E. fiKicia Trpöc coO |uiujpov fjv eiTieTv iizoc. 
10. Kai |uf) |LX€Tacx€iv f' dXKiiuGu iLxdxTic qpiXoic. 683 
GE. OUK f ct' It', liü Täv, f^ ttot' fjv ^u)|LiTi ce0€V. 688 
10. dXX' oöv |Lxaxoö|Liai f' dpi9|Lxöv ouk dXdccoci. 689 
0E. C|uiKpöv TÖ cöv cr|KUJ|uia TTpocTiGrjc qpiXoic. 690 
10. Ti b'; QU 6^voi|Lxi kSv dfuj b\ dcTTiboc; 685 
0E. 0€voic fiv, dXXd irpöcöev auiöc Sv ttccoic. 686 
10. oubeic ^}x dxOpÄv TipocßXeTruuv dveHerai. 687 
0E. OUK ?CT* dv övpei Tpau|Lxa |uf| bpu)cr|c x^pöc. 684 
10. |Lxri Toi jLi' ?puK€ bpdv TrapecKeuac|Lxevov 691 
0E. bpdv |u^v cii y' oux oiöc t€, ßouX€C0ai b' icuc. 692. 

Eine ähnliche Unordnung habe ich im Eh. Mus. 1872 S. 479 
aus Phoen. 724 — 731 entfernt, wo sich Eteokles und Kreon über 
einen Angriff der Feinde berathen und dem unbesonnenen Eifer des 
jugendlichen Polyneikes die bedächtige Art des Kreon entgegentritt: 

ET. el vuKTÖc auTok 7rpocßdXoi|Liev eK Xöxou; 724 
KP. dvbucTuxncai beivöv euqppövric Kveqpac. 727 
ET. icov qpepei vuH, toic bk toX|lxüüciv tiXcov. 726 
KP. emep cqpaXeic fe beupo ciü0ric€i irdXiv. 725 
ET. ßa0u€ T^ TOI AipKaioc dvaxujpeiv töttoc. 730 
KP. äirav KdKiov tou q)uXdccec0ai KaXOüc. 731 
ET. dXX' diuqpi beiirvov ouci irpocßdXiü böpu; 728 
KP. IkttXtiHic äv t^voito, viKficai bk bei. 729 

Hier musste die Eeihenfolge von drei Versen umgekehrt und zwei 
Verspaare mussten vertauscht werden. Jetzt erst geht ein Gedanke 
aus dem anderen hervor und wird nicht dasjenige noch einmal ge- 
bracht, was bereits abgemacht ist. So schreitet das Zwiegespräch 
kunstgerecht weiter und artet nicht in ein planloses Hin- und Her- 
reden aus. Wo diese natürliche Entwicklung des Dialogs fehlt, da 
muss ein Fehler vorhanden sein. Z. B. kann in Med. 922 

(lA.) aÖTT], Ti xXujpoic baKpiioic xd-fT^ic Kopac 

. . KOUK dc|Li^vri TÖvb* ii d|uou bex€i Xöfov; 
MH. oub^v T^KVUüv Tujvb' dvvooujLi^VTi irepi. 925 
lA. 0dpc€i vuv €u fäf) Tiuvbe eyjcojLiai [ir^pi]. 



344 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

MH. bpdciu Tab'* oÖToi coTc dincTriciu Xöyoic. 

Yuvf] be 0fiXu Kam baKpuoic ecpu. 
lA. Ti br|, idXaiva, toTcb' eincTeveic leKVOic; 
MH. ?TiKTOV auToüc Zifiv b' OT* ^Hriuxou teKva, 930 

€icfiX0e |Li' oTktoc, €1 Yevrjcetai tdbe. 

dXX' (LvTtep €iv€k' eic d|Liouc fiKeic Xoyouc, kt^. 

die Ordnung der Verse desshalb nicht richtig sein, weil mit bpdciu 
xdb'* oÖTOi coTc diTiCTriciu Xöyoic die Sache abgeschlossen ist. Ich 
habe in meiner Ausgabe der Medea gezeigt, wie die Verse geordnet 
werden müssen. Die Antwort „ich denke nur über meine Kinder 
nach" (925) hat in natürlicher Weise die weitere Frage „und was 
sind die Gedanken, die dich so traurig machen?" (929) zur Folge. 
Die drei Verse 926 — 928 sind also an die Stelle von den 
drei folgenden gekommen: 

lA. aöiri, Ti xXuipoic baKpuoic teyy^ic KOpac; KTe 
MH. oubev T€KViüv toivb' evvooujaevT] iiepi. 925. 
lA. Ti br], TdXaiva, toTcb' diriCTeveic tekvoic; 929 
MH. ^TiKTov auTouc* lr]V b' 6t' ^Htiuxou xeKva, 930 

eicfjXOe ja' oIktoc, ei Y^vricexai rdbe. 931 
lA. Odpcei vuv eö Ydp Tilivbe örjcoiuai [iiepi]. 926 
MH. bpdcuj idb'' oÖToi coTc dTricirjciu Xöyoic 927 

Yuvf] be öfiXu Kam baKpuoic ecpu. 928 

Ein aufmerksamerer Beobachter wird einen Mangel im Fort- 
gang der Stichomythie auch Hipp. 99 entdecken. Der Diener macht 
den Hippolytos aufmerksam, der Göttin Kypris ebenso wie andern 
Göttern seine Ehrfurcht zu bezeugen und nicht stolz an ihr vorüber- 
zugehen: 

0E. 7TUJC oüiv cu ce|uvf]V bai|Liov' ou irpoceweTreic; 

ITT. Tiv'; euXaßoö hk ixr\ ti coO ccpaXrj ctöina. 

0E. Tr|vb' ti TTuXaici caTc dqpdcTTiKev Kuirpic. 

ITT. Trpöciuöev auifiv dYVÖc uiv dc7Td2o|Liai. 

0E. ce|Livri y^ |u^vtoi Kd7Ticr||Lioc ev ßpoToTc. 

ITT. dXXoiciv dXXoc 0eujv re Kdv6pu)Truiv |LieXei. 

0E. eubai)LiovoiTic vouv ?x^v öcov ce bei. ip5 

ITT. oubeic ^x dpecKei vukti GauiiiacTÖc GeOüv. 

0E. Ti|LiaTciv, u) Ttai, baijaövujv xp^cöai XP^^v. 

Bei dieser Ordnung der Verse enthält eubai|Liovoiric voöv ?x^v ocov 
ce bei (V. 105) keine passende Erwiderung auf den vorangehenden 
Einwand des Hippolytos, weil die Vermittlung für den folgenden V. 
fehlt. Ueberhaupt ist eubai|uovoir|C . . bei, nicht aber der V. 107 TijiiaT- 
civ, (b TtaT, baijaövujv XPflcöai XP^^V für den Schluss geeignet. 
Nach dem letzteren V. erwartet man eine weitere Bemerkung, wäh- 
rend nach jenem V. die Einrede oubeic . . 6eujv noch einmal aufnimmt, 
was schon abgemacht ist. Offenbar liegt in der Mahnung „die Götter, 
mein Sohn, muss man ehren" die Erwiderung auf die Bemerkung 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 345 

„der eine kümmert sich um diesen, der andere um jenen Gott wie 
Menschen"; di. h. „an der Kypris liegt mir wenig". Mithin ist die 
richtige Ordnung folgende: 

ITT. äXXoiciv ciXXoc 9eujv Te KdvöpuiTnuv |u^\ei. 104 
0E. Ti|LiaTav, (b iiaT, bai|Li6viuv xp^^Oai xpetüv. 107 
ITT. oubeic |li' dpecKei vukti 6au|uacTÖc 6eu)V. 106 
0E. €ubai|Liovoir|C voOv ?x^v ocov ce bei. 105. 

Ein sehr bemerkenswerther und zugleich für die Beschaffenheit 
der Textüberlieferung charakteristischer Fall falscher Versordnung 
ist noch übrig. Es konnte die durch zubillige Verrückung der Verse 
entstandene Lücke des Gedankens durch Interpolation ausgefüllt 
werden. Am deutlichsten lässt sich dies nachweisen an Heraclid. 
961, wo der Bote gegen die Absicht der Alkmene den Eurystheus 
zu ermorden Einspruch erhebt: 

Arr. ouK fcT' dvucTÖv TÖvbe CGI KaiaKTttveiv. 
AA. ciXXujc äp' auTÖv alx^dXujTov eiXo)Liev. 

eipYei be bx] Tic TÖvbe )Lif] öaveiv v6|lioc; 
Arr. ToTc Tflcbe x^A^pac TTpocrdTaiciv ov boKei. 
AA. Ti bf| TÖb'; exöpouc TOicib' ou KaXöv KiaveTv; 965 
Arr. oiix SvTiv' ctv fe I6jy/Q' eXiuciv ev iiidxri. 
AA. Ktti laOta böHavö' "YXXoc ^HrjvecxeTo; 
Arr. xpflv auTÖv, oT|Liai, Trjb' dTTiCTfjcai xöovi. 
AA. XPflv TÖvbe )Lif| lf\v |Lir|b' öpdv qpdoc tobe. 
Arr. tot' iibiKrjÖTi TtpOüTov QU öavujv öbe. 970 
AA. oÖKOuv ?t' ecTiv ^v KaXiIi boövai biKrjv; 

Arr. OUK fCTl TOÖTOV ÖCTIC ttV KttTaKTaVOl. 

Die ungerechtfertigte Unterbrechung der Stichomythie zwischen V. 
962 und 963 hat Heiland veranlasst nach V. 962 «ine Lücke an- 
zunehmen und Kirchhoff und Dindorf sind ihm darin gefolgt. Gewiss 
ist diese Vermuthung vollkommen begründet. Aber betrachten wir 
die V. 970. 971 näher. Einmal hat dort töte keine Beziehung. 
Zweitens ist die Frage der Alkmene oukoöv It' ecTiv dv KaXu) bouvai 
biKriV; ganz überflüssig und gegenstandslos, nachdem die Sache be- 
reits abgehandelt und die Frage der Alkmene ^x^pouc TOicib* ou 
KttXöv KTttveiv; bestimmt beantwortet ist. Wenn Alkmene schon 
weiss, dass die Athener überhaupt sich scheuen einen lebendig ge- 
fangenen Feind zu tödten, so weiss sie auch, dass dies für den be- 
sonderen Fall gilt. Die natürliche Gedankenfolge kann nur folgende 
sein: „Warum soll Eurystheus nicht sterben?" „Die Athener wollen 
es nicht." „Wie? halten es die Athener nicht für Eecht Feinde zu 
tödten?" „Die in der Schlacht lebendig gefangenen nicht." Auf 
die Herstellung dieser Gedankenfolge führt auch die Rücksicht auf 
TÖT€. Denn seine richtige Beziehung (vergl. V. 1009 vuv ouv direibri 
|Li' QU biiiXecav töte irpöGujaov övTa — in der Schlacht, wo er sich 
der Gefangenschaft durch den Tod zu entziehen suchte — , ToTciv 



346 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

'eXXrjvujy v6|uoic oux öiTVÖc €1|lii tuj KiavovTi Kaiöavuüv) erhält 
TÖT€, wenn es nach aixinaXuJTOV eiXojaev folgt („damals wurde der 
erste Fehler begangen, dass man ihn nicht tödtete, sondern gefangen 
nahm"). Demnach müssen die V. 970. 971 an die Stelle von 
V. 963 gesetzt werden, welcher interpoliert worden, als 
die Frage vor der Antwort toTc xficbe x^9^^ irpocidTaiciv 
o\) boKei ausgefallen war. So erhalten wir regelrechte Sticho- 
mythie mit naturgemässer Gedankenentwicklung: 

Arr. ouK ?ct' dvucTÖv TÖvbe coi KataKTaveTv. 
AA. aXXujc ap' auTÖv aixiuaXiuTov ei\o)Li€V. 962 
Arr. tot' TibiKrjÖTi irpujTOV oii 6aviuv öbe. 970 
AA. OÖKOUV eT' ^CTiv ev KaXiIi boövai biKriv; 971 
Arr. ToTc Tficbe x^A^pac irpocTOtTaiciv ov boKei. 964 
AA. Ti brj TÖb'; ixöpouc TOicib' ov KaXöv KTaveiv; 965 
Arr. oiix övTiv' civ fe 2a)v6' ?Xiuciv ^v indxri. 
AA. Kai TauTtt böE'avö' "YXXoc dEriv^cxcTo; 
Arr. xp^v aiiTÖv, oT|uai, T^b' diiicTficai xOovi. 
AA. xP^v TÖvbe jafj lf\v |UTib' opdv cpdoc Tobe.^ 969 
Arr. OUK ?CTl TOUTOV ScTic ttV KttTaKTdvoi. 972 

Aus einer grösseren Lücke sind noch zwei Verse gerettet worden, 
stehen aber an verkehrter Stelle im Text Suppl. 393. 394. Dort 
ißt der Anfang von der Eede des Theseus verloren in einer Lücke, 
welche bereits von Musgrave bemerkt worden ist. In dem erhalte- 
nen Stücke sendet Theseus seinen Herold zum Herrscher von Theben, 
um von diesem Beerdigung der gefallenen Argiver zu fordern. „Wenn 
sie, sagt er, bereitwillig zusagen, so kehre wieder um." Dann fährt 
er fort: 

Fjv b' dTTicTUüc', oibe beuTepoi Xoyoi, 

KÜJjaov b^x^cGai töv ^|liöv dcTnbTiqpöpov. 390 

CTpttTÖc be 6dccei KdHeTdZieTai Ttapujv 

KaXXixopov d|Li(pi ce|Livöv euTpeirrjC obe. 

Ktti )Lif]V dKOÖcd y' dcjaevri t' ebeHaTO 

TTÖXlC TTÖVOV TÖvb', UiC Ö^XoVTd |Ll' fjC6€T0. 

fa* XÖYUüv TIC ^iLiTTobiüv 6h^ fpxeTai; 

An ganz ungehöriger Stelle begegnet uns hier die Bemerkimg, dass 
die Bürgerschaft bereitwillig auf den Antrag des Theseus, den Schutz- 
flehenden Hülfe zu gewähren und von den Thebanem die Bestattung 
der gefallenen Argiver wo nöthig mit Waffengewalt zu erzwingen, 
eingegangen sei. Auch die Verbindung mit Kai )Lir|V, wofür 0. Goram 
KOivri b' vorgeschlagen hat, ist auffallend. Wollte aber jemand 
glauben, von der Bereitwilligkeit der Bürgerschaft werde desshalb 
hier gesprochen, weil sich daraus auf die Tapferkeit des Heeres 
schliessen lasse, so ist abgesehen von anderem folgendes zu beachten. 
Theseus hat voraus (V. 346 ff.) erklärt, sein Wille sei es die Ueber- 
gabe der Gefallenen zu erwirken; er wolle aber die Sache vorher 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 347 

dem Volke vorlegen, damit sich dieses aus eignem Antriebe dafür 
entscheide. Theseus geht und der Chor der Schutzflehenden ist in 
ängstlicher Spannung, was die Bürgerschaft beschliessen werde (V. 
375). Nach dem Chorgesange kehrt Theseus zurück. Sein erstes 
Wort muss die frohe Kunde sein, mit welcher er den bangen Chor 
tröstet, dass er seinen Zweck erreicht und sein Volk lieicht für seinen 
Plan gewonnen habe. Ist aber eine solche Erzählung vorausgegangen, 
dann kann es unmöglich noch einmal heissen Kai \xr\v ^KoOca . . 
fjcGeTO. Mithin gehören die beiden Verse 393. 394 in die 
Lücke vor V. 381. 

Nicht ohne Einfluss auf die Umgebung ist die falsche Stellung 
eines anderen Verses geblieben. Herc. f. 858 spricht Lyssa zur Iris, 
von der sie aufgefordert worden den Herakles in Wuth und Easerei 
zu versetzen: 

''HXiov jaapTup6)Lie0a bpujc' S bpäv ou ßouXo)Liai. 
€1 hk hr\ |Li' "Hpa 0' UTTOupYeiv coi t' dvaYKaiuJC ix^x 
Tdxoc dTTippoißbTiv 9^ ö)LiapT€iv ibc KuvTiY^Ti^ Kuvac, 
eT)Lii y'* oöt€ ttövtoc oötiü KU|Liaci ct^vujv Xdßpoc 
ouTC ff]C ceic|Liöc KCpauvoO t' oIcTpoc ibbivac ttv^ujv, 
Ol' ^Y^ cidbia bpajaoO|Liai ciepvov eic 'HpaKX^ouc. 

Im dritten V. corrigiert Kirchhoff rdxoc dTTippcißbeiv öjaapTeTv 6' 
ibc. Darnach müsste man verbinden coi t€ rdxoc ^irippoißbeTv 
6)LiapT€Tv T€. Sowohl nach dieser wie nach der überlieferten Lesart 
sagt Lyssa, sie wolle der Iris nachschwirren und nachfolgen wie 
Hunde dem Jäger. Was soll das heissen? Iris schwingt sich wieder 
in den Olympos hinauf ^ während Lyssa in die Brust des Herakles 
fährt. Was sollen Überhaupt solche Worte in diesem Zusammen- 
hange? Lyssa sagt: „ich nehme den Helios zum Zeugen, dass ich 
nicht gern thue was ich thue. . Wenn ich aber einmal der Hera und 
dir zu folgen gezwungen bin, so will ich gehen und will stürmen in 
die Brust des Herakles." Die Worte idxoc dirippcißbiiv 6' ö)LiapTeTv 
ibc KUVr]Y^Tri Kuvac sind hier ganz und gar imgeeignet und der 
V. 860 kann an seinem jetzigen Platze seine Stelle nicht 
haben. Wenn Nauck zu dem V. bemerkt „graviter corruptus", so 
fehlt dem V. nichts als die Verbindung und nur die Zusammenstel- 
lung Tdxoc dTTippcißbiiv TC ist unpassend, während der Ausdruck 
iTTippcißbriv 6|LiapTeiv ibc kuvt^y^tij KUvac vollkommen gesund ist 
und in seiner Eigenthümlichkeit auch keinen Verdacht an Interpola- 
tion aufkommen lässt. Nehmen wir nun die spätere Stelle V. 867 

f|v ibou Ktti bfj Tivdccei KpctTtt ßaXßibuüv äno 
Kai biacTpöqpouc iXiccei cTy« yopy^ttouc KÖpac. 
diLiTTVodc b' QU ciü(ppovi2ei, raOpoc ibc ic djLißoXrjV, 
beivd jLlUKdTai hk Kfipac dvaKaXujv täc TapTdpou. 
idx« c' ifdj iLiaXXov xopeiicuü xai KarauXricuj qpößuj. 

so ist im letzten V. c' ungeeignet und Kirchhoff vermuthet idxcx b\ 



348 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Dann aber vermissen wir ein Objekt zu xop^ucuü Kai KaTauXrjcuj ; 
wir vermissen auch die Angabe des Zweckes bei KaTauXrjCUi q)6ßuj. 
An das richtige mahnt uns die eigenthümliche üebereinstimmung 
von Tdxoc und Tdxa c', wovon das eine unbrauchbar, das andere 
fehlerhaft ist. Der V. 860 ist nach V. 871 in folgender Weise 
einzusetzen: 

Tdxoc dyiw |LidX\ov xopeucu Kai KatauXricuj qpößqj 871 
(roy/b'y dirippcißbriv OjaapteTv ibc KUVTiTetr) Kuvac. 860 

Besondere Beachtung verdient noch die Umstellung von Hipp. 911 — 
913 nach V. 915 (Markland), von Tro. 23—27 nach 44 (Wagner), 
von Heracl. 560. 561 nach 563 (Schenkl), von Iph. T. 994—998 
nach 1003 (Koechly). Heber Ale. 714 f., welche Nauck nach V. 
719 versetzen will, wird unten z. d. St. gehandelt werden. Bedenk- 
lich ist es, wenn Usener Heracl. 1042 — 1044 vor 1036, wo dann 
TTpoböviec in TTpoböviac zu ändern ist, einsetzt. Denn xctpiv -Trpo- 
bövtec Tr|vb€ passt zu öiav jaöXuJci beOpo cuv iioXXri x^P^ nicht 
aber xdpiv TTpoböviac Trjvbe zu Toucbe T€ ßXdipuj öaviuv. Zudem 
ist biTiXcöv bk Kepboc eHex* il ejaou, u)Lidc t' övrjcuj Toucbe le ßXdipuü 
6avu)V ein für sich abgeschlossener Gedanke. — Ebenso wird durch 
die auf den ersten Anblick geMlige Vertauschung von Hipp. 330 
imd 332, welche Hirzel vorgeschlagen hat, der richtige Gedanken- 
gang nur gestört. In 

0AI. öXeT* TÖ luevToi TTpäY^'^ e|uoi Ti)Lif|V qpepei. 329 
TP. ouKouv XeTOuca Ti|LiiujTdpa cpaveT; 332 
0AI. ^K tAv YOip aicxpOüv ecGXd |urixavu)|Li€6a. 331 
TP. KCtTreiTa Kpuirteic Xpil^ö' iKVOUjaevric ejaoO; 330 

nimmt sich zwar V. 332 sehr gut nach V. 329 aus; aber weder ist 
V. 330 eine geeignete Erwiderung auf V. 331, in welchem das 
Hauptgewicht des Gedankens auf dK^TiüV ydp aicxpÄv ruht, noch 
passt die Erwiderung V. 330, wenn V. 332 vorausgeht. Denn dann 
ist der Einwand der Amme von V. 330 unnütz, weil in V. 332. 331 
bereits gesagt ist, warum Phädra ihr Verlangen obgleich es gut sei 
doch nicht kund thue. Dagegen kann in der überlieferten Ordnung 
die Amme auf V. 331 mit Eücksicht auf Phädras Wort V. 329 die 
entschiedene Behauptung oukoöv XeTOUca Ti|uiujT€pa qpavei darauf 
setzen. Auch in Iph. T. 1348 

6puj|Liev . . eK bec|uujv bk touc veaviac 
^Xeuöepouc 7Tpij|uvri9ev kiujTac veuüc. 
KOVToTc bk Trpujpav eixov, oi b' eTnutibuiv 1350 
ÖTKUpav dHavfJTrTOV, oi be KXi|LiaKac 
CTreuboviec fJTOV bid x^puJV irpujLivricia 
TTÖVTqj bk bövTec toTv Hevoiv KaÖiecav. 

wird durch Umstellung kaum zu helfen sein. Kirchhoff, welcher 
gesehen, dass KXi|LiaKac ttövtuj bövrec Kaöiecav zusammengehört, 
wollte die Versausgänge umstellen; 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 349 

ctYKUpav eEavfJTTTOV ?| rrpuiuvricia 
CTreubovTec rJTOV biet x^puJV Kai KXijaaxac 
TTÖVTUJ bibövtec Toiv Hevoiv Ka6i€cav. 

Hierin aber sind an die Stelle des einzig passenden ol bt sehr un- 
geeignete Conjunktionen Fj — Kai getreten. Koechly nimmt nach 
^Xeuö^pouc eine Lücke an, schreibt ^ctOütcc und setzt nach diesem 
V. den V. 1352 ein: 

Trpijjavr|6ev kiOüiec veuic 
C7T€ubovT€C fJYOV bict x^puL^v TTpujavrjcia. 

Weil erkennt diese Emendation an und bemerkt zu Trpu|LiVTi6€V 
dcTUJiec veuic: „se tenant sur la proue du vaisseau. C'est forcer 
le sens de ces mots que de les rapporter ä Oreste et ä Pylade, qui 
etaient encore sur la plage". Allein es ist zu beachten, dass Tipii- 
|uvr|0€V etwas anderes ist als em 7rpi3|Livr|C (vergl. V. 1377) und dass 
die Erklärung „am Hintertheile des Schiffes stehend" als durchaus 
richtig erscheint. Der V. kann nirgends passend eingefügt werden; 
er stammt aus einem anderen Stücke, aus einer Parallel- 
stelle und war ursprünglich an den Eand geschrieben. 
Denn dass die Halttaue noch nicht vom Ufer losgelöst und weg- 
gezogen sind, geht aus V. 1355 hervor: eixöjaecöa iflc Eevr|C Ttpu- 
ILivriciiuv re. Nur die Anker sind aufgezogen, wesshalb einige Leute 
das Schiff mit Stangen festhalten. Es handelt sich vor allem darum 
die Iphigenie sammt dem Götterbilde ins Schiff zu bringen und gerade 
diese so verdächtigen Anstalten schildert der Bote. Es ist sehr er- 
klärlich, dass erst, nachdem Iphigenie mit dem Bilde glücklich ein- 
geschifft ist, die Halttaue gelöst werden. Die Schilderung lautet also : 

KOVTOic bk Tipujpav eixov, o'i b' ^TriuTibuiv 
ÖYKupav ^HavfJTTTOV, o'{ bk KXijaaKac 
7TÖVTUJ bibövTCc TOiv Hcvoiv Ka6i€cav. 

In gleicher Weise steht nach V. 1441 ein aus einer anderen Stelle 
entlehnter Vers in der einen Handschrift. Dasselbe müsste von V. 
1346 gelten, wenn er nicht mit der Aenderung Kaifipec (für KaTrj- 
pei) ganz an seiner Stelle wäre. Mit Unrecht hat die Umstellung 
von Hermann: 

beivöc TOtp ^Xöujv fiv€)Lioc ^Haicpvric veuiC 1394 
Tapco) KaTrjpei iiiTuXov eTriepiujLievov 1346 
uj6€i TraXija7Tpu)LiVTib6v. 1395 

so grossen Beifall gefunden. Der V. 1346 gehört in die Schilderung 
eines zur Abfahrt bereit liegenden Schiffes, nicht aber in jene Er- 
zählung von der Wirkung des Windstosses. So evident aber in V. 
1395 die Aenderung von Hermann ist (TraXija7Tpu)Livriböv für TrdXiv 
7Tpu|uvr|Ci'), so sicher ist vorher V€U)C corrupt, wie bereits Kirchhoff 
geurtheilt hat. Wahrscheinlich verdankt es seinen Ursprung einer 
Ueberschriffc über CKdcpoc, die durch die Erinnerung an T. 1345 
^€XXdboc veujc CKdcpoc hervorgerufen worden. 



350 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 



IV. Interpolationen. 

Die Engherzigkeit und Befangenheit, in welcher man früher 
gegen die deutlichsten Spuren der Interpolation die Augen verschloss, 
ist jetzt überwunden. In der zweiten Ausgabe von Kirchhoff, dem 
Niemand Besonnenheit der Kritik im Euripides absprechen wird, 
stehen abgesehen von der Iphig. A. über anderthalbhundert Verse 
unter dem Text und wer unbefangen und sachkundig zu urtheilen 
versteht, wird wenige davon in Schutz zu nehmen, andere noch hin- 
zuzufügen geneigt sein. Bei genauerer Betrachtung der interpolier- 
ten Verse ergeben sich einige Gesichtspunkte, welche für die Be- 
urtheilung dieser Frage und für die richtige Behandlung der Ueber- 
lieferung von Wichtigkeit sind. 

1. Vor allem scheint die gewöhnliche Ansicht über das Alter 
und den Ursprung der Interpolationen einer Berichtigung zu bedür- 
fen. Viele Verse, welche man den Schauspielern zuzuschreiben pflegt, 
scheinen byzantinischen Grammatikern und Erklärern an- 
zugehören. Darauf leitet schon die Beobachtung, dass gerade die 
in der byzantinischen Zeit gelesensten Stücke ganz besonders durch 
Interpolation gelitten haben. Denn die Phoenissen und der Orestes 
weisen die meisten interpolierten Verse auf und auch in der Hecuba 
fehlt es nicht an unechten Versen. Diese späte Zeit verräth femer 
das Scholion zu Or. 1023. Alle Handschriften (auch A) geben 

QU cTy' dcpeica touc YUvaiKeiouc yöouc 

CTepHeic Tct Kpav0€VT'; oiKTpa jli^v rdb', d\X' Sjaiüc 

cpepeiv dvdYKri idc TtapecTUicac tux«c. 

DerScholiast aber bemerkt: Xeiirei tö bei qpepeiv Tivec bk Ypdcpou- 
civ oiKTpd |Li€V, d\X' 8|uujc cpepe. Der Scholiast kannte also den 
dritten V. qpepeiv . . Tuxotc noch nicht. Der byzantinischen Zeit 
gehört endlich die metrische Gestalt folgender Verse an: 

Phoen. 1235 CTtapTuiv le Xaöc aXic 8c Keitai vexpöc. 
Ion 616 Scac ccpaYdc bx] cpapindKiuv 6avaci)LiUJV 

YuvaiKec eöpov dvbpdciv biacpOopdc. 
Hei. 905 dateoc b' 6 ttXoötoc fibiKOc Tic ujv. 

Es würde auch der unechte Vers Or. 933 irdXai TTeXacYOi, Aavatbai 
beuT^pov hieher zu rechnen sein, wenn nicht schon der Sinn die 
Ergänzung von be, welches vor be(uTepov) leicht wegfallen konnte, 
forderte. 

Wenn die vorhin berührte, durch die Kürze des Ausdrucks 
oiKTpa |Li^v tdb', dXX' öjaujc veranlasste Interpolation aus später Zeit 
herrührt, so wird dies auch der Fall sein mit der gleichen Bacch. 1027 

ujc ce CTcvdCui, boOXoc u)v juev, dXX' 8)liujc 
XpTiCToTci boijXoic Hu|Li(popd id becTroTUJV, 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 351 

worin der zweite V. ans Med. 54 stammt. Den gleichen Ursprung 
hat auch in Herc. f. 1365 

oiKCi TTÖXiv Trjvb', d6Xiujc |uev, äW 8|liujc 

vpuxrjv ßia2ou idjad cuincpepeiv Kaxd 

der bereits von Nauck als unecht bezeichnete V. vpuxrjV . . Kaxd; 

ebenso in der Eede der Kassandra Tro. 365 

TTÖXiv he bei^uj Tr|vbe iiiaKapiiuTepav 
r| Touc 'Axciiouc, JvOeoc |li€V, dXV 8|liujc 
Tocövbe y' ß^ CTr|co|Liai ßaKX€U)LidTUJV 

der V. 367 Tocovbe t' • . ßaKX€U)LidTUJV, welcher den einfach 
schönen Ausdruck fv6eoc |li^v, d\\* 6|liiuc in ungeschickter Weise 
verwässert. Wir haben noch ein anderes Zeugniss für den Ursprung 
derartiger Ergänzungen. In Soph. Ai. 839 

Ktti cqpac KaKOuc KdKicia Kai TtaviuXeöpouc 
^uvapirdceiav, ujCTtep elcopujc* i^xi 
[auTOCcpaTfi irmTOVTa, tujc auTocqpaYeTc 
Tipöc TUJV qpiXicTUJV ^k^övojv öXciato] 

bemerkt der Schol. zu V. 841 Tauia vo6eiJ€c0ai cpaciv U7roß\Ti6evTa 
irpöc caqpriveiav tujv X€TO|li^viuv. Die Form cpiXiCTOC wird es recht- 
fertigen, wenn wir die beiden Verse 841 f., welche zur Ergänzung 
von eicopuic' ijxe angefügt sind, byzantinischen Grammatikern zu- 
schreiben. Ferner erfahren wir aus den Scholien, dass Androm. 6 

vöv b' €1 TIC dXXii bucTuxecTdiri Yuvfj 

d|Liou TidcpuKev fj YCvrjceTai Troie. 

der zweite Vers hinzugedichtet wurde, weil man die falsche Lesart 
bx] TIC hatte; in vöv bi] Tic fiXXri bucTUxecTdTti fvvx] ^)lioO irecpuKev 
Fi Y€vr|ceTai ttotc sollte der Superlativ bucTuxecTdTr] statt des 
Komparativs stehen. Wir werden solche Weisheit nur byzantinischen 
Grammatikern zugestehen. Freilich heisst es im Scholion oi utto- 
KpiTOi TÖv ia|Lißov Trpoc€0TiKav; allein eben solchen Stellen verdankt 
man die falsche Ansicht von den ungeschickten Schauspielerinter- 
polationen; seitdem Heimsoeth de voce UTiOKpiTric comment. aus dem 
Schol. zu Med. 169 'AiroXXöbujpoc ja^v ouv cpriciv 6 Tapceuc ttjc 
d)LicpißoXiac aiTiouc eivai touc uTroKpiTdc cuyx^ovtqc Td xopiKd toic 
UTTO Mr^beiac XcYOinevoic nachgewiesen hat, dass UTroKpiTr|C in den 
Scholien häufig die Bedeutung „Interpret, Erklärer" hat, wird manches, 
was früher den Schauspielern zur Last fiel, auf die Erklärer über- 
tragen werden müssen. Wenn wir in dem Schol. zu Med. 910 Ibiujc 
ouv eipriKC „Ttöcei" dvTi toO „ttöcigc" * oi bk uTiCKpiTai dYVor|cavTec 
Ypdcpouciv dvTi Tou Ttöcei „d|Liou", ÖTtep ou bei den Ausdruck Ypd- 
q)0uciv ins Auge fassen, so werden wir auch hier an Erklärer denken 
und wir haben in eiKÖc Ydp öpYdc 6fjXu iioieTcöai y^voc y^juouc 
irapeiLiTroXuiVTOC dXXoiouc.^luou einen Text, welcher jener Annahme 
des Komparativs würdig zur Seite steht. Die byzantinischen Gram- 
matiker scheinen in die Fusstapfen der Alexandriner getreten zu sein; 



352 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

denn diesen, nicht den Schauspielern scheint die Rüge des Didymus 
zu gelten, welche das Schol. zu Med. 356 angieht: AibujLioc jueid 
TOÖTOV cpepei tö „ciYri b6)Liouc eicßäc', iV IcTpuüiai X^xoc" xai 
|Lie)Licp€Tai ToTc UTTOKpiTaTc ibc otKaipiuc aiitöv Tdccouciv. Ist dies 
richtig, so dürfen die Wiederholungen gleicher Verse, die besonders 
in der Medea zahlreich sind, nicht mehr mit Valckenaer (zu den 
Phoen. 1282) dem Gedächtniss der Schauspieler, sondern derThätig- 
keit der Commentatoren beigemessen werden. 

2. Was diese Wiederholungen betrifft, so kommen in verschie- 
denen Stücken gleichlautende Verse öfters vor, ohne irgend einen 
Verdacht der Interpolation zu erwecken (vergl. meine Bemerkung im 
Anh. zu Med. 748). Selbst die Aehnlichkeit von Med. 923 und 
1148 oder Phoen. 568 und 778 können wir arglos hinnehmen. Solche 
unbedenkliche Aehnlichkeit betrifft gewöhnliche Gedanken und 
Redensarten, bei denen sich dem Dichter, der in gebundener Rede 
schreibt und ein Versmass sucht, unwillkürlich die gleiche Form auf- 
drängt. Anders verhält es sich mit Suppl. 531 — 536, welche an 
ihrer Stelle ungeeignet sind und von Stob. flor. 123, 3 dem Moschion 
beigelegt werden, oder mit Androm. 330 f., welche bei Stob. flor. 
104, 14 unter dem Namen Menander angeführt sind und in der That 
nicht am Platze scheinen. Vergl. auch Androm. 1283, welcher bei 
Stobaeus mit einem Vers der Antiope, imd El. 1097 — 1099, welche 
ebendort mit einem Bruchstück der Kpf^ccai verbunden sind. Die 
Verse, welche in einem und demselben Stücke zweimal oder auch 
dreimal wiederkehren, wird niemand mehr vertheidigen wollen. 

3. Als einen Grund von Interpolationen haben wir die Absicht 
der Ergänzung kennen gelernt. Diese Absicht scheint auch Phoen. 
432 ff. obgewaltet zu haben. lokaste fragt ihren Sohn, wie er das 
argivische Heer vermocht habe, ihm vor die Mauern Thebens zu 
folgen. Polyneikes antwortet V. 427 

biccoTc ''AbpacTOC ujjuocev Ya^ßpoic TÖbe, 
[TubeT Te Kd|Lioi* cuYYCt|Lioc yctp ^ct' e|Li6c,] 
ä)Li(pui KardHeiv eic TrotTpav, TtpöcGev b' ^ju^. 
TToXXoi be Aavaujv koi MuKTivaiiuv ÄKpoi 430 
Trdpeici XuTTpdv x^tpiv dvaYKaiav be }xox 
biböviec* eiri ydp TfjV d)Lif]v CTpaTeucjuai 
TTÖXiv 0eoOc b' dirijüiuoc', ibc dKouciiüc 
Toic (piXldTOlC dKOÖClV ^pd|LiTiv böpu. 

Die Begründung im ydp Tf)V ejuf|V CTpaieuoiLiai ttöXiv verräth ein 
Missverständniss des Ausdrucks XuTrpdv X^^Piv. Denn dies will nicht 
sagen, dass das Unternehmen für Polyneikes trübselig "sei, sondern 
dass die Heerführer von Argos und Mykene als Untergebene des 
Adrastos theilnehmen mussten ohne irgend ein Interesse an dem Zuge 
und an der Rückführung des ihnen fremden Polyneikes zu haben. 
Die Anknüpfung der V. 432 — 434 ist also nur dem ver- 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 353 

meintlichen Bedürfniss eines Verbums von dem der Acc. 
Xapiv abhänge, entsprungen, während in 

Tidpeici Ximpdv x^Piv dvaYKaiav bi jiox 

der Acc. nach einem gerade bei Euripides sehr häufigen Gebrauche 
(vergl. Or. 1105 'GX^VTiv KTdviu|a€V, MeveXeqj Xutttiv iiiKpdv; El. 
231 €u baiiaovoiTic, jaic9öv f|bicTiuv Xöyujv) als Apposition zum Inhalt 
des Satzes steht, juci aber zu iidpeici gehört (vergl. Or. 583). 

Der beabsichtigte scherzhafte Ausdruck ist durch einen solchen 
Zusatz verdorben worden Cycl. 90 

OUK ICaCl beCTTÖTTlV 

TToXucpTiiLiqy oToc Ictiv, dHevov CTi^ryv 
Tr|vb' djußeßuüTec Kai KuKXuindv Yvd6ov 
Tf]v dvbpoßpujTa bucTuxÄc dcpiYM^voi. 

Man vergl. z. B. V. 174 TfjV KuKXiüTroc djuaGiav xXaieiv KcXeiiiü Kai 
TÖv 6(p0aX|Liöv iLi^cov oder V. 340 TfjV b' d|ariv M^v^X^v ei» iraucoiuai 
bpujv eö KaiecGiiüv li cd, um zu fühlen, wie lästig der V. 93 rrjV 
dvbpoßpOjia bucTuxuJC dcpiYjüidvoi nachschleppt. 

Am deutlichsten ist die fremde Zuthat Hipp. 936, wo Theseus 
ausruft: 

cpeO Tf]C ßporeiac, ttoT irpoßriceTai, cppevöc. 
Ti T€p)Lia TÖXiarjc Kai 6pdcouc Y^vriceiai; 
ei ydp Kax' dvbpöc ßiOTOV ^^OTKU)C€Tai, 
6 b' öcT€poc ToO Trp6c6ev eic uirepßoXfiv 
TTavoöpYOC ?CTai, GeoTci TipocßaXeTv xöovi 940 
dXXriv ber^cei yaiav, f^ x^Pil^eTai 
Touc jLif) biKaiouc Kai KaKoiic irecpuKOTac. 

Theseus will sagen, „solche Grösse der Unverschämtheit habe ich 
bis jetzt noch nicht erlebt" und klagt über das Uebermass mensch- 
licher Verwegenheit, die an Grösse immer zunehme; er klagt nicht 
über die Zahl der schlechten Menschen. Die Götter müssen an die 
Erde eine neue ansetzen, um die menschliche Frechheit zu fassen, 
so gross ist sie geworden. Derjenige, der den V. 942 hinzu- 
fügte, hat den Sinn des Dichters nicht erfasst. 

4. Wir haben oben gefunden, dass die falsche Lesart bf| Tic 
eine Interpolation zur Folge hatte. Es ist denkbar, dass ein über 
oder imter der Zeile stehendes Glossem Anlass einer Ergänzung 
wurde. Dass dies vorgekommen, schliesse ich aus Or. 1105 

TTY. "eXevTiv Kidviuiuev, MevAeqj Xutttiv TtiKpdv. 
OP. TTUJc; TÖ Ydp ?Toijaöv dcTiv, et y' fcxai KaXuJc. 
TTY. c(pdHavT€C* iv böjaoic bk KpuirTeiai c^6€V. 
OP. iLidXiCTa* Kai bf\ Trdvi' dTTOCcppaTiZieTai. 
TTY. dXX' ouK^9', "Aibriv vu|acpiov KeKTr]jadvT]. 
OP. Kai TTi&c; ix^i Tdp ßapßdpouc ÖTrdovac. 

Brunck bemerkte, zu dieser Stelle, non posse hie dici de Helena ob- 
signandis aut resignandis arculis occupata; id enim nihil adiumenti 

Jahib. f. clasa. Phüol. Suppl. Bd. VU. Hft. 3. 23 



1 



354 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

aut impedimenti necem molientibus attulisse, nee scire Orestem 
potuisse, quid Helena ageret; nee opus fuisse, ut omnia in tuto col- 
locaret, quo sensu verbum dTiacqpaXiZeTai (eine andere Lesart) acce- 
pit Musgravius. Brunck erklärte TTcivTa im Sinne von KttTÖ irdvia 
und dTTOcqppaYiZieTai im übertragenen Sinn „in tuto est". Einer 
solchen Erklärung widerspricht alles. Aber das absurde von dem 
Gedanken, dass Helena alles versiegele, hat Brunck richtig gefühlt. 
Ein ungeschickter Ausdruck ist dXX' ouKe0', wofür Nauck ouk oTbev 
vermuthet; es müsste heissen „bald wird sie es nicht mehr thun". 
Am auffallendsten aber ist "Aibriv vu|Li(piov KeKTTi|Li€vr]. Wie kommt 
dieser Gedanke hieher? Es könnte doch nur dann ein Sinn darin 
liegen, wenn Travt' diroccppaYiCeTai das Thun einer Braut bezeich- 
nete. So kann "Aibiiv vu|ucpiov KCKTTifAevr] nur als abgeschmackt 
gelten. Wir haben hier offenbar eine späte Interpolation, 
deren Entstehung sich dann erklärt, wenn wir uns aus der Ueber- 
schrift von KpuirieTai über diroccppaYi^eTai den Text 

ccpdHavTec ^v böjLioic be KpuTTTexai 

diTOCcppaYiZeTai 

hervorgegangen denken. Wir haben demnach als ursprünglichen 
Text zu betrachten 

TTY. 'ex^vriv KTdvuj|aev, Mev^Xeiw Xutttiv iriKpdv. 
OP. TTUJc; TÖ Yttp ?Toijaöv ^ctiv, et y' ^crai KaXuJc. 
TTY. ccpdHavrec* dv böjuoic b' dTtoccppaYi^eTai. 1107 
OP. Ktti TTUJC ; ^xei fäp ßapßdpouc öirdovac. 1110. 

Mit dTTOCcppaYiCeTai vergl. Herc. f. 53 Ik fäp eccppaYic|advoi böjuujv 
Ka0r||ae0a und Adesp. fr. 458, 9 öcTic bk )lioxXoTc Kai biacq)paYic|aaa 
ciüCei bdjuapia. Jetzt erhält auch Kai ttujc; seine richtige Beziehung 
auf cqpdHaVTec. Pylades sagt: „wir wollen der Helena den Tod be- 
reiten". Orestes erwidert: „wie soll es geschehen? am guten Willen 
soll es nicht fehlen". Pylades antwortet: „wir wollen sie mit dem 
Schwert ermorden; wir haben sie ja in unserer Gewalt". Darauf 
Orestes: „und wie ist das möglich, da sie Barbaren als Leibwache 
um sich hat?" 

5. Ein äusseres Zeugniss für Annahme von Interpolationen, die 
von Schauspielern, aber auch von Grammatikern herrühren können, 
liegt in der Angabe der Scholiasten, dass ein Vers sich in einem 
oder mehreren dvTiYpacpa nicht finde. Solche Angaben haben wir 
zu Phoen. 1075, 1225, 1282, Hipp. 871—873, 1050, Andrem. 
1254, Ale. 818 — 820. Da alle diese Verse sich als unecht erwei- 
sen, so werden wir, wenn wir methodisch verfahren wollen, auch 
Phoen. 374 

ibc beivöv ^XÖpa, lufiiep, oiKeiujv cpiXujv 

Kai bucXuTOuc ?xo^ca rdc biaXXaYdc 

den zweiten V., zu dem wir das gleiche Zeugniss haben: 6 CTixoC 
OÖTOC fv Ticiv ou qp^perai, als Interpolation betrachten müssen. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 355 

Nur Angaben gegenüber, wie sie das Schol. zu Phoen. 428 giebt, 
TOÖTO Trepiccöv Trpo€|LiTivü0Ti yäp aviüGev, welche einem subjektiven 
Urtheil der Hypomnematisten entstammen, kann man sich kritisch 
verhalten. Doch ist auch jener Vers längst als Interpolation erkannt. 
Bedenklicher ist es, daraus, dass ein Vers in einer oder in meh- 
reren unserer Handschriften fehlt, einen Beweis für die Unechtheit 
zu entnehmen, da zahlreiche Verse, an deren Echtheit nicht im ent- 
ferntesten gezweifelt werden kann, da und dort von den Abschreibern 
übersehen worden sind. Es müssen also gewichtige innere Gründe 
hinzukommen. Dies ist z. B. der Fall bei Hipp. 691, welcher in 
einer Handschrift (E) fehlt und von Brunck als Interpolation erkannt 
worden ist. Androm. 1073, wo der Bote von Delphi dem greisen 
Peleus verkündet; 

ouK fcTi CGI Traic irmböc, ibc |ua6ric, ^epov 
TTriXeO* roidcbe qpacYdvuüv ttXtiyoic fx^i 
AeXcpujv vn dvbpOüv Kai MuKTivaiou Eevou 

greift der dritte Vers der Erzählung vor. Der Umstand also, 
dass drei Handschriften (A c d) den Vers auslassen, scheint beachtens- 
werth. Ebenso ist für den Vers Phoen. 1158, welcher die Sache 
übertreibt, 

XSav djußaXuüV Kdpa 
djuaHoTrXTiöfi, ^e\c' ^irdXHeuiv diio 

das Fehlen in einer Handschrift (A) Bedenken erregend. 

Nur nebenbei sei hier erwähnt, dass fr. 429 nicht nach Stob. 

fl. 10, 7 

ocTic Ydp dcTUJV ttX^ov ^x^^^ ir^cpuK* dvi^p, 
oubev cppoveT biKaiov oub^ ßoiiXeiai 
cpiXoic t' cljaiKTÖc dcTi Kai Trdcri iiöXti, 

sondern in der Gestalt von ebd. 22, 2 

ScTic ydp dcTUüV iiX^ov fx^iv ir^cpuK' dvr|p, 
cpiXoic t' djuiKTÖc ecTi Kai irdcr] iiöXei. 

zu schreiben ist. Denn der V. oubev cppoveT biKaiov oube 
ßouXeTai stammt aus einer anderen Stelle, in welcher ein 
Infinitiv zu oub^ ßoiiXeTai nachfolgte. Vergl. Heracl. 3 8 b' eic tö 
K^pboc Xfi|u' ^X'üjv dveijue'vov iröXei t' dxpriCTÖc Kai cuvaXXdcceiv 
ßapuc. 

Aehnlich verhält es sich mit fr. 832 

ScTic hk 6vr]TUJV oierai Toucp' f]|aepav 
KaKÖv Ti irpdccujv touc Geouc XeXiiO^vai, 
boKcT 7T0vr]pd Kai boKiüV aXicKCTai, 
oiav cxoXfjV fito^ca TUYXavr] AiKr]. 
Tijaujpiav fiicev u>v IpHev^) KaKUJV. 5. 



1) So, nicht flpEev ist zu schreiben. Auch Aesch. Ag. 1529 hat Naber 
i^pHev in ^pHev emendiert. 



356 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

In dieser Form steht das Bruchstück bei Stob. Ecl. I 3, 15 p. 110. 
Im fünften V. willMusgrave Ti|aujpiav t' schreiben, während Nauck 
vorher x^J^ov vermuthet. Vielmehr gehört der lästige Vers 
nicht hieher und eine äussere Bestätigung liegt dann, dass Sexi 
Emp. p. G61, 25 und p. 665, 23 nur V. 1—4 anführt und dass 
Justinus Martyr de mon. c. 3 und Alex. Strom. V p. 721 sq. gleich- 
falls nur V. 1 — 4 in Verbindung mit anderen bringen.^) 

6. In den Phöenissen haben sich über dreissig Verse als un- 
echt erwiesen. Vergeblich hat man sich Mühe gegeben V. 1116 — 
1118 und V. 1606. 1607 in Ordnung zu bringen: beide Stellen müs- 
sen als Interpolation anerkannt werden. Interpoliert ist auch 
der V. 271. Polyneikes kommt auf die Einladung seiner Mutter in 
die feindliche Stadt; er fürchtet List wie Hinterhalt. Da heisst es 
V. 269 

ujri, TIC ouToc; fj ktuttov cpoßoujaeGa; 
• aiiavTa ydp ToXjaaici beivd cpaiveiai, 

OTav bi' ixQpäc ttoöc djueißTiTai xOovöc. 

Polyneikes erkennt seine Angst als eine voreilige und leitet seine 
Furchtsamkeit aus einer allgemeinen Erfahrung ab, „dem der in Ge- 
fahr ist kann alles Schrecken einjagen". Mit dieser Allgemeinheit 
verträgt sich die folgende Beschränkung „wenn der Fuss durch 
Feindesland wandelt" nicht. Ich sehe, dass auch Nauck in der ed. 
III den Vers als unecht betrachtet. Eine Bestätigung dessen finde ich 
in dem vollkommen gleichen Bruchstück des Sophokles 58 D. 

ßoqi TIC* u) dKOueT'* r| |LidTriv uXuj; 
ctTravTa yäp toi tiIj cpoßouiLi^vijj ijiOcpeT. 

Ich habe früher irrthümlich eine Theilung der Verse unter zwei 
Personen angenommen. — Mit Recht hat Kirchhoff V. 1312 (TiÖTep* 
^ILiauTÖv fj TTÖXiv CT^vuj bttKpucac, t^v TrepiH ^xei vecpoc) toioOtov 
ÜJCTe bi' 'Ax^povTOC Mvax aus dem Text entfernt. Diesem Vers 
steht in V. 1356 

Td nkv TTpö TTupTUJV euTuxrmwTa xOovöc 
oTcG'* QU jLiaKpdv ydp Teix^ujv irepiTTTuxai, 
ujct' oux ÖTTavTd c' eib^vai Td bpiujLieva. 

der V. 1358 gleich »ujct' . . bpiijaeva, welchen schon die Un- 



1) Auch in Adesp. fr. 468 bei Stob. flor. 74, 27 scheint der achte 
V. TÖ T* öpcev dcl ToO K€Kpu|a|a^vou Xixvov einer anderen Stelle an- 
zugehören; denn den Satz „ein verständiger Mann soll seine Gattin 
nicht allzu eifersüchtig bewachen und im Hause verschlossen halten" be- 
gründet die Sprecherin durch den Vortheil und den Nachtheil , den das 
eine wie das andere mit sich bringe. Der Nachweis des Schadens be- 
ginnt mit V. 9 öcTic bk i^oxXoic Kai biaccppaticiuaci cibJei bd|LiapTa kt^. 
Der vorausgehende Vers tö t' upc€v del toO KCKpumu^vou Xixvov giebt 
aber eine Gefahr an, welche das Einschliessen mit sich bringt, könnte 
also erst nach V. 9 folgen , lässt sich aber nachher nirgends passend ein- 
fügen. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 357 

geschicklichkeit des Ausdrucks als fremdes Machwerk erkennen 
lässt. 

Den Phoenissen steht zunächst mit über 20 interpolierten 
Versen der Ore&tes. "^^ 

Eine sehr grosse Anzahl interpolierter Verse, über achtzehn, 
weisen die Hiketiden auf. Eine auffällige Interpolation steht noch 
in der Unterredung des Theseus und Adrastos, in welcher Adrastos 
den Hergang seines Zuges gegen Theben entwickeln muss und nach 
der Ursache desselben gefragt zur Antwort giebt, er habe seinen 
Schwiegersöhnen zu Liebe den Krieg unternommen. Es heisst dann 
weiter V. 133: 

0H. Tiu b' dHebiüKac rraTbac 'Apteiuv ce6ev; 

AA. ouK dYT€vfi cuvfiipa Ktibeiav bö|Lioic. 

0H. dXXa Hevoic fbujKac 'Apyeiac KÖpac; 135 

AA. Tubei T€ TToXuveiK€i le tüj 0rißaY€veT. 

0H. Tiv* eic fpuJTo Tficbe Kribeiac ilioXuüv; 

AA. Ooißou ja' UTTfiXBe bucTÖTTaci' aiviTjuaTa. 

Apollon hatte ihm den Bescheid gegeben seine Töchter einem Löwen 
und einem Eber zu vermählen; nun kamen in einer Nacht zwei 
Flüchtlinge vor's Haus. 

0H. TIC Kai Tic; eiire* büo t^P ^Haubqic ä|ua. 

AA. Tubeuc indxTiv cuvf^ipe TToXuveiKTic 6' ä|aa. 

0H. f| Toicb' ebujKac 6r]pciv u)c KÖpac ce6€v; 

Dieser Nennung der Namen kommt der V. 136 zuvor und die Ent- 
wicklung der Gedanken geht nicht Schritt vor Schritt vorwärts. In 
V. 135 handelt es sich nicht um die Personen, sondern um die Sache, 
dass Adrastos seine Töchter nicht einheimischen, sondern fremden 
zur Ehe giebt; darauf giebt der V. 138 die Antwort: 

0H. dXXa Hevoic fbuJKac 'ApYciac KÖpac; 

AA. Ooißou jLi' uTrfiX6e bucTÖTtacT' aiviTjuaTa. 

DieV. 136. 137 sind also unecht. — Eine eigenthümliche Redens- 
art begegnet uns ebd. V. 173 

Trpec߀U)LiaT' ou ArjjaTiTpoc eic juucTripia, 
dXX' u)c vcKpouc Gdipiuciv, ujc auTdc expfjv 
Keivujv Tttcpeicac x^pciv ibpaiuüv TuxeTv. 

Gewöhnlich schreibt man mit Ganter Sc auTdc dxpfiv. Da aber V. 
645 undiph. A. 173 u)c aus oöc entstanden ist, so werden wir auch 
hier schreiben: 

dXX' ibc vexpouc Gdijiuüciv, oöc auTdc dxpfiv. 

(„die sie hätten bestatten sollen^* vergl. V. 266 ypaöc ou Tuxoucac 
oub^v U)V auTdc ^XPfl*v) und den V. 175 sammt der Eedensart 
ibpaiuüV TuxeTv späterer Interpolation zuweisen. 

Ungefähr gleich stehen sich hinsichtlich der Zahl interpolierter 
Verse Hecuba, Hippolyt, Helena, dann Electra, Alcestis, Iph. T. 
(mit etwas mehr oder weniger als zwölf Versen). 



358 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Hei. 323 sagt der Chor zur Helena: 

dXX' djuoi TTiGoO 
Tcicpov Xmoöca TÖvbe cujuiniHov KÖpij, 
öGevTiep eicei Tidvia TaXtiGfi cppdcar 
exouc' iv oiKOic ToTcbe ti ßXeTteic rrpöcuj; 
GeXuj hk mfih coi cuveiceXöeTv böjaouc kt^. 

Eine passende Verbindung wäre ßöevirep eicei irdvTa TaXfiGfi (vergl. 
V. 529 ©eovÖTic qpiXouc Xöyouc f\ Trdvr' dXTi0u)c oibe). Aber qppdcai 
ist weder bei dieser noch bei der anderen Verbindung 80€V7r€p eicei 
Trdvra, TdXriöfi cppdcai geeignet: man erwartet |Lia6€iv, nicht qppdcai. 
Ferner zeigt der folgende Vers, dass nur diese Verbindung beabsich- 
tigt sein kann: oGevirep etcei Travta* rdXnGfi cppdcai ?xo^c' ^v oiKOic 
ToTcbe Ti ßXeireic irpöcuj („da du die Offenbarung des V^ahren so 
nahe hast'*). Nehmen wir zu diesem ungeschickten Ausdruck noch 
den Umstand, dass die ganze Bemerkung unnütz ist, nachdem kurz 
vorher geht: dXGoOc' de oiKOuc fi rd irdvi' diriCTaiai . . ttuGoö 
©eovÖTic, so werden wir in V. 325. 326 eine Interpolation ver- 
muthen. Einen ebenso lästigen Vers finden wir ebd. 501 

dvf|p ydp oubeic iLbe ßdpßapoc cppevac, 
öc ovojLi' dKoucac Toujaöv ou büücei ßopdv. 
KXeivöv TÖ Tpoiac iiöp ifd) G' öc fjvpd viv. 
Mev^Xaoc ouk aYVUCTOC ev irdct] xGovi. 

Man könnte sich den V. 504 MeveXaoc — xöovi gefallen lassen, 
wenn der Dichter die Absicht hätte den neu auftretenden Menelaos 
den Zuschauem bekannt zu machen. So aber wird durch diesen 
Vers der Eindruck des vorausgehenden nur geschwächt 
Am deutlichsten verräth sich die Interpolation V. 530: 

cprici b' ev cpdei 
TTÖciv TÖv d|uöv COüvta cp^YYOC eicopctv, 
TTopGiLiouc b' dXdcGai iiiupiouc TteTrXujKÖTa 
^KeTce KdKcTc' oub' dYU)LivacTOV iiXdvoic 
fi^eiv, otav brj TtrundTUiv Xdßr) reXoc. 

Theonoe hat der Helena bloss geoffenbart, dass Menelaos noch am 
Leben sei, vergl. V. 517 ibc MeveXaoc oöttuü |LieXa|ucpafec cixerai bi' 
^peßoc xöovi KpucpGeic, dXX' ?ti kot' olb}i äXiov Tpux6|uevoc oöttuj 
Xi)Lieviuv ijiauceiev iiaTpiac tcIc, aXaieia ßiötou, laXaicppuJV dqpiXoc 
cpiXuJV iravTobaTrdc im ydc iröba xpi^^TÖinevoc (ttotixpimttto- 
ILievoc für TTÖba XP-^) eivaXiuj KUüua Tpujdboc ck Ydc. Vom Zurück- 
kommen war keine Eede, wie gleich der folgende V. ausdrücklich 
sagt: Sv b' OUK IXeHev, ei ilioXüüv ctüGricerai („wiederkehren und am 
Leben bleiben wird"). if(b b' dTie'cTriv toöt' ^puüxficai cacpujc. Der 
V. 534 fiHeiv . . t^Xoc ist also unecht. — El. 880 begrüsst und 
bekränzt Elektra den vom Morde des Aegisthus zurückkommenden 
Orestes; sie fährt fort 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 359 

fiKeic Yctp ouK dxpeiov lKTTXe9pov 5pa)Liübv 
ä^ujv ec oiKOUc, dXXct iroXeiiiiov Kiaviuv 
AiYicGov, 6c cöv irar^pa Kdjiiov uuXece. 885 
Die Bedeutung und der Effekt des allgemeinen dXXct TroXejLiiov Kia- 
vu)V wird durch den Zusatz von V. 885 AtyicÖGV — Kiavuiv 
nur abgeschwächt. Ein ähnlicher von Wunder als Interpolation 
erkannter Zusatz steht Soph. El. 957 AiYicOov oiibev ^dp ce bei 
KpuTTieiv jLi' eil. — Die V. Ale. 641. 642 

?5eiHac eic ?XeTXOv ^HeX9iuv 6c ei, 
Kai jLi' DU vojLiiZuj TTttiba cöv ireqpuKevai 
sind nur eine matte Wiederholung dessen was unmittel- 
bar vorhergeht: ouK fjcG' dp' öpGuJC Toube cOüjLiaTOC irarrip, ouO' 
x] TeKeTv qpdcKOUca Kai KeKXTijiievTi |Lir|TTip |u' IriKre' bouXiou b' dqp' 
aijuaioc juac-Tiu yuvaiKÖc cfjc UTT6ßXr|9r]V XdGpa. 

Bacch. 182. 673. 716. 1028 können sämmtlich als Zusätze von 
Erklärem betrachtet werden. Auch die unechten Zusätze der Medea 
werden wie die zahlreichen Wiederholungen auf Eechnung der Er- 
klärer zu setzen sein. Wie Andrem. 7 als Produkt der Grammatiker 
ausdrücklich bezeugt ist, so verhält es sich auch mit ebd. 38. Andro- 
mache sagt, dass Hermione ihr nachrede, sie wolle statt ihrer im 
Hause walten und sich das Ehebett (XeKipa) der rechtmässigen Gattin 
aneignen : 

ä^Oj TÖ TrpüJTOV oiix ^kouc' dbeHdjLir]V, 36 
vöv b' eKXeXonra* Zeuc rdb' eibeirj jLieTac, 
ibc oiix ^Koöca iilib' eKoiviuBriv Xex€i. 
dXX' DU cqpe TreiOiu kt^. 
Die Worte TÖ irpiüTOV oux ^koöc' dbeHdjuriv enthalten nur die Neben- 
sache; die Hauptsache, auf welche es Hermione ankommt uud was 
Andromache mit Zeuc idb' eibeir) jueyac feierlich bekräftigt, ohne 
bei jener Glauben zu finden, liegt in vöv b' ^KXeXoiTra, in der Ver- 
sicherung, dass sie keine Nebenbuhlerin der Hermione sei. V. 38 
ist also ein .störender Zusatz. — Auch die übrigen Interpola- 
tionen der Andromache scheinen nur von den Commentatoren her- 
zurühren; ebenso die der Herakliden (221 f. 494 — 97) und Herc. 
f. V. 103, welcher in dem Citat der Stelle bei Stobaeus flor. 110, 7 
fehlt, also in der Handschrift, welche Stobaeus benutzte, nicht stand. 
Ebd. 760 

Tepoviec, ouKer' fcii bucceßfjc dvrip. 760 
cxfq. jueXaOpa* irpöc xopoüc TpairiüjLieOa, 
qpiXoi Ydp euTuxoOciv oöc i^\h G^Xuü 
ist der V. 762, welchen bereits Nauck verdächtigt hat, aus drei 
Gründen als unecht zu bezeichnen: einmal ist irpöc xopo^c 
TpaTTUüjaeOa der richtige Abschluss. Zweitens entsprechen den stro- 
phischen Versen 735 — 748. als Antistrophe die Verse 750 — 761, 
indem nur die aus dem Hause schallenden Eufe des Lykos loi jioi 
jLioi und lö Trdca Kdbjixou yai', diröXXujLiai böXiu sich derEesponsion 



360 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

entziehen. Endlich wäre der Ausdruck oöc ifix) OeXiu nur bei räthsel- 
hafter Andeutung am Platze wie V. 748 €i trpdccei Tic U)C ^Ttü GeXu). 
Seltenere Spuren der Interpolation weisen die Stücke Ion (V. 
616 f.), Cyclops (V. 93), Rhesus und Troades auf. In den Troades 
haben Dindorf und Nauck mehrere Interpolationen wahrscheinlich 
gemacht. Dazu gehört auch V. 237 in den Worten des auftreten- 
den Talthybios: 

'6K(ißTi, TTUKvdc yäp oked )li* eic Tpoiav 6bouc 235 

dXGovTtt KripuK* il 'AxaiKOÖ CTparoö, 

^YViüCjuevoc hk Kai irdpoiO^ coi, T^vai 

TaXOvjßioc fiKUU Kaivöv dTT^Xwv Xötov. 

Derjenige, welcher den V. ^YViwc)ievoc . . T^vai hinzufügte, nahm 
das vorausgehende in dem Sinne „du weisst, dass ich oftmals als 
Herold des Achäerheers nach Troja kam", statt des richtigen Ge- 
dankens „du kennst mich, da ich oftmals als Herold nach Troja kam". 

Einen eigenen Ursprung und Charakter. haben die umfangreichen 
Interpolationen der Iphig. Aul. Zu den fremdartigen Zusätzen gehö- 
ren auch die V. 981 — 989, an denen man bis jetzt noch keinen 
Anstoss genommen zu haben scheint. Achilles hat Elytämnestren 
versprochen ihr beizustehen und nicht zu dulden, dass deren Tochter, 
seine angebliche Braut, sterbe. Der Chor lobt diese Eede des Achilles 
und Klytämnestra hebt an sie nach Gebühr zu rühmen. Statt dessen 
kommen Verse, in welchen das Mitleid des Achilles erregt werden 
soll. Und doch hat Achilles bereits erklärt, dass er dem Schicksal 
der Klytämnestra jegliche Theilnahme zolle V. 933 

& bx] Kar' ctvbpa TiTveiai veaviav, 
ToioÖTOV oTktov TrepißaXdiv KaracTeXuj. 

Jene Verse wären vor dem Versprechen des Achilles an ihrer Stelle, 
nicht aber nachher. Wir müssen also V. 981 — 989 als späte- 
ren Zusatz betrachten. Es gehören folgende Verse zusammen: 

TTUJC dv c' diraivecaijui jLif) Xiav Xötoic, 
\xr]b' ^vbeaic ToOb' dTToX^caijui Tf)V x^ipiv; 
aivou)Lievoi tdp dYaöoi xpÖTTOV xivd 
jLiicoöci Touc aivDÖvrac, riv aivuuc' dtav. 980 
dXX' eö jLi^v dpxdc eiirac, eij bk Kai t^Xtt 990 
coö Tdp 9eXovToc iraic iixr\ ciu9r|ceTai. 



V. Lücken. 

Manche Schwierigkeit des Textes ist durch Annahme einer Lücke 
beseitigt worden. Man kann zwar in solchen Annahmen zu weit 
gehen und übersehen, dass der Fehler nicht von einem Ausfall, son- 
dern von einer Corruptel herrührt; aber gewöhnlich giebt sich die 
Lücke, wenn sie einmal aufgedeckt ist, so unzweideutig zu erkennen, 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 361 

dass jeder Zweifel schwindet. Unerfreulich freilich bleiben solche 
Ergebnisse immer, weil sie uns jede Aussicht benehmen den ur- 
sprünglichen Text wieder zu gewinnen; aber sie bringen uns ebenso 
gut eine Aufklärung wie die glücklichste Emendation. So hat man 
sich viele Mühe gegeben in Eur. fr. 288 (Justin. Mart. de mon. c. 
5 vol. I p. 130) 

TTÖXeic T€ jniKpctc oTba TijLiuicac Oeouc, 10 
rfi )Liei2övuJV kXuouci bucceßecr^puuv 
XÖTXnc dpiGjLiqj irXeiovoc KpaTOU)Lievai. 
oijLiai b' äv u)Liäc, ei Tic dpTÖc oiv 6eoic 
eöxoiTO Ktti jLifj xeipi cuXXeYoi ßiov, 
TÄ Oeia TTupTOÖciv KaKai le cujiiqpopai. 15 
den letzten Satz oTjuai — cujiqpopai einzurichten und verständlich zu 
machen. Dindorf bemerkt dazu: TCt qpXaOpa TiupTOuv rdc KttKdc xe 
cujuqpopdc Heimsoethius Krit. Stud. I p. 47 : Alia tentarunt Herwer- 
denus Exerc. p. 45 aliique, quorum omni um nihil satisfacit. Nauck 
bemerkt dazu: v. 15 non expedio. Es ist kein Wunder, dass zwei 
gründlich verschiedene Dinge sich schwer vereinigen lassen. Zwi- 
schen V. 14 und 15 ist eine Lücke^). Zum Beweise, dass es 
keine Götter gebe, wird auf das Glück gottloser und ungerechter 
Tyrannen, auf das Schicksal kleiner Städte, die trotz ihrer Frömmig- 
keit von grösseren unterjocht werden, hingewiesen. Wenn es dann 
weiter heisst: „ich glaube, dass ihr, wenn ihr bloss beten würdet 
ohne zu arbeiten und euer Brod zu verdienen", so muss offenbar als 
Nachsatz folgen: „dass ihr in Noth und Elend darben würdet, dass 
eure Gebete euch vor Armut nicht schützen würden". Es kann also 
etwa geheissen haben: 

oTjLiai b' äv ujLictc, ei Tic dpTÖc oiv 9eoic 
euxoiTO Kai jnf) x^ipl cuXXetoi ßiov, 
<(tttiuxouc T€vec9ai Kai böjLHüv dvacTdTouc>. 
Wenn hierauf nicht noch ein neuer Beweis folgte, was nicht wahr- 
scheinlich ist, so musste dann der Schlussgedanke etwa dasselbe 
besagen wie in dem bekannten Bruchstück des Kritias I p. 598 N. 
die V. 12 ff. und V. 37 

Toiouc irepiS lcTr|cev dvBpiuTroic qpößouc 
beivouc^) KaXaic tc tuj Xötiu KaTiÜKicev 
TÖv bai)Liov' okeiv iv irp^ircvTi x^P^H^- 



1) Dieselbe Bemerkung hat auch M. Haupt im Hermes VII Heft 3 
p. 295 gemacht. Haupt ergänzt Ximl) reövi^Heiv al 6' dv^Xiricroi Tuxai, 
worin tcOvi^Hciv nach oT|Liiai 6' öv kaum von Euripides herrühren dürfte. 
Die Stelle, die dafür angeführt werden könnte, Soph. Ant. 390 tnel cxoXq 
iToO' fiHerv Ö€Op' öv ^Hr^Oxouv tfdj ist sicher fehlerhaft; die Aenderung 
von Blaydes cxoXfl y' öv oder cxoXfl ttot' ^XO^v ist minder wahrschein- 
lich als eine andere: ircei cxoXfl iroe' ffieiv öcOpö ^' ^HcOxouv tfih vergl. 
El. 470 iriKpdv öokiö jli€ irdpav TÖv6e toX)li/|C€iv Iti u. a. (Krüger Gr, I 
§ 55, 2, 3). 

2) So schreibe ich für bi* oöc. 



362 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Ein Gedanke also wie 

<o\ qpoßoi ßpoTUJV> 
Tct Geia TTupTOÖc' ai KttKai Te cujiicpopai. 

schloss das Ganze ab und bekräftigte die zuerst aufgestellte Be- 
hauptung: 

q)r]Civ TIC elvai bf{T' iv oupavui Oeoi; 
ouK eiciv, ouK eic', ei Tic dvOpuiTruuv OeXei 
|uf) Til) iraXaiuj jnÄpoc ujv xpflcGai XoTip. 

In Eur. fr. 534 (Macrob. Sat. V 18, 17) 

TeXa|uujv be xp^couv dcTÖv ir^XTric Im 
TrpoßXriiua Gripöc, ßÖTpuci b' lcT€n;ev Kdpa, 
CaXa)uTva kocjliiuv iraTpiöa ttjv eud)Li7reXov. 
Kuirpiboc b€ jLiicTijLi', 'ApKdc 'ÄTaXdvTri Kuvac 
Ktti TÖH' Ixo^ca, ireXeKCUJC be biCTOjiiov 5 
Tevuv iTuaXX' 'ATKaToc. 

erkennen wir sofort einen Ausfall in V. 5: 

• Kuirpiboc bk juiCTiiLi', 'ApKttc 'ÄTaXdvTric Kuvac 

Ktti TÖH' fxo^ca 

ireXeKeiüC hk b\CTO\xov 

Tevuv ^TuaXX' 'ATKaToc. 

In Phoen. 1189 

Ol b' aö Tiap' fjjLiOüv beHiöv Aiöc Tepac 
ibövTec ^Hr|Xauvov dpjLidTUiV öxouc 
iTTirfic ÖTiXiTar Kelc jii^c' 'ApTeiujv öirXa 
cuvfiniav ItXI» irdvTtt b' f^v öjuou Kaxd, 

begreift man nicht, wie itrirfic oirXiTai Subjekt zu ^Hi^Xauvov dpjLid- 
Tüüv oxouc sein soll. Vergl. V. 1146 Ti jiie'XXeT' apbriv irdvTec 
ejUTTiTTTeiv TTiiXaic Y^MvfiTec iTTTrfjc dpiudTUJV t' dmcTdTai. Es fehlt 
nach V. 1190 ein Vers, etwa des Inhalts 

trdvTec t' eq)iupjLir|Or]cav eH evöc p69oü 

ITTTlflC ÖTUXlTai. 

Einen Ausfall in der Mitte des Verses wie in dem vorher 
behandelten Fragment haben wir Herc. f. 525 

äa' Ti XP^M^t; TeKv' öpiu irpö buüjiidTiJüV 

CToXjLioTci veKpOüv 

KpctTac dHecTejLi)Li^va. 

Denn das Haupt kann nicht mit einem Todtenkleide bekränzt sein. 
Ebenso El. 830 

XU) M^v CKuOpdZiei, becirÖTTic b' dviCTopei* 

Ti XPW' dOujLieic; 

u) £ev\ öppuubüj Tiva 

böXov 9upaTov. 

Schon die Stellung von iL iev\ welche früher die falsche Verbin- 
dung Ti XP^M' dOujLxeic, lü Hev' veranlasste — nur Aegisthos kann 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 333 

den Orestes mit lö H^v' anreden, nicht umgekehrt — , weist darauf 
hin, dass vor (h H^v' eine Lücke anzusetzen ist. Es fehlt aber 
die in einem erzählenden Bericht nothwendige Vermittlung zwischen 
der Frage des Orestes Ti XPAm' dOujiieic; und der Antwort des 
Aegisthos (h Hv\ öppiubuj kzL 

Bacch. 1352 

ui leKVOV, u)C eic beivöv rjXGojaev KaKÖv, 
cu 9' f) xdXaiva cuYTOvoi re cai. 
ifib G' ö TXrijLiiüv ßapßdpouc dcpiHojLiai 
Tepuuv jLieToiKOC. 

kann der Satz eya) 9' 6 T\r||uiijuv . . dqpiHojLiai nicht zu der Aufzäh- 
lung cü Te cuYTOVOi le gehören; die Lücke nach cuTTOVoi xe cai 
(vielleicht cuTTOVoi 9' OjUOCTropoi) beschränkt sich also nicht 
auf einen Versfuss, sondern begreift mehrere Verse in sich, 
in welchen das in der Lücke vor V. 1330 von Dionysos verkündete 
Schicksal der Agaue und ihrer Schwestern ebenso noch einmal kurz 
erwähnt und bejammert war, wie Kadmos nachher das seinige und 
das seiner Gemahlin Harmonia schmerzlich beklagt. 



VI. Bemerkungen zu einzelnen Stellen. 

Ale. 228. 

dp' ctHia Ktti cqpaTctc idbe 
Ktti TiXeov f| ßpöxui bepr|v 
oupaviui ireXdccai. 

Ich kann oupaviuj hier nicht verstehen. Wer sich aufhängt, 
hängt sich nicht himmelhoch. Soll etwa oupaviUi ein afFektvoUer 
Ausdruck sein? Wird aber die Bedeutung und der Schmerz des 
Aufhängens durch die Höhe gesteigert und sucht man den Strick 
um so höher anzubringen, je grösser die Verzweiflung ist? Ebenso 
unpassend steht dasselbe Wort Phoen. 211 (s. unten z. d. St.). 

In ähnlicher Weise wie dort wird oupaviuj hier in dyxovitu ver- 
bessert werden müssen. Mit 

ßpöxui bepnv 
dTXOviiu ireXdccai 

vergl. Hei. 686 ouk Ictiv )LidTr]p* dTXÖviov ßpöxov bi' ejiie Kare- 
brjcaxo bücTajLxoc aicxuv(jt. 

Ale. 320. 

Kai TÖb' OUK eic aupiov 
ovb' eic xpiiriv jlioi \xr\vdc fpxerai koköv, 
dXX' auTiK' ev toTc \xr\K4.T^ oijci X^HojLiai. 

Statt des unverständlichen eic TpiTr]V jiioi px]v6c erwarten wir 
einen Ausdruck wie „nicht erst morgen und übermorgen" (vergl. 



364 N. Wecklein ! Studien zu Euripides. 

„gestern und vorgestern", x^i^a T€ Kai ixpiUila), Darum ver- 
muthe ich 

Tai Tob' OUK €ic aupiov 
oiib' eic rpiKaiov fjjLiap fpxexai KaKÖv. 

Ale. 569. 

u) TToXuHeivoc Kai eXeöBepoc dvbpöc dei ttot' oTkoc. 

Mich wundert, dass der Stilfehler dieses Verses noch nicht be- 
merkt worden ist. Es wird genügen nur darauf hinzuweisen, dass 
es heissen muss: 

ifi TToXijHeivoc Kai ^Xeu9epou dvbpöc dei ttot' oTkoc. 

Ale. 710. 

OE. CDU b' äv 7rpoOvr|CKUJV jiiäXXov eHr])LidpTavov. 

AA. rauTov tdp fißujVT' dvbpa Kai irpecßuv GaveTv; 

OE. MJUX^ |Liia Zfiv, oii buoTv oqpeiXoiLiev. 

AA. Kai jLif]V Aioc tc MeTZiov' av l\hr\c xpövov. 

OE. dpqi Yoveuciv oub^v iKbiKOV iraGuiv; 

AA. jLiaKpoö ßiou Tdp r|c96|uir]V dpüjvrd C€. 715 

OE. dXX' QU cu veKpöv dvfi coO rovb* ^Kcp^peic; 

Eine sehr richtige Beobachtung hat Nauck veranlasst die V. 714. 
715 nach V. 719 einzusetzen. Denn dpqi Yoveöciv hat in dem jetzi- 
gen- Texte keine Beziehung; in Kai )Lir)V Aiöc f€ jiieiZov' av ZiiÜTic 
Xpövov kann höchstens ein Spott, nicht aber ein Fluch oder eine 
Verwünschung liegen. Dagegen enthält der V. 719 eiO* dvbpöc 
eX9oic Toöbe t* ^ic xpeiav ttot^ den Wunsch, Pheres möge sich 
einmal in einer schlimmen Lage befinden, so dass hiemach dpqi 
YOVeöciv ganz geeignet ist. Allein die Umstellung ist doch nicht 
möglich, weil dann die Frage dXX* ou cu vcKpöv dvri coö TÖvb* 
eKqpepeic; ihre Beziehung verliert; denn diese kann sich nur auf 
jLiaKpoö ßiou Ydp r|c66jLir]V epoivid ce beziehen („liebst nicht du ein 
langes Leben, bist nicht du ein ipiXoiiiUXOC, da du einen anderen für 
dich sterben lässt?"). Es muss also der Fehler anderswo liegen. 
Der Sinn ist in Ordnung, sobald wir in V. 713 |Liei2ova für jieiZov* 
av schreiben. Denn in 

AA. Kai jLif]V Aiöc ye jueiCova Zujtic xpovov. 

OE. dpa Toveöciv oub^v iKbiKOV 7ra9iüv. 

AA. jLiaKpoö ßiou Ydp ^c96|litiv epuivid ce. 

drückt Pheres mit dpoi YOveOciv seinen Unwillen über den boshaften 
Wunsch Aiöc fJieiZova xpovov Zdur]C aus. Admetus aber begründet 
seinen Wunsch mit jiiaKpou ßiou ^cOöjUTiv epOüvrd ce, worin sich 
jLiaKpoö ßiou auf jueiCova Aiöc xpövov bezieht. 

Ale. 779. 

beup' 1X0', ÖTTUic äv Kai coqpuiiepoc T€Vi;|. 
Td OvTiTd TrpdfjuiaT' oTbac i]V 1x1 9vciv; 



N. Weoklein: Studien zu Euripides. 365 

oTjLiai jLiev oö* iröGev t^p; ^^^* ÖKOue juiou. 
ßpoToTc aTuaci KarOaveTv öcpeiXexai, 
KOUK ?CTi Ovr|TUJV öcTic eHeTricTttTai 
Tf|v aöpiov li^XXoucav ei ßiOücerai. 
TÖ Tf\c Tuxr|c fOLQ dqpav^c oi iTpoßriceTai 
Kctcr' ou bibaKTÖv oub' dXiCKeiai xexvij. 

Nauck Eur. St. I 93 hält die gleichen Versausgänge für unerträglich 
und glaubt, dass hier eine Verderbniss des Textes vorliege. Es 
dürfte darum nicht überflüssig sein zu bemerken, dass die vielen 
gleichen Versausgänge im Munde des Herakles als eines Weisheits- 
lehrers eine komische Wirkung erzielen. Man darf nur die 
Stelle hierauf ansehen und man wird sofort den Scherz herausfühlen, 
üebrigens kehren die Sprüche, welche hier im Predigertone eines 
alten Pädagogen vorgetragen werden, gerade in der Tragödie immer 
wieder, so dass diese Stelle für den viel besprochenen Charakter des 
Stückes bezeichnend ist. Die Alcestis ist so wenig eine reine Tragödie, 
dass in ihr die Lehren der Tragödie parodiert werden. 

Andrem. 168. 

Yvoivai 0' iv' ei fx]C' ou fäp ?c9' "Gktiup xdbe, 
ou TTpiajLioc oube xP^cöc dXX' "GXXdc ttöXic. 

Im zweiten Verse ist ovbk xpucöc sinnlos. Den richtigen Sinn 
hat Valckenaer mit der Aenderung oub^ Tpuidc (Härtung oub^ Mucic) 
angegeben, während das von Markland vorgeschlagene ö 2!dxpucoc 
hier höchst unpassend ist. Ich habe früher mit der Bemerkung „in- 
vidioso nomine (cfr. 194, 291, 363, 455, 592) Hermione utitur" ou 
0puTÄV TIC vermuthet. Es ist einfach zu schreiben: 

ou TTpiajuioc oubt OpuTioc dXX' 'GXXdc ttöXic. 

Vergl. ausser den angegebenen Stellen noch Iph. A. 682 ibc dxöo^ 
ujLxiv dT^veO' f| OpuTUJV ttoXic '6X^vri xe. 

Andrem. 811. 

jLxöXic be viv G^Xoucav dprficai b^priv 
eTpTOuci (puXttKec bfjiujec Ik re beixäc 
Hicpri KaOapTrdZouciv dHaipoujiievoi. 

In dem letzten Verse ist zweierlei fehlerhaft. Einmal ist die 
Verbindung von KttGapTudCouciv dHaipoujiievoi unerträglich; denn das 
eine ist nicht verschieden von dem andern. Besonders aber ist der 
Gebrauch von KaOapirdZeiv in dieser Weise unmöglich. Was KttGap- 
irdZeiv bedeutet, zeigt V. 1121 ^H^Xk€i bk Kai irapacrdboc Kp€)LiacTd 
reuxT] iraccdXuJV KaGapirdcac, (Bacch. 628 lexai Hiqpoc KeXaivöv 
dpirdcac böjiiujv fciu). Denselben Sinn hat KaOapirdZeiv auch hier, 
indem zu schreiben ist 

^K re beHiäc 
i\(pi\ KttGapTTdCoucav ^Saipoujiievoi. 



366 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Es ist nicht nöthig nach diesem V. eine Lücke anzunehmen; etpYOUci 
gehört auch zu Hicprj KaGapirdCoucav : Hicpri KaOapirdCoucav eipTOuci 
eK beriete dHaipoujLievoi („und wenn sie ein Schwert von der Wand 
herunterreisst um sich zu erstechen, so hindern sie die Diener indem 
sie es ihr aus der Hand entwinden"). Vergl. Iph. T. 362 ocac 
Yeveiou xeTpctc ^Hr|KÖVTica tovätiüv xe toO TeKÖvroc dHapTUijLievri, 
Tyrtaeus fr. 8, 36 ßdXXere x^PMööioic boupaci re dKOvriCoviec. 

Andrem. 1053. 

TTr]Xeu, caqpuic fJKOucac* oub' ^|uoi KaXöv 
KpuTTT€iv Iv oiCTrep oöca TUYXdviu KaKoTc. 

Dies giebt den Sinn „Peleus, du hast recht gehört, und es ge- 
ziemt sich nicht fttr mich geheim zu halten, in welcher schlimmen 
Lage ich mich befinde". Der Gedanke ist falsch. Der Chor befindet 
sich nicht in einer schlimmen Lage und es ist auch nicht unehrenvoll 
zu verheimlichen, dass man sich nicht wohl befinde. Der Chor kann 
nur eines sagen : „ich muss die Wahrheit sagen und darf nicht leug- 
nen was ich mit eignen Augen angesehen habe, wobei ich zuföllig 
Augenzeuge gewesen bin". Demnach muss es heissen: 

OUb' djLlOl KttXÖV 
KpUTTTClV i\ Die TTapoOca TVXX&ViX) KaKOlC 

Wie öfters, hat auch hier die geläufigere Penthemimeris die falsche 
Trennung veranlasst^). 

Andrem. 1219. 

djLiTTTdjLieva cppoOba irdvia Keirai 
KÖjLiTTUJv juerapciujv irpöcuj. 

Der Vorstellung von djUTTTdiiieva widerspricht der Begriff von 
Keiiai. Man könnte KeTva dafür vermuthen; da sich aber öfters 
die Verwechslung von qp und k findet (vergl. ars Soph. em. p. 50), 
so liegt die Emendation irdvi' dqpeiTai näher. Vergl. Soph. Ant. 
1165 Kai vöv dqpeTrai irdvia („alles ist hin"). 

Andrem. 1235. 

Kd^ib Ydp fiv dKXauci' ixpf]V tikteiv leKva. 

Dieser Vers ist von Bedeutung fiir zweierlei Fragen. Die beste 
Handschrift mit mehreren anderen bietet ÖKXauT^ ^XP'IV- Darin liegt 
eine neue Bestätigung dessen, was ich in meinen curae epigr. p. 60 
über das s. g. c euphonicum gesagt und aus Inschriften, Angaben 



1) Aehnlich scheint auch Theogn. 677 

ei |u^v xpi^M«T' ^xoi^i, Ci|uijuvibri , cid ircp fibeiv, 
oÖK öv äviib|ur]v Totc dYaOoIci cuviüv. 
gelitten zu haben. Hermann hat oTdirep oöv br|, Hecker öccaTrep f|6ö, 
Ahrens oTa irpiv, fjbr], Bergk früher oldirep r\bei (d. i. T^pirei), jetzt otdirep 
oTba, Heimsoeth oidircp fJTeuv vermuthet. Das einfachste und dem Sinn 
entsprechendste ist ota TrdpoiOev. 



N. Wecklein: Stadien zu Euripides. 367 

der Grammatiker und den besten Handschriften festgestellt habe, 
dass die Zugabe des c den Abschreibern angehört, welche 
der Aussprache der späteren Zeit folgten. Aus Euripides hätte ich 
noch ein sehr sprechendes Beispiel anführen können, Cycl. 633, wo 
die Handschriften Kai TÖv für KauTÖv bieten und erst Scaliger das 
richtige gefunden hat, nur dass er kquctÖv schrieb. 

Zweitens beweist dieser Vers, dass denselbenAbsch reibern 
die Form ^XPflv nach einem elisionsfähigen Vokal zuzu- 
schreiben ist. Ahrens de crasi et aphaeresi p. 6 hat gezeigt, dass 
Xpflv, entstanden aus xp^ ^^ wie xP^^'^cti aus XP^ fciai, XP^^I aus 
Xpf) etri, XP^vai aus XP^ eivai, X9^^^ aus XPH öv, die gute und 
richtige Form ist, während expfiv nur einer falschen Analogie seinen 
Ursprung verdankt. Herodot und Thucydides kennen nur die Form 
Xpfiv, ebenso Aeschylus und mit Ausnahme einer einzigen Stelle fr. 
94, 6 D. Sophokles. Denn dass an der einen Stelle bei Aeschylus, 
wo ^XPnv möglich ist, Cho. 907 

cpiXeic TÖV avbpa toOtov, 8v hk xpfiv cpiXeTv 

geschrieben werde, fordert alle Methode. Nicht anders ist es mit 
Soph. Phil. 1062, wo der Laur. allerdings c' IxPflv bietet, andere 
Handschriften aber ce XPH^ haben. Dindorf ist nicht consequent: 
an der ersten Stelle setzt er b' exp^jv, an der zweiten ce XP^v in 
den Text. Euripides gebraucht beide Formen; wenn aber XPflv die 
bessere Form ist, so muss man erwarten, dass er die andere nur 
dem Metrum zu Liebe sich gestattet habe. In der That kommt bei 
ihm XP^^ häufiger vor als ^XPflv. Kann es nun in dem voranstehen- 
den Verse zweifelhaft sein, ob Euripides 

K&^{h fäp ¥\v ctKXauTa | xpflv TiKieiv leKva 

geschrieben oder mit äKXaui' ^XP^v einen schlechten Vers gebil- 
det habe; ob er Tro. 1218 

& b' iv ^ä}JiO\c ^xpflv c€ I TipocOecOai xpoi 
oder 

S b' iv Yot^oici I XPflv ce irpocOecGai xpoi 

gewollt habe? Porson praef. ad Hec. p. XVI bemerkt: debueram 
fortasse XPflv excipere, quod non minus quam ^XPflv in scena Attica 
occurrit, etiam apud comicos, quomodo ut uno exemplo contentus 
sim , Hermippum Athenaei VIII p. 344 D toüc jufcv äp * aXXouc 
olKOupeTv XP^v, TueiLiTreiv be NoOmTrov ?v' övra. In der Aufnahme 
von ^XPn^ musste man ängstlich sein, so lange man glaubte xpf\v 
sei eine Form, die ihr Augment abgeworfen habe. Matthiä hat zu- 
erst Hec. 231 ov jxe XPflv (für ou |u' ^XPfl^) ^-Is das richtige an- 
erkannt. Man folgt ihm nicht und M. Seyffert bemerkt z. B. zu Soph. 
1. c. „nimium videtur, quod Matthiaeus ad Hec. 228 ceuset expflv 
formam nisi metro cogente nunquam esse admittendam^^ 

Ein weiterer Beweis für die Eichtigkeit der Bemerkung, dass 
der unnöthige Gebrauch der Form expfiv den Abschreibern angehöre, 



368 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

liegt in der Beobachtung, dass dieselben Abschreiber an unzähligen 
Stellen das ihnen minder geläufige XPH^, wenn es sich nicht 
in ^XPfl'V verwandeln Hess, in XP^ verändert haben. Wie die beste 
Handschrift an unserer Stelle ÖKXaux' exptiv hat, so bietet sie auch 
V. 423 5e XP^V- I^ie geläufige Cäsur hat dort verhindert, dass be 
Xpfiv auch in besseren Handschriften in b' ^XPflv überging. Den 
gleichen Accent weist dieselbe Handschrift auch V. 1208 auf: irp^cßu 
Xpr|V. Vielleicht ist dies als XP^I ^i^ nachträglich angehängtem v 
zu betrachten. Hec. 983 hat nur die Handschrift A ce XPflv bewahrt, 
alle anderen geben C€ XP^l- Lehrreich ist das Schwanken der Hand- 
schriften in Ale. 379 

(b TeKv', 0T€ Zifiv xPnv m', dir^pxojLiai Kdroj. 

xpn jx" BC, xpnv m' a, xpn m' b, xpnv m' c, xpn m' d, ji' dxpnv 

ßy. Kann hiemach Or. 1030 

GavciTOu t' duipou. lr\v expfiv c', 6t' oukct' et, 

wo eine der besseren Handschriften Zfjv c' ^XPH^ hat, die Wahl 
zwischen lf\v ce X P^l v und tr\v ^XPflv c' schwer sein? Vergl. Tro. 655 
TrapeTxov fjbeiv b' d|uie XPH^ viKctv ttöciv: „djiie XP^I B in lemmate 
scholii. äjLi' ^XPflv G, d jLie XPfl^ Aldina. de ceteris non constat. 
olc |u' i\Qf\v Christ, pat. v. 551." — Hipp. 345 haben die zwei 
besten Handschriften djue XP^? die übrigen dju' ^XPH^; das richtige 
dfjie xpfjic hatBergk hergestellt. Ebd. 1319 geben die Handschriften 
BCEbd öcovirep ixpf\v für öcovirep xpf]v. 

Bacch. 206. 

QU Tdp biriprix* 6 9edc eire töv v^ov 
€1 XP^ xop€U€iv 6iT€ TÖV T^paiTepov. 

Das unpassende ei ist von Musurus durch ^XPflv beseitigt wor- 
den. Dindorf hat O^Xei xop^^eiv, Usener x«ipci xop^vjovr' yer- 
muthet. Ich leite ei XPH ^.us XP^ ^^ ^.b, wodurch das weit passen- 
dere XP^26i gewonnen wird: 

DU Ydp biriprix' 6 Oeöc etT€ töv veov 
Xpi^Zei xopc^eiv €iT€ TÖV Y^paiTcpov. 

Wie wir vorher gesehen haben, steht Hipp. 345 djii^ XP^ oder Sju' 
^XPn^ für djLi^ XPTi^ (XPq^eic) in den Handschriften. 

Bacch. 235. 

HavGoici ßocTpuxoiciv euöcjiioic KOjLiaiv, 
oivuüTTÖc öccoic xdpiTac 'AqppobiTTic fx^v. 

Ich vermisse bei öccoic die Präposition ev und möchte diese 
herstellen durch 

olvaii|j, dv ÖCCOIC xapiTctc 'AqppobiTTic fx^v. 

Es muss beachtet werden, dass oiviUTröc nur eine Conjektur von 
Bamesius ist. Die eine Handschrift bietet oiviUTTdc t' öcoic (öccoic 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 369 

a m. sec), die andere oivuiTrd t' öccoic. Scaliger hat oivaiTiac ver- 

muthet. 

Bacch. 859. 

yvOücerai bk töv Aiöc 
Aiövucov, öc ireqpuKev ev rdXei 0eöc 

beiVÖTttTOC, dvGpOüTTOlCl b' TITTlUUTaTOC. 

In dieser Stelle ist sowohl ev leXei als dv6puü7roici unmöglich. 
Für dv T^Xei vennuthet Nauck evcTÖTaic, für dvGpuuTToici Badham 
euvooOci. Es ist bekannt, dass gern minder gewöhnliche und den 
Abschreibern nicht so geläufige Wörter, wenn sie vielleicht weniger 
leicht lesbar waren in näher liegende Ausdrücke übergingen. So, 
glaube ich, wurde aus eXXepoic (Hesych. ^XXepa* Kaxd), welches 
der Ueberlieferung näher steht als evcTdraic, das sinnlose ev T^Xei. 
Das corrupte dvGpuüiroici ist offenbar unter Einwirkung der geläu- 
figen Abkürzung avoici entstanden. Dieser steht am nächsten evvö- 
juoici. Also haben wir: 

öc trecpuKev dXXepoic Oeöc 
beivÖTttTOC, dvvöjLioici b' TimuuTaToc. 

Vergl. Aesch. Suppl. 403 Zeuc dTepöppeirfic 

vdjLiujv eiKÖTiuc dbiKtt juev KaKoTc, ocia b' evvöjLioic. 

Bacch. 982. 

jLidTTip TTpujTd viv Xeupclc dtrö Treipac f| 

CKÖXoTTOc öiiieiai 

boKeuovTa, Maivdciv b' dtrucei. 

Was soll hier CKÖXoTroc bedeuten? Wie soll Agaue auf einem 
Pfahle stehen? Könnte cköXoijj „der Baumstumpf' heissen, dann 
würde es noch einen Sinn haben. Offenbar haben wir in CKÖXoTroc 
nichts anderes als CKÖTreXoc, welches an das dTTOCKOTreiv derPane 
und Satyrn erinnert. Man kann schreiben f\ CKOTreXou; aber viel 
näher liegt: 

judirip Trpujid viv Xeupdc dtrö Treipac, fj 

CKÖireXoc, öiiierai. 
„von einem weitragenden Felsen, wo man eine weite Umsicht hat". 
So steht Xeupdc in causalem Verhältniss zu f) CKÖTreXoc. Ver^l. Ion 
714 iib beipdbec TTapvacoö Tuexpac ?xo^cai CKÖTreXov oupdviov 0* 

?bpav. 

Bacch. 1005 (1001). 

TÖ cocpöv DU cpGcviIi' 

Xaipu) OripeuGUC- 

a rd b' ?Tepa juetaXa cpavepd t' övt' dei, 

^iri xd KaXd ßiov 

fjlLiap eic vuKia t' euaToövT* euceßeiv, 

Td b' ßu) vöjuijua biKttc dKßaXöv- 

ra Tijidv 9eouc. 

Jahrb. f. clasa. Philol. Suppl. Bd. MI. Hft. 3. '24 



370 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

In diesem Text ftlUt vor allem auf, dass etri TCt KaXct kein Wort hat, 
von welchem es abhängig ist. Dieses lässt sich leicht herstellen. 
Im vorhergehenden Verse ist q)avepa t' övt' eine Conjektur von 
Musgrave; die Handschrift bietet qpavepa tujv. Darin haben wir 
einfach eine Verwechslung von F und T zu erkennen und erhalten 
cpavep' ctYovT' dei ^tti la KaXct ßiov „semper agentia vitam ad 
honesta" vergl. ateiv in- eubaijiioviav u. a. Im übrigen ist die 
Besponsion nicht dadurch zu gewinnen, dass man mit Nauck GT]peu- 
ouc' I ?T€pa schreibt und im strophischen Verse 987 

ic öpoc ic öpoc fjLioXev fjnoXev, iL BctKxeti: 

das eine de öpoc tilgt, sondern in folgender Weise 

ic öpoc k öpoc f jaoX* ^lioXev iL BdiKxai; 
-a Tab' gxepa jucTaXa qpavep' ätovr' deu 

So erhalten wir ohne weitere Aenderung in beiden Versen zwei 
Dochmien. 

In V. 1001, wo Nauck mit Recht an ßia Anstoss nimmt, ist 
wahrscheinlich Tctv dviKarov ujc Kparriciüv viKav (= Maivdbujv 
— KaTdcKOTTOV XucciübTi) zu schreiben. 

Hec. 1208. 

TTUJC öt' euTÜxei 
Tpoia, irepiH bfe trupToc elx' fxi tttöXiv 
^tx] T€ TTpiajaoc "€KTop6c t' fivOei bopu, 
Ti b' QU tot", eitrep roib' eßouXr|OTic xdpiv 
GkOai, ip^cpiuv TÖv iraiba Kdv böjLioic kx^v 
?KT€ivac; 

Richtig ist die Periode gebaut, wenn ti du töt€ . . lKT€ivac; 
geschrieben wird; denn ti ist gleichbedeutend mit ttujc und tritt an 
die Stelle von ttujc. Dass wir keinen Anstand nehmen dürfen ti 
QU herzustellen, zeigt das merkwürdige Schwanken der Handschriften 
in Phoen. 878 

dYib Ti QU bpujv, TToTa b' ou X^t^J^v ^ttti. 

Hier fehlt ou in den besten Handschriften und doch muss noth- 
wendiger Weise dem TToTa ou XeY^v ^ttti ein ti ou bpujv voraus- 
gehen, so dass diese Lesart geringerer Handschriften, mag sie auch 
nur auf Correktur beruhen, keinen Augenblick in Zweifel gezogen 
werden darf. Porson will Kä^\jj tiv' ou bpÜJV schreiben, um den 
Hiatus zu entfernen; Tiva soll sich ebenso wie troTa auf lux] beziehen. 
Allein das ist ein schlechtes Auskunftsmittel. Wie kann gerade bei 
dem Gegensatz von Worten undThaten ^nr\ zu bpiliv gehören? Man 
muss eben einfach zugeben, dass sich die Tragiker den Hiatus 
zwischen Ti und einem dumpfen Laute gestattet haben. Am deut- 
lichsten zeigt die Variante, welche der Schol. giebt, yP- ti |la^ bpiIiv, 
TToTa b' ou X^yiuv ?ttti, dass nur der minder gewöhnliche Hiatus die 
Verwirrung der Handschriften zur Folge gehabt hat. Denn Ti jLif| 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 371 

kann nur eine Correktur für Ti ou sein, welche den Hiatus beseitigen 
sollte. Und wenn in den besten Handschriften steht afih ti bpuiv, 
ÖTTOia b' ou X^fw^V ^TTT], SO ist klar, dass man nach der Weglassnng 
von oü den mangelhaften Vers mit OTioTa wieder ergänzen wollte. 
Auch das in einer geringeren Handschrift stehende, dem Sprach- 
gebrauch widersprechende ti bpuiv ou, welches Dindorf aufgenommen 
hat, ist nur ein anderer Versuch dem Hiatus auszuweichen. Hec. 820 
Ti ouv ?t' äv TIC ^Xiricai irpdHeiv KaXujc 

bieten A c ti ouv, die übrigen ttujc ouv. Wenn man nun gewöhn- 
lich TTÄc oöv aufninmit, so begeht man einen grossen Eehler gegen 
Methode und Ueberlieferung: es kann nichts augenscheinlicher sein 
als dass ti oöv die ursprüngliche Ueberlieferung, triuc oüiv nachträg- 
lich Correktur ist, welche wieder den Hiatus entfernen wollte. Wenn 
Porson behauptet, hiatum tragici non admittunt post ti ; nam pauca 
quae adversantur exempla mendosa sunt, so sind die Stellen Aesch. 
Eum. 902 Ti ouv ix" aviDtac, Suppl. 306 ti ouv ?Teu?ev, Pers. 787 
Ti oöv, ävai Aapeie, ttoT KUTacTp^qpeic Xötujv TeXeuTrjv; Sept. 208 
Ti oöv; 6 vauTTic kt^. 704 ti ouv ?t' äv caivoijiiev öXeÖpiov jiiopov; 
Soph. Phil. 100 Ti oöv jii' aviuyac, Ai. 873 ti oöv br|; aufs beste 
handschriftlich beglaubigt imd schützen sich gegenseitig; denn auch 
nur möglich ist eine Aenderung bloss an zwei Stellen Eum. 902 und 
Phil. 100, wo man ti |u' ouv aviUYCtC vorgeschlagen hat; an den 
übrigen Stellen ist eine Aenderung absolut unstatthaft. Anders steht 
es mit ti ^ctiv Soph. Phil. 733, 753, wo das gewöhnliche ti b' fcTiv 
sehr nahe liegt und an der letzteren Stelle sogar in einer Handschrift 
steht; femer mit ti eiirac Soph. Trach. 1203, Phil. 917; an der 
ersteren Stelle will Nauck Eur. St. II S. 25 Anm. ttujc eiirac schrei- 
ben, an der anderen hat Valckenaer ti fji* eiTrac vermuthet. Doch 
bleibt es fraglich, ob nicht das der Umgangssprache entnommene 
ot|Lioi Ti eTirac an beiden Stellen zu belassen sei. 

Hei. 127. 

EA. ou TTCtci TTopGjaöc auTÖc 'ApTeioiciv fjv; 
TEY. fjv, dXXct xeijLiiuv aXXoc' äXXov ujpicev. 
EA. TToioiciv ^v vuüToici TTovTiac dXöc; 
TEY. jLi^cov trepuici Tr^Xa^oc Aiyaiou iröpou. 

Der Dativ irepiuci ist fehlerhaft und scheint seinen Ursprung 
einer irrthümlichen Beziehung auf viUTOici oder auch auf 'ApTtioiciv 
zu verdanken. Eine solche falsche Beziehung hat El. 248 das un- 
richtige Tiva zur Folge gehabt (Tiva TP- Tivi). Das Verbum des 
Satzes ist oipicev, es muss also heissen: 

jLiecov TTepüJVTac Tr^Xayoc AiTcxiou tröpou. 

Hei. 174. 

jLiouceid T€ OprivrijLiaci Huvujbct 
TT^juipeie Oepc^cpacca 

24* 



372 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

qpövia cpövia, x^P^toc iv' ^m bdKpuci 

irap' efjieGev utrö jiieXaGpa viixiot iraiävac 

veKuciv oXojLi^voic Xdßr). ^ 

Man könnte sich den Ausdruck veKUCiv öXojiie voic gefallen lassen; 
wenn nicht der Zusammenhang einen anderen Begriff verlangte, ab- " 
gesehen davon, dass der Dativ veKUCiv oXofJievoic keine rechte Be- 
ziehung hat. „Persephone soll Melodieen, die in unsere Klagen ein- 
stimmen, emporsenden, damit sie zum Danke Lieder für die Todten 
empfange". Vollkommen befriedigt erst der Gedanke, wenn es heisst 
„damit sie zum Danke Lieder entgegennehme wie sie den Todten 
lieb sind", „damit wieder unsere Weisen in die Lieder der Todten 
einstimmen". Durch leichte Aenderung gewinnen wir diesen vor- 
trefflichen Gedanken: 

Xcipiiac IV ' eiri bctKpuci 

irap' djueGev uttö fjieXaOpa vuxicx traiävac 

veKuci jLieXojLievouc Xdßr]. 

Vergl. Phoen. 1301 ßooi ßapßdptu cievaKidv laxdv jueXojiievav V€- 
KpoTc OpTivriciu. Das für den Sinn fast unbedingt nothwendige Wort 
iraidvac hat Dindorf weggelassen, sieht sich aber genöthigt zur Her- 
stellung der Eesponsion auch in der Antistrophe das von Hermann 
in KXaYTCtTciv emendierte KXaYTdc zu streichen. Mit dieser Text- 
gestaltung (bei welcher jaeXojLievac geschrieben werden müsste) kann 
ich nicht einverstanden sein. 

Hei. 238. 

d be böXioc d ttoXuktovoc Kuirpic Jj 

Aavmbaic ctYOuca Odvaiov TTpia|uiibaic xe. 
iL idXaiva cufjiqpGpdc. f 

d bk xpi'C^oic Gpövoic . . ''Hpa . . ^Tie^x\ie Maidboc yövov. 

„Welcher Phrygier oder Hellene, klagt Helena, hat die für Ilion i 
thränenreiche Fichte gefällt, aus welcher der Sohn des Priamos das i^ 
Schiff zimmerte um meine Schönheit heimzuführen?" Darauf folgen i<« 
die angeführten Worte. In dem ersten Satze fehlt das verb. finitum. .'J 
Dieses kann kaum anderswo stecken als in d he. Wir müssen d b^ ;^ 
in aY€ ändern: ■ 

dye böXioc d ttoXuktovoc Kuirpic 
Aavaibaic fi^o^ca Gdvaiov TTpiajuibaic le 

Vergl. V. 1118 jiieXea TTpiajuibaic öyujv . . TTdpic aivÖTajuoc ttojli- 
TTttTciv 'Aqppobiiac, Iph. A. 392 f\fe b' ^Xiric, oTjiiai juev, Oeöc. 

Hei. 344. 1346. 
1^ 'V V6KUCI KttTd XÖOVÖC 

Tdv xööviov Ixex xüxav; 

Nach Kaid xOovöc kann xööviov nicht richtig sein. Härtung 
hat dafür qpöviov vermuthet. Aber Menelaos kann Schiffbruch ge- 



h 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 



373 



litten, kann anderswie gestorben sein; warum soll Helena gerade an 
Mord und Blutvergiessen denken? Das richtige Wort giebt V. 517 
Mev^Xaoc oöttu) jLieXajiiqpaec cixerai bi' epeßoc \QoV\ KpuqpBeic an: 

Tctv vüxiov äx^i Tiixctv; 

Vergl.Hipp. 1387 eiOe fjie Koi|uiiceie töv bucbai)uov' "Aibou iieXaiva 
vuKTepöc t' dvcxYKa. 

Auch in V. 1346 scheint eine ähnliche Corruptel Platz gegriffen 
!zu haben; dort heisst es: 

XaXKoO b* aubdv xöoviav 

TUTTavd t' eXaße ßupcoTevfi 

. . KuTTpic. 

Es ist doch kaum möglich xöoviav, welches nichts anderes heissen 
[kann als „unterirdisch", durch Vermittlung von xÖovia ßpoviri zu 
^erklären, wie es Hipp. 1201 heisst ?v0€V Tic ^X^i X^ovioc djc 
ßpovrf) Aiöc ßapuv ßp6|uiov jueGfiKe. Vergl. Aesch. Prom. 994, fr. 
|6ö, Soph. 0. C. 1606. Mit Aesch. Prom. 1082 ßpuxia b' r\x\h trapa- 
^LUKCtTai ßpoviflc kann aubctv xöoviav nicht geschützt werden, weil 
[ ßpuxioi r\xdi durch ßpovirjc näher bestimmt ist, also etwa soviel be- 
deutet wie ^x^ ßpuxictc ßpovTfic. Darum vermuthe ich 

Xö^KoO b' aubctv ßpo|uiav. 

Hei. 791. 

EA. QU TTOu TTpocriTeic ßioTOv; lö rdXaiv' efib, 
ME. ToupYOV juev f[V tout', övojLia b' ouk eixov tobe. 

Nach „du betteltest doch nicht?" kann nicht folgen „der Sache 
nach war es das, wenn ich auch nicht so hiess", sondern „der Sache 
[■nach war es das, wenn es auch nicht so hiess". Es muss also ge- 
schrieben werden: 

TOÖpYOV jLiev ^v tout', övo|uia b' ouk eixev TÖbe. 

Hei. 1151. 

dqppovec öcoi idc dpexdc TToXeiuiuj 
KToicOe bopöc dXKaiou Xöyxai- 
civ KaTaTTauöjuevoi trö- 
vouc GvaTUJV d7ra6ujc. 

Einen merkwürdigen Gedanken merkwürdig ausgedrückt bringen 
die z. B. von Dindorf in den Text gesetzten Aenderungen von (Her- 
mann) Seidler und Musgrave herein: ocoi rdc dpeidc iroXejLiuj 
KTdcOe, bopöc dXKötiou re Xö^x^ic, KaTaiTauöjLievoi ttöGguc GavdTuuv 
d|üia9ajc. Der allein richtige Sinn wird in einfacher Weise her- 
gestellt durch: 

dcppovec ocoi idc dperdc troXeiaiu 

KTdcOe bopöc dXKaiou \6fxa\Cy 

QU KaTaTiauöjLievQi trö- 

vouc GvaTUJV dTraBujc. 



374 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

d. i. äqppovec ocoi xac dperac froXeiaiu KiäcOe bopöc dXKaiou Xof- 
Xaic Ktti ouK diraeujc KaTairauecOe ttövouc evaTUJV. 

El. 150. 

? ?, bpuTTTe Kdpa* 

ola be TIC KUKVoc dxexac 

. . OüC C€ TÖV ctOXiov 
fTaiep' eyiAj KaxaKXaioiaai 
XouTpd TTavucTaO' ubpavdimevov xpoi 
KOiTot ev oiKTpoTdia ÖavdTOu. 

Es ist nicht leicht durch Angabe von Gründen deutlich zu 
machen, dass KOixa dv oiKTpoTdT(|i Gavdrou ein nichtssagender Aus- 
druck sei. Und doch ist es so. Gewöhnlich bezieht man Koixa ev 
oiKTpOTaTot Oavdxou zu iraiep* ifd) KaxaKXaioiiai: kann der Aus- 
druck „ich beweine dich im bejammemswerthesten Lager des Todes" 
für passend gelten? Was soll eigentlich Koixa GavdTOU bedeuten? 
Weil freilich sucht in KOiTa eine besondere Anspielung: „la p6riphrase 
KOiTa fait allusioji au lit de repos sur lequel Agamemnon aurait du 
s' etendre apres le bain." Hierin kann ich nur eine künstliche Er- 
klärung erkennen. Den richtigen Sinn und passenden Gedanken 
gewinnen wir, wenn wir schreiben: 

XouTpd TravücTttG' ubpavdiiievov xpoi 
bpoiTot dv oiKTpOTdTCjt eavdTOU. 

Die Badewannne, in welcher Agamemnon dieses Bad nahm, ward 
eine traurige Badewanne, eine Badewanne des Todes. So heisst das 
Truggewand, welches Klytämnestra über Agamemnon warf, ein 
Fanggarn des Hades. Vergl. Cho. 998 veKpoO TTobevbuTOV bpoiTiic 
KttxacKriviJuiaa, Ag. 1539 irpiv xövb' embeiv dpYupoToixou bpoiiac 
KarexovTa xciMeuvriv, Eum. 633 bpoiiri frepuiVTi Xourpd. 

Voraus ist nicht bpuirre Kdpa, sondern bpunTe irapeidv das 
richtige, wie sich nicht bloss aus Parallelstellen sondern auch daraus 
ergiebt, dass die Verletzung des Hauptes durch Zerraufen des Haares 
bereits vorher angebracht ist: Y^o^c, oTc dei TÖ Kar' fjiiap bie7T0)iai 
(vielmehr Xeißo)iai), Kaxd )aev qpiXav övuxi T€)avo|aeva bepav, x^P« 
T€ Kpar' em KOupi)aov T\Qe\xeva eavdTiu ciu. 

El. 413. 

KeXeue b* auTÖv TÖvb* eic bö)aouc dqpiYjadvov 
dXGeiv Hdvujv t' elc baira TTOpcövai Tiva. 

Diese Stelle wird gewöhnlich falsch behandelt. Elektra schickt 
ihren Scheingemahl zu dem alten Pädagogen des Agamemnon, der 
jetzt die Schafe hütet, und lässt ihm sagen, er möge für die Bewir- 
thung der Fremden etwas ins Haus liefern. Gewöhnlich nun wird 
seit Victorius durch einfache Weglassung von Tovb' das Metrum her- 
gestellt: 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 375 

KeXeue b' auTov €ic b6)iouc dqpiYMevov 
dXOeiv ^eviüv t' eic baixa Tiopcövai xiva. 
Hierin ist einmal eic böjaouc dqpiY)ievov eXGeiv unmöglich. Härtung 
hat das unerträgliche durch die Aenderung dqpiYlnevoc zu beseitigen 
gesucht; allein die nähere Bestimmung eic böjaouc dqpiYMevoc ist 
hier nicht an der Stelle und nach dem vorausgehenden Auftrag ?X0' 
ibc TiaXaiöv Tpoqpov ijxöv qpiXou fraTpöc durchaus müssig und un- 
geschickt. Aber auch an und für sich ist die Beseitigung von TÖvb' 
unstatthaft. Wie soll es in den Text gekommen sein? Gerade die 
sinnlose Stellung des Wortes nach auTOV ist ein untrügliches Zeichen, 
dass hier ein Rest des ursprünglichen Textes vorliege. Fragen wir 
nun, was mit diesem xövbe anzufangen sei, so ist zu beachten, dass 
TÖvb' in den vollständigen und tadellosen Vers KeXeue b' auTÖv eic 
böjLiouc dq)iY|Uidvov nur, wenn es als üeberschrift über dem folgenden 
Verse stand, gelangen konnte. Wir haben es also in diesen Vers 
ziu*ückzusetzen und zwar an den allein möglichen Platz, welchen jetzt 
das ungehörige dXGeiv einnimmt: 

K^eue b' auTÖv eic b6|Liouc dqpiY^evov 
Tujvbe Seviüv eic baixa iropcövai Tiva. 

„heisse ihn ins Haus kommen und einiges zur Bewirthung dieser 
Fremden liefern". Aber auch so ist der ursprüngliche Text nicht 
hergestellt. Denn es ist noch ein Anstoss übrig, welcher gleichfalls 
alle bisherigen Emendationen als unrichtig erweist. Das partic. perf. 
dqpiTM^vov ist weder in KeXeue b' auTOV — dqpiyinevov IXGeTv noch 
in K. b' auTÖv — dqpiTMevov Tiopcövai möglich. Es könnte nur 
dqpiKÖjLievov (^XBövra) heissen. Diese Bemerkung, die keines Beweises 
bedarf, ISsst uns mit Sicherheit schliessen, dass ursprünglich dqpiy- 
^I^VUÜV — SevuJV geschrieben war; denn nur dann ist das Perfektum, 
statt dessen auch fiKÖVTUJV stehen könnte, richtig. Also ist zu 
schreiben: 

KeXeue b' auröv eic böjuouc dqpiYlLievuJV 
Tujvbe H^viüv eic baira Tropcuvai xiva. 

„heisse ihn, da diese Fremden in unser Haus gekommen sind, einiges 
zur Bewirthung liefern". 

El. 648. 

'Op. Ktti iAr\v eKeivd y' ^ Tuxn 9r|cei KaXuJc. 

'HX. UTTripeTeiTU) )iev buoTv övtoiv TÖbe. 

OP. ?CTai Tab'* eupiCKeic be }JiY]Tp\ ttujc (pövov; 

In UTTTipeTeiTUJ \xkv ist |Liev unmöglich, weil keine gegensätzliche 
Begehung denkbar ist. Auch jafjv, wie Härtung dafür schreibt, ist 
nach Kai jafjV zumal an dieser Stelle kaum gerechtfertigt. Nauck 
vermuthet vCuv. Alle Zweifel und Vermuthungen werden beseitigt 
durch die Bemerkung, dass buoTv mit dem nachdrücklich hervor- 
hebenden ÖVTOIV nicht möglich ist ohne den Gegensatz eic; es muss 
also heissen: 



376 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

iJTTripeTeiTUJ inia buoTv övtoiv tobe. 

Vergl. Hei. 731 buoTv KaKoTv ev' övxa xPflcGai, Ion 539 i] Tuxn 
TTÖGev TToG' fiKei; — buo )iiav 0au|uid2^o|ui€V, Hec. 896 ibc xiwb' 
dbeXcpuj frXriciov juiqt cpXoTi, biccf] jxipxixva irniTpi, Kpu(pOf]TOV xöovi, 
Soph. Trach. 539 Kai vöv bu' oucai |uii)avo|Liev mäc uirö x^ctivT]C 
UTTttTKaXiciaa, 941 de buoTv ecoiO' äjia . . djpqpaviC)ievoc, Aiit.l4, 170. 
Ich halte auch fest, was ich früher für Ion 518 vorgeschlagen habe: 
Xaipojuev cu b' eu qppovei fe, Kai bu' övt' '^v (für eö) TrpdHojaev. 

El. 874. 

TÖ b' d|Ul€TepOV 

Xtüpricerai Moucaici x6ptvj)aa (piXov. 
Mit Eecht hat Seidler an dem unpassenden xuJpr|CeTai Anstoss 
genommen; dieses ist nicht nur ein prosaischer, sondern auch ein 
ungeschickter Ausdruck; denn wenn Weil bemerkt „xu)pr|C€Tai x^' 
pevjia n'est pas plns extraordinaire que iTiü ßod", so ist zn beach- 
ten, dass x^P^iv nicht gleichbedeutend ist mit ievai oder eXGeiv. 
Seidler hat xopeucexai vermuthet; allein durch xopeucerai wird die 
genaue Eesponsion mit dem strophischen Tri^bTiiLia kou- aufgehoben. 
Es ist noch einfacher zn schreiben: 

öpxr|C€Tai Moucaici xöpeujua qpiXov. 

El. 1244. 

biKaia \xiv vuv f\b' e'xer cu b' ouxi bpac, - 
ctoTßöc Te ctoißoc* dXX' dvaS ydp der' I|la6c, 
ciTui* coqpöc b' lüv ouK exprjce coi coqpd. 
Ich kann nicht absehen, was die Wiederholung des Namens 

ctoißoc bedeuten soll. Eine Pointe „Phöbus macht seinem Namen 

keine Ehre" erhalten wir, wenn wir schreiben ctoißöc t' dq)Oißoc. 

Uebrigens scheint die Aposiopese dXX' — ciYU) einen neuen Satz, der 

nicht zu Ende geführt wird, zu fordern, also: 

biKaia )aev vuv r\b' ^xev cu b' ouxi bpqtc* 
ctoTßoc b' äqpoißoc — dXX' dvaH y^P ^ct' djudc, 
ciyOü* coqpöc b' u)v ouk e'xprice coi coqpd. 

Heraclid. 132. 

cov bf| TÖ qppdZeiv ecxi )jir] jueXXeiv ejuoi, 
iroiac dqpiSai beupo yfic öpouc Xittijüv; 
Gewöhnlich nimmt man aus der geringeren Handschrift )Lif) 
lieXXeiv t' ijioi auf und beruhigt sich bei diesem ungeschickten 
Ausdruck und Gedanken. Was zu cöv bf| tö qppd2[eiv ecTi gehöre, 
zeigen Stellen wie Suppl. 98 cöv tö |uir|vueiv d)aoi, f])itüv b' ÄKOÜeiv, 
Iph. T. 810 ouKOÖv XcY^iv \xkv xpx] ce, )Liav6dveiv b' ijii^ Soph. 
Phil. 24 ibc TdiriXciTra tuiv Xöyiüv cu }xev kXuijic, ^yu) bk qppdZu). 
Hiernach haben wir zu schreiben: 

cöv bi\ tö qppd^eiv ecTi, |uiav6dveiv b' eiuöv. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 377 

Heraclid. 144. 

TToWOüV be KttXXujv ^CTiac dqpiYiLieviJüv 
ev ToTci b' auToTc toTciv ecraiLiev Xötoic 
Koubeic eTQX)iTic' Tbia 7rpoc9ec6ai KttKd. 
Seit /Canter schreibt man allgemein ev TOiciv auToTc TOicib' 
eCTa|Li€V XÖYOic. Damit ist nicht der richtige Gedanke gewonnen; 
denn abgesehen von anderem passt zu dem Sinne „stehen wir wieder 
bei derselben Sache" der Begriff ToTcbe (xoicibe) nicht. toTciv ist 
nichts anderes als ToTcb' \v\ KOiibeic aber ist, als ToTcb' iv' in 
TOiciv übergegangen war, aus oubeic corrigiert worden wie Med. 
1089 KOUK aus ouk, wo gleichfalls die rechte Verbindung verloren 
war. Wir haben also 

iroXXuiv be koIXXijuv ecriac äqpiT)LieviJüV 
dv TOICIV auToTc ToTcb', iv' ecTa)Liev, Xoyoic 
oubeic eroXiiTic' ibia TTpocGecBai KaKOt. 
V«rgl. Iph. A. 719 em Taiiir] Kai Kaeecxaiuev xux»;]. 

Heraclid. 361. 

8c TTÖXiv eX6djv erepav 

oubev eXdccov' "ApYOuc 

GeOüV iKTfjpac dXdxac 

Ktti ejudc xöovoc dvTO)aevouc 

ievoc u)v ßiaiujc 

eXKeic, o\) ßaciXeöciv eiHac, 

OUK dXXo biKaiov eiTriuv. 
Hierin enthält ou ßaciXeOciv eiHac einen falschen Gedanken: 
von Nachgiebigkeit kann keine Eede sein; das ungesetzliche in dem 
Verfahren des argivischen Herolds liegt darin, dass er ohne weiteres, 
ohne der Obrigkeit des Landes eine Anzeige zu machen und sich die 
iBrlaubniss zu erbitten, Schutzflehende mit Gewalt hinwegführt. 
VergLV. 111 oukoOv xupdvvtu Tfjcbe ^f]C qppdcavxd ce xpflv raura 
ToX|Liäv, dXXd |uifi ßicjt Hevouc Geuiv dqpeXKeiv, yriv ceßovr' eXeuGepav. 
Aus demselben Grunde tadelt Theseus den Kreon Soph. 0. C. 913 
ScTic biKtti' dcKoucav eiceXGibv ttöXiv Koiveu vö)aou Kpaivoucav oubev 
eil' dqpelc rd rflcbe Tf)C yfic Kupi' lub' eTTeicirecibv dyeic 0' a xpij|- 
Zeic Ktti TrapiCTttcai ßiqt, der argivische König den ägyptischen He- 
rold Aesch. Suppl. 919 TToioiciv eiTTibv TipoSevoic ^yX^P^o^c; (willst 
du die Töchter des Danaos fortführen). Dass der Begriff der Anzeige 
vorausgeht, erkennt man auch aus ouk dXXo biKttiov emiuv („ohne 
eine Eechtfertigung hinzuzufügen"). Also ist zu schreiben: 

ou ßaciXeuci beiHac, 
OUK ciXXo biKaiov emiuv. 

Heraclid. 393. 

Der König Demophon berichtet über den mit argivischer Heeres- 
macht herangezogenen Eurystheus folgendes: 



378 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Tiebia )iev oöv yf]C elc xdb* ouk IqpfjKe ttoj 
crpaTÖv, Xeiraiav b'öqppuriv KaGriiuevoc 
CKOireT, (bÖKTiciv bx] xöb' Sv XeTOi|uii coi,) 
TToia TTpocdHei CTparoTrebov xa vöv bopöc 
ev dcqpaXei re Trieb' ibpucexai xöovoc. 

Im vorletzten Vers fehlt das Wort, von welchem bopöc abhängig 
ist. Musgrave vermuthete cxpaTÖTrebov x' oiveu bopöc, Schenkl xd 
vöv obtu. Auch ich vermisse ein Substantiv zu 7roi(|t, halte aber 
bopöc für richtig, während xd vOv unnütz und ungehörig ist. Das 
vermisste Substantiv finde ich in Suppl. 902, wo es von Tjdeus 
heisst: ouk ev Xöyoic fjv XaiUTipöc, dXX' ev dcTTibi beivöc coqpicxfjc 
TToXXd x' eSeupeiv coqpöc. TVU))ar] b' dbeXqpoö MeXedYpou XeXeimae- 
voc icov Trpocecxev övo)ia bid xexvric bopöc, eupibv dKpißfi juouci- 
Kf|V ^v dcTTibi und schreibe danach: 

TTOict TipocdHei cxpaxÖTiebov xexvfl bopöc 
ev dcqpaXei xe xf^cb' ibpucexai x^ovöc. 

Heraclid. 752. 

laxncaxe b' oupavijj 

Kai TTapd Gpövov dpxexav 

Y^ö^Kql x' ev 'AGdvqt* 

jueXXuJ xdc iraxpiiuxiboc fäc, 

jueXXiü Kai Tiepi bö)iiJüv, 

iKexac uTTobexOeic, 

Kivbuvov iroXiuj xeiueiv cibdpuj. 

Für laeXXiü Kai Trepi böjaiuv hat die andere Handschrift juieXXiJü 
fiepi xuiv böiLiiüV. Das Metrum hat Nauck hergestellt mit jueXXu) Kai 
UTTep bö)LiiJüv, was auch Dindorf und KirchhoflP in den Text gesetzt 
haben. Ich halte diese Emendation nicht für sicher. Wir kämpfen 
für das Vaterland und den eigenen Heerd, der Grieche gedachte vor 
allem auch der Götter und der Tempel, wie es Aesch. Pers. 403 
heisst: ui Traibec 'GXXriviuv ixe, eXeu6epoöxe iraxpib', eXeuOepoöxe 
bfe Traibac YuvaiKac OeOüv xe TraxpiuiJüv ?bri 0r|Kac xe TrpoYÖvujv. 
Für die Tempel aber, an deren Altar er aufgenommen worden (V. 
955 kexac baiiuöviuv Ka0r||aevouc), hat der Schutzflehende besonders 
zu kämpfen (kexac ufTobexOeic). Ich glaube darum, dass Kai bö)aujv 
aus bai|LiöviJüV entstanden ist, Tiepi Kai bö|LAUJV aber die gewöhn- 
lichere Stellung Kai irepi böjiiujv erhalten hat: 

lieXXiJü Trepi bai)Liöviüv, 

iK^xac UTTobexOeic, 

Kivbuvov iroXiiu x€|LAeiv cibdptu, 

Heraclid. 766. 

Zeüc jLioi cij|Li|Liaxoc, ou qpoßoOjaai, 
Zeuc jioi xo^piv dvbkujc 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 379 

ixer ouirore evaiuiv 
ficcouc eir' iixov qpavoOvrai. 

Für den letzten lückenhaften V., welcher mit dem V. Kivbuvov 
TToXtqj T€)ieiv cibdpiu respondiert, ist noch keine Emendation gefun- 
den, welche den richtigen Sinn giebt und zugleich die Entstehung 
der handschriftlichen Lesart erklärt. Jacobs hat ficcovec TipuTOiveic 
e|uioi (pavoöviai vorgeschlagen, Dindorf f^ccovec Tiap* ^|Lioi Geoi 
qpavoOvTai unter der Bemerkung coniectura incerta in den Text ge- 
setzt, Kirchhoff riccouc <baijuovec> eK t' ijxov (pavouvrai vermuthet. 
Mit irap' djLioi qpavoOvrai oder €k y' ^MOÖ qpavoöVTai ist nicht gerade 
der passendste Gedanke hergestellt. Gut hat Dindorf an.Aesch. 
Prom. 550*bu7ru)c Totv Aioc dpiuoviav Gvaruiv TiapeSiaci ßouXai 
erinnert. In eiT ' €)lioö sind noch einzelne Buchstaben von ai Tr<(aXd^ 
|ui<ai 0> €0Ö erhalten: 

oÖTTOTe 6vaTiJuv 

ficcouc ai fraXdiaai 0eoö (pavcöviai. 

Vergl. Find. Ol. XI 25 9eoö cuv 7raXd)aa, Pyth. I 94 dvix' eupi- 
CKOVTo Geuiv TraXd|Liaic Ti|uidv, Soph. Phil. 176 lö iraXdiuai Geujv, u) 
biicrava t€Vti ßpotuiv. 

In V. 777, wo die bessere Handschrift eciri coi, die andere 
dXX' im CGI giebt, fordert der Zusammenhang nicht em, wie Her- 
mann bessert, sondern TOiYapcoi (ttoXuGutoc dei Ti)id Kpaiverai, 
„zum Dank dafür"), wie auch immer die Corruptel entstanden sein 
mag. Nauck schreibt GeCTTic coi, wobei die nothwendige Verbindung 
wegfällt. 

Heraclid. 833. 

TTOcov Tiv' auxeic TrdiaYOV dcTTibiuv ßpeineiv, 
. TTÖcov Tivd crevaTMÖv ol|uiiJüYr)v 0' 6|liou; 

Für die Schilderung des Schlachtenlärms genügt CTevaT)Liöv 
oi|UiiüYiiv T€ nicht. Dass aber zwei verschiedene Begriffe verbunden 
, waren, zeigt ö)iOu, welches bei den gleichen Begriffen CTevaYlnöv 
und oiiuuüYrjV zwecklos ist. 

Das richtige Wort giebt uns die hier nachgeahmte Stelle Hom. 
A 448 und 62 didp dcmbec 6)aqpaX6eccai ^ttXtivt' dXXr|Xr]ci, 
TToXuc b' öpu|uaYböc öpiupei. evBa b' ä)Li' oi)aiüYr| te Kai eux^Xf] 
TT^Xev dvbpujv öXXuvTiüV xe Kai 6XXu)aeviJüV an die Hand. Darnach 
ist zu verbessern: 

TTÖCOV Tivd cTevaYMÖv euxtuXriv 0' 6)ioö. 

« 

Herc. für. 60. 

lö TTpecßu, Taqpiujv öc ttot' eHeiXec ttoXiv 
CTpaTTiXarricac KXeivd Kabjaeiojv bopöc, 
8c oöbfev dv0pu)Troici tujv 0€Oüv caqpec. 
ifih Yöp oöt' eic iraTcp' d7TTiXd0Tiv Tuxnc, 
8c eivcK* öXßou jxiyac dKO|Li7Tdc0Ti.7roT^, 



380 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

. . . . Kä|Ll' ?bUJK€ Tiaibi CO) 

^TTicriiLiov euvrjv 'HpaKXeT cuvoiKicac. 
Kai vöv eK€iva juev Gavövx' dveTTTaxo. 

Mit Eecht haben manche an dem Ausdruck eic Trar^pa diTTiXa- 
6tiv Tuxr|c Anstoss genommen. Einen Versuch der Emendation hat 
L. Dindorf gemacht mit dTrecqpdXriv. Allein man erwartet ganz das 
Gegentheil von dem Sinne, welcher in aTTTiXdGriv oder dTrecqpdXrjV 
(riiuapTOv) TUXTlc liegt. Das zweite Glied, welches bei oute vor- 
schwebte, hat sich in dem Eelativsatze Kä|ui' ebiüKC Tiaibi cui . . 
cuvoiKicac verloren. Betrachten wir den darauf folgenden Satz Kai 
vöv eKeiva |Liev Gavövx' (oder vielmehr, wie Madvig verbessert hat, 
dvövrix') dveiTxaxo, so erkennt man, dass bei dem ersten oöxe der 
Gedanke vorschwebte „noch haben sich die Hoffnungen verwirklicht, 
welche sich an meine gefeierte Verheiratung mit Herakles knüpften". 
Danach aber erwartet man bei bem ersten ouxe den Gedanken „ich 
habe weder von dem vielgerühmten Glücke meines Vaters den ge- 
hofften Genuss gehabt". Darum ändere ich dirriXdGriv indirriXauov 
und vergleiche V. 1224 Kai xuiv KaXu)V juev öcxic dTroXaueiv Qi\e\, 
1368 oub' ujvacGe xuiv ejuiuiv KaXuiv, Phoen. 1205 xOüv x' OibiTrou 
bvjcxTivoc dTToXaöcai KaKOiv. Das Augment darf keine Bedenken er- 
regen; denn schon bei Thucydides (HI 67) findet sich das gleiche 
Augment in 7Tapriv6)aTica und iraprivöiaouv kommt bei Lysias vor. 
Doch hat vielleicht der Dichter geschrieben: 

ifix) ydp ouxe iraxpoc direXauov xüxiic. 

Herc. f. 119. 

}xr\ TTOba TTpoKdjurixe 
ßapu xe KiuXov uicxe irpöc TrexpaTov 
X^fiac ZuYTlcpöpov ttujXov dvevxec ibc 
ßdpoc (pepov xpoxr|Xdxoio ttuüXgu. 

Die beiden letzten Verse haben übereinzustimmen mit 

epeicjuia Qiixevoc ecxdXriv iriXeiLxuJV 
YÖUJV doiböc ujcxe ttoXiöc öpvic. 

Den Sinn, welcher klar ist, und die Eesponsion sucht man auf ver- 
schiedene Weise herzustellen: Hermann hat 2[uYO(pöpov ttiüXov eHav- 
evxec vermuthet, Pflugk Xeirac ttoviu bajuevxoc ujc 2[uYTi(pöpou 
ßdpoc cpepeiv xpoxn^o^TOio ttijüXou, Härtung Xeirac ZuYoqpöpoc ^5av- 
avevxec ou ßdpoc qpepiüv öxou xpoxTiXdxoic ttuiXoc, Kirchhoff Xeirac 
ZuYoqpopoi kujX' ievxec dvxuYOC ßdpoc qpepeiv xpoxilXdxoio ttujXoI, 
worin sowohl kuiX' ievxec als dvxuYOC für den Sinn unpassend ist. 
Am elegantesten ist die Emendation von Nauck, welcher Xeirac 
2[uYOqp6poc ap)iaxoc ßdpoc qpepuJV xpoxn^<iTOio ttüjXoc schreibt und 
in der Strophe lijcxe ttoXioc ausscheidet. Allein wenn sich auch, 
wie ich zeigen werde, die Einsetzung von fipjLiaxoc für dvevxec djc 
rechtfertigen lässt, so ist die weitere Aenderung CuYOcpöpoc qpepujv 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 381 

TTUiXoc bedenklich, ganz unmethodisch und unstatthaft aber ist die 
Ausscheidung von üjcre ttoXiöc in der Strophe, welches durchaus 
nicht die Eigenschaft eines Glossems hat und nur der Aenderung 
in der Antistr. zu. Liebe ausgeworfen wird. Unsere Emendatiou geht 
von zwei Annahmen aus. Einmal kann dvevxec kaum etwas anderes 
sein als avavtec. Wollte man darum die Aenderung von Nauck 
zu begründen suchen, so müsste man avavxec als Glossem zu Trpöc 
TrerpaTov XcTrac betrachten und annehmen, dass das übergeschrie- 
bene civavTec ein Stück von äp)aaT(oc) verdrängt habe. Wir aber 
sehen das für die Schilderung trefflich passende dtvavrec als ursprüng- 
lich an. Zweitens zeigt das nachfolgende TruüXou, dass ttujXov nur 
das Glossem kuiXov ist, dass demnach das neutr. qpepov als ursprüng- 
lich betrachtet und aus ßapu xe kuiXov dazu KtuXov ergänzt werden 
muss. Entweder hat es also ttuüXou l\)fr](p6pov oder lvfr]q>6pvjv 
TTiJüXiJüV geheissen. Das letztere ist entschieden desshalb vorzuziehen, 
weil offenbar xpoxTlXdxoio das nachfolgende ttuuXou angezogen hat 
und auch weil der doppelte gen. sing, störend wirkt. Wir haben 
hiemach ßapu xe kujXov oicxe (kuiXov) ZuYTiqpopiuv ttuuXujv irpöc 
.irexpaTov Xeirac ßdpoc qpepov xpoXTlXdxoio. Es fehlt nur noch der 
Begriff djadiric (öxou, dirrivric, äpiuaxoc), welchen xpcxn^otT^oio un- 
bedingt fordert. Das Versmass und das nach dvevxec folgende ujc, 
welches ich als Schlusssilbe von äp)Liaxoc betrachte, lehrt uns, wel- 
ches Wort und wo es ausgefallen ist. Das Ergebniss unserer Er- 
örterung ist folgendes: 

ixi\ TTÖba 7rpoKd)irixe 

ßapu xe KtuXov oicxe irpöc TrexpaTov 

Xeirac ZiuYTiqpopujv dvavxec <äpjLiax>oc 

ßdpoc qpepov xpoxnXdxoio TnJuXiuv. 

Wegen der Responsion sei bemerkt, dass in diesem Chorgesange 
öfters eine Länge zwei Kürzen entspricht. 

Herc. für. 419. (374. 383). 

xdv xe jLiupiÖKpavov 

TToXuqpovov Kijva Aepvac 

öbpav eHeTTijpiJucev 

ß^Xeci x' djuqpeßaXXe, 

xöv xpicu))aaxov oTciv ^- 

Kxa ßoxfjp' 'Gpu6eiac. 
Nach diesem Texte der Handschrift müsste mau construieren : 
ßdXeci x' d|Liq)e-ßaXXev öbpav, was wol als abgeschmackt bezeichnet 
werden darf, wenn nicht Jemand an einen Sinn denken will, der hier 
keine Stelle haben kann. Wir verlangen den Begriff X^XrjV d)i(pe- 
ßaXXe ße'Xeci (vergl. Diod. IV 11 x^ipujcdiaevoc xö Cluov eic xf)V 
XoXfjV dTreßairxe xdc dKibac, ApoUod. II 5, 2, 5 xö bt cujjaa xfjc 
öbpac dvacxicac xf] xoXx] tovq oicxouc ^ßavpev). Fast ohne Aende- 
rung ist der erforderliche Sinn hergestellt, wenn man schreibt: 



382 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

ßeXeci t' d)iqpeßaXX' i- 

ÖV, TpiClüjLiaTOV oiciv i- 

Kxa ßoxfip' 'GpuGeiac. 

In demselben Chorgesange V. 381 

Kai vpaXioic dbd|Liacc€ ttujXouc 
Aiojuribeoc, di cpoviaici qpdrvaic 
dxdXiv' eeöaCov 
Kd9aijua cixa y^vuciv 

ist dGöaZov für den Sinn unbrauchbar. Ich vermuthe dbd'iZov und 
sehe, dass bereits Härtung dieses in den Text gesetzt hat. Das weg- 
fallende dGöoZov ist wahrscheinlich kurz vorher verloren gegangen 
V. 371 

cÜTXopToi 9' '0|LiöXac Ivau- 

Xoi, TceuKaiciv öBev x^pc^c 

TrXripoOvTec xöova GeccaXuiv 

iTTireiaic ebd)aa2[ov. 

Ich halte nicht ibä^alov (vergl. V. 381 vpaXioic ebdjuacc€ ttijüXouc), 
sondern 

iTTTTeiaic iQoalov 

für den richtigen Ausdruck. Vergl. Phoen. 794 iiiTreiaici GodZeic. 

Herc. f. 875. 

oTOTOToT, CT^vaHov dTTOKeiperai 
cöv äv9oc TtöXeoc 6 Aiöc ^kyovgc, 
lueXeoc '6XXdc, & töv euepYerav 
dTToßaXeic. 
Ich kann den gen. TiöXeoc nicht für richtig halten. Zu CTeva- 
Hov gehört offenbar der voc. jueXeoc 'GXXdc: Jammre, unglückliches 
Hellas, deine Zierde der Sohn des Zeus wird dir entrissen". In 
diesem Gedanken aber ist TiöXeoc unerträglich. Wenn jemand CT^va- 
Hov als Anrede an einen Theil des Chors betrachten will, so passt 
dazu cöv dvGoc schlecht; es wäre ijiöv oder fmeTepov nöthig. Die 
Handschrift giebt TiöXeoc mit übergeschriebenem ic(7TÖXic). Diese 
Correktur entstammt dem richtigen Gefühl, dass die Stadt oder das 
Land angeredet werde. Es ist zu schreiben: 

ÖTOTOTOi, CT^vaHov diTOKeipeTai 
cöv dvGoc TToXiöv, ö Aiöc ?kyovoc, 
jLieXeoc 'GXXdc. 

Herc. für. 1415. 

Hp. ci) TToioc fjcGa vdpGev ^v KaKoTciv ujv; 
0r|. ibc elc tö Xfi|ua Travxöc ^v f^cctuv dvrjp. 
Hp. TTiJüC cöv fr* eXnviC Sri cuv^cxaXiaai KttKoTc; 
0T1. TTpößaive. Hp. x«ip\ ^ irp^cßu. AM. Kai cü |uoi, t^kvov. 
In 7TUJC oijv fr' emric giebt weder fxi einen passenden Sinn 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 383 

noch ist der Conjunktiv 7T(jüc eiirrjc zu rechtfertigen. L. Dindorf hat 
TTUJC ouv av eiTTOic geschrieben, wovon Kirchhoff eiTioic aufgenommen 
hat Damit ist allerdings der passende Gedanke hergestellt, obgleich 
man geneigt ist ttujc ouv av emoic nach einer bei den Tragikern 
sehr häufigen Ausdrucksweise als Wunsch zu fassen. Aber die 
Buchstaben ouvexei | tt^c weisen auf vouGexeTc hin. Man könnte 
TTOic vouGereTc oöv schreiben; aber ich halte mit Paley d)ae für nöthig. 
Dieser schreibt ttujc ouv e\x^ eiTioic und belegt die Auslassung von 
äv mit Baöch. 747, Phoen. 1201, Iph. A. 1210. An der ersten 
Stelle bietet die bessere Handschrift 0äccov bt bieqpopouvTO capKÖc 
dvbuT« f\ cu Huvdvpai (mit übergeschriebenem c) ßXecpapa ßaciXeioic 
KÖpaic. Diese Ueberlieferung scheint die Lesart der anderen Hand- 
schrift f\ C€ Huvdvpai zu bestätigen. Vergl. Suppl. 844 Kpeiccov' f\ 
XdSai \6fiJJ ToX)ar))iaTa. Für fj cu Huvdvpaic kann man auf Hipp. 
1186 Ktti Bäccov fj XeTOi Tic verweisen. Da es aber Iph. T. 836 
Kpeiccov' f\ XÖYOiciv euTUXOUVra heisst, so ist wahrscheinlich jene 
Stelle nach dieser, nicht umgekehrt zu verbessern. Jedenfalls kann 
dieser Fall nichts für unsere Stelle, die ganz verschieden davon ist, 
beweisen. Phoen. 1201 

KttXöv TÖ viKäv ei b' d|Lieivov* oi eeoi 

YVU)|LiTiv ^xo^civ, euTuxr]C eiriv ctuü. 
hat Hermann allerdings dv für nothwendig erachtet (euTuxric eiv av) 
und auch Kirchhoff vermuthet euxuxricex', oTb* ifib. Allein euxuxrjc 
eliTiv i'jih ist ein formelhafter Wunsch, der statt des eigent- 
lichen Nachsatzes steht: 

*YVU))iriv ?xo^civ, — euTuxr]C eiriv efib. 
An der dritten Stelle ist dv vor dvieiTTOi ausgefallen und desshalb 
das bei Ganter hergestellte ToTcb^ in Trpöc rdb' corrigiert worden. 
Ein derartiger Fall kann nichts gegen tausend andere beweisen. 
Also kann weder ttujc ouv f ja' eiiTOic noch ttujc ouv ?t' emoic richtig 
sein. Ich schreibe: 

TTuic vouGereTc b' ä}i\ oti cuvecraXiuai KaKoTc. 
Mit X«ip' ^ TTpecßu' — Kai cu )aoi, tckvov scheint das Stück zu 
schliessen und die V. 1419 ff., in welchen mehrere Ungeschick- 
lichkeiten vorkommen, späterer Zusatz zu sein. 

Suppl. 60. 

TTapdTTeicov be cöv uj, Xicc6)ae0', eXGeiv 
T^KVOV 'lc)iTivöv djudv t' eic x^pa GeTvai 
vcKÜtuv GaXepd ctu)aaTa Xdivov xdqpov. 
Im dritten V., dessen Ueberlieferung theils unmetrisch theils 
sinnlos ist, hat die Emendation von Elmsley veKUUüV GaXepuiv ciijjua 
laXaivac dTaqpov am meisten Beifall gefunden; nur zieht Nauck 
GaXepöv und drdqpiJüV vor. Kirchhoff vermuthet GaXepuiv caj)LiaTa 
bapöv T* dTdqpU)V. Am bedenklichsten erscheint mir in diesen Aen- 
dernngen die Verwandlung von 6aXepd in GaXepuJV oder GaXepöv, 



384 N. Weckiein: Studien zu Euripides. 

besonders desshalb weil sich uns hier ein gewissenhaftes Nachschreiben 
der tiberlieferten Buchstaben zu erkennen giebt. Dass GaXepuJV in der 
einen Handschrift von zweiter Hand beigeschrieben nur metrische 
Correktur ist, wird niemand bezweifeln. Ich halte darum entschie- 
den an der Aenderung GaXepd 7TTiJU)LiaTa fest, welche ich bereits 
frtiher gemacht habe. Aber auch die Buchstaben AAAINONTA<|)ON 
weisen nicht auf xaXaivac axacpov oder bapöv t* didqpujv, sondern 
auf dXaivovxa Tdqpiüv hin. Diese Bemerkung . musste ich zum 
zweitenmale machen, weil man die bereits von Hermann gefundene 
Emendation, die eigentlich als handschriftliche Lesart gelten kann, 
der Erwähnung nicht weiter für werth erachtet hat. Matthiae be- 
merkt freilich „dXaiveiv tivoc carere aliquo, haud scio an nus- 
quam legatur, sed eo sensu dXdcGai dicitur, ut Pind. Ol. I 94 euqppo- 
cOvac dXctTai (Tantalos, weil immerfort der Stein auf sein Haupt 
zu stürzen droht, Tro. 639 6 b' eutuxr|cac eic tö bucTuxec Trecujv 
vpuxnv dXdxai Tflc irdpoiG' euTrpaSiac cognato quidem verbo, sed 
usus tamen discreti". Aber diese Bemerkung will nicht viel bedeuten : 
einmal ist die Bedeutung von dXaiveiv der von dXdcGai vollkommen 
gleich und dXaivev xivöc muss dasselbe heissen wie dXdcGai tivoc; 
dann muss dXaivovTa Tdcpuüv einer handschriftlichen Lesart gleich 
geachtet werden und die Behauptung „hand scio an nusquam lega- 
tur" bedarf einer Beschränkung. Endlich heisst es unserer Stelle 
vollkommen entsprechend Tro. 1082 cu \ikv qp9i)Lievoc dXaiveic d9a- 
TTTOC dvubpoc. Demnach ergiebt sich uns: 

ijxayf t' eic x^pa Geivai 
veKuiüv GaXepd itTiiuiiaT' dXaivovTa rdcpiüv 

Ich brauche nicht zu bemerken, dass dasjenige, was eigentlich zu 
veKÜujv gehört, nach gewöhnlichem Gebrauch der Dichter mit tttiü- 
luaxa verbunden ist. Zu TTTiijuaTa GaXepd veKuiuv vergl. Phoen. 
1481 irdpa y^P Xeucceiv TTTuuiuaTa veKpuiv rpiccüjv, 1697 'Creo- 
kXcouc bi 7rTUJ)ia TToXuveiKOuc re ttoö; Herc. f. 1131 iboij Geacai 
xdbe TCKViuv TTecrijLiaTa. 

Suppl. 647. 

ttOüc y«P TpoTTaia Ztivöc Alyeiüc tökoc 
^cxricev oi xe cummexacxövxec bopöc; 
X^Sov TTapujv Yotp Touc Ttapövxac eiiqppaveTc. 

So bieten die beiden Handschriften; nur hat der Pal. die Va- 
riante dTTOVxac. Markland, Hermann, Nauck haben xouc Trapövxac, 
Kirchhoff und Dindorf xoijc dirövxac in den Text gesetzt. Matthiae 
bemerkt gegen diejenigen, welche xoijc dirövxac aufnehmen „an igitur 
xouc dTTOVxac interpretabuntur „qui pngnae non adfuerunt"? uiv de 
praeterito tempore non memini me legere". Das ist eine ungerecht- 
fertigte Bemerkung. So gut TrapiJüV „als Augenzeuge" heissen kann 
und hier heisst, ebenso gut kann xoijc dirövxac bedeuten „diejenigen 
die nicht Augenzeugen sind". Vergl. Soph. Ant. 1192 ifd), 91X11 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 385 

beCTTOiva, Ktti Trapibv dpui und dazu die Anmerkung von Gust. Wolff. 
Ich sehe nicht ein, welchen Sinn Trapujv touc Trapöviac haben soll. 
Offenbar muss bei einer solchen Zusammenstellung das eine dieselbe 
Bedeutung haben wie das andere; das eine kann nicht etwa „als 
Augenzeuge", das andere „die hier gegenwärtigen" heissen. un- 
zweifelhaft aber bezeichnet TrapuJV den Augenzeugen, der den Her- 
gang genau berichten kann. Also ist touc Trapövrac unrichtig. 
Nicht minder sicher aber ist es, dass (XTTÖVTac nur die Correktur 
eines Lesers ist, der das ungeeignete vo3 touc Trapövrac erkannte. 
Kirchhoff durfte nach seinem Verfahren dTTOViac nicht in den Text 
aufnehmen. Die Emendation ist einfacher: 

Xd^ov Tiapujv fäp o\) irapöviac eucppaveic. 
„denn als Theilnehmer wirst du Nichttheilnehmer damit erfreuen". 

Suppl. 944. 

0H. öXoivt' iboöcai Toucb' av riXXoiuj)a^vouc. 
AA. TTiKpai T&p övpeic KaiaäiiJü ir^Xei vcKpui. 

Theseus will nicht, dass die argivischen Frauen die Leichen 
ihrer Söhne, die in Verwesung übergegangen (^XXoiuj)Lievouc) und 
entstellt seien, mit eigenen Augen ansehen. Adrastos stimmt ihm 
bei: TTiKpai Tdp dvpeic. Die übrigen Worte sind im Flor, in X&ixa 
TtD T^Xei V€KpOüV corrigiert, um wenigstens das Metrum herzustellen. 
Es sind mehrere Versuche der Emendation gemacht worden: Toup 
hat TTiKpai y^P ovpeic ai)Lia KUjreiXai vCKpüuv (nach Hom. P 86), 
Hermann x«C)aaT' uJTeiXfic veKpuJV, Karchhoff TriKpd fäp övpic (so 
ßeiske) Kai juaX' oijv TcXei veKpuiv vermuthet. Der Sinn verlangt wol 

TTiKpai Yotp övpeic Keijuevojv TidXai vcKpujv. 

„von Leichen, die seit langer Zeit iinbestattet liegen". 

Im vorhergehenden Verse ist öXoiVTO ein durchaus , unpassender 

Ausdruck; Kirchhoff hat dafür XuttoTvt^ in den Text gesetzt; näher 

liegt övoiVT*. 

Suppl. 1118. 

TroXXoO bi\ xpövou ldjQr]C imera br\ 
KaTaXeißojuevTic t' äkfecx TroXXoTc. 

'Musgrave hat inera bi\ in jaexpa bx] verbessert und ausserdem 
TTÖXX* S)be vermuthet: ein solcher Gebrauch von ju^Tpov ist nicht 
nachgewiesen. Verschieden davon ist das von Musgrave citierte 
ijiijjv jLi^Tpa jLiivuvGdbia. Der richtige Ausdruck kann kaum anders 
heissen als 

TTOXXoO le xpövou ZilUCTlC )iflKOC 

KaTaXeißo|Li€VTic t' äkyeci TroXXoTc. 

VergL Or. 72 juaKpöv bx] \xf\KOQ XPÖvou, Aesch. Prom. 1020 imaKpöv 
bfe jüif^KOC dKTeXeuTTjcac xpövou. 

Jahrb. f. dass. Philol. Suppl. Bd. VU. Uft. 3. 25 



386 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Hippol. 996. 

^7ricTa)Liai fäp TrpujTa ixev Gieouc ceßeiv 
qpiXoic T€ xpflcGai jLif] dbiKcTv 7T€ipiJU)i€V0ic, 
dXX' oiciv aibibc larix' CTraYT^XXeiv KttKOt 
\xf\T^ dvGuTTOupTeTv aicxpot toTci xP^M^voic. 

Ich halte ToTci XP^M^voic für corrupt; es soll heissen „denen 
die Umgang mit ihnen haben^' und ist so ein unnützer zweckloser 
Zusatz. Ganz missverstanden scheint die Stelle in dem Scholion: 
dvti ToO qpiXoc e\\x\ tuiv biKaiuuv dvGpuuTrujv juiit' dviairobibövai 
KaKtt ToTc xP^M^voic dv KaKoTc, 8 den xoTc )Lif] d)iuvo)aevoic touc 
TTpoabiKOÖVTac. Der richtige Ausdruck, wie ihn der Gegensatz fordert, 
ist: \xf\Te inaf^iWeiv xaKd jarire dvGuTTOupYeTv aicxpd toTc eiraT- 
YdXXouciv, „nee poscere turpia nee turpia poscentibus ipsi gratificari". 
Dieser Ausdruck wird hergestellt durch eine einfache Aenderung: 

dXX' oTciv aibujc jarix' eTraYT^XXeiv KaKd 

)ir|T' dvGuTroupYeiv aicxpd toTc Kcxpim^voic. 

Vergl. Suppl. 326 ouk el vcKpoTci Kai T^vai^iv d9Xiaic Trpocu)- 
q)eXr|CUJV, w xeKVOV, K€xpr|)i€vaic. Man kann in dem Scholion cuja- 
TTparreiv toTc aicxpoTc Kai toTc laöia ßouXoiaevoic (oder ßouXeuo- 
jLievoic) noch eine Erinnerung an TOic KexpiDudvoic finden. 

Hippoj. 1290. 

TTUJC oux UTTÖ yf]C Tttpiapa KpuTTieic' 
bejuac aicxvJvGeic, 
f| TTTrivöc dvuj luefaßdc ßiorov 
TiriiiaToc Hix) TToba xövb' direxeic; 
ibc dv y' dYaGoTc dvbpdciv oö coi 
KxriTÖv ßiÖTou inepoc dCTiv. 

Zu lueraßdc ßiOTOV giebt derSchol. die Erklärung jueTaßißdcac, 
)i€TaßaXuJV, jaeraXXdHac Tf)V lwr\y. Niemand wird jaeiaßdc in tran- 
sitiver Bedeutung nehmen wollen. Ich halte die Construction jaera- 
ßdc ßioTOV, welches nach Analogie von )aeTaßaX6)aevoc ßioTOV ge- 
sagt sein soll, für unmöglich: einmal kann der Accusativ nicht mit 
ßaivuü, dKßaivuj iröba gerechtfertigt werden; dann heisst jueraßdc 
wie |ueTaxuJpr|cac „mit Aenderung des Ortes an einen Ort gehen" 
und )i€Taßdc ßioTOV könnte höchstens bedeuten „von einem Orte wo 
kein Leben ist, an einen Ort wo Leben ist gehend". Nun aber soll 
das Gegentheil stattfinden: Theseus soll aus dem Leben scheiden und 
entweder hinauf in die Luft oder hinunter in die Unterwelt sich ent- 
fernen, weil er unter guten Männern nicht mehr leben könne. 
Darum glaube ich, dass ebenso wie im folgenden Vers Wakefield 
ToOb' für TÖvb*, welches der Scholiast auch in seiner Erklärung giebt, 
hergestellt hat, ßiOTOU für ßioTOV geschrieben werden muss. Dann' 
heisst )i€Taßdc ßiÖTOU (vergl. diraXXdccecGai ßiou) „aus dem Leben 
ins Eeich der Luft (ttttivöc) dich entfernend". 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 387 

Hipp. 1378. 

lö TiaTpoc d|LioO biJCTavoc dpa 
|aiai(p6vijuv re cuyyovuju, 
TiaXaiuiv TrpoYCVvriTÖpiJuv 
dSopiZerai kuköv oijbe jueXXei 
^}xo\e t' dir' ejae 

Tl TTOTe TÖV OUbeV ÖVT* €7TaiTlOV KaKUJV; 

Was soll oder kann kokov iraXaiuiv TrpoYevvriTÖpujv d£opi2[eTai 
heissen? Man erklärt dHopi2[€Tai „prorumpit, liberat terminos quibus 
adhuc saeptum fuit", „ausgehen von jemanden", obwohl sich damit 
weder die Ableitung noch der sonstige Gebrauch von eSopiCeiv ver- 
einigen lässt und obwohl dabei ovb^ lieXXei gar keinen passenden 
Sinn hat. Weil vermuthet dTTOupiCerai. Eine leichte Aenderung 
und den geeignetsten Sinn finde ich in dSaKpiZexai „wird auf den 
Gipfel gebracht, steigt auf seinen Höhepunkt". Wie geeignet das 
Wort ist und wie sehr es gerade für den Sinn unserer Stelle passt, 
zeigt die Vergleichung von Aesch. Cho. 932 iroXXuiv aijadriüv eirri- 
KpiC€ rXriiLiajv 'Opecrric mit Ag. 1282 qpUYOic b' dXr|TTic (Orestes) 
Kdreiciv, atac Tdcbe GpiTKUUciuv qpiXoic, Eur. Herc. f. 1280 Trai- 
boKTOViicac biü)aa GpiYKiücai KaKOic. Das Verbum eHaKpiCeiv ge- 
braucht Euripides Or. 275 dSaKpiCex' aiGepa TTTepoTc. 

Iph. A. 71. 

dXGtuv b' CK ctpuYuiv ö xdc Gedc 
Kpivujv ob', ujc 6 |uiö9oc dvGpoJTTUJV 4'x^i- 

Ich kenne kein ähnliches. Beispiel für einen so eigenthümlichen 
Gebrauch von öbe und zweifle nicht, dass ein Fehler in der Ueber- 
lieferung liegt. Bekannt ist 6 Ibaioc ßouTac. So wird auch hier 
ob' ein Rest von <(ß)oT<(f)p> sein: 

^XGibv b' eK OpUTUiv 6 xdc 9edc 
Kpivujv ßoxrip, ibc )aö0oc dvGpuuTTUJV e'xei. 

Vergl. Rhes. 271 CKaioi ßoxfjpec ec)Liev. 

Iph. A. 366. 

^upioi be xoi 7Te7Tov9ac' auxö irpoc xd np&fiiaxa' 
dKirovoöc' ^xovxec, eixa b' dHextupricav KaKuic. 

Menelaos macht seinem Bruder Agamemnon bittere Vorwürfe, 
dass er plötzlich in seinem Vorsatze die Tochter dem Zorne der 
Artemis zu opfern wieder wankend geworden sei. Daran wird die 
allgemeine Erfahrung geknüpft, dass viele Menschen eine Sache mit 
grösstem Eifer angreifen, bald aber ermatten und ihr Unternehmen 
schlecht zu Ende führen. Im Texte hat Canter ^xovxec in ^KÖvxec 
'emendiert. Aber es steckt noch ein bedeutender Fehler darin. Ein- 
loal ist TTpöc xd 7TpdY|Li(xxa ein unnützer und kaum zu rechtfertigen- 
der Zusatz zu laupioi be xoi TreTrövGaciv auxö. Der Hauptanstoss 

25* 



388 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

jedoch liegt in ^kttovoOc'; denn eKTTOveiv bezeichnet seiner Bedeu- 
tung nach („zu Ende führen, ausarbeiten") gerade das Gegentheil 
von dem was hier stehen ipuss („sie greifen die Sache eifrig an"). 
Weil fröilich giebt die Erklärung „ils se donnent volontairement beau- 
coup de peine pour arriver aux affaires"; aber wann kann eKTTOVOöci 
Tct TrpcxYluaTa das bedeuten? Die Emendation ist einfach: 

jLiupioi bi TOI TreiTÖvGac' aijTÖ' irpöc rd npafixaTa 
dYKOVoOc' eKÖvxec, eira b' dHexuipr|cav KaKiiJC 

Iph. A. 382. 

TIC dbiKei ce; roö K^xP^cai; XeKtp' dp^c XP^I^Td XaßeTv; 
Heath hat das mangelhafte Metrum verbessert durch die Um- 
stellung XdKtpa XP^ct' ^P<?c XaßeTv. Aus zwei Gründen ist 
TIC dbiKei ce; toO k^xp^c^^J XP^ICTd XeKTp' dpqtc XaßeTv; 

zu schreiben; einmal weil sich dann die falsche Stellung von XP^^T^i 
sehr gut erklärt^ indem es zuerst nach -XpTical übersehen und nach- 
her über der Zeile nachgetragen wurde; dann weil der Gedanke die 
Voranstellung von XP^CTd fordert. 

Iph. A. 568. 

MeYCX Ti Gripeueiv dpeTd v 
YuvaiHi \x^v KOTd Kuirpiv 
KpuTTTdv, dv dvbpdci b' au 

KÖCJUOC ?vbov 6 laupiOTlXT]- 

ef)C \xe\l[jj TTÖXiv aöHei. 

Im vorletzten Verse stellt man das Versmass gewöhnlich mit 
der Aenderung Musgrave's ivibv her. Man könnte sich diese Aende- 
rung gefallen lassen, wenn das übrige gesund wäre. Aber köcjlioc 6 
)iupiOTrXTi0r|C ist sinnlos. Oder kann die Erklärung von Hermann 
,,singulari ratione dictum k. 6. ju. de modestia quae plurimis in rebus 
conspicua sit, eoque a mulierum temperantia, quae ad solas referatur 
res venereas, differat" befriedigen? Wir verstehen |uiupiO7rXr|0f]C nur 
in Verbindung mit TTÖXic; allerdings tritt dann iLiupiOTrXriGfi ttoXiv 
dem KaTd KpuTTTdv KuTTpiv gegenüber; das Bewusstsein für ein ganzes 
Volk zu wirken und zu sorgen erhebt den Mann. Wir werden in 
?vbov 6 ein verbum fin. zu suchen haben, wie es der poetische Stil 
verlangt; die Abtrennung von 6 (0 oder £) gab den Anlass zur 
Aenderung von |LiupiO7rXri0fi in )iupi07rXTi9r|C. In dem A von ?vbov 
aber erblicke ich ein übergeschriebenes A und schreibe: 

dv dvbpdci b' av 
KÖCJLIOC dvtuYe jLiupiOTrXrj- 
Qf\ jLieiCtu TTÖXiv auieiv. 

„in Männern andrerseits eifert die Tugendhaftigkeit an, das Wohl 
einer grossen Volksgemeinde zu fördern". 



N. Wecklein: Studien zu EnripideB. 389 

Iph. A. 734. 

oux 6 vö|uoc oijToc, cu be cpaöX' ryfei rotbe. 

Ich glaube nichts dass die Verbesserungen cu hk Ti (Elmsley), 
cu b' apa (Dindorf), cu be t^ (Paley), coi be qpauX' ecTiv rotbe 
(Nauck) die Hand des Dichters herstellen. Den rechten Ton giebt 

oux 6 vojLioc oijToc* f| cu qpauX' fjTeT rotbe; 

Iph. A. 1015. 

AX. iKercu' eKeivov TTpuira ^r\ KTeiveiv reKva* 
Tiv b' dvTißaivij, Trpöc djae coi TTOpcuTeov 
ei T^p TÖ XPfl^ov emÖcT', ou tou|uöv xpeÜJV 

XUJpeiV Ix^l TCtp TOUTO TfjV ClUTTIpiaV 

Mögen die beiden letzten Verse interpoliert sein oder nicht, 
jedenfalls ist im letzten Verse touto fehlerhaft; der Gedanke „du 
bedarfst dann meiner nicht*' verlangt die Begründung „denn die 
Sache selber bietet dir die gesuchte Rettung", also 

äxei fOLQ auTÖ Tf]V cujTTipiav. 

Vergl. die Redensart auTÖ beiHei, aÖTÖ briXou 

Iph. A. 1206. 
TOUTUJV ä|Ll€lVpai }l\ €1 Tl |Llf] KttXuJC \efH). 

el b' 6u XeXcKTai, vui jaf] br| fe KTdvr]C 
Tf]V cr|V re Kd|Lir|v TraTba, Kai cwqppujv fcei. 

Die Verbesserung, wie sie Dindorf nach Elmsley's und Paley's 
Vermuthungen giebt, €i b' €u XAcKiai Td|Lid, jlitikcti Kxdvijc wird 
kaum als annehmbar erscheinen; denn luriKeri ist nicht recht brauch- 
bar; am wenigsten aber Td|Lid. Der Sinn und die überlieferten Worte 
vtu und \xi\ lassen mit ziemlicher Sicherheit auf das ursprüngliche 
schliessen („sind aber meine Worte gut, dann nimm sie zu Herzen 
und tödte nicht unser Kind"): 

ei b' €u XeXcKTtti, 'v viu ßaXujv bf] |uf] Krdvrjc. 

Wegen 'v vergl. z. B. Hei. 75 |ur) 'v Hevij. 

Iph. A. 1395. 

ei b' dßouXrieri cu)|ua toujliöv "Aprejaic Xaßeiv, 
e|U7tobujv Y€vr|CO|uai \0j Övtitöc ouca rq Öetjj. 

Die Correktur einer zweiten Hand im Palat. TÖ cui|Lia ist natür- 
lich nichts als ein Versuch das Metrum herzustellen; cuj|Lia stammt 
aus V. 1397. Nauck denkt an Tob' ai|Lia tou|liöv, Weil an TÖb' aI|Lia 
C9dTiov. Das richtige Wort, welches durch den Ton der Rede wie 
durch das in V. 1398 folgende Guexe angezeigt ist, lernen wir aus 
V. 1311 7rpo6u|uaT' eXaßev "Aprejuic irpöc "IXiov kennen: 

ei b' eßouXrieri Trpö0u|Lia toujliöv "Apreiiiic Xaßeiv. 

In V. 1348 möchte ich schreiben: 



390 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

ujc xpcüjv cqpaSai viv. — oubeic b' eiir' evavriov Xötov; 

indem ich b' eiTr' nach (ou)beic ausgefallen und dadurch die weiteren 
Correkturen evaVTia Xeyei und Koubeic veranlasst sein lasse. 

Iph. A. 1592. 

öpäre Trivbe Öuciav, r\v r\ Öeöc 
TtpouGriKe ßiüiiiiav , eXaqpov öp€ibp6|uov ; 
TauTTiv iLidXiCTa xfic KÖpric dcTra^erai, 
ibc |uf]-)Liidvoi ßuüjLiöv euTevei qpoviu. 

Wenn der Interpolator verständlich und griechisch sich aus- 
drücken wollte, so musste er statt rauTtiv jnaXicra 
TttUTTiv djLioißfjv Tfic Koptic dcirdZieTtti 

schreiben. 

Iph. T. 110. . ■ 

Orestes verzweifelt an der Möglichkeit, das Bildniss der Artemis 
aus dem Tempel zu entführen und damit den Auftrag des Gottes 
ApoUon zu erfüllen. Er räth darum 

dWd Ttpiv Öaveiv, veujc ^tti 102 
qpeuTWjLiev, fjiTep beöp' ^vaucTo\r|ca|Liev. 

Pylades ermuntert wie sonst auch jetzt seinen verzagten Freund und 
weiss dessen Kleinmuth zu entfernen. Fliehen dürfen wir nicht, 
sagt er; das ist auch nicht unsere Gewohnheit. Den Spruch des 
Gottes dürfen wir nicht verrathen. Wir wollen uns irgendwo an der 
felsigen Küste verstecken: 

ÖTttv be vuKTÖc ö|U|Lia Xu^aiac |u6\ij, 110 
ToX|UTiTeov TÖ SecTÖv eK vaoö Xaßeiv 
dTaX|ua Trdcac TTpoccpepovie lurixavdc. 
6pa be t' cicuu rpiTXuqpujv ottoi xevöv 
be|uac KttOeivar touc ttövouc ydp dyaöoi 
ToX|uujci, beiXoi b' eiciv oubev oiibaiiioö. 115 
OP. oÖTOi luoKpdv jLiev fiX9o|uev KtuTrr] iröpov, 
eK repiudiiuv bk vöctov dpoöjLiev TidXiv. 
dXX' eu Tdp eTirac, ireicTeov. 

Vor allem gilt es den corrupten V. 113 zu verbessern; denn den 
Text 8pa be t' eicuj Tpi^Xucpiuv Sttoi Kevöv be'|uac KaGeTvai wird 
niemand in Schutz nehmen wollen. In trefflicher Weise hat Blom- 
field Opa be t' cicuü in opa be ytica emendiert. Gewöhnlich nimmt 
man dazu noch die Aenderung Elmsley's öttou Kevöv auf. Nauck 
vermuthet öttoi xp^uf^v. A43er der Ausdruck ottou Kevöv oder ottoi 
Xpeujv ist zu ungeschickt, als dass er für das Werk des Dichters 
gelten könnte. Madvig hat ireipa be t' ctcuj rp. ottou Kevöv, Heim- 
soeth 6pa, b' dujci xp. töttoi kcvoi, Koechly pacTOV be t* cTccj, 
Bergk dpicra b* eiciu. Weil öpa b', ^vecTi vermuthet. Keine dieser 
Vermuthungen dürfte einen besonderen Vorzug verdienen. Denn 
auch öpa b', IvecTi TpiTXiiqpiuv öttou Kevöv be|Liac KaÖeTvai ist kein 



N. Wecklein: Studien zu Euripides, 391 

musterhafter Ausdruck, da die Oeffnung zwischen den Triglyphen 
nicht zufällig und der leere Raum nicht in, sondern zwischen den 
Triglyphen ist. Wer kann zweifeln, dass das in öpa be y' eictü 
fehlerhafte ye am besten und richtigsten durch opa be yeica besei- 
tigt sei ? Diese Aenderung hat an und für sich soviel innere Wahr- 
scheinlichkeit, dass sie unbedingt festgehalten werden muss. Es 
fehlt nun noch ein Wort, welches der ganzen Stelle Verständniss 
und Licht giebt. Dieses Wort und seine Noth wendigkeit erkennt 
man aus den Worten des Phrygiers, der auf demselben Wege heraus- 
gekommen ist, auf welchem Orestes imd Pylades hineingelangen 
wollen, Or. 1369/ApT6iov Sicpoc eK Öavarou TreqpeuTCt KebpiüTCt 
TTacTCtbiav UTrep repejava AtupiKcic T€ xpiT^ucpouc. Der Rest davon 
ist in Opa erhalten: <(A)>iJüp<^iK)>d. Mit leichter Aenderung haben 
wir ausserdem öttoi K€VÖv in 67Tf]V k€VoT zu verwandeln und alles 
ist in Ordnung („das dorische Kranzgesims der Triglyphen oder das 
Eranzgesims der dorischen Triglyphen lässt eine Oeffnung. leer um 
sich da hinabzulassen*'). 

Eine zweite Schwierigkeit bieten die beiden ersten Verse des 
Orestes. Unmöglich können diese Verse dem Orestes gehören, auch 
nicht, wenn wir mit Badham oötuj für oÖTOi schreiben. Orestes, 
welcher von seinem Entschlüsse abgebracht ist und dön Worten des 
Pylades beipflichtet, kann nur mit dW €u yotp eiTrac beginnen. 
Markland hat sie darum noch dem Pylades zugewiesen. Allein touc 
7TÖV0UC TCtp dYaÖoi toX|liujci, beiXoi b' eiciv oubev oubainoö sind ein 
bündiger Schluss der Rede, nicht aber jene Verse; denn die Rede kann 
nicht mit der besonderen Bemerkung nach der allgemeinen schliessen. 
Dindorf hält desshalb die Verse für interpoliert. Sie tragen aber 
durchaus keine Anzeichen von Interpolation an sich und es lässt sich 
auch gar nicht absehen, was die Interpolation veranlasst haben soll. 
Wenn die Verse weder an ihrem Platze geeignet noch interpoliert 
erscheinen, so bleibt nichts anderes übrig als Versetzung, da an eine 
Lücke hier nicht zu denken ist. Wir haben oben- so zahlreiche Bei- 
spiele verkehrter Versordnung kennen gelernt, dass dieses Heilmittel 
das lOibedenklichste von allen sein muss. Dieses ist auch bereits 
von Bergk versucht worden, welcher die beiden Verse nach V. 103 
setzt und den Orestes seine Rede in folgender Weise schliessen lässt: 

dXX' fj irpiv GaveTv vedbc ^tti 
cpeuTUJ|Liev, fjuep beOp' evaucTo\rica|Liev; 
ouToi iLiaxpöv |Liev fiXÖOjLiev KUüirr) Tröpov, 
iK TcpjLidTUJV be vöcTov dpoöjLiev irdXiv. 
Dabei aber entsteht wieder ein anderer Anstoss. Wenn Orestes 
selbst die Flucht mit solcher Entschiedenheit von der Hand weist, 
so begreift man den Anfang der Rede des Pylades nicht, in welchem 
dieser sich so eindringlich gegen das Aufgeben des Planes ausspricht 
(qpeÜTeiv juev ouk dveKTÖv oiib' eiOüGaiuev töv toO Öeoö bk xpilcjLiöv 
QU KaKicreov). Auch andere nehmen die Worte dXXd Trpiv GaveTv . , 



392 N- Wecklein: Studien zu Euripides. 

evaucToXr|Ca|Li€v; als Frage, damit Orestes sich nicht feig zeige, 
während doch, zwar nicht Feigheit, wohl aber Kleinmuth tmd Hoff- 
nungslosigkeit ganz zum Charakter des Orestes gehört. Jener Auf- 
fassung widerspricht auch die Stellung und Beziehung der Worte 
9avou|Lie0'* dXXa Trpiv GaveTv, sowie der Zusatz fiirep beöp' ^aucio- 
Xr|Ca)Liev, welcher nur zu dem Gedanken passt „das Beste ist's so 
schnell wie möglich auf demselben Wege zurückzukehren auf dem 
wir gekommen". Eine passende Stelle 'finden die Verse entweder 
nach V. 105 oder nach V. 112. Die letztere Stellung ist gewiss die 
richtige wegen des inneren Zusammenhangs, der zwischen ihnen und 
dem vorangehenden Tidcac 7Tj30cqpepovT€ |urixotväc gewonnen wird: 
„wir müssen auf jede mögliche Weise des Bildes habhaft zu werdeD 
suchen; denn wir können doch nicht nachdem wir die lange Fahrt 
gemacht, am Ziele unverrichteter Sache wieder umkehren". Es lautet 
also die Stelle: 

OTttv be vuKTÖc ö|U|Lia XuTCtiac |u6\r], 
ToX|LiTiTeov TÖ HecTÖv eK vaou Xaßeiv 
aYaXjLia, irdcac TipocqpepovTc Mtixavdc. 112 
ouToi luaKpov |uev ti\6o|li€V Kuuirij iröpov, 116 
ex TepjLidTUJV be vöctov dpoO|U6V irdXiv. 117 
AujpiKa he TCica TpiYXuqpiuv ÖTrfjV Kevoi 113 
b^iuac KttÖeTvar touc ttovouc ydp dYaÖoi 
ToX|Liujci; beiXoi b' eiciv oub^v ouba|Lioö. 

Iph. T. 143. 

ui bjLiujai, bucOpTivrJTOic 

ibc Öprjvoic eTKeijLiai, rctc 

ouK eii|uoucou |uo\Trdc ßodv 

dXupoic IXeTOic. 
Um Metrum und Construction dieser Stelle in Ordnung zu 
bringen, lässt man gewöhnlich mit Elmsley ßodv aus. Wie aber 
soll ßodv in den Text gekommen sein? Als accus, findet es gar 
keine Erklärung. Aber es ist auch kaum wahrscheinlich, dass der 
gen. in der Form ßodv Glossem zu xdc ouk eu|Lioucou |Lio\7rdc sei. 
Was aber das Hauptbedenken gegen die Tilgung von ßodv erregt, 
ist die Wahrnehmung, dass das Metrum auch so nicht vollständig 
hergestellt erscheint. Dindorf sieht sich veranlasst buc6pr]vr|T0ic 
ibeö' ujc zu schreiben und Koechly ergänzt |uoucac (|Lioucac |uoX7raTc). 
Die Corruptel ist einfacher: |LioX7rdc ist aus |U€\Trouca entstanden 
und als diese Umänderung vor sich gegangen, musste rdv ouk eiijaou- 
cov (|uo\Trdc ßodv) bei irgend einem Gefühle für passenden Aus- 
druck in tSc ouk eu|Lioucou übergehen: 

u) b|Liujai, buc6pTivr|T0ic 

UJC eprivoic ?YKei|uai, rdv 

OUK 6Ö|uoucov lueXirouca ßodv 
. dXiipoic ^X^TOic. 



N. Weckloin: Studien zu Euripides. • 393 

Aehnlich ist in V. 579 CTTOubfic von Musgrave in CTreubouc' ver- 
bessert worden. 

Iph. T. 246. 

10. TTobaTToi; Tivoc T^c övojLi' Ixouciv Ol ^^voi; 

BOY. "€\Xt]V€C' ?v toöt' oTba kou Trepairepiü. 

10. oub' övo|Li' ttKOucac oTcÖa tOüv ^eviuv qppäcai; 

Trefflich und einzig richtig hat Monk Tivoc fViC cxr\}i ^xouciv 
Ol H^vöi; emendiert. Es bedarf nur noch einer leichten Aenderung: 
die Antwort auf tivoc ff\c cxr{}i' ?xo^civ kann nur "€XXtivoc sein 
("€XXtivoc Tnc cxniLA' e'xouciv). Wegen "€XXr]voc fr\c vergl. z. B. 
V. 341 "€XXr]VOC dK Tnc 

Iph. T. 395. 407. 414. 425. 

Am besten hat Bergk die Lücke nach bi-e-Trepace ausgefüllt 
mit TTÖpTiv; allein es ist wahrscheinlich, dass Euripides ebensb wie 
Aeschylus die Etymologie von BöcTTOpoc (ßoöc Tröpoc) wiedergegeben • 
und daher nicht nur rdv ßoöv, sondern auch bierröpeuce geschrie- 
ben habe (vergl. Prom. 732 ecrai be Gvtitoic eic aei Xöyoc \ilfac 
TTic cfic TTopeiac, BöcTTopoc b' diTtüVuiuoc K€KXr|ceTai) : 
Kv' oiCTpoc 6 7roTU)|U€Voc 'ApToOev 
äHevov ^TT* oib|ua bicTröpeuce <Tdv ßoöv>. 
In V. 407 

fj ^oOioic elXaiivoic biKpöroici Ktüiraic 

schreibt man gewöhnlich nach Seidler's Vorschlag eiXaiivaic, ohne 
die durchaus unpassende und stilwidrige Häufung der Epitheta zu 
beachten. Diesen Fehler hat bereits Kirchhoff bemerkt und f\ poÖioic 
eiXaTivoic biKpÖTOio KiüTrac vermuthet. Aber unmöglich kann €iXa- 
Tivoic Attribut zu ^oGioic sein. Schon die Stellung (vergl. Hermann 
zu Aesch. Prom. 155) zeigt die durch den Sinn geforderte Verbin- 
dung an: 

fj poOioic eiXarivac biKpÖToici KtüTiac. 

Offenbar ging elXarlvac unter Einwirkung der umgebenden Adjek- 
tiva in elXaTivoic über, KtüTrac aber wegen biKpÖTOici in KtüTraic. 
Vergl. Hei. 1461 eiXarivac TiXarac, zu poGioic V. 426 poöitjj bpa- 
^6vT€C, Cycl. 16 T^ciuKf|V äXa poöioici XeuKaivovTec. 
V. 414 geben die Handschriften: 

qpiXa fäp dXmc Yever' ^m 7rr||Liaci ßpoTiuv 

ättXtictoc dveptüTTOic. 

in der Aid. ist ^ever' in e^evex' verwandelt; näher liegt y^TOvev, 
welches dem Sinne nach besser entspricht. Auf gleiche Weise hat 
Nauck Or. 493 toutou Tic dvbpiuv Yever' dcuveTtüTCpoc (ifivex' 
ist spätere Correktur in einer Handschrift, wie y^voit' in einer 
anderen) emendiert (toutou Tic dvbpiuv T^TOvev dcuv€TiüT€poc;). 
Besonders spricht für diese Umänderung die handschriftliche Lesart 
Or. 506 duTÖc KttKiiüV dy^veTO |LiT]T€pa KTaviüV, wo die Emendation 



394 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

von Nauck kokiiuv yeTOVe bei weitem den Vorzug verdient vor der 
Porson'schen Umstellung KttKioJV |LiriTep' e^eveio Kiaviüv. Femer 
ist der Ausdruck im Trr||Liaci ßpOTUJV sinnlos; ßpoTUiv ist um so 
weniger brauchbar, als dvGptüTTOic nachfolgt; von Schaden (7Tr||Liaci) 
aber kann hier keine Rede sein. Mit Recht hat Bergk ßpOTU)V ge- 
tilgt, mit em ye 7Tr||Liaciv aber ist der Stelle nicht aufgeholfen. 
Welcher Begriff hier erforderlich sei, lässt Soph. Ant. 615 ahnen: 

d Yctp br\ TToXuTrXaTKTOC eX- 
TTic TToXXoTc |Liev övacic dvbpiuv, 
TToXXoTc b' dTTttia Kouqpovouüv epiJüiujv. 

Im Wünschen und Begehren ist die Hoffnung unersättlich den Men- 
schen. Man könnte an em ttöGoic TTÖpuiV denken, wie Madvig Adv. 
crit. p. 260 em XPHI^cici iröpiuv vermuthet hat; allein TTrjiuaci ist nur 
eine Abbreviatur (Tfrjjäaci) für 7ro9ri|Liaci: 

qpiXa Tdp eXmc T^TOvev em iroörmaciv 
cIttXtictoc dvepiuTToic. 

Das Wort iroGTiiLia ist aus Hesych. bekannt, der es mit a'^arcx] Kai 
aiiricic erklärt. Das ähnlich gebildete Trövr||Lia gebraucht Euripides 
V. 165. Jenes Wort glaube ich mit Recht in Soph. Trach. 554 her- 
gestellt zu haben (Ars Soph. em. p. 73), wo ich Xurripiov 7rö9Ti)Lia 
vermuthet habe statt des sinnlosen XuTrjpiov XuTTTijaa (d. i. Xuiripiov 
Xu TTTiiaa). Vergl. das sonst nicht vorkommende ciepTimct Soph. 
Trah. 1138. 

Ein sinnloses Wort steht noch unangefochten in V. 422 

7TUIC 0iveibac duirvouc 

dKidc eirepacav 

Ttap' äXiov aiYiaXöv eir* 'A|uqpiTpiTac 

^oeiijj bpaiLiövrec. 

Wie kann man von denen, welche auf dem Meere fahren (^tt* 'A|Liq)i- 
Tpirac) sagen, dass sie an der Meeresküste hinsegeln? Das kann 
doch nur vom Lande aus (vergl. Ale. 595) und von solchen gesagt 
werden, die zu Lande fahren. Was der Dichter, welcher von dieser 
Küste sprach und von den Gefahren der Fahrt, angeben musste, er- 
kennt man aus der Beschreibung jener Küste in Xenoph. Anab. VII 
5, 12 ZaX|Liubriccöv ^vöa tujv eic tövTTovtov iiXeoucuiv veOüv ttoX- 
Xai OKeXXouci Kai eKTTiTTToucr revaTOC fäp ecriv em TiaiuTroXu rrjc 
OaXdTTTic und bei Strabo p. 319 lpr||uoc aiTicxXöc Kai XiÖuibric, 
dXijLievoc, dvaireTTTaiLievoc ttoXuc Trpöc touc ßopeac CTabiuüv öcov 
eTTTaKOciujv |Liexpi Kuaveuiv tö jafiKOC vergl. dazu Aesch. Prom. 726 
xpaxeia ttövtou ZaXjnubTiccia Tvdöoc, exOpö^evoc vauiaici, luriTpuid 
veiüv. Demnach ist zu schreiben: 

Trap' dXijLievov aiTiaXöv eir' dinqpiTpirac, 

oder vielmehr, da die Responsion mit V. 442 Tptudba XitroOca iröXiv, 
IV* dji9i XKxirq. kaum durch die Vertretung von zwei Kürzen durch 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 395 

eine Länge oder durch die Schreibung Tptü'idba befriedigend her- 
gestellt sein dürfte, 

TTUic Oiveibac döirvouc 

dKTctc etrepacav 

d\(|Li€Vov aiTiaXöv eir' diucpixpiTac 

^oeiiji bpa)Li6vT€c, 

indem wir irapd als Glossem ausscheiden (^^ ^^ ^ ^ >^ ^^ ^ ~ ^ — ). 

Iph. T. 540. 

TIC il 7TO0'; ibc eu TruvGdvei xdcp' 'GXXdboc. 

In diesem Verse ist xdqp' ein unrichtiger Ausdruck. Man 
könnte höchstens xd em '€XXdboc verstehen; da aber rdqp* nur xd 
diTÖ bedeutet, so ist xdqp' fehlerhaft; denn xdqp' wäre nach dem ge- 
wöhnlichen griechischen Sprachgebrauch z. B. bei d^YeXXeiv richtig, 
dagegen kann xd dirö 'GXXdboc weder „die Ereignisse in Griechen- 
land" bedeuten noch hat 7TUV0dvec0ai arcö 'GXXdboc einen Sinn. Die 
Verbesserung ist einfach: 

xic €? TTOÖ'; ibc €u TTUvÖdvei xdjicp' '€XXdboc. 

So steht TTUvGdvecGai x.d d|ucpi, xd Trepi 'GXXdboc nach dem bekann- 
ten Gebrauche der Präpositionen ebenso wie man iTUvGdvecÖai Trepi 
'GXXdboc sagt. Vergl. Aesch. Prom. 702 xöv d|acp' eauxfic döXpv 
ilrYfOVixivr\c und dazu meine Anmerkung. 

Iph. T. 591. 

cu b\ 61 ydp, ibc ^oiKac, oöxe bucyevric 
Ktti xdc MuKr|vac oTcÖa xoöc Kdyuj OeXuj. 
ciüÖTixi, Ktti cu iLiicÖöv ouK aicxpöv Xaßujv 
Kouqpuiv feKttxi Tpct|Li|Lidxujv cuiXTipiav. 

Die Verbindung ciüGtixi Kai cu ist unmöglich, die Vermuthungen 
von Bergk und Weil oTcGac, uic KttTUi GeXui (cujGfivai), ciüGrixi Kai 
cu, oTcGd t' (was soll fk bedeuten?), ibc Kd^ib GeXui, cuüGtixi Kai cu 
sind nach Form und Inhalt im höchsten Grade bedenklich. Wenn 
Kai cu richtig ist, dann muss es jedenfalls zu dem folgenden gezogen 
und mit Hermann erklärt werden : „Kai cu pertinet ad jLiicGov Xaßuu v. 
Mercedem quod litteras perferat accepturus est Orestes salutem; mer- 
cedem item Iphigenia, quod eum servat, spem litteras suas Argos 
esse perventuras". Es ist aber kein Wunder, wenn .eine solche Er- 
klärung nicht jedermann befriedigt. Und dass dieses Unbehagen 
nicht bloss Geschmackssache ist, erweist sich schon durch die Be- 
merkung, dass der Dichter, zumal nach cu be ctüGrixi, nicht Kai cu, 
sondern Kduxöc hätte schreiben müssen. Ganter und Markland haben 
cuiGfixi kal If], Boissonade Kai coi, Musgrave cOüGrixi KeTce (ciuGtix' 
dKeice), was Dindorf in den Text setzt. Kirchhoff cijüGtixi' Kai ydp 
lüiicGöc oö CjiiKpöc XaßeTv vorgeschlagen. Die Emendation ist weit 
einfacher. V. 699 heisst es dXX' eprre Kai lf\; dasselbe haben wi-r 



396 N. Wecklein: Studien zn Euripides. 

hier in umgekehrter Folge : ciüOtiti (Zy]) Kai coö vergl. Hesyqh. coö* 
lÖi, Tp^X€, öpMCi, also 

cOuGriTi Ktti coö jLiicÖöv ouK. aicxpöv Xaßouv. 

Orestes soll am Leben bleiben und aufbrechen, Pylades aber bleiben, 
wie es im folgenden heisst. 

Iph. T. 875. 

TlVa CGI TTOpOV €UpO|Ll^Va 

TidXiv diTÖ TTÖXeuüc, dirö qpövou irejiipuj 

Wrpib' ec 'ApTeiav, 

TTpiv im Hicpoc aiVaTi cuj | TreXacai; 

Hierin ist dirö iröXeiuc sinnlos. Köchly vermuthet dtrö Sevric. 
Man müsste zur Erklärung der handschriftlichen Lesart TTÖXeiüc als 
eine erklärende Ueberschrift über HeVTic betrachten, wobei man nur 
eher das Glossem Yfjc oder xOovöc als TTÖXeiuc erwartete. Allein es 
giebt eine einfache Aenderung, welche zugleich stilgerechter ist; dirö 
TTÖXeuJC ist nichts anderes als dir' öXeÖpou c'. Voraus lasse ich 
nach (€upo|Liev)a a noch einmal folgen: €upo|Lieva | au irdXiv. 

Nachher muss Hicpoc ai|uaTi ctu TreXdcai jedenfalls als eiü 
schwülstiger Ausdruck bezeichnet werden. Das Schwert nähert sich 
nicht dem Blute, sondern der Kehle. Sehr leicht aber konnte AAIMOI 
in AIMATI übergehen. Vergl. Or. 1472 iraieiv Xai|LiiJüV ^V^XXev 
ektü jLieXav Siqpoc, Iph. A. 1084 ßpöreiov aijadccovrec Xai|uöv. Das 
Versmass besteht dann aus einem Anapäst und einem Dochmius, 
wenn nicht Tipiv TTOxe für Tipiv im zu schreiben ist (Kretikus und 
Dochmius) vergl. Soph. Ant. 120 Trpiv ttoO' d|LieTepuJV aiindiiüv 
TrXrjcÖfivai, Aesch. Suppl. 38 öXoivto, Trpiv 7tot€ XcKipiuv eTrißfivai. 

Wir erhalten also: 

xiva CGI TTÖpGV ei)pG|Lieva 

aö irdXiv dir' öXeGpou c', diro cpovou irejavpoi 

TraTpib' ec 'ApTeiav, 

Ttpiv im SiqpGC Xai|Liui cui 

Tre\dcai. 

Iph. T. 1239. Phoen. 649. 

cpepev Iviv 
am beipdÖGC eivaXiac, 
Xoxeia KXeivd XiiroOc* 
dciaKTtüv judrrip ubdriuv 
rdv ßaKxeuGucav Aiovijcqj 
TTapvdciov Kopucpdv. 

Mit richtigem Gefühle hat Seidler dcxaKTUiv ubdiuiv auf TTap- 
vdciGV KGpuqpdv bezogen. Dass an den kleinen Bach Inopos nicht 
zu denken ist, wie Hermann meint, zeigt schon das Wort beipdboc. 
Aber einerseits kann man dcrdKTUüV ubditüv nicht von ludiTip ^^^" 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 397 

abhängig sein lassen und mit Tctv TTapvdciov Kopucpdv verbinden, 
andrerseits ist die Bezeichnung derLeto als|udTr|p ubctTUiV undenkbar. 
Neuerdings schreiben Weil und Koechly dcTdiKTUJV juaiep' eic ubot- 
TUJV, wobei die Präposition eic nicht gut gebraucht ist. Ich glaube, 
äcTaKTOC weist auf ein anderes Wort hin; einen poetischen Ausdruck 
gewinnen wir, wenn wir ludirip aus jua entstanden sein lassen und 
ÄcraKTOV väjLi' ubdiiuv schreiben. Die Glosse von Hesychius 
ficTaKTov* ou KaTacrdZcv, dXXd ^ubriv bezieht sich vielleicht auf 
unsere Stelle. Unentschieden muss es bleiben, ob eic (ausgefallen 
zwischen -oöc' und de-) ficraKTOv vä|Li' oder acxaKTOV Trpöc vä|u' 
zu schreiben ist. Dem V. 

ficTttKTov Trpöc vdji' ubdrujv 

entspricht in der Antistrophe \ 

Tcic euvdc Icppalov u-, 

was Härtung zu yäc euvdc fqppaZe cacpujc ergänzt. 

Auf gleiche Weise wie hier scheint das von Hermann mit Eecht 
verworfene jndTT^p Phoen. 649 entstanden su sein: 

Bpöjiiiov ?v0a TeKero ludinp 
Aiöc Ydjioici. 

Ich erkenne in judiTlp die Endsilbe jua, in (Te'Ke)TO die Anfangssilbe 
\o von X6x€Ujia. Vor Aiöc mag TraTc KÖpa (^,seine — des Kadmos 
— jungfräuliche Tochter") ausgefallen sein: 

Bpö|uiov Iv0a TeKe Xöxeujaa 
<Traic KÖpa> Aiöc Ydjuoici. 

Vergl. dazu Ion 921 ?vGa Xüxe^MCXia cejav' eXoxeucaTO Aaioj Aioici 
ce KapTToTc. 

Ion 98. 

CTÖ|üia t' euqpTijuov qppoupeTx' d^aGöv 
qpriiLiac t' dYaOdc 
ToTc ^OeXouciv luavreuecGai 
T^uiccTic ibiac dTToqpaiveiv. 

Unverständlich ist ^Xtüccric ibiac: was soll oder kann ibiac 
bedeuten? Niemand wird erklären wollen, dass die Aussprüche des 
Gottes jedesmal in der Sprache des Orakel suchenden abgefasst 
waren. Angeredet sind 0oißou AeXqpoi Öepairec, die Priester welche 
den Bescheid des Gottes den Fragenden zu übermitteln hatten. Der 
Sinn ist durch die Worte cxöjLia eucpr||uov cppoupeiTe und (pr||uac 
df aOdc TOic ^OeXouciv jnavTeuecOai dirocpaiveiv hinlänglich angezeigt. 
Die Priester sollen ihren heiligen Dienst mit ehrfurchtsvoller Scheu 
verrichten, auf dass denen, welche den Gott befragen, guter Bescheid 
zu Theil werde. Die qpfijuai d^aGai nun gehen aus von Apollo; 
Apollo aber ist der Mund oder die Zunge des Zeus; denn Aiöc irdpa 
BecqpttTa irdvxa (Hom. hymn. Merc. 472) und der von Delphi kom- 
mende Ausspruch wird bei Soph. 0. R. 151 mit oi Aiöc dbueirec qpdri 



398 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

begrüsst. Wir haben demnach zu verbessern: yXu)CCtic Aiac diro- 
cpaiveiv. In ähnlicher Weise ist Hei. 197 in den Handschriften 
ibaiuj für bdiiu geschrieben. Im vorhergehenden hat Hermann qppou- 
peiT*, dTaOujv (pr)|Liac (XTaGac . . dirocpaiveiv geschrieben, während 
L. Dindorf bloss cppoupeTv für (ppoupeiT* setzt. Jedenfalls kann die 
Verbindung CT6|ua euqprjjLiov d^aGöv qppoupeiTe nicht richtig sein; 
ebenso bedenklich aber wird der doppelte Gen. dTttOiöv (pr\\iac äfa- 
9dc yXuücctic Aiac. Wir werden vielmehr CT6|ua eöqpruuov dYaGuJV 
qppoupeixe („hütet den Mund, dass er nur gute Worte spreche und 
dadurch eöcpriiLiov werde") verbinden müssen. 

CTÖiaa t' €Öcpr||uov qppoupeiT' dTOtOüüv 
cpr||uac t' dYaOdc 
Toic eOdXouciv )LiavT€uec0ai 
yXijücctic Aiac diroqpaiveiv. 

Vielleicht ist auch mit Kirchhoff CTÖjna b' und ausserdem qppoupeiv 
T ' oder mit Hermann cppoupeiT' dYa9u)V, qpri|Liac dyaöac . . dirocpai- ^ 
veiv (d. i. ÜLJCie dirocpaiveiv) zu corrigieren. 

Ion 134. 
eucpdjiouc b€ TTÖvouc jiOxGeTv 

OUK d7T0Kd|LlVlJU. 

euq)d|uouc giebt nicht den richtigen Begriff, den der Zusajnmen- 
hang fordert. Denn voraus heisst es : herrlich ist mein Dienst (KaXöv 
ye TÖv TTÖvov XaTpeuuü); ruhmvoll ist mein Dienst (nXeivöc b' 6 
TTÖvoc jLioi). Man erwartet hiernach ein Adjektiv, welches die glück- 
liche Lage des Tempeldieners des weiteren schildert; darin aber, dass 
er bei seinem Dienste ehrfurchtsvoll schweigt oder nur fromme Worte 
spricht, liegt kein Glück; wohl aber darin, dass der Dienst ihm 
leicht und angenehm ist. Darum halte ich mit Eücksicht auf die 
•öfters vorkommende Verwechslung von qp und K (vergl. oben S. 366 
zu Androm. 1219) 

euKaiudiouc be ttövouc juioxOeTv 

OUK dTTOKdjLlVUJ. 

für die ursprüngliche Lesart. Vergl. V. 189 xaXXiqpapov für KaXXi- 
ßXeqpapov. Wir haben dann dieselbe gewählte Wendung wie in 
TTÖVOV f|buv Kdiuaröv t' euKd|LiaTOV (Bacch. 66 von bakchischem 
Gottesdienst), Im entsprechenden Verse der Strophe 

KriTTUiv d^ dGavdTiüv, 
iva bpöcoi TCTTO^ci iepai 
xdv devaov Traxav 
CKTTpoieTcai 

ergänze ich das lückenhafte xdv also: 

KrJTnjuv e5 dGavariüv, 
iva bpöcoi xeTTOUc' \epai 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. ^ 399 

Td<Trebo>v, devaov iraTOtv 
dKtrpo'ieicai. 
Ttiirebov ist ja bekanntlich das eigentliche Wort für Gartenboden. 

Ion 359. 

IQN. oijior rrpociuböc r\ Tuxri Tibiiiif) 7Td0ei. 

KP. Kai c', lö Hv\ oTjuai iLiTiiep' deXiav Tro0eTv. 

IQN. Kai jLiri t' ^tt' oIktöv |u' ISaye, ou 'XeXrjcjieGa. 

KP. ciTUJ* irepaive b' u)v c' dvicxopui irepi. 

Nach den letzten Worten der Kreusa sollte man glauben, dass 
Ion eine an ihn gestellte Frage noch nicht vollständig beantwortet 
habe. Statt dessen ist vorher immer Ion der fragende und ausfor- 
schende und nachher giebt er nicht irgend eine weitere Aufklärung, 
sondern stellt eine neue Frage oTc0' oijv ö Kdjuvei toO Xö^ou |LidXiCTd 
coi; Mithin verlangen wir 

ciTiu' TT^paive b' ujv dviCTopeic Trepi. 

„Ich bin stille davon; fahre nur mit deinem Ausfragen fort". Im 
vorausgehenden Vers hat Nauck guT; d, jurj )li' in oTktov vermuthet. 
Wir können Kai in vortheilhafter Weise beibehalten, wenn wir 
schreiben: 

jif| Kai |u' in' oTktov ^Hax', oö 'XeXr|C|Lie6a. , 

Ion 375. 

€1 Toiic Öeouc ÖKCVTac ^K7Tovr|CO|uev 
qppdZieiv ä }ir] OeXouciv fj 7Tpoßu)|Liioic 
cqpaTaTci jLirjXujv f\ bi' olujvuiv iTTepoTc. 

^ Der Ausdruck „durch die Vögel mittels der Flügel" ist häss- 
lich. Dijrch den Flug, d. h. durch die Richtung des Fluges geben 
die Götter ihren Wülen kund. Auch Nauck bezeichnet in der 
neuesten Auflage bi' oituvOuv irrepoTc als fehlerhaft. Offenbar muss 
in TTTepoTc das von bid abhängige Substantiv enthalten sein: 
cqpaTaTci juriXtuv f| bi' oiuüvujv iröpouc. 

„Durch die Bahnen des Vögelflugs". Vergl. Aesch. Prom. 280 aiGepa 

e* OYVÖV TTÖpOV OIUJVÜJV. 

Ion 566. 

XO. Koivai jLiev y]\i\y btuiudiiuv euTipa^iar 
öjiiuc be Kai becTToivav eic t^kv' euTuxeiv 
^ßouX6|UTiv av Touc t' 'Gpex6eu)c bö|uouc. 

Hierin widerspricht i]\xiv dem Gedanken. Xuthos hat in Ion 
seinen Sohn erkannt. Der Chor, welcher immer Partei ergreift für 
seine Herrin und angestammte Fürstin, kann die Freude des Xuthos 
nicht theilen und bemerkt: „an dem Glücke des Hauses nimmt zwar 
auch deine Gemahlin Theil; doch wünschte ich, dass du nicht allein 
dich der Nachkommenschaft erfreuest, sondern dass auch meine 



• • •••••• •» •* 



400 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Fürstin und mit ihr der Stamm des Erecbtheus mit Kindern gesegnet 
sei". Von sich spricht der Chor nicht. Dass dies der richtige Sinn 
ist, zeigt schon die Stellung von KOivai. Demnach fordert der Zu- 
sammenhang die Aenderung: 

KOivai |u^v u|uTv buijLidTuuv euirpa^iai. 

Ion 683. 

TTÖGev ö iraic 6b' djucpi vaouc c^0ev 
Tp6(pi|uoc d^^ßa, T^vaiKUJV rivoc; 
ou Yotp \ie caivei 
Oecqpara |ur| tiv' ?x^ böXov. 
Die Negation ou verdankt ihren Ursprung nur einem Missver- 
ständnisse von caivei. Nicht mit ou caivei, sondern nur mit caivei 
Gdcqpaia kann jurj xiv' ^Xfl böXov verbunden sein: „das Orakel be- 
rührt mich, weckt in mir die Besorgniss, es möchte eine List in ihm 
stecken". Ich habe zuerst an ca fäp gedacht und ich sehe, dass 
auch Heimsoeth cd fäp |li' IcT^ve Gecqpara vermuthet. Aber die 
richtige Verbindung giebt 

drdp jue caivei 
Ödcqpara |Lir| tiv' ^x^ böXov. 
Dem didp jue caivei entspricht in der Antistrophe öXoit' öXoit' iL. 

Ion 725. 

(b Tipecßu 7TaibaTU)T' 'GpexOeuic Trarpöc 

TOUjLlOU 7T0T* ÖVTOC, f^vk' fjv fx' dv (pdci. 

Die Worte „der mein Vater einstmals war als er noch lebte" 
oder „der ehemals lebte als er noch lebte" scheinen zum mindesten 
ungeeignet zu sein. Es muss heissen: 

TOU|uou ttot' u)v TÖ0' f^viK^ fjv ^t' dv qpdei. 
Vergl. V. 977 aibcujuee' euvdc rdc t60' tivik' kGXöc ^v, dazu El. 
287 Trarpöc ye rraibaTUiTÖc dpxaioc ^epiüv. 

Ion 837. 

d|üir|Top', dvapiGjUTiTov, dK bcuXric tivöc 
TuvaiKÖc, eic cöv bu)|ua becTiOTTiv äyei. 
Es lässt sich schwer erweisen, dass Ik bcuXric xivöc TuvaiKÖc 
nicht richtig sei. Und doch warum soll der Dichter eine solche Härte 
zugelassen haben, da 

djuriTop*, dvapiGjUTiTov, Ik bcuXric tivöc 
Yevö|Lievov eic cöv buj|Lia becTTÖiriv äyei. 
auf der Hand lag? Leicht konnte unter Einwirkung des vorher- 
gehenden dK bcuXric TIVÖC ein Abschreiber Tevöjievov mit TuvaiKÖc 

verwechseln. 

Ion 925. 

lö GüyaTep, oTktou cöv ßXeTTUiv e|UTri7rXa|Liai 
TrpöcuuTTOV, eHu) b' dTevöjUTiv YVU)|Liric djLific. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides* 401 

KttKUIV TOtP ÖpTl KlJji* UTTeHaVTXuiV (pp€Vl 

TTpujiVTiGev aipei )Li' aWo cüuv Xötujv ötto, 
ouc dKßaXoOca tujv TrapecTUüTiüv kokOuv 
luexfiXöec aXXujv TTTijLidTUJV xaivctc 6bouc. 

Das Gleichniss vom stürmischen Meere erinnert an Aesch» Sept. 
758 KaKUJV b' ujcirep ectXacca kujüi' ayer tö juev ttitvov, aXXo 5' 
deipei TpixctXov o Kai irepi irpujLivav TröXeuiC KaxXdCei. Aber zwi- 
schen beiden Gleichnissen ist ein bedeutender Unterschied. Bei 
Aeschylas ist das Bild entlehnt von dem gewaltigen Wogenschlage, 
der um das Schiff tost. Man sieht die Wellen an das Schiff heran- 
kommen, eine höher als die andere, die TpiKUjiia, auf welche sich 
TpixctXov bezieht. Bei Euripides aber ist nicht von der Gefahr, son- 
dern von dem Ueberschlagen der Wogen die Kede. Wenn es aber 
heisst: „während ich eine Woge ausschöpfe", so kann darauf nicht 
folgen „hebt mich oder hebt das Schiff einen andern in die Höhe", 
sondern nur „fällt eine andere über mich herein". Demnach ist aipei 
falsch und auch aipei, woran man zunächst denken könnte, giebt 
nicht den richtigen Sinn. Es muss heissen 

KttKiuv tctp apxi KUji' uTre^avxXuJV 9p€Vi 
TrpujiVTiGev apbei jli' fiXXo cüjv XoTUiV ötto 

„übergiesst mich vom Hintertheile her eine zweitens Warum es 
heisst „vom Hintertheile her", wissen diejenigen, die auf dem Wasser 
gefahren sind. 

Ion 1014. 1015. 1138. 

ö beuiepoc b' dpiGjiöc 8v Xe^eic ti bpoi; 

Ich habe früher 6 beurepoc be GpöjLißoc emendiert. Ueber 6p6)Lißoc 
kann kein Zweifel sein; denn es wird auf biccouc craXaTl^ouc 
ai|aaTOC V. 1003 Bezug genommen. Allein die üeberlieferung kann 
noch genauer festgehalten werden mit 

6 beurepoc fäp 0p6|Lißoc ov XeTeic xi bpci; 
Hierin steht yctp ebenso wie in dem vollkommen gleichenV.Bacch.477 

TÖv Geöv öpäv t^P <P^c caqpOuc ttoTöc Tic fjv; 
In dem folgenden Verse 

KTeivei, bpaKÖVTUJv iöc u)v tüjv fopTOvoc 

scheint tOüv nicht passend zu sein; vielleicht hat es ^k ropYÖvoc 
geheissen wie V. 1003 fopYGÖc cItto. Dagegen muss der Artikel 
nothwendig hergestellt werden in V. 1138 

jLieTpTijLi' ^xo^cav Touv jLiectu ye jnupiiuv 
TTobiuv dpiöjiöv, u)C X^TO^civ Ol cocpoi. 

Abgesehen davon, dass ye nicht am Platze ist, kann Krüger Gr. Gr. 
I § 50, 2, 8 lehren, dass es heissen muss 

jndtpriiu' Ixo^cav touv jli^ciu tOuv jLiupiuüV 
TTobujv dpiöjuöv. 

Jahrb. f. clasi«. Philol. Suppl. Bd. VII. Hft. 3. «^^ 



402 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Cycl. 153. 

ZEIAHNOI. TTttTraidS, ibc KaXfiv 6c|uf)V ^x^\. 

OAYI. elbec fäp auiriv; ZEI. ou |Lid Ai\ aW öccppaivojLiai. 

OA. Tcöcai vuv, ujc av \iy] Xöyuj 'Traiv^c jnovov. 
Für 6c|Lif]V hat Reiske jLiopqpfiv vennuthet; auch Hermann hält 
mit Bothe und Francke den Witz für abgeschmackt, wenn elhec sich 
bloss auf KaXr|V beziehe, und glaubt, dass Euripides traTraiäH, Tcöciv 
ibc KaXrjV Ixex geschrieben habe, während 6c|Lif]V als Erklärung zu 
Yeöciv in den Text gekommen sei. Hermann verweist dabei auf 
Bekker Anecd. p. 87, 31 yeiJecGai ou |u6vov dm toö ecöieiv, otXXd 
Kai im ToO öccppaivecGai . . €upmibTic KijkXujtti. Diese Bemerkung 
hat offenbar das Verbum yeuecGai, nicht das Substantiv YeOcic im 
Auge und scheint nur auf einem Missverständniss, welches dnrch das 
obige 6cqppaivo)Liai veranlasst ist, zu beruhen; es sollte mit Beziehung 
auf den oben a. V. 155 heissen oii jiiövov im toö dcGieiv, dXXct Kai 
im TOÖ TTiveiv. Die Stelle bedarf keiner Aenderung. Um den Scherz 
zu würdigen, muss man nur an die Eristik der Sophisten denken, 
die uns freilich ferne liegt, damals aber grosses Aufsehen erregte. 
Es gehörte zur Kunst der Eristiker einen im uneigentlichen Sinne 
gebrauchten Ausdruck aufzugreifen und damit den Gegner „nieder- 
zuwerfen". So gebraucht im Platonischen Euthyd. p. 287 B Sokrates 
den Ausdruck Ti coi ciXXo voeT toöto tö pfi|aa; Dies benützt der 
Eristiker Dionysodoros in folgender Weise: TiÖTepov MiuxrjV ^x^vra 
voei rd vocövra f\ Kai Td dipuxa; Td ipuxrjv ^xovTa. OicGa oöv 
Ti, ^cpri, pfjiaa H^uxr^v ^xov; Md Ai' ouk efujye. Ti oöv öpTi fjpou, 
o Ti jLioi vooT TÖ pfjjaa; Ti ciXXo t^, rjv b' dyuj, f\ eHr||LiapTov bid 
Tf|V ßXaKeiav ; Weil voeiv in eigentlicher Weise von einem geistigen 
Wesen gebraucht wird, fragt Dionysodoros, ob ein Ausdruck auch 
einen Geist besitze, da er voeT tö pfllLia gesagt habe. So wird KttXoc 
gewöhnlich von körperlicher Gestalt gebraucht. Dß,rum fragt Odys- 
seuß, ob der Duft vielleicht körperliche Gestalt habe, weil er ihn 
schön nenne. Der Silen versteht sich nicht auf solche Kunst und 
entgegnet dummdreist „nein Gestalt hat er nicht, wohl aber Geruch". 

Cycl. 361. 

JLiri JLIOI \ir\ TTpobibou* 
luövoc jLiövuj KOiiile Trop9|uiboc CKdqpoc. 
Polyphem ist in seine Höhle gegangen, um einige von den Ge- 
fährten des Odysseus zu verspeisen. Der Chor der Satyrn drückt 
sein Entsetzen über das gräuliche Vorhaben aus \md spricht: „Oeffne 
deinen weiten Rachen; du kannst jetzt die Glieder der Fremdlinge 
gesotten und gebraten kauen auf dichtzottigem Ziegenfelle aus- 
gestreckt". Auf diese Worte folgen die beiden oben angeführten 
Verse; dann fähi*t der Chor fort mit: 

XaipeTtü jLiev aöXic fibe, 
XaipeTtü bk. 0u|LidTU)v 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 403 

dTroßtüjLiioc Sv ^x^i Guciav 

KuKXtuip AiTvaToc ^cvikujv 

KpeiJüv KexapiLievoc ßopa. 
Bei solchem Zusammenhang muss der Inhalt obiger Verse durch- 
sichtig und klar sein. Diesen hat schon Hoepfner richtig angegeben : 
„gib mir nichts davon; iss du es allein". An und für sich ist die 
Hermann'sche Erklärung des ersten Verses „ne mihi prode haec i. 
e. fac ne frustra haec apparaverimus" unverständlich und beruht 
auf der falschen Annahme, der Chor sei mit in die Höhle gegangen 
und komme der Eeihe nach heraus. Freilich kann }ir] |UOi )Lif] Tipo- 
bibou das nicht heissen und »die Emendation ist unsicher. Den Sinn 
stellt am einfachsten die Besserung von Madvig Adv. crit. p. 267 
IXY] |UOi jLif| irpocbibou („ne mihi partem dederis") her, vergl. V. 531, 
Hei. 700, Aristoph. Equ. 1222, Pax 1111; nur ist das Versmass 
bedenklich. Was aber sollen die folgenden Worte heissen? Kann 
der Satz „führe dir allein zu des Fahrzeugs Bauch" einen Sinn haben ? 
Hermann giebt die Erklärung „solus soli tibi confer hanc celocem: 
q. e. solus soli tibi inger quas nos aspernamur carnes humanas". 
Absolut verlangt 7Top6|Uiboc CKdqpoc, wenn es verständlich sein soll, 
eine nähere Bestimmung. Verständlich ist z. B. der Gebrauch von 
TTopGjiic in dem Bruchstück des Philoxenus bei Athen, p. 643 A 
7TOp0|Uibac TToXXüJV dtTaGiuv irdXiv eicqpepov Y€|Lioucac. Kurz und 
gut, es liegt hier ein Fehler vor, der sich auf die leichteste Weise 
bessern lässt durch: 

jLiövoc jLiöviu fe}xxle iropOiLiiboc CKdq)oc. 
„allein fülle dir voll des Schiffes Bauch, d. b. allein nimm dir eine 
volle Schiffsladung" vergl. V. 505 CKdqpoc öXkoic u)c y€|liic0€ic ttoti 
dXjLia facTpöc ciKpac. 

Cycl. 392. 

Ktti xa^K€OV Xeßrjx' iirelecev Tiupi, 
ößeXouc t' ccKpouc |Liev eTKeKaujuevouc Tiupi 
^ecTouc be bpeTrdvtu f' äXXa, TraXioupou xXdbuj. 
Den letzten Vers hat Scaliger verständlich gemacht durch die 
Aenderung räXXa, TraXioupou KXdbiuv. Hievon ist ifiXXa, der Gegen- 
satz zu ÄKpouc, natürlich unzweifelhaft richtig; dagegen giebt KXd- 
biuv den Gedanken nicht genau; denn die Bratspiesse sind nicht aus 
den Zweigen des Dornbaums gefertigt, sondern sind nichts als rohe 
Zweige die nur abgeästet und an der Spitze gebäht sind. Die Endung 
ist gefälscht worden durch die falsche Beziehung auf bpeirdvuj: es 
muss heissen: 

HecTOuc be bperrdvoi raXXa, TraXioupou KXdbouc. 

Cycl. 514. 

Xuxva b' dmaevei bdia cöv 
Xpöa xd)c Tepeiva vujLicpa 
bpocepujv ?ciJü0€V ävTpiüv. 



404 1^. Wecklein: Studien zu Euripidea. 

Die verschiedenen Versuche Metrum und Sinn dieser Stelle in 
Ordnung zu bringen scheinen nicht gelungen zu sein. Hermann, 
welcher im vorhergehenden Verse die treffliche Ergänzung <(q)iXoc 
u)V> cpiXeT TIC fjjiäc gefunden hat, vermuthet hier minder glücklich 

Xuxva b' djijaevei biai cöv 

Xpoa c', ujc Tepeiva vujacpa. 
An dem Gedanken, „lucernae te propter formam tuam exspectant: 
nam intus est in antro tenera sponsa" wird kaum Jemand Gefallen 
finden. W. Dindorf hat 

Xuxva b' djijLxevei TrdXai cöv 

Xpö'* cIy' ujc Tepeiva vujacpa 
in den Text gesetzt. Was soll der Cyklope unter Xuxva b' dfijaevei 
TrdXai cöv XPOOt verstehen? Auch die Vermuthung von Kirchhoff 

Xuxva c' djijaever neXa. cöv 

Xpöa XPMJ Tepeiva vujacpa 
kann nicht genügen: weder ist Xuxva c' djijaevei verständlich noch 
der Ausdruck XPMJ T^peiva ohne Anstoss. 

Wenn man die durchgängige Zweideutigkeit des Ausdrucks be- 
achtet, wird man bald merken, was in AAIAZON enthalten ist. 
Offenbar AAIAON. Im folgenden hat schon Fix Kai für x^c her- 
gestellt; dieses ist durch Ueberschrift von ujc (xai U)c) entstanden, 
weil man den Vergleich nicht richtig fasste. Durch den Zusatz kqi 
Tepeiva vujaqpa tritt das Vorhergehende erst ins rechte Licht. Wir 
haben also 

<(piXoc ä)vy cpiXeT Tic f]jaäc. 

Xuxva b' djijLievei <ce>bcxbujv 

Xpöa Kai Tepeiva vujLicpa 

bpocepijüv ?cuj0ev dvTpuJv. 
Die Worte qpiXoc ujv qpiXei Tic fjjLiäc haben dem Cyklopen gegenüber 
einen erotischen Sinn; in Wirklichkeit denkt der Chor an Odysseus. 
Darauf spricht der Chor dem Scheine nach von Hochzeitsfackeln, 
von einer schlanken Braut, die des Polyphem in der Grotte harre, 
von bunten Kränzen (cTecpdvuüV ou jiia XPOi^t), die bald um das Haupt 
des Cyklopen gewunden werden sollen: in Wahrheit meint er mit 
den Xuxva bdbuJV die Leuchte des brennenden baXöc, mit der Tepeiva 
vujLxqpa eine Nymphe anderer Art, eine Dryade, den schlanken und 
geglätteten Baumstamm, der ins Auge des Cyklopen gestossen wer- 
den soll; mit dem buntfarbigen Kranz endlich die Blutströme, welche 
dem geblendeten um den Kopf fliessen werden. Die Eedeweise dji- 
jievei ce xpöa ist bekannt (Traiei poTrdXuj jae tö vüjtov, Td yövaTa 
KÖTTOC eXoi jLxe KajaaTtipöc av, Krüger II § 46, 16, 3). Durch die 
nähere Bestimmung X9^^ wird der Ausdruck verfänglich. 

Cycl. 525. 

KY. Geöc b* iv dcKiIi ttujc ycthö* oikouc ^x^v; 
OA. ÖTTOU TiGeic, evGdb' dcTiv euTreTrjC. 



V 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 405 

So hat die bessere Handschrift; die geringere bietet die Cor- 
rektur TiGei Tic. Porson schi-eibt TiGf] Tic, aber wir dürfen nicht 
von der Correktur, sondern wir müssen von der besseren Lesart 
ausgehen. In dieser ist TiGelc eine gewöhnliche Verschreibung für 
Ti0r]C. Kirchhoff schreibt ottou Ti6r]C civ; allein es dürfte sich kaum 
ein Beispiel aufweisen, wo av im conjuncti vischen Kelativsatz so 
vom Relativ getrennt wäre. Man dürfte darum einer anderen Ver- 
besserung von Kirchhoff Öttou TiGfjC viv den Vorzug geben, wenn 
nicht der Sinn einen anderen Begriff verlangte: 

ÖTTOU T10T1C oöv, evGdb* dcTiv euTTexric. 

„Wo du auch immer ihn hinthnst, da ist er gerne". Für die Stel- 
lung von oijv vergl. Soph. Trach. 1247 Trpdcceiv civuJYac oöv, 0. R. 
1517 oTc0' ecp' oIc oöv eijLxi; Ai. 34 TrdvTa TCtp xd t' oöv irdpoc, 
Eur. Med. 533 cmri ydp oöv uivricac. 

Cycl. 544. 

ZEI. kXiGtiti vuv jaoi irXeupd Geic eiri xöovöc. 
KY. Ti GfjTa TÖv KpaTfjp' oiricGe jaou xiGric; 
ZEI. u)C \ir] Trapiuüv Tic KttTaßdXr). KY. iriveiv jaev oöv 
KXeTTTUJv cu ßouXei; KdiGec auxöv eic jLxecov. 

Diese Situation kann ich mir nicht erklären. Man sieht aus 
V. 544 und aus KdxGec auTÖv eic jaecov, dass die beiden einander 
an der Seite liegen, das Gesicht sich zukehrend. Wenn nun Silen 
den Mischkrug hinter den Cyklopen (ÖTTicGe jiou) setzt, so begreift 
man nicht, wie er das thun kann um verstohlen daraus zu trinken. 
Vielmehr muss Silen den Krug hinter seinen eigenen Rücken schaf- 
fen, um ihn heimlich zu leeren, wenn der Cyklope mit Odysseus im 
Gespräch begriffen ist, wie er es nachher trotz der Vorsicht des 
Polyphem wirklich thut (V. 551 töv oTvov eKiriveic XdGpqi). Dem- 
nach glaube ich, dass man 

Ti bryia töv Kpaifip' ÖTricGe cou tiOtic; 

zu verbessern hat. Die Worte ibc jif) TrapiuiV Tic KOTaßdXr) sind 
natürlich eine schlechte Ausrede, die um so spasshafter ist, als die 
Furcht als völlig grundlos erscheint. 

Cycl. 608. 

XrjiiieTai töv TpdxriXov 

evTOvujc 6 KapKivoc 

Toö Hevujv baiTUjLiövoc* irupi ydp Tdxcx 

qpujccpöpouc öXeT KÖpac. 

In dieser Stelle ist zweierlei anstössig. Einmal enthält der Satz 
TTUpi YCip Tdxct qpuJCcpopouc öXeT KÖpac keine Begründung oder Er- 
läuterung zu dem vorausgehenden. Denn wenn die Feuerzange den 
Hals packt, so ist das etwas ganz anderes als wenn die Augen aus- 
gebrannt werden. Dann stimmt das überhaupt nicht zusammen. 



406 N. Wecklein: Stadien zu Euripides. 

dass dieselbe Feuerzange den Hals einzwängen und zugleich die 
Augen zerstören soll. Es liegt hier die falsche Trennung eines 
Wortes vor: 

TTupdYpcx xdxa 
qpujccpöpouc oXei KÖpac. 

Or. 60. 
'€Xevriv 

TrpouTrejLxvpev elc b(x)\x' f]jaeTepov ?ctiv b' ?caj 
KXaiouc' dbeX(pf]v Hu)Li(popdc xe bujjLxdTUüV. 
Ich weiss nicht, ob ich andere davon überzeugen kann, dass 
ecTiv b* ecuj nicht der richtige und geeignete Ausdruck sei. Die 
vorausgehenden Worte erwecken die Vorstellung, dass Helena sich 
im Hause befinde; die Angabe ?CTiv b' ?cuj ist also überflüssig. 
Dagegen gehört zur plastischen Darstellung der Weinenden die Be- 
stimmung TjCTtti und ich zweifle nicht, dass vom Dichter geschrieben 
worden ist: 

f]CTai b' ecuj 
KXaiouc' dbeXqpfiv Hujaqpopdc re bujjLxdTUJV 

Vergl. z. B. Iph. A. 1175 em be baKpuoic \x6vr] KdOrmai irivbe 

Oprivujboöc' dei. 

Orest. 183. 

ouxi ciya cit« qpuXaccojaeva 
cTOjiaToc dvaKeXabov dirö Xexeoc fi- 
cuxov UTTVOU xapiv TrapeHeic, cpiXa; 
Bei Lobeck Paralip. p. 385 heisst es: pmnino substantiva in 
ÖS exeuntia quae a verbis primitivis ducta actionem significent, per- 
rara sunt: jaeidjaeXoc, dvaKeXaboc, dvdTraXoc. Das Wort jaexdjLieXoc 
wird als Adjektiv gebraucht, als Substantiv findet es sich bei Thu- 
cydides (VH 55) und späteren. Dieser Gebrauch scheint zu den 
Eigenthümlichkeiten des Thucydideischen Stils zu gehören. So findet 
sich TrapdXoYOC sonst immer als Adjektiv, nur bei Thucydides kommt 
es als Substantiv vor wie 6 TrapdXoTOC auTOic fieYCic fjv, ttoXu be 
|Lxei2!ujv ?Ti TTic CTpareiac 6 jaeidjaeXoc (a. 0.). Das Substantiv 
dvdTraXoc, öjLXTraXoc ist seit der Verbesserung von Pind. Ol. VH 
110 dui'ch Boeckh (SjLX TrdXov für ajLXTraXov) verschwunden. Wir 
werden demnach gegen den substantivischen Gebrauch von dvaKe- 
Xaboc in der obigen Stelle des Euripides von vornherein Misstrauen 
hegen. Dass aber wirklich hier ein Fehler des Textes vorliegt, zeigt 
das folgende dTro. unmöglich, wenn auch gewöhnlich angenommen, 
ist die Construction von dirö mit Xexeoc („procul ab lecto"); denn 
man kann nicht cpuXaccofieva dTrö Xexeoc verbinden, da cpuXdccecGai 
dvaxeXabov „ein Aufschreien verhüten" die Bestimmung „fem vom 
Bette" nicht verträgt; qpuXdccecOai xeXabov und KeXabov direxeiv 
ttTTÖ Xe'xeoc sind zwei ganz verschiedene Dinge, die nicht zusammen- 
gehören. Entweder muss der Chor schweigen oder er muss fem 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 407 

vom Bette sprechen, damit er Orestes nicht wecke. Noch weniger 
wird man aTTÖ mit CTOjaaTOC verbinden wollen, es mtisste denn 
Jemand „das Aufschreien das vom Munde herkommt" für gewählter 
halten als „das Aufschreien des Mundes". Ojffenbar ist Xexcoc ab- 
hängig von ficuxov ÖTTVOU X^piv; dvaK^Xaboc aber ist, wie die Ana- 
logie lehrt, Adjektiv und diTrö ist verderbt aus ö tt a. Uebrigens ent- 
spricht der Vers 

CTOjLxaToc dvaKeXabov ÖTia Xexeoc ä- 
vollkommen dem antistrophischen 

ttYajioc, ^TTib', ÖTCKVoc äre ßiOTOV d 
und besteht aus drei cretici; an eine weitere Aenderung, wie sie 
Hermann macht, um zwei Dochmien herzustellen (dirö be Xex€Oc); 
ist nicht zu denken. Der Ausdruck erinnert an Aesch. Ag. 236 
CTÖjaaTÖc xe KaXXiTrpujpou (puXaxdv KaracxeTv qpGÖYTOV dpaiov 
oiKOic, welches gesagt ist für cpuXdcceiv CTÖjaaTOC cpGÖTTOV, dem 
hier entspricht cpuXdccecOai CTÖjLiaTOC dvaKeXabov öira („sich vor 
einem lauttönenden Kufe des Mundes in Acht nehmen"). 

Or. 632. 

MeveXae, ttoi cöv Tröb' eiri cuvvoiqi kukXcTc, 
bi7rXf]c jaepijiVTic biTrxuxouc iujv öboiic; 
Nauck Eur. St. I S. 47 vermuthet tlu cü für ttoT cöv. Weil 
bemerkt dagegen: la conjecture de Nauck d6truit le tour naturelle- 
ment symbolique de V expression. Cf. Hec. 812 ttgT ja' U7reHdY€ic 
TTOba. Diese Bemerkung könnte man gelten lassen, wenn nicht em 
cuvvoia dabei stände. So kann der natürliche Ausdruck nur heissen: 
„bei welcher Ueberlegung drehst du dich im Kreise?" („was über- 
legst du, dass du dich so unruhig hin- und herbewegst"). Nauck 
hat seine Emendation nicht vollendet, es muss geschrieben werden: 
MeveXae, Troiqi iröb' em cuvvoia KUKXeTc; 

Or. 711. 

dXKT) be c' ouK dv, f] cu boHdZieic icujc, 
cijücaija' dv ou ydp pcjibiov XÖYXfl M^Q^ 
CTTicai TpÖTiaia tüüv KaKUJV a coi Trdpa. 
QU Ydp ttot' "ApTOUC Taiotv eic tö jLxaXGaKÖv 
TrpocriTÖjLxecea • vüv b' dvaTKaiuJC ixex 
bouXoiciv eivai toTc cocpoTci xfic tuxtic. 
Der Satz ou ydp ttot' ''ApTOuc faiav eic tö jaaXGaKÖv TrpocTi- 
YOjuecGa entbehrt des rechten Sinnes. Einmal fehlt dv, dann könnte 
. man "ApYOUC YöTav TrpocTiTÖjaecGa („zu gewinnen suchen") ver- 
stehen, nicht aber yöi^v TrpocTiTÖjLxecea eic tö jaaXOaKÖv. Weil 
glaubt, dass mit der leichten Verbesserung 7rpocr]YÖjLxec0 ' dv, wie 
bereits Härtung geschrieben hat, geholfen sei und erklärt mit Mus- 
grave eic tö jaaXOaxöv im^Sinne von jaaXGaKUic, dessen Gegensatz 
Tipöc tö KapTepöv (Aesch. Prom. 212) sei. Allein nicht nur ist ein 



408 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

solcher Gebrauch von eic tö jLxaXOaKOV sehr bedenklich .und wird 
durch Beispiele wie eic tö dKpißec eirreiv, ic töv ttuüXiköv xpÖTTOV 
nicht erwiesen, sondern es würde auch die Bedeutung von jnaXOttKÄc 
dem Sinne der Stelle nicht genügen. Oder ist TrpocaTÖjueOa ''ApTOUC 
Yaiav jaaXOaKiüC ein geeigneter Ausdruck statt jaaXGaKoTc XÖTOiciv? 
Mag demnach auch die Aenderung TrpocTiYOjuecG' av durchaus un- 
bedenklich sein, hier muss die üeb erlief erung TTpoCTiYÖjaecOa als Be- 
stätigung dafür dienen, dass die Lesart, welche der Schol. erklärt, 
die ursprüngliche ist. Auf diese hat Kirchhoff aufmerksam gemacht. 
Das Scholion ei fäp f\v toOto pdbiov, oöiroTe bid TOÖ^'ApTOUC Tf|V 
ff\v fiTOUv biet TÖ "ApTOC irpocecpepcjaev eauTOuc eic tö jaaXOaKOV 
vöv b€ dvaTKaiuJC ex€i toic cocpoTc böuXouc eivai Tfic tuxtic giebt 
mit den Worten oÖTTOTe bid — tö "ApTOC Trpocecpepojaev ^auTOuc 
eic TÖ jaaXGttKÖv einen passenden Gedanken für den Satz ou — irpoc- 
TiYOjaecOa, der nicht in unserer Ueber lieferung gefunden wei'den 
konnte. Wir müssen also dieses Scholion zur Grundlage der Emen- 
dation machen, wie es Kirchhoff gethan hat: ex his sequitur v. 712 
olim fuisse ei fdp, non ou ^dp, v. 713 post Tpöiraia excidisse fiv 
sive id lectum fuit a scholiasta sive non fuit; deinde v. 714 ou fäp 
corruptum esse ex ouk av sive ou Tdv, quod videri potest legisse 
schol. Hiedurch ist zugleich erwiesen, dass die Meinung von Din- 
dorf, die drei letzten Verse seien interpoliert, unrichtig ist, Wohl 
ist es gestattet zu behaupten „interpolatoris veteris fraudem non 
animadvertit Aristpphanes Byzantius, de quo schol. tö bfe "ApYOUC 
YpdcpeTtti Kai "ApTOU, iv* fj "ApTOu faiav 'ApiCTO(pdvr]c bfe jacTd 
TOU c", aber weder ist ein Anlass der Interpolation ersichtlich, 
was z. B. der Fall wäre, wenn ei y^P für ou yäp in den Hand- 
schriften stünde, noch scheint überhaupt ein genügender Grund vor- 
zuliegen, diese Verse für unecht zu halten. Stellen wir aber den 
Text nach den Andeutungen des Scholions her, dann erklärt es sich, 
woher die ganze Corruptel entstanden ist. Kirchhoff ist sich nicht 
ganz coDsequent geblieben; er fahrt fort: non sequitur legisse scho- 
Hastam bi' "ApYOUC YCiiciv. nihilominus ttot' vix sanum putaverim, 
verum corruptum e Trpöc. v. denique 715 pro librorum TipocriYÖjaecOa 
malim TrpoTiYÖjLxecGa. Allerdings braucht der Schol. nicht bid gelesen 
zu haben, aber er muss ein entsprechendes Wort im Text gehabt 
haben. Dieses Wort war irapd. Wenn wir nämlich den Text so 
herstellen : 

ei Ydp pqibiov Xöyxiü M^^ 
CTficai TpÖTrai* fjv tujv KaKiLv S coi irdpa, 
OUK av Trap' "ApYOuc YCiTav eic tö jaaXÖaxöv 
TTpocrJYOjiecGa* vöv b' dvaYKaiuJC exei ktc., 
so genügt die gewöhnliche Verwechslung von irap' und Y«Pi um die 
übrigen Nachbesserungen hervorzurufen. Wegen der Bedeutung von 
Trapd („um Argos willen", „die Rücksicht auf Argos hätte uns nicht 
zu rücksichtsvollem Vorgehen bestimmt") vergl. Thuc. I 141 Kai 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 409 

?KacToc oö Trapd Tf]v eauToO d)LieXeiav oierai ßXdvpeiv, Isoer. Archid. 
§ 52 TTapd toOtov T^TveTai f| cuüTTipia, Krüger Gr. Gr. I § 68, 36, 6. 

Or. 832. 

TIC ^Xeoc jueiCujv xaid Tciv 

f\ jaaxpoKTOVov aijaa xeipi OecOai; 

Mir scheint der Ausdruck X^^P^ ÖecOai sehr leblos und nichts- 
sagend zu sein. Da Aeschylus auTdbeXqpov aijaa öpeTrecOai gesagt, 
wird wol auch Euripides hier geschrieben haben: 

f\ jaaTpoKTÖvov a\\xoi 
Xeipi bp^TrecGai; 

Or. 984. 

IV ' iv Oprjvoiciv dvaßodcuj 
YepovTi Traxpi TavxdXiu. 

Die Lesart des cod. Marc. 468 (F) 6pr|V0ic darf man als Finger- 
zeig für eine andere Trennung der Worte betrachten; denn als etwas 
anderes braucht die Aenderung 

IV ' ev 9pr|V0ic Idv ßodctu 
nicht zu gelten. 

Or. 1395. 

0P. aiXivov aiXivov dpxdv 0avdTOu 
ßdpßapoi XeTOuciv, aiai, 
'Acidbi (pujva, 

ßaciXeu)v orav aijaa x^Öf] Kaxd fäv ^icpeciv 
cibapeoiciv "Alba. 

Die Lesart dpxdv öavdxou ist sinnlos. Das Wort Oavdxou 
verdankt offenbar seinen Ursprung einer Erklärung zu Hiqpeciv ciba- 
peoiciv ''Alba, vergl. das Schol. xoTc Gdvaxov eHepYaCojLxevoic. Mus- 
grave vermuthete iaxdv öavdxou. Kirchhoff dpxdv Gavdxiu, Weil 
dxdv 0avdxou. Aber das Scholion eiiieaciv oi ßdpßapoi xöv aiXivov 
iv dpxt) 6pr|V0U XeY€iv enthält gewiss den richtigen Gedanken: der 
Weheruf aiXivov aiXivov war der Anfang der Klage. Wenn Kirch- 
hoff zu dem Schol. bemerkt: non puto tarnen aliud scholiastam in 
libris suis legisse quam quod nostri praebent, so möchte ich doch 
bezweifeln, ob dpx^v Oavdxou mit dpxrjv öprjvou erklärt worden 
wäre. Natürlich aber giebt der Schol. nicht das eigentliche Wort 
— dpxdv 6pr|V0U hat Härtung in den Text aufgenommen — , son- 
dern die Erklärung (Hesych.^iaXejauüv* 9pr|VUüv, bucxrjvujv, dGXiuJV 
vergl. V. 1390); überhaupt ist nicht 9privou das bezeichnende Wort, 
sondern iaXejiOU, welches mit aller Sicherheit an die Stelle von 
Bavdxov gesetzt werden darf: 

aiXivov aiXivov dpxdv iaXe)Liou 
ßdpßapoi XeTOUCiY, 



410 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Vergl. Tro. 1304 iaXe|utu touc Oavövtac dTrueic, besonders Aesch. 
Cho. 423 eKOvpa KOjijaöv "Apiov ?v xe Kicciac vöjaoic iTiXejaiCTpiac. 

Or. 1446. (El. 831. Herc. für. 526.) 

6 be cuvepYÖc aXX' ^Tipacc' 

lujv KttKÖc OuüKeuc 

ouK dKTTobüJV IT*, dXX' dei KttKOi 0puYec; 

Der Phrygier erzählt die Ermordung seiner Herrin. Nachdem 
er berichtet, was Orestes gethan, kommt er auf Pylades (ö cuvep- 
YÖc) zu sprechen. Dieser schaffte die Dienerschaft bei Seite. In 
der angeführten Stelle liegt ein bedeutender Fehler, über den die 
Erklärer in der Eegel stillschweigend hinweggehen: das verbum 
dicendi, welches die Worte des Pylades ouk eKTTobuJV xt\ dXX' dei 
KaKOi 0puY€c; einführt, kann in keiner Weise fehlen. Ganz anders 
verhält es sich z. B. mit der Stelle, welche man mit der unsrigen 
vergleichen kann, Phoen. 574 

Ktti CK-OXa YpaV'^ic ttOüc in' 'Ivdxou poaTc; 
Orjßac TTupiiücac xdcbe TToXuveiKTic GeoTc 
dcTTibac eÖTiKe; 

oder mitIph.A. 356Kd|Lx^ irapeKdXcic* Ti bpdcuj; tiv' dTröpiuv eiipu) 
TTOpov; Ueber El. 831 s. oben S. 302. Doch ich glaube, es braucht 
an den Fehler nur erinnert zu werden. Der Anmerkung von Klotz 
„vix est quod commemorem, ubi res ipsa loquatur, non opus fuisse 
verbo dicendi in eiusmodi voce introducenda, quae et a quo profici- 
scatur et quo pertineat ex omni loco apparet" kann ich nicht die 
geringste Bedeutung zuerkennen, es müsste denn Jemand der Mei- 
nung sein, dass alle Worte und Sätze, ohne welche die Beziehung 
anderer Worte zur Noth verstanden werden kann, in einer zusammen- 
hängenden Darstellung einfach fortbleiben können. Wo die Corruptel 
liegt, ist ebenso klar. Das ganz überflüssige iibv ist zusammen- 
gezogen aus luCuJv: 

6 be cuvcpYÖc dXX' ^rrpacc' 

luZilüV KttKÖC 0UJK€ÜC* 

„OUK ^K TTobujv it', dXX' dei KttKOi 0puY€c"; 

Das Wort iu&uv passt gerade für unsere Stelle sehr gut, weil es 
gebraucht wird von dem Geschrei, mit welchem man Thiere scheucht. 

Rhes. 250. 

ecTi OpuYUJV TIC ecTiv aXKijaoc. 

J'vi be Opdcoc ev aixMoi* ttoti Muciliv, oc e|udv cujijaaxiav diiCei. 

Die Erklärung des Schol. 6 Tf]V cujajLxaxiav diiZiuJV irpöc Mucuiv 
qpTiciv ecTiv ist sinnlos. Ganz misslungen ist die Verbindung fvi 
be Gpdcoc dv aiXMO^ ttoti Mucüüv 8c ejadv cujijaaxiav dTiCei mit der 
Deutung ^vecTi Gpdcoc ev aiXMrj Trpöc dKeivov 8c ejifiv Mucujv cuju- 
)Liaxiav dTiCei, denn weder ist Trpöc 8c dTiCei griechisch, noch ist ein 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 411 

solcher Gedanke hier möglich. Der Chor rühmt die Tapferkeit der 
Trojaner (Dolon ist ein Trojaner), nicht der Mysier; öc ejarjV cujlx- 
jLiaxiciv driZei heisst „wer meine Bundesgenossenschaft d. i. mich als 
Bundesgenossen verschmäht". Die Verbindung von evi . . aixjioi 
mit dem folgenden ist undenkbar. In ttoti Mucüjv muss der Inhalt 
eines Satzes liegen wie etwa in ec KopaKac, eine Verwünschung oder 
der Ausdruck des Absehens gegen denjenigen, „der mich für einen 
verächtlichen Bundesgenossen hält". Die Anspielung an das sprich- 
wörtliche ^cxciTOC Mucüjv (ultimus Mysorum) haben schon die Scho- 
liasten im Sinne (f\ ibc eiTieTv ^cxötoc xai oubevöc Xöyou ctHioc 
oiöv Mucöc dcTiv 6 äT\}ialwv fjjaäc). Natürlich hindert den Ge- 
brauch des Sprüchworts bei einem griechischen Dichter nicht etwa 
der Umstand, dass die Mysier zu den Bundesgenossen der Trojaner 
gehören (V. 541). Die Emendation ist einfach folgende: 

TTÖGi Mucüjv, öc i\iäv cujifiaxiav diiZiei; 

„wo unter den Mysiern ist derjenige der meine Bundesgenossenschaft 
verachtet d. h. der letzte der Mysier ist, niederträchtig ist wer etc." 

Rhes. 683. 

OA. oö ce xpn eibevar GaveT fäp crjiuepov bpctcac KaKiIic. 

HM. oÖK dpeic EüvGrijLxa, Xötxiv Trpiv biet crepvujv jaoXeiv; 

OA. TcTUJ* Gdpcei. HM. ireXac löi. iraie ttcIc. 

OA. ?i cu bf| 'Pf|Cov KaxeKiac; XO. dXXct töv KTevcOvia ce. 

OA. icx€ TTäc TIC. HM. QU ji^v ouv. HM. ot, cpiXiov avbpa jar] 0€vr]c. 

Um Ordnung in diese Verwirrung zu bringen, ist vor allem 
festzuhalten, dass von Ehesus hier keine Rede sein kann: „absurde, 
ut iam Musgravius animadvertit, chorus quaereret f\ cu bi] 'Pfjcov 
KttT^KTac, quasi iam compertum habeat, quod infra demum v. 747 
comperit, ßhesum ab Graecis esse occisum" (Dindorf). Vergeblich 
versucht Badham Philol. X p. 338 die Worte im Munde des Odys- 
seus verständlich zu machen: „Ulysses solus de caede Rhesi loqui 
poterat qui solus caedem patratam sciret. Huius astutiam ita depin- 
gere voluit auctor fabulae, ut facinoris quod ipse fecisset auctorem 
se persequi fingeret". Der Chor hat nachher keine Ahnung von der 
Ermordung des Rhesus und die Worte dXXd töv KTevouvia ce haben 
nach diesen Worten absolut keinen Sinn. Badham ordnet die ganze 
Stelle in folgender Weise: 

XO. ouK dpeic Hüv6Ti|Lxa, Xöyx^v irpiv bid cxepvujv jLxoXeTv; 
OA. fj cu br\ *Pficov KaTEKTttc; XO. dXXot töv KievouvTa ce 
icTopai. OA. Gdpcei, ireXac i0e. XO. iraie rraTe iraie Trete. 

Hierin kann ich dXXd töv KTevcövia ce iCTopui in keiner Weise ver- 
stehen. Dindorf schreibt OA. fj cii ttou Tficov Kaxeibec; HM. jLxdXXd 
töv KTevoövTa ce und voraus OA. dXXd Gdpcei. ireXac iG*, ictuü. 
HM. iraie iraie Traie Trdc. Auch dieser Versuch, welcher übrigens 
dem Odysseus eine nach Traie iraie Traie Trdc durchaus nicht au- 



412 N, Wecklein: Studien zu Euripides. 

gezeigte Frage beilegt, scheitert an den Worten d\Xa oder jadXXd 
TÖv KTevouvid ce. Denn der Sinn „nein, aber den habe ich gesehen, 
der dich tödten soll^* ist ziemlich schwülstig. Unter solchen Um- 
ständen wird es geeignet sein gerade von den Worten dXXd töv 
KT€VOÖVTa ce auszugehen. Eine für die Situation allein passende 
Bedeutung erhalten diese Worte, wenn wir dXXd bei Seite lassen 
und uns vor TÖV KievouvTa ce die Aufforderung Träte denken: Die 
Aufforderung des einen Halbchors, der andere möge auf ihn drein 
schlagen, erwidert Odysseus mit der Drohung: TÖV KTevoOvra c^ 
„(du wirst auf den dreinschlagen,) der dich tödten wird", also ,,du 
wirsts mit dem Leben büssen". Daraus geht hervor, einmal dass 
die sinnlosen Worte f\ cu hr] Tflcov KOTeKTttc; von ungeschickter 
Interpolation herrühren, zweitens dass die Corruptel des vorausgehen- 
den Verses in Zusammenhang steht mit der Entstellung des folgen- 
den Verses: erst in Folge der Interpolation sind aus einem Verse 
zwei geworden und bei dieser Theilung ist der erste Vers zu kurz 
gekommen. Wenn wir mit Badham icTopÜJ für ictuj schreiben, lässt 
sich das Ganze in folgender Weise wieder herstellen: 

HM. A. ouK epeic Huv9r]|Lxa, Xoyx^IV irpiv bid CT^pviwv laoXeiv; 
HM. B. icTopu)' Odpcer ireXac iGi* iraTe. OA. töv KTevoOvTa ce. 

Der zweite Halbchor verlangt gleichfalls das Losungswort (IcTOpuj 
„ich will es wissen") und da keine Antwort erfolgt, fordert er den 
ersten näher stehenden Halbchor auf Muth zu fassen und sich dem 
unbekannten Menschen zu nähern. Dieser thut es und nachdem er 
ganz nahe gekommen, föhrt jener fort „haue zu". Da aber zeigt 
Odysseus sein Schwert und droht „wage es nicht; sonst bist du ver- 
loren". 

Mit Eecht scheint Dindorf auch den V. 683 als Interpolation 
zu betrachten (seclusi versum pluribus de caussis suspectum, in quo 
mira etiam synizesis vocabulorum XP^ eibevai, cui dissimilis est 
usitata )Lif] particulae synizesis cum elbevai aliisque vocabulis); jeden- 
falls ist cr||Lxepov, welches in den besten Handschriften fehlt, eine 
schlechte Ergänzung statt auTÖGev („auf der Stelle"). 

Tro. 282. 

luucapui boXiuj XeXoTXCi cpuiTi bouXeueiv, 

TToXejLxiiu biKttc, TrapavojLiuj bdKei, 

oc iravTa TaxeTGev evGdb' 

dvTiTraX' auGic ^KeTce bmTuxiw yXuüCcqt, 

qpiXa Td irpÖTep' dqpiXa TiGejaevoc TrdvTU)V. 

In dieser Schilderung des doppelzüngigen Odysseus sind die 
Worte 8c irdvTa . . biTTTUXUJ T^iJ^ccct unverständlich. Von vorn- 
herein fehlt das verbum finitum. Wir werden gut thun dieses in 
dem ungehörigen dvTiTraX' zu suchen. Den richtigen Sinn erhalten 
wir, wenn wir dvTiTraX' verändern in dv<(e^Ti<(6ei> 7TdX<(iv t')>: 



N. Wecklein: Studien zu Euripidee. 413 

8c irdvia TotKeTGev ^vGdb* 

dv€Ti0ei irdXiv t' aijGic dKeice bmTÜxuj T^uicca 
„welcher alles von dort hieher und wieder zurück dorthin umsetzte 
in seiner Doppelzüngigkeit" d. i. der alles nach den Umständen zu 
wenden und zu drehen wusste. Vergl. Hei. 1140 oc id GeÜJV ^cop^ 
beOpo Ktti aijGic ^KeTce Kai irdXiv dvxiXÖYOic iriibuiVT' dveXTriCTOic 
Tuxaic. 

Tro. 466. 

EK. edie jli', götoi cpiXa xd \ii\ cpiX*, (b KÖpai, 
KeTcGai Trecoöcav TTTUüjidTUJV Tdp äHia 
Tidcxuj le Ktti TreTTGvGa kSti 7reico)Liai. 
Der Aufforderung des Chors entsprechend wollen die Mädchen, 
welche Hekabe begleiten, die greise Fürstin, die zu Boden gesunken 
ist, wieder aufheben. Ihnen wehrt Hekabe mit den oben angeführ- 
ten Worten. Darin kann ich oÖTOi qplXa xd \xr] qpiXa nicht verstehen: 
was soll damit gesagt sein? Oder welche Pointe können etwa die 
Worte „nicht lieb ist (wird) was unlieb ist" enthalten? Paley gibt 
die Erklärung: what is disagreeable, can in no wise be acceptable 
i. e. your officious Services. Wer kann das unte^ rd jLxf) qpiXa ver- 
stehen? Hekabe muss vielmehr, wenn sie den Dienerinnen verbietet 
sie aufzuheben, als Grund angeben: „lieb ist mir (jetzt) was 
(sonst) widerwärtig ist", vergl. V. 287 cpiXa rd irpöiep' dcpiXa 
TiG^jLievoc. Sie sagt: „sonst würdet ihr mir einen Gefallen thun, 
wenn ihr mich vom Boden aufhöbet; jetzt aber liege ich gerne auf 
dem Boden; lasst mich also liegen". Demnach ist mit der leichtesten 
Aenderung zu schreiben: 

iäri )Li' oÖTUJ, cpiXa id jar] cpiX', lö KÖpai, 

KeTcGai Trecoöcav 

Tro. 911. 910. 684. 

ME. cxoXfic TÖ büjpov ei be ßoiiXeiai Xe^eiv, 
?HecTi. Tujv ciJüv b* ouvex\ UJC fidOr), Xöyujv 
bijücuj TÖb' auTT), Triebe b' ou buucuj xdpiv. 
Helena hat ihren Gemahl um die Erlaubniss gebeten sich zu 
vertheidigen, um nachzuweisen, dass sie den Tod nicht verdient habe. 
Menelaos will ihre Vertheidigung nicht hören; Hekabe aber tritt 
dafür ein und bittet den Menelaos, er möge Helena nicht ungehört 
sterben lassen: 

böc, setzt sie V. 907 hinzu, touc evavTiouc Xöyouc 
f]jLiiv Kar' auTTic* tüjv faß ev Tpoia KttKUJV 
oubev KdroicGa* cuvxeGeic b' 6 Trdc Xöyoc 
KxeveT viv oötiüc ujctc jaTibajLxoö cpuYeTv. 
Der Bitte fügt sich Menelaos mit den oben angeführten Worten. In 
diesen stimmt u)C |ad9r| nicht zu xficbe xdpiv ou buicuj; denn dieser 
Ausdruck zeigt an, dass eine Eücksicht auf Helena gar nicht in Be- 
tracht komme. Es wird vielleicht Jeman A erwidern, dass in ujc fidör) 



414 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

eine Bitterkeit gegen Helena liege, welche noch vor ihrem Tode die 
Anklagen und Verweise der Hekabe hören und durch sie gekränkt 
werden solle. Allein was Menelaos sagen muss, erkennt man ans 
den Worten tOüv TCip ^v Tpoia KttKUJV oubev KdioicGa. Hekabe 
sagt: „lass sie reden; mir aber gestatte ihr zu erwidern; denn von 
ihrem schlechten Benehmen in Troja weisst du nichts". Darauf muss 
Menelaos entgegnen: „ich will sie reden lassen nicht um ihretwillen, 
sondern nur deiner Gegenrede halber, begierig zu vernehmen, was 
du über ihr Treiben in Troja mitzutheilen vorhast". Es muss also 
heissen: 

^^€CTi. Toiv cOüv b' eiv€x', UJC jadöuj, Xoyujv 
buücuj TÖb' auTT], Triebe b' ou buicuj x^piv. 
Hiernach mag es nicht Zufall sein, dass zwei bessere Handschriften 
jadGijc für jLxdÖT] geben. In V. 684, wo der Chorführer zu der Klag- 
rede der Andromache die Bemerkung macht: 

€ic xauTÖv fiKeic cujLxcpopdc. Oprivoöca bk 
TÖ cöv bibdcKeic jLi' fvGa TrrnLxdTUüv Kupuj. 
scheint gleichfalls eic lauröv t^kuj cujaqpopdc das richtige zu sein und 
das c in fiKeic vom Anfang des nächsten Wortes herzustammen. 
Mit 9pr]vo0ca bk tö cöv . . Kupuj wird die Folge von eic TauTÖv 
fiKUJ cujLxqpopäc angegeben. 

Auch in den angeführten Worten der Hekabe ist noch ein 
Fehler versteckt. Wenn es da heisst 6 Xö^oc KxeveT viv outujc 
ÜJCTe jLiTiba|LXOÖ cpuYcTv, so begreift man nicht, wie ein höherer Grad 
des Todes das Entrinnen mehr verhindern soll (oötujc ujcxe) als ein 
einfacher Tod. Mit Kievci verhält es sich gewiss ebenso wie mit 
der Lesart ev faß KxeveT c' eiroc oder 'ev ydp oöv KieveT c' ^ttgc 
Med. 585. Auch an unserer Stelle ist zu schreiben: 
T€veT viv bÖTiüc ujcre jLir]bajaoO cpuYeTv. 
„wird sie so niederstrecken, dass sie sich nicht zu entwinden weiss". 
Für iLiTibajaoO cpuTeiv hat eine Handschrift |UTiba|Lxa>c qpUYeiv. Fix 
hat |Lir]bajafi cpuYeTv vermuthet (Soph. Phil. 789 |uf) cpuTilTC jar]bafir]). 
Vielmehr leitet jaribajaoö qpuYeTv auf fiTibd|Li' eKcpu^eiv hin. 

Tro. 1091. 1121. 

jaotTcp, ujjioi, jiovav br\ jlx' 'Axaioi KOjai- 

loDCx ceGev an' öjajLxdTUüv 

Kuaveav im vaOv 

eivaXiaici TrXdiaic 

f\ CaXa|uTv' iepdv 

fj biTTOpov Kopuqpdv 

"IcGiuiGV. 

In dieser Stelle ist ein ganz bedeutender sinnstörender Fehler, 

wie es scheint, bis jetzt unbemerkt geblieben. Entweder muss es 

heissen: „sie führen mich auf das Schiff um mich nach Salamis zu 

bringen" (KOjaiCouciv im vauv CaXajiTv' kpctv Tropeucoviec) oder 






N. Wecklein: Studien zu Euripides. 415 

„sie führen mich auf dem Schiffe nach Salamis". Dass diese Bemer- 
kung richtig und nicht etwa eine Verbindung der beiden Vorstellungen 
anzunehmen ist, zeigt der Zusatz eivaXiaici TiXaraic, welcher nach 
KOjuiZiouci Kuaveav ^tti vaöv unerträglich ist, wenn er nicht durch 
ein Participium eine Stütze erhält. Ueberhaupt machen die beiden 
Bestimmungen Kuaveav im vaöv und eivaXiaici TiXäraic einander 
tiberflüssig, da die eine das gleiche wie die andere aussagt. Endlich 
ist Küdveoc kein Epitheton für Schiff — etwas anderes ist Kuavö- 
irpiupGC, Kuav^jLißoXoc — , sondern wie das lateinische caeruleus für 
Meer (vergl. Iph. T. 7 Kuavdav äXa cipecpei). und auf den Begriff 
„Meer" weist uns gleich die Präposition im c. acc. hin (nXeTv im 
TrövTOv). Dann aber kann nicht anders geschrieben werden als 

Kuav^av im Xijav- 
av äXiaici irXdTaic. 

„sie führen mich weg von deinen Augen über die dunkelblaue See 
auf dem Meeresschiffe, sei es nach dem heiligen Salamis u. s. w." 
Es ist klar, wie leicht bei der Trennung XijLXV- av AIMN in vaOv 
übergehen konnte. Vergl. die ähnliche Stelle Hec. 444 

aöpa, TTOVTiac aupa, äie 

TrovTOTropouc Kopixlexc öoac 

dKoiTOuc €7r' oib|ua Xijavac, 

TToT jLxe Tciv jaeXeav Tropeuceic; 
In V. 1121 

V€KpÖV 8v TTUpYUiV blCKTlJia TTlKpOV 

Aavaoi KxeivavTec exouciv 

würde iTiKpöv ein passendes Epitheton sein, wenn man an ein er- 
freuliches biCKTifia TTÜpT^A^v anderer Art denken könnte. Darum wird 
AIZKHMATT IKPON anders zu trennen sein: 

öv TTupTUJV biCKTijLi' dir' dxpijüv 
Aavaoi KTeivavrec ?xouciv. 

Vergl. V. 725 pTi|;ai b^ ttuptuüv belv cqpe TpuJiKiJüv aTro, Andrem. 
10 picpdvTa TTÜpYiwv 'AcTudvaKx' dir' opöiujv. 

Tro. 1325. 728. 

EK. djadOei', eKXuexe; XO. TrepTdjauüV ktuttov. 
EK. ^vocic äiracav fvocic diriKXiJcei ttoXiv. 

Ich finde das Fut. ^iriKXucei durchaus unpassend. Hekabe hört 
das Krachen und folgert daraus das, was sie sagt. Die Erschütte- 
rung aber, welche die ganze Stadt durchbraust, ist gegenwärtig, nicht 
künftig; also ist auch das ^iTiKXuZieiv gegenwärtig; denn die Verbrei- 
tung über die ganze Stadt (STracav diriKXuCei) folgert ja Hekabe nur 
aus der Stärke des Getöses. DieAenderung dTTiKXüCei ist einfach: 
dergleichen Verwechselungen finden sich häufig. Soph. Phil. 786 
habe ich ip^alex für ep^dcei hergestellt (Ars Soph. em. p. 38). 
Auch oben V. 727 



416 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

jar|T' dvT^xöv^ Toöb', euteviöc b' äk^ex KaKOic, 
jar|Te cG^vouca jar]bev Icxiiceiv bÖKei. 
?X€ic YOtp aXKrjV oubajaf). 

ist icxueiv für icxuceiv herzustellen. Denn Talthybios sagt „bilde 
dir nicht das Gegentheil von dem ein was ist". 

Tro. 1194. 

iL KaXXiTTTixuv ''EKTopoc ßpaxiova 

cibCouc', apiCTOV cpuXaK* dTruüXecac ceOev. 1195 

iLc f]büc ev TröpiraKi cöc KeTxai tuttoc 

iTuöc t' ev euTopvoici irepibpöjaoic ibpOüC, 

8v ^K ILieTOüTTOU TTOXXctKlC TTOVOUC ^X^V 

fcTttCev "€ktijüp TTpocTiGeic Y^veidbi. 

Hekuba redet den Schild des Hektor an. Im dritten Verse 
(1196) ändert man gewöhnlich mit Dobree cöc in clü, nachdem 
Keiske coi dafür vermuthet. Die Aenderung von cöc in ciu ist nicht 
unbedenklich und um so weniger wahrscheinlich, als es keiner Aen- 
derung bedarf, sobald man cOüC für cöc schreibt: 

UJC f]buC ^V TTÖpTTttKl cOüC KeiTttl TUTTOC. 

Phoen. 208. 

1ÖVI0V KttTÄ TTÖVTOV dXd- 

Toi TrXeucaca TrepippuTUJV 
ÜTTcp dKapmcTUüv Trebiujv 210 
ZiKeXiac Zecpupou irvoaTc 
iTTTTeucavTCc iv oupavLu 
KdXXiCTOV KeXdbr]jaa. 

Für die Verbesserung iTTTreucavTCC dv dpjaeviu, welche ich im 
Eh. Mus. 1872 S. 165 bekannt gemacht habe, verweise ich nach- 
träglich auf Iph. T. 431 cupi2!6vTUüv xard Trpujiivav euvaiujv Tiriba- 
Xiujv aöpaic ev NoTiaic xai Trveüjaaci Zecpupou. 

Phoen. 214. 

TTÖXeoc eKTrpoKpiGeic' ejafic 
KaXXiCTeü|uaTa AoHiqt 215 
Kabjieiuüv ^jligXgv t^v, 
KXeivOüv 'AYiivopibdv 
6jaoT€veTc im Aatou 
TrejLicpeeTc' evGdbe irupTOuc. 
Tca b' dYdXfiaci xP^coxeu- 220 
KTOic Ooißiu Xdxpic dTCVÖjaav. 

Für ^Yev6)Lioiv in V. 221 hat eine Handschrift Tevoi|aav. Die 
ßesponsion mit dem strophischen Verse 209 -xa TrXeucaca Tiepip- 
puxujv sucht Nauck dadurch herzustellen, dass er -Kxoic Ooißiu 
Tevöjiav Xdxpic schreibt. Das Mittel der Emendation ist etwas be- 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 417 

denkUch. Auch fehlt für die Schlusssilbe von XctTpic die Position, 
da ?Ti folgt. Es giebt eine einfachere Verbesserung, welche zu- 
gleich ein bezeichnendes Wort an die Stelle von eT€v6|üiav setzt: 

ica b' dTaXjLiaci xp^coreü- 

KToic 0oißiu Xotipic dYOjaav. 

Phoen. 250. 

*djacpi bk TTTÖXiv veqpoc 

dcTribuüV ttukvöv cpXeYei 

cxfjjaa cpoiviou jLidxric. 
Das Wort cxtlMCt ist nichtssagend und prosaisch. Dies hat be- 
reits Heimsoeth bemerkt, welcher nach den Worten eines Schol. 
cufißoXov iLiaxHC: cfliia qpoiviou jiidxric vorschlägt Allerdings findet 
sich fieser Ausdruck auch V. 1378, aber dort heisst es ^irei b' 
dcpeiOf], TTUpcöc ujc, TupcriviKfic goXtiiytoc ^xh cfijLia (poiviou jLidxnc, 
während in unserer Stelle cfi|ua (poiviou jnax^c unverständlich ist. 
Ein treffliches, für die Schilderung sehr geeignetes Wort giebt uns 
die Variante in Ehes. 209 Kai xdcjaa 9r]p6c an die Hand, wo zwei 
Handschriften cxf]|ua bieten, in einer über cxfjjaa geschrieben steht: 
Yp. xdcjLid. Die Schilderung 

djicpi b^ TTTÖXiv vecpoc 

dcTribuüv ttukvöv cpXeY^i 

XdcjLia (poiviou jLidxric 
erinnert uns sofort an Soph. Ant. 117 cxdc b' uTrtp jaeXd0puJV 
cpovujcaiciv djicpixavüjv kukXuj XöyXo^ic eTrrdTruXov CTOjaa. 

Phoen. 322. 

86€V ejLidv T€ XeuKÖxpoa Keipojaai 

baKpuöecc' dveica TrevGei KÖ|uav, 

aTr€7rXoc cpapdujv XeuKUJV, tekvov, 

bucöpcpvaia b' djaqpi Tpuxri xdbe 

CKÖTi' djLieißojaai. 
Die beste Handschrift bietet im vorletzten Verse djicpiTpuXTi. 
Nach der bei Hesychios und in Bekk. Anecd. p. 389 vorkommenden 
Glosse djLicpiTpuxfi * KaTeppoJYÖxa stellt man gewöhnlich die Con- 
struction mit dem adjektivischen djLxqpiipuxtl her. Sehen wir ab von 
der Construction, so verdient das Substantiv Tpuxn unbedingt den 
Vorzug. Nicht nur ist xpuxil oder Tpuxil ireTrXujv ein gewöhnlicher 
Ausdruck für zerrissene Trauerkleider (vergl. z. B. El. 184 CKei|iai 
|Liou TTivapdv KÖjaav Kai xpuxil Tab' ejaiijv TreTrXiuv), sondern die Ver- 
bindung der drei Adjektiva bucöpcpvaia djacpiTpuxrj CKÖTia ist durch- 
aus stilwidrig. Wahrscheinlich wurde aus djaqpi Tpuxn das in jener 
Glosse vorliegende Adjektiv djLiqpiipuxfl erst dann gemacht, als be- 
reits CKÖxr djLieißOjaai aus CKÖiia XeißojLxai entstanden war: 

bucöpcpvaia b' djacpi xpiixil xdbe 

CKÖTia Xeißo|Liai 

Jahrb. f. class. Philol. Suppl. Bd. VII. Uft. 3. 27 



418 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

„über diese dunkeln Trauergewänder fliessen dunkel meine Thränen". 
Was hier die Verbindung mit be nach t^ betrifft, so darf man diese 
nicht mit dem öfters, z. B. Phoen. 1625, Med. 1250 sich findenden 
Gebrauch von be nach Te verwechseln. Hier hat sich das Glied, 
welches^mit Kai nachfolgen sollte, in aTreiiXoc cpapeujv XeuKUJV ver- 
loren und diesem negativen Ausdruck tritt mit be der positive buc- 
öpcpvaia hk djicpi Tpuxn Xeißojaai gegenüber („meine Haare sind 
geschoren und nicht weisse, sondern dunkle Trauergewänder lege 

ich an"). 

Phoen. 404. 

oub* r]UYeveia c' fjpev eic övpoc jueTci; 

eic övpoc jieTCi ist ein ungeeigneter Ausdruck; denn warum 
heisst es nicht bloss eic öipoc? Wie es Bacch. 181 bei Y^P viv . . 
aöHecGai jaetav heisst, so ist hier der richtige Ausdruck: 

oub' T]UY^veia c' fjpev eic övpoc jaeYCiv. 

Phoen. 515. 

Xpfiv b' auTÖv oux ottXoici töc biaXXaTOic, 
• lufiiep, TTOieTcGar iräv y^P eHaipei Xöyoc 
6 Ktti cibripoc 7ToXe|LiiuJV bpdceiev äv. 

Man könnte ^HaipeT in Erinnerung an die Kedensart veiKOC 
eHaipeiv für die richtige Lesart halten, wenn es nachher nicht ö Kai 
cibripoc TT. bpdceiev dv, sondern etwa Xüceiev dv hiesse. Nun aber 
verlangt der Gedanke „gütliche Unterredung leistet die gleichen 
Dienste wie das Schwert von Feinden" ein anderes Wort: 

Trdv Ydp e^apKei Xöyoc, 
8 Kai cibripoc iroXejaiuJV bpdceiev dv. 

Phoen. 916. 

ÖTrep 7re(pr]ve, Tauia KäväfKX] c' 6p dv. 

So habe ich im Ehein. Mus. a. 0. für ce bpdv geschrieben. Zu 
den dort aufgezählten Verwechselungen von öpdv und bpdv Aesch. 
Sept. 554, Soph. 0. C. 654 kommt noch eine dritte in Soph. Ai. 379, 
wo Wakefield Trdvxa bpujv für TrdvO' öpüjv hergestellt hat ireqprive 
für TreqpUKe ist eine Emendation von Camper vergl. Or. 1528, wo 
die Handschrift B 7re(pr|vac für TrecpuKac hat. 

Phoen. 1039. 

ßpovTqi bk cxevaYjiöc 

dxd t' fjv öjaoioc, 

ÖTTÖxe TTÖXeoc dcpaviceiev 

d TTTepoöcca irapGevoc tiv' dvbpüjv. 

Statt des Begriffs der Gleichheit (6|uoioc) erwartet man den 
Begriff der Gleichzeitigkeit (öjioO) wie in der ganz entsprechenden 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 419 

Stelle Soph. 0. E. 186 Traidv be XdjiiTrei CTOVÖeccd t€ thP^c ojiiau- 
Xoc, also 

dxd t' f\v öjLiauXoc. 

Vergl. El. 879 dXX' ituü SuvauXoc ßod x«P?- 

Phoen. 1304. 

cxeböv Tiix« TreXac cpovou* 
KpiveT cpdoc TÖ jiieXXov. 

Diese Stelle habe ich in den Blättern f. d. bayi\ Gym. VIII S. 
114 in folgender Weise verbessert: 

cxeböv Tuxac ^tti SupoO 
KpiveT cpdoc TÖ jaeXXov. 

TT^Xac cpovou scheint eine Erklärung zu Tuxotc im Supoö zu sein 

wie Aesch. Cho. 883 

foiK€ vöv ai)Tf]C €7ti SupoO TTcXac 
auxr|V TreceTc0ai Trpöc biKr|C TreTrXriTjiAe'voc 

das unmögliche TreXac als Glossem zu eiri SupoO tvx^c erscheint. 
Vergl. Soph. Ant. 996 cppovei ßeßujc aö vOv em Supoö rOxric 

Phoen. 1514. 

xdXaiv' d)c ^XeXiCei. 

TIC dp' öpvic f| bpuöc f| ^XdTac 

dKpOKÖjLlOlC djLi9l KXdboic 

dCojLieva jLiovojLidTepoc öbupjLioTc 
^jLioTc dxeci cuviuböc; 

Das sinnlose TdXaiv' ibc eXeXiCei habe ich ebd. als ein verirrtes 
von ^CojLieva getrenntes Stück betrachtet und mit Eücksicht auf 
Aristoph. Av. 211 und Eur. Hei. 1107 TdXaiv' ibc in dXaivouc', 
dXeXiCei ^Ccjueva in ^XeXiZojiieva geändert: 

TIC dp' Spvic ?| bpuöc ?| eXdTac 
dKpoKÖjLioic djLi9i KXdboic dXaivouc' 
^XeXiCojLieva jLiovo|adTUJp öbupjiioTc 
ejLioic dxeci cuviuböc. 

, Phoen. 1536. 

kXucic, (h KttT' aiiXdv dXaivuüv yepaiöv 
TTÖba bejLiVioic 
bucTttvoc lauujv. 

Den Widersinn, welcher in der Verbindung von kot' auXdv 
dXaivuuv Tröba und bejuvioic iauuüv liegt, habe ich ebd. S. 111 durch 
Einfügung von f\ beseitigt und dadurch einen Dochmius 

TTÖb' f| bejLivioic 

hergestellt, wie er voraus mehrmals zu finden ist. Auch V. 1544 
V^KUV ^vepöev f\ bildet einen solchen. 



420 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

« 

Phoen. 1723. 

IUI id) bucTuxecTciTac cpuTCtc 
eXaiiviuv töv Tcpovid jli' ^k TTdipac. 
id) id), beivd beiv* ifd) TXdc. 
Wenn zwei geringe Handschriften eXauvei für dXauvuuv bieten, 
so ist das natürlich nur ein Versuch eine grammatische Construction 
herzustellen und eine Emendation (Kpeiuv ^Xaiivei) darf durchaus 
nicht darauf gebaut werden. Die richtige Construction ist durch die 
Lesart cpuYclc angezeigt, d. h. es ist eXaiiviuv töv zum Genitiv 
zu verbinden: 

iuj luj bucTuxecTdiac cpu^dc 
eXauvövTiuv ^epovid jli' ek rrdipac. 
,,Wehe weh über diejenigen welche mich den Greis (vergl. Krüger 
II § 50, 7, 4) in unglückseligster Weise aus dem Vaterlande treiben", 
lieber den Gen. bei Iuj und den doppelten Accusativ des Inhalts und 
äusseren Objects giebt die Grammatik Aufschluss. 

Eur. fr. 50 (Stob. flor. 62, 15). 

f^XcTXöv* ouTUj fOLQ KttKÖv bouXuJV fevoc 
yacTrip äiravTa, toutticuj b' oubev CKOireT. 

Ich glaube, es bedarf keiner weiteren Begründung, wenn ich 
den zweiten Vers also schreibe: 

yacTrip airavTa, toutticu) b' oubeic CKOirri. 

Den Anlass zur Corruptel scheint der Verlust des c vor c(KOTreT) 
gegeben zu haben. 

Eur. fr. 63 (Stob. flor. 111, 8). 

"eKdßt], TÖ 0eTov u)c aeXiTTOV ^pxexai 
0vr|ToTciv, I'Xkci b' oöttot' Ik Tauioö Tuxac. 

Mit Eecht bemerken Nauck und Dindorf zum zweiten Verse: 
TiJXOtc suspectum. Nicht bloss ist der Ausdruck eXKCi dx TttUTOÖ 
Tijxac undeutlich und unverständlich, sondern auch die Redensart 
^Xkeiv Tuxoic kaum möglich. Sicher hat es geheissen: 

?XKei b' oöttgt' Ik TauTOÖ Ivfov. ^ - 

. Ich erinnere an die sprichwörtliche Redensart töv auTÖv Ivföv ^Xkciv. 

Eur. fr. 89 (schol. Aristoph. Ran. 93). 

TToXuc b' dveipire kiccöc, eu9uf]C KXdboc, 

dr|b6vujv laouceTov. 
Für KXdboc vermuthet Hermann KXdboic, Bergk KXdbouc. Noch 
ist der richtige Gedanke, wie er zur Beschreibung des Epheus gehört, 
nicht hergestellt. Der Rav. hat nicht eucpuf]C, sondern ^k cpufjc und 
dieses ist zu verbessern in ^jLi9ur|c: 

TToXuc b' dveipTre kiccöc e|acpuf)c KXdboic 

dr|bövujv jLiouceTov. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 421 

Vergl. z. B. Hipp. 118, wo die beste Handschrift mit anderen eÖTO- 
vov für fvTOVOV giebt, Aesch. Ag. 1438, wo die Handschriften eö 
TTpeirei für das von Auratus hergestellte ^lairpeTrei haben. 

Eur. fr. 106 (Ammon. de diff. voc. p. 137). 

6pu) jLxev dvbpujv xövbe T^Mvdba ctöXov 
CTeixovTa 0eijupöv €k xpöx^v TreTraujLievov. 
Im Eh. Mus. XXVIII p. 627 habe ich den zweiten Vers in 
folgender Weise emendiert: 

CTeixovr' ä0upov €k rpöxaiv TreTrau|aevov. 

Eur. fr. 194 (Stob. flor. 48, 3). 

6 b* ficuxoc cpiXoici t' dc9aXf|C 91X0C 
TToXei t' äpicTOC. jLir] xd KivbuveujLiaia 
aiveii'' CTUJ fäp ome vauiiXov cpiXui 
ToXiaOüvia Xiav oöre TTpocTdiriv xöovoc. 
Der Superlativ dpiCTOC ist höchst ungeschickt. Schon Nauck 
hat daran Anstoss genommen und dpecTÖc vorgeschlagen. Aber 
damit ist noch nicht das rechte Wort gewonnen. Auch Aesch. Sept. 
182 fj Taöi' dpicia Kai TröXei cuüTripia ist nicht mit Dindorf raÖT* 
dpeCTd oder nach Meineke's Vermuthung Taura xp^l^Td zu schreiben, 
sondern nach Prom. 997 opa vuv ei coi laOi* dpiü^d cpaiveTai: 
TttOx* dpiüxd, wie vor mir schon H. Weil erkannt hat. Dasselbe 
ist auch in unserer Stelle herzustellen: 

6 b' ficuxoc cpiXoici t' dccpaXfjC cpiXoc 
TTÖXei t' dpuJTOC. 
Auch Hei. 1288 

cöv epTov, iL vedvr töv irapövra |aev 
cxepYeiv ttöciv xpn, töv be juriKex' övt' edv 
apicia Tdp CGI Tauia irpöc tö tutx^vov. 
scheint dpiü^d geeigneter als dpiCTö. 

Eur. fr. 214 (Stob. flor. 70, 10). 

Tidci b' dTT^XXuj ßpOToTc 
ec0XüJv dir' dvbpujv euTevfi crreipeiv leKva. 
Das corrupte dvbpüuv ist in dXöxiwv zu verbessern. Aus den 
Anmerkungen von Dindorf und Nauck (ed. 1869) ersehe ich, dass 
Meineke dir' dpxuJV, Herwerden dir' dXÖKUüv, Heimsoeth en dXoKiuv 
vorgeschlagen hat, während Nauck ^cöXoTv dir' djucpoTv für das 
richtige hält. Davon ist dpxuJV eine unpassende Bezeichnung; mit 
dem bildlichen dXÖKUiv stimmt der Begriff von €C0Xöc nicht überein; 
bei CTreipeiv reKva ist an den einen Ehegatten gedacht; dcGXoTv dir' 
djLi9oTv erscheint demnach als unmöglich. 

Eur. fr. 340 (Stob. flor. 83, 16). 

TTttTepa re iraiciv fibeiuc cuveKcpepeiv 
qpiXouc IpujTac eKßaXövx* auGabiav, 



422 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Traibdc xe Trarpi* Kai fäp ouk auOaipexoi 
ßpoToTc epuüxec öub'.eKOucia vöcoc. 
Um zu Tiaxepa . . cuveKcpepeiv das regierende Verbum zu ge- 
winnen schreibt Meineke bei xouc statt des ungeschickten cpiXouc. 
Allein da die besten Handschriften das umnetrische cpiXoc darbieten, 
so ist cpiXouc nur metrische Correktur, die Emendation aber hat von 
q)i\oc auszugehen. Für cpiXoc bietet sich in sehr einfacher Weise 
Ö9€Xoc („es frommt", Ö9€Xöc Icxiv) dar: 

TTttxepa xe Traiciv fibeiuc cuveK9epeiv 
Ö9eXoc fpiüxac Kxi 

Eur. fr. 475, 16 (Porphyr, de abst. 4, 19). 

TrdXXeuKtt b' ^x^JV eiVaxa 9euTUJ 

Teveciv xe ßpoxuiv Kai veKpoGrJKTic 

ou xpiM'JTXÖjLievoc xrjv x* ejLivpuxuDV 

ßpujciv ^becxuiv 7Te9uXaTMai. 
Für veKpoGrJKric hat eine Handschrift veKpo0riKr|. In veKpo- 
9r|Kr|C ist sowohl der Numerus als der Casus falsch. Der Gedanke 
verlangt den Plural; etwas anderes ist das coUective Y^veciv. Die 
grammatische Construction fordert, dass veKpo0r|Kr|C abhängig sei 
von 9euTUJ und oö Xp\}iixT6ixevoc nur als nähere Bestimmung, zu 
welcher man sich auxaic ergänzen mag, nachkomme; also 

irdXXeuKa b* exu)V eijuaxa 9euTUJ 

Teveciv xe ßpoxujv Kai veKpo0r|Kac 

QU XPlMTTXOJLieVOC Kxd. 
Eur. fr. 597 (Clem.- Alex, Strom. V p. 667). 

dKdjLiac xe irepiS xpovoc devdiw 
^eu)Liaxi TrXr|pr|c 90ixql xikxuuv 
auxöc dauxöv. 
In dieser Schilderung des ewigen Stroms der Zeit hat 7rXripT]C 
keinen Sinn. Ich vermuthe dafür ttiiytic. 

Eur. fr. 640 (Schol. IL 10, 56). 

jLidxTiv Tdp oiKU) cov xob* eKßaiTi xeXoc, 
Für oiKtu cöv ist weder mit Valckenaer oiKiu ciu noch mit Cobet 
oiKUüV cOjv, sondern oiKOiciv zu schreiben. Der Dativ ist noth wen- 
dig. Der Uebergang von oiKiu ciu in oiKiu cöv ist nicht wahrschein- 
lich. Dagegen konnte der Einfluss der geläufigsten Cäsur leicht die 
Trennung oiKOi (oikuj) civ veranlassen. 

Eur. fr. 738 (Stob. flor. 106, 7). 

TToXXoi Y^TWJTec fivbpec ouk ?xowc' Sttiuc 
beiSouciv auxouc xaiv KaKuiv dSouciqt. 
In fivbpec kann nicht dasjenige liegen, was hier der Gegensatz 
und der Zusatz von fCT^Tec verlangt. Es muss heissen: 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 423 

dcGXoi T^T^Tec avbpec ouk Ixo^c' öttujc 
beiSouciv auTouc tuiv KttKuJv eSoucict. 

Vergl. fr. 1092 ctpxecGai XP^uJV KttKOÜc utt' dcGXujv Kai KXOeiv tujv 
Kpeiccöviuv, 645 oiav KttKÖc Tic ev iröXei Trpdccq KaXuJc, voceTv 
TiGrici TUJV djLieivövujv cppevac, TrapdbeiYjii' e'xovTac tujv KttKUJV 
eHouciav. Vielleicht hat ttoXXoi im vorhergegangenen Verse gestan- 
den (ttöXXoi fäp au | ecGXoi). 

Eur. fr. 775 u. 781 (aus dem cod. Claromont. vergl. G. Hermann opusc. 

III p. 3-21). 

775, V. 1. |avr|cGeic o jLioi ttot' €19' ot* euvdcGri Geöc. 
aiToö Ti XQx^lexc ev Trepa ydp ou Gejiiic 
Xaßeiv C€ • Kdv \xev Tuxxavric e . . . 
Geoö TTe9UKac* ei be jLif|, ipeubfic eYiu. 

Im dritten V. giebt die CoUation von Bekker TUYXdvqc e , 

woraus Bekker TUTX^vrjc dTr|TujLiujf machen will; die von Hase 
lYIXAAlllQAQN, worin Hermann TUTXOtvrjc, cdcp' icG' oti, Nauck 
TUYXOtvijc biupujv Geoö findet: TUTX^ivqc biupujv Geoö, Geoö Tre'9UKac 
ist gewiss nicht das ursprüngliche. Die beiden Collationen weisen 
hin auf Tuyxdvric euxOüVceGev. Es fragt sich, ob im ersten Verse 
nicht jLivr|cGeTc' zu schreiben sei. 

V. 10 dXX' epTr' ec oikouc* Kai fäp aib* iHu) bö|au)v 

b|aujai Trepujciv, a'i iraTpöc 

caipouci bujjLia Kai b6|aujv KeijuriXia 

KaG* fmepav 90ißujci. 

Bekkerus, rfi TraTpoc . . Tac YdjLiouc. Coniciat quis fortasse GeVTOC 
Td)Liouc. Sed aperte repugnat quod sequitur, KaG' f]jLiepav. Apogra- 
pha AITTATPOCIOIAQPIMOI. Minio quarta a fine litera I in E mu- 
tata, supra scripto A. Hermann zweifelt nicht, dass Euripides a'i 
TiaTpöc KOijLiuj|aevou geschrieben habe. Aber die Buchstaben EMOI 
führen offenbar auf e|aoö und die vorausgehenden QP geben als 
Gegensatz zu KaG' f]jLiepav das Wort vuKTU)p, also 

bjLiujai TiepOuciv, rfi TraTpoc vuKTUjp^jnoö 

caipouci buj|aa. 

V. 37 Trepi ydp laeTdXujv TVtO|Liac beiHei, 
iraib' u)Lievaioic, ujc 9r|ci, GeXuJv 
levlax v\)\xq>r\c Te XeTrdbvoic. 

Worauf soll sich ulc 9r|Ci beziehen? Der Dichter wird angeben, 
woher der Chor der Mägde seine Kunde habe; wird also ujc 9a ci 
geschrieben haben. 

781, V. 1 TTupoc t' 'Gpivuc ev veKpoTc Geprivuai 
Jujc' r\b' dvir|c' dT)Liöv ^|Li9avfi . . 

Hermann hat für Geprivuai Geprj'iov geschrieben mit der Bemerkung: 
Gepiiiov pro Gepeiov neque defendam nee damnem. Herwerden ver- 
muthet Iv veKpuj Kepauviou Idjc iiavir]c\ Hievon ist iv veKpui 



424 N. Wecklein: ßtadien za Euripides. 

wohl richtig, wenn auch Hermann bemerkt: ev vcKpoTc tmiverse 
dictum sit necesse est, cum admiratione, etsi de solo Phaethonte 
intellegendum. Im übrigen weisen die Buchstaben Geprivuai nach 
Bekkers, 0EPHION nach Hase's Abschrift entschieden hin auf 
eEPMAINETAI, also 

TTupöc t' 'Epivuc €V vcKpiu 0€p)iaiv6Tai 

Idjc^ i\b' dviT]c' dTjiöv ejicpavfi u — . 

Das Feuer wird wieder lebendig, wie man an der Hitze wahrnimmt, 

welche der Leichnam des Phaethon ausströmt. 

V. 33 TUvaiK* ävu)x6i iräci toTc Kttid cxeTcic 
OeoTc xopeOcai kqi KUKXwcacOai bö)iouc 
ce)Livoiciv ujuevaiciciv, ^Ecxiac 0* eboc, 
09' Tjc ye ciwcppuiv iracav . . apxex . . . 

€UXCIC TT . . 

Hermann ergänzt iräc av apxecOai GeXoi | euxdc TTOieTcOai. Allein 
einmal führt apx€T nicht auf dpx€c6ai, sondern auf dpxexai, Tiacav 
darf also nicht in irdc av aufgelöst, sondern muss zu irdc dv<^f|p)> 
ergänzt werden. Zweitens gehört zu '€cxiac eboc ein neues Verbum 
und wir werden dies in euxdc tt . . zu suchen haben. Danach ver- 
muthe ich 

*€cxiac 6' eboc, 

dqp' f)C fe ciucppuüv Tide dvfip eEdpxexai, 

euxaic TTpoceXGeiv. 

Vergl. fr. 775, 46 euxak eyiw Xicco)ieva Tipoceßav. 

Eur. fr. 803 (Stob. flor. 43, 16). 

dXX' ouTTOx' auxöc djUTiXaKiuv dXXov ßpoxöv 
7Tapaivecai)i' av iraici TipocGeivai Kpdxri, 
TTpiv dv Kax' öccujv xuTXCtvq |iieXac cköxoc, 
ei xpn bieXöeiv Tipöc xeKVuiv viKOiiiievov. 

Der zweite V. enthält das Gegentheil von dem was der Sinn 
fordert. Man darf seinen Kindern keine Macht einräumen, bevor 
man seine Augen schliesst, wenn man den Kindern nicht zuletzt 
unterthan werden will. Nothwendig muss es also heissen: 

ei XQX] bieXGeiv fiifi xe'KVUJV viKiwjiievov, 

die miuder geläufige Construction von viKdcGai mit Gen. scheint das 
Glossem irpöc veranlasst zu haben. 

Eur. fr. 860 (Anecd. Bekk. p. 343). 

Oeoi xöövioi 
locpepäv dbiauXov exovxec 
ebpav 99eipOjLi^vujv 'Axepovxiav Xijiivriv. 

Bekker, welcher Cocpepöv in Cocpepdv emendiert hat, sucht die 
Anapäste in folgender Weise herzustellen: loapepav dbiauXov ^xovrec 
ebpav I xf|V 99eipo)LievuJv 'Axepovxeiav | Xi|avTiv. Gewiss nicht 



N, Wecklein: Studien zu Euripides. 425 

glücklich. Gut vermutliet Nauck 'AxepovTiba für 'AxepovTiav. 
Daneben muss beachtet werden, dass es unsinnig ist, wenn die 
Todten in der Unterwelt als cp9eipö|aevoi bezeichnet werden. Vers- 
mass und Gedanke fordern 

0eoi xöövioi 

Co9epdv dbiauXov exovfec ebpav 

cpGijLieviuv 'AxepovTiba \i)Livr|V. 
Eine ähnliche Corruptel ist mir begegnet 

Theogn. 653. 

eubai)Liujv €ir|V Kai GeoTc 9i\oc dGavaroiciv, 
Kupv'* dpexfic b' dXXric oubejuific epaiacti. 
Das Glück und das Wohlgefallen der Götter kann nicht als 
dpeirj betrachtet werden. Auch giebt der Satz „nach einem anderen 
Vorzug strebe ich nicht" keinen passenden Sinn. Wer den Göttern 
lieb sein will, muss gerade viele Tugenden und Vorzüge besitzen. 
Der Dichter will hier offenbar etwas ähnliches sagen wie Sokrates, 
welcher die Götter einfach nm das Gute anflehte; er hat geschrieben; 

KOpv'* dp TIC b' ctWric oubeiaific ^pajiiai. 
„glücklich möge ich sein und den unsterblichen Göttern wohl ge- 
fallen. Das ist die einzige Bitte, die ich liebe; um etwas anderes 
mag ich nicht flehen.'* Zu dpf]C vergl. Hom. 377 U)C fcpar' euxö- 
jLievoc, ixifa b' eKTUire jLiT]Ti€Ta Zeiic, dpduüv diuuv, find. Isthm. VI 
62 €1 ttgt' iixäv, tu Zeö irdiep, Gujiiiu 'GeXiuv dpdv ciKOUcac, vöv 
ce vOv euxaic . . Xicco|aai. 

Eur. fr. 901, 4 (Clem. Alex. Strom. IV p. 620). 



y\ V 



Kttv aiaopcpoc r\ ttocic, 
Xpf| boKCiv eu|aopcpov elvai xf] t^ voOv KeKxrmevr). 5 
ou Tdp öcpGaXjLiöc tö Kpiveiv . . dciiv dXXd voöc. 
eij X^T^iv b\ orav ti XeSr), xPn boKeiv, kSv jliti XeTq, 
KdKTroveiv Sv tuj Suvovti Trpöc xdpiv jLxeXXri Xeteiv. 
Im letzten Verse entspricht XeYCiv dem Sinne nicht. Die gute 
Gattin soll thun, was sie dem Gatten am Auge absieht; sie soll alles 
durchführen, mit dessen Durchführung sie dem Gatten einen Gefal- 
len zu erweisen hoffen kann. Statt XeTCiv verlangt der Sinn also 
ein Synonymon von eKTTOveiv: 

KdKTTOveiv Sv TUJ SuvövTi TTpöc xdpiv jLieXXq TeX et V. 
In dem lückenhaften sechsten Verse möchte ich den gemachten Bes- 
serungen: TÖ JLlOpCpf]V KpTvÖV eCTlV, TÖ TUÖTa KplVÖV dCTlV, TÖ KpTvOV 

ecTi KttXXoc, TÖ Kpiveiv buvaTOV oder iKavöv Icti folgende vorziehen: 
oü Tdp öcpGaX|aöc tö Kpiveiv <Kupi>oc Tab\ dXXd voöc. 

Eur. fr. 904, 9 (Clem. Alex. Strom. V p. 688>. 

Tie'jLivpov b' ic qpujc vpuxdc evepujv 
ToTc ßouXojLievoic aGXouc TTpOjLiaGeTv 



426 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

7rö0ev eßXacTOV, Tic pila KttKÜJV, 
Tiva bei juttKCtpiuv eKGucajiievouc 
eupeiv jLiöxOiuv dvdTiauXav. 

Tiva bei . . eKGucttjLievouc hat Valckenaer hergestellt für Tiva br\ . . 
dKGucaiaevoic. Damit ist die Emendation noch nicht abgethan. 
Niemand wird Tiva mit dvdTrauXav verbinden wollen, obwohl nach 
dem vorhergehenden Tic pKa diese Beziehung gewiss den acc. Tiva 
veranlasst hat. Man kann aber eKÖiiecöai Ti im Sinne „durch Opfer 
etwas sühnen, abwenden" erklären, nicht aber dK0uec0ai Tiva mit 
der Bedeutung „einen Gott durch Opfer versöhnen". Die durch 
eK0ucajLievoic angezeigte Verwirrung der Casus hat eben weiter um 
sich gegriffen un'd man muss herstellen: 

Tivi bei iLiaKdpuJV eKÖucajLievouc 
eupeiv jLiöxGuJV dvdjrauXav. 

Vergl. oben S. 371 zu Hei. 127. 



Anhang. 

Zu Aeschylus, Sophokles und den Fragmenten der 

griechischen Tragiker. 

Aesch. Pers. 450. 

evraöGa TrejUTrei roucb', Sttiuc, 8t' ex veiüv 
cpöapevxec ^xöpoi vficov eKCiuZoiaTO, 
KTciveiav euxeipuüTOV 'eXXriviüv CTparöv. 

Es ist von der Aufstellung einer Division auf der Insel Psyt- 
talia die Rede. Die dort aufgestellten Perser sollen die SchiflFbrüchi- 
gen, welche sich an die Insel retten, auffangen und tödten. In diesem 
Zusammenhang ist '£X\r|VUJV CTpaiöv gewiss ein schiefer Ausdruck. 
Wie kann, wenn einzelne Leute, die sich durch Schwimmen an die 
Insel retten, aufgefangen werden, von einem leicht zu bewältigenden 
Hellenenheere die Rede sein? Auf den richtigen Ausdruck weist 
euxeipiüTOV hin. Denn wenn es heisst: 

Kxeiveiav euxeipiuTOV '€XXrivu)V aTpctv. 

erhalten wir die geeignete Färbung der Rede. Die Corruptel scheint 
unter dem Einfluss des gewöhnlichen Versschlusses 'GXXrjvuJV CTpaiöc 
(vergl. V. 384) entstanden zu sein, wie z. B. dem Verfasser des 
Rhesus der Versschluss 'ApTciuJV CTpaxöc sehr geläufig ist. 

Aesch. Pers. 609. 

fcT€iXa, Tiaiböc TTttTpi Trpeu)iev€ic xoac. 
Der Med. giebt IcTeiXaTO für IciCiXa. Solche ungewöhnliche 
Lesarten des Med. fordern eine Erklärung. Nur zu oft hat sich 
gezeigt, dass darunter die ursprüngliche Lesart verborgen ist. Ich 
leite nun ^CTeiXaio aus fcreiXa Te (kvou) ab und finde diese Ver- 
muthung bestätigt durch dasScholion TTttTpi Tiaiböc; denn dasScho- 
lion kann doch nicht einfach die gleichen Worte als Erklärung geben; 
häufig aber wird tekvov mit iraTc glossiert. Wir haben demnach 
fcT€iXa, TeKVou Traxpi TrpeujLieveTc xoac 

als ursprüngliche Lesart zu betrachten. 

Aesch. Ag. 131., 

oTov ixr\ TIC äya GeoGev Kvecpdcij ttpotutt^v 

CTÖjLiiov ix^fa Tpoiac 
CTpaTU)9^v. 



428 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

* 

Ich habe von meinen Studien zuAeschylus eine Ansicht zurück- 
zunehmen, die Ansicht, die ich mit vielen anderen getheilt habe, 
dass CTpaTU)0ev in obiger Stelle oorrupt sei. Das Wort bedarf nur 
der richtigen Erklärung. Ich habe bereits in meinen Studien S. 9 
auf die besondere Gewohnheit des Aeschylus aufmerksam gemacht, 
den metaphorischen Ausdruck in die Wirklichkeit hereinzurücken imd 
mit einer Art Ironie die Illusion des Bildes aufzuheben. Die Heeres - 
woge wird bei ihm eine Woge des trockenen Landes (xepcaTov) 
genannt. Damach istAg. 47 CTpariuJTiv dpaJTrjV zu erklären. Mene- 
laos und Agamemnon führen einen Eechtsstreit mit Priamus (jLieTCtc 
dvTibiKOc); sie haben einen Eechtsbeistand (dpiUTÖc), aber einen 
Rechtsbeistand besonderer Art; wir würden sagen „die Kanonen 
werden für sie sprechen^*. In der gleichen Bedeutung steht dpuJYri 
Eum. 588 dpuüxdc b' ck Td90u Trejurrei Trairip. Ares ist Ag. 437 
ein Goldwechsler, aber ciJU|adTUJV; er hält die Wage nicht am Wechsler- 
tische wie der Tpa7r€CiTr]C, sondern iv l^axt] bopoc; er schickt den 
Verwandten von Ilion heim einen schweren Staub (ßapu^) ipfJTMa), 
aber nicht einen schweren Goldstaub, sondern einen schweren Kum- 
mer verursachenden Staub vom Scheiterhaufen (TTUpuüOev, vergl. damit 
CK TTUpöc cuOeic von dem ttövtioc Heivoc d. h. vom Stahle Sept. 942). 
Ebenso wie es hier rrupiuGev ßapO ipfiTMOt heisst und ßapu ipfiTMCt 
als Ausdruck der dem xP^cajLioißöc zukommt durch irupiuGev eine 
Bestimmung aus der Wirklichkeit erhält, auf die gleiche Weise wird 
CTÖmov jLieTCi Tpoiac (das gewaltige Zaumgebiss von Troja) als 
CTpaiiüGev bezeichnet, als ein Zaumgebiss, das nicht aus 
Metall, sondern aus einem Heere gemacht ist. Gerade die 
Form und der Gebrauch von Trupuj0ev giebt uns die beste Erklärung 
für die Bedeutung von CTpaiujGev. 

Aesch. Agam. 948. 

TToXXr] Tdp aibiiüc cuujLiaTOcpGopevv ttociv 
cpGeipovia TrXoÖTOV dpYiJpuJvr|Touc G* ucpdc. 

In dem ersten Verse ist das sinnlose ciJU|aaToqpGopeTv von Aura 
tus in CTpujjuaToqpGopeTv, von Schütz in bujjuaToqpGopeiv, von Franz 
in eijuaToqpGopeiv geändert worden. Die Wahl kann nur zwischen 
bujjuaTOcpGopeTv und eijLiaToqpGopeTv sein; jenes haben Blomfield, 
Hermann, Enger, dieses Dindorf aufgenommen. Lässt man objektiv 
die diplomatische Wahrscheinlichkeit entscheiden, so verdient ei|aa- 
ToqpGopeTv den Vorzug; denn c rührt von dem Endbuchstaben von 
aibujc her; ei\x und iju)li konnten sehr leicht verwechselt werden. 
Eine ganz gleiche Verwechslung glaube ich Philol. XXXH S. 184 in 
Cho. 131 nachgewiesen zu haben, wo ich das überlieferte ttujc 



1) Die von Hermann, Dindorf u. a. aufgenommene Aenderung von 
Schütz ßpaxO verdirbt die ganze Stelle. Vergl. Eur. Suppl. 1125 q)ipw . . 
^K TTUpöc TraTpöc ^i\r\ ßdpoc jn^v oök ößpiGec dXx^ujv öirep. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 429 

dvd2o)Liev böjiioic in 7reTc)Li' civaipov iv bojiioic corrigiert habe. Wenn 
es nacli Heimsoeth (Wiederh. d. Dr. d. Aesch. S. 129) den Anschein 
hat, als ob der Gebrauch einer solchen Metapher in dem Gebete un- 
statthaft sei, so bemerke ich nur, dass der Dichter selbst im folgen- 
den Verse mit vöv ye tt uu c dXOujueGa auf die Anwendung eines bild- 
lichen Ausdrucks hinweist^). Auch Eur. Herc. f. 1250 

0r|ceuc. h ttoWci br) T\dc *HpaK\fic Xeyci xdbe; 
'HpttKXfic: OÖKOUV TOcauTd t' ei inexpiu |Liox6r|Teov, 

worin zwischen oukouv TOcauTd f ' und laeipiu jLiox0r|Teo v kein Ver- 
hältniss der Begründung stattfindet, welches d«n Gebrauch von ei 
rechtfertigte, möchte ich y' ^i in TTib verwandeln: 

OÖKOUV TOcaÖTd TTiu' laexpiu |LioxOr|Teov. 

Aber nicht bloss von Seite der Ueberlieferung, sondern auch von 
Seite des Sinnes verdient ei|aaToq)9opeTv den Vorzug. In dieser Be- 
ziehung bemerkt Ahrens Philol. Suppl. I S. 586 richtig: „Schütz 
verstand „domum universam perdere", wobei er dann zugleich eibibc 
falsch durch „verendum cavenduraque est" wiedergeben musste; da- 
gegen ßlomfield und die folgenden „rem familiärem perdere", wie 
das herodotische oiKoqpGopeTv, unter Vergleichung von V. 960. 961. 
Aber auch diese Auffassung ist unzulässig, weil b(y)\xa nicht wie oTkoc 
die Bedeutung res familiaris hat." Ein -dritter und entscheidender 
Grund wird sich uns sogleich ergeben. Mag man nämlich biJU|aaTO' 
cpGopeiv oder ei|aaTOcpöopeTv für das richtige halten, unerträglich ist 
in jedem Falle das folgende qpOeipoVTa. Das haben Dindorf, Her- 
mann u. a. bemerkt und Dindorf hat TraTCÖvia, Hermann CT€ißovTa, 
Ahrens ^epovia für qpOeipovxa vermuthei Zuletzt hat Keck Tpuxovxa 
dafür gesetzt und qpOeipovTa als Glossem von jenem betrachtet. Es 
würde schwer sein zu einer Entscheidung zu gelangen, wenn nicht 
zufällig ein merkwürdiges Ueberbleibsel der ursprünglichen Lesart 
vorhanden wäre. Der cod. Flor, bietet nämlich nach Hermann'scher 
Collation nicht qpOeipovTa, sondern qpGdpovxa. Eine methodische 
Kritik muss in dieser eigenthümlichen Lesart einen Fingerzeig er- 
blicken und in der That leitet uns dieses qpGdpovTa auf das einzig 
passende qpapiüv Te: 

TToXXf] xdp aibibc el|aaToqp0op€Tv ttociv 
cpapeuiv T€ ttXgötov dpTupuuvriTOuc 9* uqpdc. 

Die Schönheit, welche in der Fülle des Ausdrucks eijLiaxocpGopeiv 
qpapoiv — ucpdc liegt, ist bekannt. Aeschylus sagt z. B. Ag. 990 
uiaviubei Opfivov, Sept. 652 vauKXripeiv ttöXiv, Sophokles El. 190 
oiKOVO)Liuj GaXdjLiouc, Ai. 549 auiöv (töv Traiba) bei TTiuXobaiLiveTv, 
Trach. 760 TaupoKTOveT ßoOc, Empedocles (V. 286) iboTOKeT jiiaKpd 



1) Zu dem Asyndeton KaToiKxeipöv t* ^jli4 cpiXov x' 'Op^cxiiv TreTc|Li* 
ävaipov ^v &ö|Lioic vergl. Eur. fr. 129 N. di Hve KaxoiKxeipöv |Lie Ti]v irava- 
exiav, XOcöv fie becjLiütiv. 



• • •• •' 

• • ••• ••• •• *■ 

: • • •:• t** 

• • % % • \ * 



430 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

bevbpea, der gewöhnlichen Redensarten veKxap oivoxoei (Hom. A 
698), iTTTTOuc, arfttc ßouKoXeiv, \jv ßou0UTeTv (Arist. Plut. 819), 
ToTc CK^Xeci xeipovojLieiv (Herod. VI 129), oiKobojLieiv xeTxoc, brijLia- 
XtUTcTv Touc ävbpac, naves aedificare nicht zu gedenken. Vergl. 
Lobeck Paralip. p. 537. Nach der Hand finde ich cpapuiv auch 
unter verschiedenen Verbesserungsvorschlägen von M. Schmidt (in 
der österr. Z. f. Gymn. 1864 S. 141), welcher schwankt zwischen 
bu)|aaT' eicGopeiv töcov cp0€ipovTa ttXoötov und biJU|adTU)v q)0eipeiv 
TÖcov cpapujv xe ttXoOtov und cOjv dTioqpOeipeiv töcov 9apujv t€ 
TrXoÖTOv. 

Aesch. Ag. 1267. 

IT* ^c cpGöpov Trecövi'* ifih b' a\x' eipojLiai. 

ciWriV TIV' CtTTlV dvT* djUCO Tr\OUTlC€T€. 

Kassandra wirft die Kränze und Zeichen ihrer priesterlichen 
Würde von sich und ruft ihnen die angegebenen Worte nach. Die 
Constructionax t^v TrXouTiCeTe ist unmöglich. Schütz hat äxaic, 
Stanley äiric dafür geschrieben, welches letztere die meisten Heraus- 
geber aufnehmen, unter anderen Hermann mit der Bemerkung „non 
dubito quin verum sit ctTr|C, in quo acerba inest exprobratio mali ab 
Apolline dati. Ut TrXouTeTv cimi genitivo construitur, ita quidni 
etiam TiXouTiZieiv?" Allein die Aenderung von fixTiv in arric oder 
axaic ist im höchsten Grade unwahrscheinlich. An und für sich sind 
solche Aenderungen der Casus sehr zweifelhaft und es ist geradezu 
undenkbar, dass ärric in ctiriv verwandelt worden sei. Es erscheint 
also als sehr gerechtfertigt, wenn Halm eine andere Emendation ver- 
sucht; nur ist seine Besserung jiidvTiv desshalb bedenklich, weil sie 
eine Umstellung nothwendig macht (jLidvTiv xiv' dXXr|v). Em sehr 
passendes und bezeichnendes Wort erhalten wir, wenn wir M AT AI AN 
aus (T)INATHN herauslesen: 

aXXr|V laaxaiav dvx' ^jlioö TrXouxiJexe. 

Zu dem Gebrauch von jLidxaioc vergl. unten zu Soph. Trach. 888. 
Zu TrXouxiJexe V. 586. 

Aesch. Choeph. 71. 

01YÖVXI b' oöxi vu|acpiKUJV dbiuXiuDV 
ctKOC, TTÖpoi xe Trdvxec ^k juidc 6boö 
ßaivovxec xöv a- 

XepojLiucfi cpövov KaOaipovxec ioöcav axr|v 

Einen wesentlichen Beitrag zur vollständigen Herstellung dieser 
Strophe glauben wir dadurch geben zu können, dass wir das in 
loucav enthaltene Wort gefunden haben. Welcher Sinn in den 
Worten loucav dxav enthalten sein müsse, darüber kann man seit 
Scaliger's trefflicher Conjektur f Xoucav jLidxr|V nicht mehr in Zweifel 
sein. Bamberger hat statt dessen KXucaiev öv \xäT\]V vorgeschlagen, 
Wejl ^schreibt , ^Xoucav Sv judxav und bemerkt mit Recht gegen 



N, Wecklein: Studien zu Euripides. 431 

Bambergers Vorschlag „^Xoucav av propius ad Medic. scripturam 
accedit et indicativus aoristi potius quam optativus locum habet in 
re quae fieri non potest, omnium flummum in umim coniunctione". 
Aber auch ?Xoucav erklärt die handschriftliche Lesart nicht völlig; 
vielmehr ist loOcav aus Ti]i6v[r|]cay entstanden. Den Gebrauch dieses 
Wortes bei Aeschylus erfahren wir aus den Mittheilungen, welche 
Miller in den M61. de litt. Gr. über den cod. Flor, des Etym. M. ver- 
öffentlicht hat. Im Etym. M. p. 37, 27 wird aioväv mit KttTaviXeiv, 
Kaiaxeeiv, Xoüeiv erklärt. Dazu bringt Miller p. 151 den Zusatz: 
i}6vr]cac cuv tuj i dvii toö ^Xoucac ?| KardvTXricac (1. KaTr|VTXr|cac)* 
eipTiTtti b^ iv TUJ ^£r)ovr|9riv, 'Qpoc 6 MiXr|Cioc- fi b^ XPflcic irapa 
AicxvjXiu. 

Im vorhergehenden Verse fehlt die erste Silbe des Dochmius. 
Welcher Emendation der Vorzug gebühre, der von Lachmann und 
Hermann biaivovTec oder der von Bamberger TrpoßaivovTec, darf 
keinen Augenblick ungewiss sein. Eine Bestätigung erhält biaivov- 
xec durch das ähnlich lautende f|6vr|cav (aiovduj), wenn anders ein 
Ausdruck wie TTOTajLioi TrdvTec XouovTec av ?Xoucav judiriv als ein 
schöner und der poetischen Diktion angemessener betrachtet werden 
darf. Wenn aber biaivoviec das ursprüngliche ist, dann muss fest- 
stehen, was Hermann bemerkt „videtur KaOaipovrec ex interpre- 
tatione natum esse". Wer sieht nicht, dass gerade hiedurch biaivov- 
Tec eine neue Bestätigung erhält? Denn gern wird man von den 
zwei Participien ßaivovxec KaOaipoviec das eine preisgeben. Nach- 
dem aber Hermann KaOaipovxec als Glossem zu biaivoviec erkannt 
hatte, handelte er inconsequent, indem er das Wort in anderer Form 
beibehielt (KaOapcioic loiev av judiriv). Man muss annehmen, dass 
Ka0aipovT€C neben biaivovTec töv beigeschrieben war und an Stelle 
eines darunterstehenden Wortes in den Text gerieth. Welches dieses 
Wort gewesen sei, kann natürlich nicht bestimmt werden; nur soviel 
ist gewiss, dass es kein passenderes giebt als ^oaTciv. Darnach hat 
man sich die Entstehung der handschriftlichen Lesart in folgender 
Weise zu erklären: 

biaivoviec TÖV 

KaGaipoviec 
XepO|aucfi qpövov <poaTciv> f|övr|cav av ladiav. 

Ganz mit Recht aber scheint Dindorf zu V. 70 TravapKeiac zu be- 
merken: requiritur vocabulum cretici mensuram habens. Wir werden 

biacpepei löv aiiiov — ■ i. vocou ßpueiv 

als ein geeignetes Versmass und einen passenden Versschluss an- 
erkennen müssen. Darnach ist im antistrophischen Verse ^oaic für 
poaTciv zu ergänzen, so dass die ganze Antistrophe, in welcher GiTÖvii 
eine treffliche und evidente Emendation Scaligers ist, also lautet: 

GiTÖvii b' oöii vujLi9iKa)v ^biuXiuiv 
dKoc, TTopoi le Tidviec ^k juidc 6bo0 



>» '' V» ^ ■* •' -> 



432 N, Wecklein: Studien zu Euripides. 

biaivovTec töv 

XepojLiucfi cpövov <^oaic> f|övr|cav av judtav. 

üeber den Chor der Eumeniden. 

De choro Eumemdum ist eine berühmte vor beiläufig fünfzig 
Jahren erschienene Abhandlung von G. Hermann betitelt. In dieser 
ist der unwiderlegliche Beweis geführt, dass der Chor der Eumeni- 
den weder aus 50, wie PoUux IV 110 berichtet, noch aus 3 Perso- 
nen nach Blomfields Meinung bestanden hat. Hermann nimmt für 
die Eumeniden wie für den Agamemnon die Zahl von 15 Choreuten 
an nach dem Scholion zu Aristoph. Ri. 586 6 be Tpa^iKÖc le' ibc 
AlcxuXoc 'AyajLieiavovi und nach dem Schol. zu Eum. 585 toöto ou 
TTpöc Tctc Tpeic, dWd irpoc töv xopöv le' fäQ rjcav und bestätigt 
diese Annahme durch die ganz vorzügliche Bemerkung, dass die 12 
lambenpaare Ag. 1348 — 1371 an die einzelnen Choreuten, nicht an 
Hemichorien zu vertheilen seien. Die Zahl 15 erhält er, indem er 
die drei vorhergehenden trochäischen Tetrameter drei Choreuten zu- 
weist. Hermann kannte damals das von Dindorf im Philol. XX (1863) 
S. 27 mitgetheilte Scholion aus den cxöXia TraXaid eic 'Ayaiaeiavova 
des Triklinius im cod. Farn, noch nicht, welches mit Hermann's An- 
nahme sowohl in Betreff der Zahl des Chors als auch in Betreff der 
Vertheilung jener Partie unter einzelne Choreuten übereinstimmt: 
TTevTeKaibeKtt eiciv oi toö xpa^iKOÖ xopoO uTroKpiTai Kai ?KacToc 
auTUJV bicTixov TVU)jLir|V Xifev eiTiövTUJv be tujv iß', irpiv Kai touc 
7TevTeKaib€Ka eiTreiv,' TTpoXaßoöca eHfiXGev fi KXuiaijLivricTpa ncxl. 
Dindorf vermuthet mit Recht, dass dieses Scholion den verlorenen 
mediceischen Schollen entnommen sei; es ist dieselbe üeberlieferung, 
welche in dem a. Schol. zu den Eumeniden sowie in dem zu den 
Rittern hervortritt; denn in dem letzten wird, wie bereits Hermann 
bemerkt hat, der Agamemnon aus demselben Grunde angeführt wie 
für die Zahl des komischen Chors die Vögel, in welchen die 24 
Chorpersonen namentlich aufgezählt sind, namhaft gemacht werden. 
Trotz dieser üeberlieferung kann die Zahl 15 nicht richtig sein; jene 
Partie des Agamemnon muss mit 0. Müller unter 12 Choreuten ver- 
theilt werden; es ist eine Berathung; es muss also jedes Mitglied 
des Chors seine Stimme abgeben; der a. Scholiast meint freilich, 
dass der Chor von Kly tämnestra unterbrochen werde ; aber die letzte 
Stimme 

laiJTriv eiraiveiv irdvToGev TiXriGiJVojLiai 
Tpavujc 'Aipeibriv eibevai KupoövG' ottiuc. 
ist abschliessender Natur, wie bereits Weil in den Fleckeisen' sehen 
Jahrb. 1864 S. 213 bemerkt hat; auch kommt Klytämnestra neben 
der Leiche des Agamemnon und der Kassandra mittelst des Ekky- 
klem heraus ; dies war im antiken Theater ein Ersatz für das Hinein- 
gehen; der Chor hat beschlossen ins Haus zu dringen und die Mörder 
auffrische! That zu ertappen; der Dichter muss einen solchen Be- 



'*• »■ «*'._ *■ «- 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 433 

scliluss ausführen lassen und er thut es mit dem Ekkyklem. Die 
letzte Stimme, welche sich nach dem Willen der Majorität (7t\t]9ij- 
vojLxai) entscheidet, hat nur einen Sinn, wenn alle Mitglieder des 
Chors ihre Stimmen abgegeben haben. Diese Entscheidung kommt 
dem Führer des Chors zu; dem nämlichen kommt es auch zu mit 
dXXa KOivuuciujLieG' . . dc9a\fi ßouXeujLiaTa (V. 1347) die ganze Be- 
rathung zu veranlassen. Demnach müssen wir die eigene Ueber- 
lieferung desAeschylus höher stellen als die Ueberlieferung späterer 
Grammatiker. So richtig es auch ist, dass in dem Schol. zu den 
Eittern auf den Agamemnon gerade wegen jener Vertheilung an 
einzelne Choreuten verwiesen wird, so beweist doch jetzt das Scho- 
lion zu Ag., dass den Alexandrinischen Grammatikern nicht etwa 
eine gleiche Vertheilung unter 15 Choreuten wie die von Hermann 
vorgenommene vorlag, sondern dass nur jene Stelle mit der Ueber- 
lieferung von 15 Choreuten in besonderen Zusammenhang gebracht 
und dass der Widerspruch, der sich ergab, so gelöst wurde 
wie in dem Scholion angegeben ist. Um aber jeden Zweifel zu be- 
seitigen und alle Befangenheit welche aus der Scholiastenüberliefe- 
rung zurückbleiben könnte (vergl. Bergk comment. de vita Soph. in 
seiner Ausg. p. XXVI n. 110) — hat ja dadurch sogar 0. Müller 
sich bestimmen lassen für die Eumeniden eine andere Choreutenzahl 
als für den Ag. anzunehmen — zu heben, haben wir eine zweite 
Stelle gefunden, welche noch unzweideutiger ist als die Stelle des 
Agamemnon. Eum. 582 leitet Athena die Anklage ein (eicÖTUü he 
TfjV biKTiv) imd giebt der klagenden Partei, den Erinyen, zuerst das 
Wort. Darauf erwidert die Führerin des Erinyenchors : 

TToWai \xev ^cjiiev, XeScjuev b^ cuvtöjliijuc. 
^TToc b' d|aeißou irpöc ^ttoc ev fxepei Tiöeic. 

Wenn die grosse Zahl in Gegensatz zur Kürze der Eede gesetzt 
wird, so hat dies nur dann einen Sinn, wenn die einzelnen Mitglie- 
der nach einander sprechen ; denn in diesem Fall ist eher ein langes 
Gespräch zu erwarten. Die Chorführerin sagt also: „es sind unser 
zwar viele, aber jede wfrd sich kurz fassen". Wenn dies nicht der 
Gedanke sein soll, so hat TioXXai |aev dcjiiev absolut keinen Sinn. 
Ist es aber wirklich der Gedanke, dann muss das folgende Verhör 
unter die einzelnen Choreuten vertheilt werden und das kann hier 
zum Glück nur auf eine einzige Weise geschehen: 

XOPOY 

fj a'. TToXXai jLiev €C|aev, XeHojLiev bk cuvtojliudc. 585 
?7T0C b' djLieißou TTpöc fTToc €V jLiepei Ti0eic. 

fi ß'. ifiv lariT^p' eink TipoiTov ei Kar^KTovac. 

OPEITHI. 
^KTeiva* TouTOu b' oÖTic äpvTicic TT^Xei. 

Jahrb. f. class. Fhilol. Suppl. Bd. VU. Hft. 3. 28 



434 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

XOPOY 
f| T- ^v |Liev Tob' fibri tOüv rpiujv TraXaiCjadroJv. 

OPEITHI. 
Oll KeijLieviij TTUü TÖvbe Koixn&lexc Xöyov. 590 

XOPOY 
f) b\ €1716 IV Y€ jLievTOi bei c' ÖTTUJC KttTeKTavec. 

OPEITHI. 
XdHuj* £i(pouXKUJ xeip'i TTpöc bdpriv t€|lhjüv. 

XOPOY 
f] e\ Trpöc ToO b' e7T€ic6Tic Kai tivoc ßouXeii|LAaci; 

OPEITHI. 
TOic ToObe GfcqpdTOicr jLAapTupeT be |laoi. 

XOPOY 
f] g'. 6 ludvTic ilryfexTO coi luriTpoKToveTv; 595 

OPEITHI. 
Ktti beOpö y' dei rfiv xilxiiv oii la^iucpojLiai. 

XOPOY 
f] t. dXX' €1 c€ iLAdpvpei ipficpoc, dXX' ^peTc rdxa. 

OPEITHI. 

7T^7TOl6\ dpOJfdc b' dK rdqpOU 7Te|LA7T€l TTttTrip. 

XOPOY 
f] Ti'. v€KpoTci vuv TteTTeicOi iLATiTepa Kiaviuv. 

OPEITHI. 
buoTv ydp €Tx€ TipocßoXdc jiiiacjLAdTOiv. 600 

XOPOY 
x] 6'. ttOüc br\; biba£ov touc biKdZiovTac rdbe. 

OPEITHI. 
dvbpOKTovoOca Trarep' ^|liöv KareKiave. 

XOPOY 
fi r. ToiYdp cu |Li€V Cfjc, f] b' eX€u6dpa qpövuj. 

OPEITHI. 
Ti b' ouK dK€ivriv Idjcav fjXauvec (pu^fi; 

XOPOY 
i] m, OUK fjv 6|Llal^oc cpcüTÖc öv KareKxavev. 

OPEITHI. 
ifih bk iLAriipöc rfic iixr]c dv aiVciTi; 



N. Wecklein: Studien zn Enripides. 435 

XOPOY 
f) iß'. TTUJC Yap c' eGpevpev dvxöc, iS laiaicpöve, 
CiivTic; direuxei Mrirpöc aT|Lia cpiXiaTov. 

Damit ist das Verhör zu Ende. Orestes wendet sich an seinen 
Vertheidiger, der nunmehr die Sache seines Klienten in die Hand 
nimmt. Das Verhör ist für eine solche Vertheilung vorzüglich geeig- 
net; die Theilnahme der einzelnen Mitglieder des Chors am Gespräch 
ist zwar minder nothwendig als bei der Berathung im Agamemnon, 
aber nicht minder passend. Die Pührerin leitet das Verhör ein wie 
der Chorführer im Agamemnon die Berathung einleitet und be- 
schliesst. Wer die einzelnen Chorreden mit einander vergleicht, wird 
sofort den Wechsel der Personen und besonders bei einigen Eeden 
das Einfallen einer anderen Sprecherin herausfühlen. 

Nachdem also festgestellt ist, dass Aeschylus noch in seinem 
letzten Werke nur einen Chor von 12 Personen gebraucht hat (im 
Ag. wie in den Eum., also in der ganzen Orestie), so wird die Ver- 
mehrung der Choreutenzahl auf 15, welche die Üeberlieferung dem 
Sophokles zuschreibt, nicht auch auf Aeschylus bezogen werden 
dürfen. W^nn er den dritten Schauspieler gern annahm, so mochte 
ihm doch für seine Orchestik die gewohnte Zahl von zwölf Personen 
zweckmässiger imd brauchbarer erscheinen. 

Aesch. Eum. 250. 

UTtep T€ 7TÖVT0V dTTTepOlC TTUÜTriJLiaClV. 

Die Glosse des Hesychius dTTTdpuuTa* raxea, aiqpvibia ist fehler- 
haft. Das 8. g. a copul. kann nur mit Primitiva zusammen- 
gesetzt sein vergl. dKOiiTic, aXoxoc, dbeXqpöc, dfdXaH, dYdcTUup, 
dOpöoc, direvOric (nach Schol. zu Eur. Phoen. dtrevOea o den ttcXu- 
TrevOda, welches übrigens nur auf der falschen Lesart dveic* dTrevOfi 
für dveica ir^vGei zu beruhen scheint), aTrupoc (Schol. zu Prom. 880 
äTTupoc r\ TToXiiiTupoc vergl, meine Anmerkung z. d. St.), djauZicü u. a. 
Mit Tax^a, aiqpvibia wird sonst dTriepoc erklärt (vergl. die Noten zu 
Ag. 276) und kann nur ctTTTepoc, nicht dTTTepuiTGC erklärt werden. 
Wir haben in der Glosse des Hesychius eine Zusammenziehung zu 
erkennen: ctTTTepa <(7r>uiT<ri|Lia>Ta und dieselbe auf den angeführ- 
ten V. der Eumeniden zu beziehen. 

Soph. Ai. 182. 

oÖ7roT€ ydp qppevöGev f' in'' dpiciepd, 
TtaT TeXa^uJVOC, fßac 

TÖCCOV, ^V TToijLlVaiC TTITVUJV. 

Auffallend ist in dieser Stelle der Ausdruck f ßac TÖccov — 
TTiTViüV. Gewöhnlich begnügt man sich mit einer Erklärung wie sie 
Schneidewin giebt: „statt des zur Ergänzung von TÖccov erwarteten 
UJCT€ Treceiv tritt kräftiger das Participium ein". Nur Nauck scheint 

28* 



436 N. Weoklein: Studien zu Euripides. 

sich bei dieser Erklärung nicht zu beruhigen; denn er bemerkt zu 
V. 300; „den Versschluss ev TTOijLivaic ttitvwv hielt Boissonade für 
ein aus V. 185 entlehntes Supplement; ich glaube vielmehr, der 
Verfasser von 185 hat diese Stelle ausgeschrieben". Aber iv rroi- 
jLivaic TriTVUJV ist an der einen Stelle ebenso passend wie an der an- 
deren, so dass zu einer Verdächtigung dieser Worte weder hier noch 
dort ein Grund vorliegt. Ich würde auch glauben, dass man sich 
mit jener Erklärung zufrieden geben müsse, wenn nicht ein noth- 
wendiger Begriff fehlte. Der Chor sagt vorher: „irgend eine zür- 
nende Gottheit, vielleicht Arterais, vielleicht Enyalios, muss Ajas 
verblendet haben". Wenn der Chor begründend fortfährt: „denn 
niemals bist du von Verstand und Besinnung auf Abwege gerathen", 
so fehlt offenbar der Begriff „von selbst". Die Stelle hat also ur- 
sprünglich gelautet: 

OÖ7TOT6 Tctp qppevöGev y' ctt' dpicrepa, 

Trai TeXamxivoc, ?ßac 

aiiTÖc ev 7T0l^valc ttitviüv. 
Nach ?ß I ac scheint zuerst au weggefallen, dann das überbleibende 
TÖc(ev) in tocov, töccgv übergegangen zu sein, 

Soph. Ai. 792. 

Arr. oiJK oiba Tf)V cfjv TTpäHiv, AiavToc b' oti, 

GupaToc €i7T€p ecTiv, ou Gapcu) trepi. 
TEK. Kai |LAf|v GupaToc, lucxe ju' ibbiveiv xi (pr|C. 
In der Bedeutung atqui, et sane verlangt Kai jLifjV ein nach- 
folgendes fi (vergl. Blomfield Gloss. zu Aesch. Prom. 1018); es muss 
hier heissen: Kai |LAf|V GupaToc ^\ üjcre kt^. 

Soph. Ai. 1008. 

fj 7T0U |Li€ TeXa|Liu)V, cöc TTaxfip e^6c G' ä|LAa, 

beHaix' Sv euTrpöcu)Troc iXeiuc x* icujc 

Xujpouvx' av€u CDU, TTiüc Ydp oux; öxtu Ttdpa 

jLiTib' euxuxouvxi jLirib^v iXeuJV T^Xäv. 
Im letzten Verse bietet der Laur. neben iXeuiV die Variante 
fibiov „a. m. saeculi 15". Früher nahm man fibiov auf, bis M. Seyffert 
auf das fehlerhafte eines adverbiell gebrauchten fibiov aufmerksam 
machte (sie struenda sunt verba 6xiu jurib* euxuxouvxi Tidpa ^Tlb^v 
iXeuiV — nihil hilaritatis — , quibus infinitivus fe\äv additus tan- 
quam hilaritatis effectus). Woher soll fibiov stammen? Dindorf 
bemerkt dazu: correctoris recentis coniecturä est. Das ist nicht 
glaublich. Wie soll jemand dazu kommen für das wohl verständliche 
iXeu)v einen ungewöhnlichen Comparativ fibiov einsetzen zu wollen? 
Offenbar ist dieses räthselhafte fibiov (in einer Handschrift ibiov) 
nichts anderes als eubiov. Ebenso wird El. 839 das unbrauchbare 
aTtdxaic anfänglich ird^aic gewesen und Trdyaic Glossem zu ?pK€Ci 
sein. Die üeberlieferung spricht allerdings nicht dafür, eubiov als 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 437 

ursprünglich zu betrachten. Doch aber muss die Wiederholung von 
iXeuüC trotz der Gegenbemerkung Seyfferts bedenklich machen. 

Soph. Ant. 61. 

dXX* evvoeiv XP^ toOto |Liev, T^vaTx' öti 
eqpujLiev ibc irpöc oivbpac oii |LAaxou^eva. 
fireiTa b' gövck' dpx6|Li€c9' ek Kpeiccövujv. 
Man begreift nicht, warum der Dichter nicht nach gewöhnlicher 
Weise und mit einer Hervorhebung, wie sie dem Sinne der Stelle 
so angemessen ist, ^TieiG' oGoüveK' geschrieben haben soll. Wenn 
ich nun auf Eur. Cycl. 3 irpuJTOV |Li€V, fjViK' . . UJXO^ Tpocpoiic* 
iTTeiTOi t' «M^'i TilT^vfi judxTiv bopöc . . iKieiva verweise, wo Her- 
mann ^TreiTa'Y* in ?7Tei0' Öt' emendiert hat, und dazu bemerke, dass 
im Laur. in der Regel o9' ouveK* für ö0ouveK' geschrieben ist, so 
glaube ich damit die Verbesserung ^ireiG' 60ouveK' gerechtfertigt 
zu haben. Noch eine andere gleichartige Corruptel findet sich im 
Cycl. und in der Ant. und die Rücksicht auf die Gleichartigkeit giebt 
uns eine Sicherheit der Emendation an die Hand. Cycl. 273 

eYUJY€ TUibe toö 'PabajudvGuoc 
TToXXd ireiTOiGa Kai biKaiöiepov \if^ 
ist das fehlerhafte iroXXd von Matthiae in TrXeiuj, von Hermann in 
TtXeov, von Kirchhoff in judXXov geändert worden. Ant. 86 

oi|Lioi Kttiauba* TToXXöv exöiuiv ?cei 
bleibt TüoXXöv anstössig, wenn sich auch noch einmal Trach. 1196 
die Maskulinform ttgXXöv als Anaphora zu TToXXfjV ^ev findet. Die 
Corruptel im Cycl. macht das Bedenken um so begründeter. Porson 
hat hier judXXov exGiujv, Blaydes ttgXij ydp exGiiüV vorgeschlagen: 
wir werden das Wort zu wählen haben, welches für beide Stellen 
passt, nämlich judXXov. 

Soph. Ant. 548. 

Ktti TIC ßioc jLioi coö XeX€i|Li|LAevi;] qpiXoc; 

Nauck hegt Verdacht gegen das Wort qpiXoc und vermuthet 
coO Y ' diep XeXeijLijLievr]. Wirklich ist Tic ßioc juci der kräftige und 
einzig passende Ausdruck, während durch das Prädikat cpiXoc die 
ganze Rede matt wird. Dazu kommt, dass die Redensart, welche 
uns Eur. Med. 52 ttuic coO juövri Mr|beia XeiirecGai GeXei; oder 
IL 9, 437 7TUJC Sv ^treiT* änö ceTo, qpiXov tckoc, ai5Gi XmoijLiriv 
oToc; (vergl. Soph. Ai. 511 ttOüc coO bioiccTai jlaövoc;) an die Hand 
giebt, der Stimmung derlsmene am besten entsprechen würde; denn 
wenn Antigone sie verlässt, steht gie allein in der Welt. Denken 
wir nun daran, wie leicht jLiovr) nach -juevr) ausfallen konnte, welcher 
Ausfall dann durch irgend ein mehr oder weniger passendes Wort 
ausgefüllt werden musste, so werden wir kein Bedenken tragen die 
ursprüngliche Hand des Dichters in folgender Weise herzustellen: 

Kai TIC ßioc jLioi coö XeXeijLijLievr] jliövi;]. 



438 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Soph. Ant. 604. 

cav Sv, Zeö, biivaciv Tic dv- 

bpujv u7T€pßacia Kajdcxoi, 

TOiv 0Ö6* Ö7TV0C alpei ttoG' ö TravTOYilpwc 

oöt' dKaiLAttTOi Oeujv 

jLifivec. 

Das handschriftliche xedv, wofür ich früher schon cdv dv ver- 
muthet habe, muss man sich dann entstanden denken, als in cdv av 
die Silbe dv nur einmal geschrieben war und das Metrum gelitten 
hatte. Dass dv nothwendig, dass Tic KttTdcxi;] nicht richtig ist, sollte 
nicht mehr bestritten werden. Unter den Vorschlägen, welche für 
das sinnlose TravTOYr|puiC vorgebracht worden sind, 7TavTob|LidTU)p 
(Emperius), TravTÖGTipoc oder TravTo6r|pac (Bamberger), TtdvT* dTpeu- 
Tdc (Schneidewin), 6 TrdvTa kXivuüv oder koijlaAv (Kayser), TtavTa- 
YpeiJC (G. Wolff) verdienen offenbar diejenigen den Vorzug, welche 
ein Synonymum von aip^uü (oöG' öttvoc aipei ö trdvTa aip&v) in 
den Text bringen. Wäre nur TrdvT* d^peuTdc oder 7raVTaYp€uc 
beglaubigt! Der üeberlieferung aber kommen wir am nächsten, 
wenn wir trdvT* dfpujv für TravTCxripiuc schreiben. Dadurch ge- 
winnen wir obendrein den Vortheil, dass das folgende dKdjuaTOi, 
welches in keiner Weise den Eindruck der Corruptel macht, sich in 
das Versmass der Antistrophe fügt. Es bleibt noch das sinnlose 
Geuiv übrig (Hermann outc Geoiv dK^aTOl, Dindorf out' dKOTroi GeiüV 
viv). Dem Gott Zeus soll die Zeit der Götter nichts anhaben. Und 
Zeus ist doch der Verwalter der Zeit. Donaldson hat G^OVTec für 
Geuiv geschrieben. Allein einmal ist der Ausdruck dKd^aTOl Geov- 
Tec ^fiV€C bedenklich; zweitens passt für den Zahn der Zeit ein an- 
deres Prädikat als für die Betäubimg des Schlafes. Da wir an eine 
Verkürzung denken müssen, so wird 0EON aus 00INOZIN entstan- 
den sein: 

Tdv oöG' ÖTTVOC aipei ttoG' 6 trdvT' dfpuiv oöt* 

dKd^aTOl qpGivouciv 

^flvec. 

Soph. Ant. 763. 

AIM. TIC b' äcj' dTreiXf] upöc Kevdc fViujLiac XcTeiv; 

KP. KXaiuüv (pp€vu)C€ic, lüv qppevaiv aiiTÖc kcvöc. 

AIM. €1 jLif] TTttTfip ?{cQ\ eiTTOV dv c' oiiK eö cppoveTv. 755 

KP. T^vaiKÖc u)v bouXeujLia, ^fl KUüTiXXe ^€. 

AIM. ßoiiXei XcTCiv ti Kai XcTUiv juribfev kXuciv. 

KP. dXriGec; dXX' oii, TÖvb' "OXumttov, TcG' 6ti, 

Xaipujv im vpÖTOici bevvdceic iixL 

äf' dye tö |liTcoc kt^ 

Der bedeutende Anstoss, welcher in dieser Stelle vorliegt, ist 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 439 

bereits von R. Enger (Philol. XXV S. 344) bemerkt worden. Ein- 
mal kann nach den Worten des Hämon ßoiiXei XcT^iv Ti Ktti XeYUiv 
^rlb^v kX\3€iv die leidenschaftliche Erregung, mit welcher Kreon das 
ganze Gespräch abbricht, nicht als begründet erscheinen. Zweitens 
ist jLif] KÜüTiXXe jLie nach den kränkendsten und bittersten Worten €i 
jLAf] Traxfip fjcG', eirrov av c' ouk eö qppoveTv geradezu sinnlos; man 
müsste sich denn bei der Behauptung Dindorfs beruhigen „Sophocli 
KUJTiXXeiv de eo dicere placuit qui verbis increpat ut mox bevvdCeiv". 
G. Wolff bemerkt freilich „KOJxiXXeiv geht auf Haimons gemässigte 
Form nach den leidenschaftlichen Ausdrücken, doch mit Bitterkeit, 
denn es bezieht sich besonders auf Weiber". Worin aber soll die 
Mässigung liegen? Etwa in ei |Lifi Traxfip fjcGa oder in oiiK eüi cppo- 
veTv? Hämon sagt damit doch seinem Vater "nichts anderes als „du 
bist ein Thor". Dieser Vers enthält eine Kränkung für den Vater, 
wie keine andere Rede des Hämon in der ganzen Stichomythie sie 
enthält, so dass derselbe ans Ende gehört als letztes Wort, nach 
welchem Kreon nichts mehr hören will. Ganz mit Recht nimmt 
darum Enger an, dass die Verse 7561 757 den Zusammenhang unter- 
brechen und ihre rechte Stelle verloren haben. Es fragt sich nur, 
wo die beiden Verse einzufügen seien. Wir haben zu sehen, welche 
Rede des Hämon als ein KUiXiXXeiv betrachtet werden könne. Enger 
und Nauck setzen die beiden Verse nach V. 749 Kai coO ye Kd^oö 
Ktti GeOüv xujv vepxepujv ein. Die Behauptung Hämons, dass er das 
Interesse des Vates vertrete, könne Kreon nicht für aufrichtig halten 
und spreche desshalb von einem KiüxiXXeiv „durch glatte Worte be- 
schwatzen". Wenn Hämon auf die Worte des Kreon „du bist ein 
Bundesgenosse der Antigene, denn deine Rede ist ganz in ihrem 
Interesse" erwidert „auch in deinem wie in meinem Interesse und 
dem der unteren Götter", so wird Kreon nicht die Aufrichtigkeit, 
sondern nur die Richtigkeit der Behauptung in Abrede stellen und 
besonders den Hinweis auf die unteren Götter nicht als ein KUUxiX- 
Xeiv ansehen. Diese Stellimg der Verse kann also nicht richtig sein. 
Da KUixiXXeiv sich vor allem auf die äussere Form der Rede bezieht, 
auf die feinen netten Worte, mit denen man andere beschwatzt, so 
wird uns die Rücksicht auf die Entgegnung des Kreon V. 323 KÖji- 
ij/eue vvjv xf]V böHav, womit er das Wortspiel des Wächters fj beivöv, 
iL boKcT Ye, xai ipeubfi boKeiv zurückweist, die rechte Stelle zeigen. 
Der V. 757 allein ßouXei XeT€iv xi Kai X^yiüv |LArib^v KXOeiv hat ein 
solches K0jLAi|;6v an sich, eine gesuchte und gezierte Form, welche 
Kreon als KUJxiXXeiv bezeichnen kann, um den Vorwurf YV^vaiKÖc 
fi)v boOXeujLia anzuknüpfen. Denn in f^vaiKÖc u)V bouXeujLAa liegt 
das Hauptgewicht der Entgegnung; Kreon will sagen „es ist nicht 
anders zu erwarten als dass ein Prauenknecht, einer der sich mit 
Weibern abgiebt, so schöne Reden drechsle; an deinen Worten er- 
kennt man was du bist, T^vaiKÖc boliX€u^a". Der Schluss der 
Stichomythie kommt in Ordnung und nur dann in Ordnung, wenn 



440 N Wecklein: Studien zu Euripides. 

man einfach die Verse 755. 756. 757 umkehrt: 757.756.755^); 

dann erhalten wir 

KP. KXaiuJv qppevojceic, lüv qppevuiv aiiTÖc k€v6c. 754 
AIM. ßoiiXei X^TCiv ti Kai \efujv ixr]bkv KXueiv. 757 
KP. fuvaiKÖc lüv bol^X€u^a, ^f^ KiiriXXe ^e. 756 
AIM. ei ^fl TTttTfip fjcO^ elTTOV öv c' om €Ö qppoveiv. 755 
KP. äXneec; ktI. 

Soph. Ant. 1165. 

Kai vöv dcpeiTtti irdvia. TCtc yctp fibovac 
OTttv Trpobuüciv ctvbpec, ou TiGrijLi' efd) 
lf]v TOÖTOV, dXX' fjLivpuxov fjToOjLiai vcKpov. 
Den dritten diesei* Verse, welcher in den Handschriften fehlt, 
hat uns Athenaeus erhalten. Im zweiten bietet der cod. Laur. dvbpöc 
für avbpec, welches bei Athenaeus steht, der gewöhnliche Text TCtc 
YCip f]bovdc ÖTttV Tipobuiciv avbpec, oii TiGrm^ efOj lf\v toötov ist 
durch und durch fehlerhaft. M. Seyffert spricht in seinen Ausgaben 
des Sophokles manche Behauptung aus, welche einer Einschränkung 
bedarf; hier aber ist es vollkommen gerechtfertigt, wenn er sagt: 
quod vulgatur exAthenaeo TOtc yctp fjbovdc öxav Trpobujciv avbpec, 
primum ineptissimam infert sententiam: quis enim homo voluptates 
prodit, hoc est deserit ac proicit? Immo fortunae casibus ut id 
faciant praeter voluntatem coguntur. Longe aliud est Trpobibövai 
dXTTibac. Deinde iustissimam dubitandi causam adfert singularis 
toOtov post pluralem avbpec, ad quem defendendum aut nihil aut 
alienissima prolata sunt, velut a Schneid ewino. In der That ist es 
etwas ganz anderes, wenn V. 709 oÖTOi nach dem coUectiven ocTic 
folgt oder wenn es V. 1022 nach oub' öpvic eiicrjjLiouc dTTOppoißbei 
ßodc mit positiver Wendung dvbpocpGöpou ßeßpuixec aiVaroc Xittoc 
heisst („weil alle gefressen haben"). Auch der Fall, wo ocTic sich 
auf einen Plural bezieht, ist anderer Art (vergl. meine Anm. zu Eur. 
Med. 220), weil dort die Allgemeinheit zu beschränken ist, während 
man hier bei öxav TrpobuJCiv avbpec nur an einzelne denkt. Vor 
allem aber muss der mangelhafte Sinn von idc f]bovdc öxav Tipobu)- 
civ dvbpec die Corruptel erweisen. Unter solchen Umständen ver- 
langt methodische Kritik, dass man von der Lesart der besten Hand- 
schrift dvbpöc ausgehe, gerade desshalb weil sie in die Ueberlieferung 
nicht passt und nicht zu construieren ist. Denn um so mehr Jcönnen 
wir überzeugt sein, darin den ursprünglichen Text zu finden, während 
dvbpec bei Athenäus oder dvbpa im Citat des Eustathius sich als 
Versuch das Wort der Construction anzupassen zu erkennen giebt. 
Da obendrein der Singular dvbpöc durch toötov bestätigt wird, so 
muss diese Lesart über jeden Zweifel erhaben sein. Wenn nun 

1) Zu meiner üeberraschung habe ich jüngst, als ich die Donner'- 
sche Uebersetzung für den Jahresbericht durchsah, die gleiche Umstel- 
lung ohne weitere Bemerkung vorgefunden. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides, 441 

Seyffert mit Beibehaltung von dvbpöc schreibt: Ktti fäQ fjbovai örav 
Trpobujciv dvbpöc, so ist der Sinn in Ordnung, niemand aber wird 
die Construction Trpobibovai Tivöc für möglich oder durch die Bemer- 
kung Seyfferts „TTpoboövai more Herodoteo (v. Stein ad VII, 187) 
pro eTTiXiireTv usurpatum" für gerechtfertigt halten. Da Trpobujciv 
dvbpöc feststeht, so kann dvbpöc nur von einem Substantivum ab- 
hängig sein. Kein anderes Wort aber entspricht dem Sinne als ßiov, 
so dass sich folgender Text ergiebt: 

Kai vöv dqpeTxai TtdvG'* örav ydp f]bovai 

ßiov TTpobuJciv dvbpöc, oü TiGrijLi' ifuj 

Ziflv toOtov, dXX' ^^^JUxov f^YOu^al v€Kpöv. 

Zuerst scheint TtdvG' örav oder vielmehr Trdvra örav in Trdvxa rdc 

übergegangen zu sein und das vor irpobOüCiv übergeschriebene örav 

das Wort ßiov verdrängt zu haben. 

Soph. Trach. 829. 

TTUic Ydp av 6 }xy] Xeöccuv 
€Ti ttot' €t' eTTiTTOvov c'xoi Ottvibv Xarpeiav. 
Diese Stelle kann wenn nicht vollständig, so doch zum Theil 
in sicherer und methodischer Weise emendiert werden. Die Silben 
-vov exoi Gavüüv Xarpeiav sollen mit den Silben des antistr. V. 840 
-jLiuGa KevTp' emCecavTa übereinstimmen. Da im antistr. V. kaum 
eine Aenderung möglich, jedenfalls keine Aenderung angezeigt ist, 
so muss der Fehler in der Strophe gesucht werden. Es ist also die 
letzte Silbe von dTTiTrovov auf irgend eine Weise zu verlängern. Zu 
dem Zwecke hat Heath sein y' hinzugefügt; die anderen Versuche 
Gavibv ^x^x, eTTiTTovOüv, dm ttövuuv, eri ttövuüv, eTTiTTOVov Xdxoi 
oder Kixoi oder rpecpoi sind bei Blaydes zusammengestellt. Da 
weder dTTiTTOVUJV noch im ttövuiv geeignet noch ein Grund ist dm 
auszuwerfen (exi ttövujv ?xoi Xarpeiav), so wird das durchaus pas- 
sende Wort eTriTTOVOV durch Position zu verlängern sein. Für die 
Entscheidung der Sache und Bestimmung des Wortes kommt nun ein 
zweiter Umstand in Betracht. Das Wort GavuiV, welches in der Er- 
klärung des Schol. ttuic fdp av 6 |LAr]KeTi opuiv tö cpuic irap' EupucGeT 
XarpeiJOi nicht vertreten ist, muss man nach 6 ^f| Xeöccuuv für zweck- 
los und ungeschickt halten, ohne dass man geneigt ist mit Wunder 
Gavibv als Glossem zu betrachten. Dies kann man vornehmlich dess- 
halb nicht sein, weil sich aus Gavibv das für den Sinn so zweckmässige 
aviü entnehmen lässt. Dieses dvuü konnte durch Trap' €iipucGeT erklärt 
werden. Nehmen wir nun die Forderung die Endsilbe von diTiiTOVOV 
zu verlängern und die Unterbringimg von dvuj zusammen, so ist ein 
Medium nöthig, welches mit einem Consonanten anfangt. Sofort 
steht uns bexoir' für exoi zu Gebote. Wie leicht konnte dTriTrovov 
bexoix' avuü in dTriTrovov exoi Gaviuv übergehen! Das Verbum 
bdxecGai aber ist hier noch ganz besonders angemessen wegen seiner 
Beziehimg auf dvaboxdv : denn der Chor weist nach, dass die Weis- 



442 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

sagung öuübeKaTOV apoxov dvaboxctv reXeiv ttovujv in Erfüllung 
gehe: „wahr ist es, sagt er, dass das zwölfte Jahr für Herkules der 
Uebernahme von Arbeiten ein Ende mache; denn wer könnte todt 
auf der Oberwelt noch Arbeiten übernehmen". Wir erhalten also 

eil ttot' er' eTriTTovov bexoir' avuj Xaxpeiav; 
Hiemit stinmit der antistrophische V., wenn man vom ersten Worte 
absieht und qpoivia wie in V. 831 in qpovia verwandelt, überein: 

Neccou 9* OTTO cpövm boX6|Liu6a Kevxp' eTriCecavia. 
Minder sicher ist die weitere Herstellung der Responsion. Hermann 
liess Neccou 9' weg und schrieb ausserdem UTiocpova boXi6jLivj9a. 
Dindorf verwandelt Neccou 9' ötto qpoivia boX6jLiu9a Kevrp' in 
9r]pöc oXöevia KevTp', so dass kaum ein Stein auf dem anderen 
bleibt. Bedeutsam ist, dass Neccou 9' uiro in der Handschrift in 
einer besonderen Zeile steht; es hat darum sehr den Anschein, dass 
Neccou 9' U7T0 nur Glossem zu iLAeXa^xaiTci t' sei. Vielleicht dürfen 
wir noch in dem V. der Strophe das eine fri tilgen und im 
antistr, V. mit Hermann boXi6|Liu9a schreiben: 

830 ^Ti ttot' dTTiTTovov b^x^i'^' ^^^ Xaxpeiav. 

840 cpövia boXiö|Liu9a Kevrp' ^TTiZi^cavia. 

Trach. 888. 

dTteibec (x) luaTttia Tdvb* ußpiv; 
Die Erklärung des Wortes jLAaraia hat manches Bedenken ver- 
ursacht. Der Scholiast hat es mit lö jueXea wiedergegeben; Erfurdt 
wollte jLAaxaiav schreiben und dies mit ußpiv verbinden; Nauck 
glaubt, dass juaxaia einen hier völlig unmotivierten Tadel enthalte 
imd vermuthet direibec judxav xdvb', Blaydes hat (b ^a^ apa in den 
Text gesetzt. Wie ungerechtfertigt eine Aenderung sei, wird sich 
sofort ergeben, wenn man die Charakterisierung der Amme näher 
ins Auge fasst. Alle erkennen das eigen thüml ich Witzige in den 
Worten der Amme V. 874 ßeßnKe Ariidveipa xf)V iravucxdxriv obüüv 
dTTttcOüV ii ttKivriXQU TToböc an. Diese Eigenthümlichkeit charakte- 
risiert auch ihre Antworten trdvx* dKr|Koac, beiixepov KXueic, cxexXi- 
üüxaxa Ttpöc ye irpäHiv und mit dem gleichen Witze giebt sie auf 
die Frage des Chors ttujc ejuricaxo Trpöc 9avdxiu 9dvaxov dvu- 
caca jLAOva (d. i. juia biTrXouv 9dvaxov), welche keine Antwort ver- 
langt, sondern nur ein Ausdruck der Verwunderung ist, indem sie 
dem Worte ttujc (d. i. xjvi 9u|lii(J, xici vöcoic) einen anderen Sinn 
(„auf welche Weise?") unterschiebt, die so zu sagen vorwitzige 
Antwort cxovöevxoc dv xojLiqi cibdpou, wobei sie sich recht einschnei- 
dender Worte bedient. Diesen Witz bei den trübseligsten Dingen 
nicht eigentlich tadelnd, sondern leichthin berührend sagt der Chor 
(b jLiaxaia („du Thörin"). Es lohnt sich der Mühe hiermit die Worte 
des Boten Oed. R. 942 zu vergleichen, welcher auf die Frage der 
Jokaste xi b'; oux 6 irp^cßuc TTöXußoc dyKpaxfjC ?xi; erwidert: ou 
bfix', ^Ttei viv 9dvaxoc dv xdqpoic ?x^i, «owie die Antwort eines 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 443 

Boten bei Shakespeare in König Johann Akt FV, 2 „mein Fürst, ihr 
Ohr verstopfte Staub: am ersten des April starb eure edle Mutter". 

Soph. Trach. 964. 

£evujv Yotp e£6|LiiXoc r\be Tic ßdcic. 
Trqt b' a\) cpopeT viv ibc cpiXou 
TTpoKribojLAevav ßapeiav 
ävpocpov qpepei ßdciv. 

Diese Worte spricht der Chor, nachdem er die Sänfte erblickt 
hat, auf welcher der todtkranke Herakles getragen wird (oyxo^ ^' 
apa Kxe V. 962). Die Worte Trqi — ßdciv lassen sich nicht con- 
struieren. Trennt man TTOt b' aö cpopeT viv; ab, so ist der Gedanke 
„wie aber tragen sie ihn?", den man kaum in den Worten suchen 
wird, bedeutungslos und ohne Zweck. Hermann vermuthet qppovei 
VIV . . qpepeiv, Blaydes ireXac cpopeT viv x^c cpiXou. Keines von 
beiden ist ansprechend; cppoveT passt nicht für einen solchen Ge- 
danken und in treXac cpopeT viv xiuc . . cpepei ßdciv ist tt^Xoc cpopeT 
VIV ebenso unnütz wie tt^ b' au cpopeT viv; Man erkennt also, dass 
das eine von den beiden Verba cpopeT und cpepei unbrauchbar ist und 
entfernt werden muss. Dies geschieht durch die leichte Aenderung 
von cpopeT viv in cpopeTov. Auch die Worte troi b* a\5 sind ohne 
Sinn. In einer Pariser Handschrift steht ttoIc b' au , aber Träc b' au 
dürfte kaum genügen. Jedenfalls wird man, da die Worte ttoI b' au 
dem Sinne nicht entsprechen, zur Herstellung der Eesponsion nicht 
den strophischen Vers TÖv Aiöc dXKi|Liov yövov (Triclinius TÖv Zrivöc, 
Nauck besser töv ATov), sondern mit Hermann und Schneidewin 
den antistrophischen Vers zu ändern haben. Hermann schreibt ttcIc 
be. Ausserdem muss wohl dipocpoc geschrieben werden, damit der 
Accus, ßdciv davon abhängig sein kann; denn ßdciv cp^peiv darf auf 
keine Weise verbunden werden. Wir erhalten also: 

Hevujv ydp dHö|LiiXoc fibe Tic ßdcic. 
Trdc bk cpopeTov ibc cpiXou 
TrpOKribo|Lievav ßapeTav 
aipocpoc cpe'pei ßdciv. 

Soph. Trach. 988. 

dp' dH^bric Scov fjv K^pboc 
ciyq KeuGeiv Kai jiifi CKebdcai 

TlfJb', dlTÖ KpaTÖc 

ßXecpdpujv 6' U7TV0V. 

Ich habe bereits früher bemerkt, dass ^HqbTic nicht mit Cobet 
in e£iJ|bTic6', sondern in ^HijbTi c' zu verwandeln sei (e£r|bri Scov 
Kepboc f\v ce ciYfj KeuGeiv). Ausserdem ist dTrö Kparöc ßXecpdpuuv 
xe ein prosaischer und ungeschickter Ausdruck, der nicht vom Dichter 
herrührt. Denn ßXecpdpiwv uttvov ist 6in Begriff ähnlich wie es 



444 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

Pind. Pyth. I 7 KcXaivOüTTiv b' em oi veqpeXav dTKiiXuJ Kpari, yXecpa- 
pujv äb\) KXaiCTpov, KaTex€uac heisst. Demnach lautet die Stelle: 

äp' ilvibr] c' öcov fjv K^pboc 

ciYT) KeilGeiv Kai ixx] CKebdcai 

TiJjb' ttTTÖ Kparöc 

ßXecpdpujv Ö7TV0V. 

Kritias fr. 1 (p. 598 N.) V. 35. 
In dem berühmten Fragment des Kritias, welches den Glauben 
an die Götter auf die Erfindung eines klugen Mannes zurückführt, 
heisst es, jener Erfinder habe den Wohnsitz der Götter sehr weise 
dahin verlegt, 

oGev 7T€p ?YVU) Touc cpößouc oviac ßpOTOlC 
Ktti xdc 6vr|ceic tuj TaXaiTruipiD ßiuj . . ., 
oOev Te XajLiTTpöc dciepoc creixei |LAubpoc 
8 9' ufpöc €ic Yflv öjLißpoc ^KTropeuerai. 
In dem vorletzten Verse könnte creixei richtig sein, wenn juubpoc 
die Wärme, die Sonnenstrahlen bedeutete, nicht aber die glühende 
Masse. Da kann von einem Herunterkommen nicht die Eede sein, 
wie nachher beim Eegen. Es muss ursprünglich geheissen haben: 
öGev Te XajLiTTpöc dcrepoc ciiXßei luübpoc. 

Agathen fr. 4 (p. 593 N.). 

Ypaqpfic ö TTpuJTOC i^v |Liecö|LAcpaXoc kükXoc* 
öpGoi Te Kavövec e^uYUJ|LAevoi biio, 
ZkuGikiu xe t6£uj tö rpiiov fjv TTpoceiucpepec' 
^Treiia xpiöbouc irXdYioc fjv irpocKeiiuevoc* 
eqp' ^vöc xe Kavövoc fjcav dZiuYUijLievoi biio. 
OTtep be xpixov fjv Kai xeXeuxaTov irdXiv. 
In dieser Beschreibung der Buchstaben 0HZEYZ ist der vor- 
letzte Vers corrupt. Meineke wollte zuerst ^cav auswerfen, sah aber 
dann, dass eZ[uYUü|Lievoi büo aus dem zweiten V. stammt. Die Nach- 
ahmung des Theodectes fr. 6 p. 624 N. hat soviel mit der Darstel- 
lung desAgathon gemein, dass wir die Beschreibung des Buchstaben 
Y aus den Versen des Theodectes 

Tre|Li7rrai b' dvujGev icöjLiexpoi pdßboi büo, 
aöxai be cuvxeivouciv eic ßdciv juiav 
dort ergänzen dürfen, indem wir fjcav aus dem Anfang von icöjLAexpoi 
ableiten: 

dqp* dvöc xe Kavövoc icö^juexpoi pdßboi>b\3o. 

Moschion fr. 7 (p. 633 N.). 

In der Beschreibung des Urzustandes der Erde und der Mensch- 
heit heisst es V. 11 

oub' ^pYdxiqc cibripoc euiiüxiboc 
GdXXovxac oivr]c öpxdxouc exriiueXei, 
dXX' f{V dKij|LiuJV KUücpeiiouca peouca ff\. 



N. Wecklein: Studien zu Euripides. 445 

In dem letzten Verse verbessert Meineke KUJcpd xiptuouca yfi. Nauck 
vermuthet statt dessen, wie ich glaube, nicht glücklich KUjqpeciv ßpO- 
ouca ff]. Die beiden Wörter KUücpeuouca peouca sind zu verbinden 
zu KUJcpd t' eKcpiJOuca oder richtiger, worauf peouca hinweist, 
^KTpeqpouca: 

dW rjv dKUjLiuJV KUücpd t' eKTpeqpouca yA- 

Zu aKUjLiuJV vergl. die Glosse des lex. Seg. p. 6 (adesp. fr. 269 p. 
693 N.) dKUjLiuJV GupiTTibric (Androm. 158) ^m toö |Lif| T^vvdv Te6€i- 
Kev ujcavei dYÖvou. 

Sosiphanes fr. 1 (p. 638 N.). 

Schol. Apoll. Rh. ni 533 tö traXaiov djovTo ai (pap^aKlb€C 
Tf)V ceXr|vriv Kai töv fiXiov KaOaipeTv. biö Kai inexpi tuiv Ati|lio- 
KpiTou xpövujv TToXXoi xdc eKXeivpeic KaOaipeceic eKdXouv. Zuüci- 
cpdvric ev MeXedypuj 

jLidYOic eTTiubaTc Trdca GeccaXic KOpri 
vpeubfic ceXrivric aiGepoc KaiaißdTic. 

Den corrupten zweiten Vers verbessere ich in folgender Weise: 
K€\j6€i ceXrjvriv aiGepoc KaTaißdriv. 

„Sie zieht ihn vom Himmel herab (aiGepoc KaxaißdTiv vergl. Aesch. 
Prom. 359 KaxaißdTTic Kepauvoc) und verbirgt ihn" (eigentlich „sie 
verbirgt den in Folge ihrer Zaubersprüche herabgehenden Mond"). 

Patrokles fr. 1 (p. 645 N.). 

Ti bfira Gvr]TOi ttöXX' d7TeiXoO|Liev judTriv 
beivoijc ^7t' dXXr|Xoici TtejLiTTOVTec Xöyouc 
Kai irdvTa cuvvooOjLiev ^KTrpdHeiv x^pi, 

TTpÖCUJ ßXe7T0VT€C; 

Für cuvvooöjLiev ist wohl cuwooiJjLieG' zu schreiben. 

Adesp. fr. 180. 

bringt Nauck aus Hesych. II p. 284 KvdiTTeiv KeXeiiuü ^Xaiccav 
cuvexeiv ^vtöc tujv öbövTUJV Tr\v yXonTav bei. Vergeblich fragt 
man sich, wie KvaTTieiv zu dieser Bedeutung kommen soU. Es hat 
sicher ursprünglich 

KdTTTeiv KcXeiJU) YXujccav 

geheissen (vergl. dYKdTTxeiv aiG^pa, den Athem an sich halten); der 
Ausdruck aber dürfte eher einem Komiker als einem Tragiker an- 
gehören. 

Adesp. fr. 327. 

Plut. Mor p. 655 A: ev iD Kaipiu cppoöba xd xfic f]bovfic 
XriTei bh. KuTrpic GaXiai xe v^ujv, 
oiib' ?xi Giipcoc qpiXoc ßaKxeiou. 

Nauck schreibt qpiiXXa für cpiXoc, bemerkt aber dazu: quid lateat 
non assequor. Ich vermuthe: 



446 N. Wecklein: Studien zu Euripides. 

oub' ?Ti 6upcou cpiXa ßaKXtia. 
Auf ßaKxeia folgte ein Position machendes Wort, welches die letzte 
Silbe von ßaKxeia verlängei-te. 

Adesp. fr. 434 (Stob. flor. 5, 127) und 462, 12. 

OdXXouca XÜTrr] touc äfav uTidpcppovac. 
Nauck bemerkt hiezu: verba non intellego. Den rechten Sinn 

hat bereits Heimsoeth mit ßXdTTTOUCi XÖTiai angegeben; es ist zu 

schreiben; 

cqpdXXouci XOTtai totjc aTOtv uirdpcppovac. 

Vergl. Eur. Hipp. 6 ccpdXXui b' öcoi qppovoOciv €ic f]|Lidc jaeT«, dazu 

fr. 462, 11 (Stob. flor. 105, 51): 

öfKOu bk jLieTÄXou 7TTU)^a TiTvexai fn^Ya* 
Trpöc fdp TÖ XajUTrpov ö qpGövoc ßidCcTai, 
cqpaXXei b' 4k€ivouc ofk av uvpiucij ^e^a. 

Hierin ist ßiaCerai corrupt; Nauck schreibt dafür ßißdCexai, wobei 

weder das Passiv noch Ttpöc tö XajLATrpöv noch der Sinn geeignet ist. 

Ich vermuthe (wie Aesch Prom. 1010)^): 

Trpöc fdp TÖ XajLiTTpöv 6 qpGövoc XidCerai. 

Vergl. Hec. 98 Trpöc c' eXidcÖrjv, Eur. fr. 296 €ic xdTTicrijLia b' 6 

cpGövoc TTTibäv cpiXeT. 

Adesp. fr. 451 (Stob. flor. 61, 13). 

KpeiTTÖv T* djLiiJveiv KttiGaveiv ydp €iikX€ujc 
f| lf\v 6dXol^' Sv bucKXeüüC ye KarGaviuv. 
Das sinnlose fe KttTGavuiV sucht Nauck durch die Aenderung 
jLif] KaT6avu)V möglich zu machen. Aber auch so ist |Lif] KaiGaviuv 
ein höchst müssiger und unpassender Zusatz. Der Vers ist lücken- 
haft, Y€ KttTGavOüV aber ein Supplement. Der Gedanke und der 
Sprachgebrauch gestattet die Ergänzung: 

KpeTccov t' djLAilveiv KaiGaveTv ydp euKXeuJc 
if(b GeXoijLi' av |LAäXXov f| Cf^v bucKXeaic. 



1) Will man Aesch. Ag. 1511 mit Butler 6(Kav für bä xal schreiben, 
so ist, wenn die Stelle Sinn haben soll, auch vorher ein Verbum des 
Gehens nothwendig und das gewinnt man nur, wenn man auch ßidJcxai 
in Xiälerai ändert: Xid^exai b' öjuociröpoic lirippcalav atjuaTOC }xiKac 
"ApT^c, öiroi ö(Kav irpoßaivuüv kt^. 



Inhaltsverzeichniss. 

Seite. 

I. Handschriftliches zu Euripides 307 

II. Entstellung des Textes durch Glosseme iill 

III. Umstellung voii Versen 338 

IV. Interpolationen 350 

V. Lücken 360 



N. Wecklain: Stadien m Enripidei, 



447 



VI. Bemerkungen zu einzelnen Stelleu 36S 

VII. Zeratreute Bemerkungen über 

1) den Gebrauch von r|XXd-fr|V und i'jXXdxdriv n. a. . 311 

2) das c enplionicnm 366 

3) i-f.f,i\v und XP*!^ 367 

4) den Hiatus ti oö (oöv) 370 

ü) a copuliitivuni 435 

e) Die Zahl der Choreuten bei Aeachylua .... 432 

VTII. Eehandelt sind folgende Stellen: 

Seile. Seile. Seite. 

Fera. 4fi2, 609 427 1 Ag. 1268 430 1 Che. 883 419 

Ag. 132 427 1511 446 Eum. 250 435 

336 311 Cho. 74 430 585 ff. 433 



435|ÄDt.548 



437 I Trach. 829 441 

S88 442 

»65, 98S e. 443 



Ale. 223 


323 


Hei. 171 


319 


Heracl. 785 


228, 321 


363 


178 


371 


834 


569 


364 


183 


319 


963 ff 


641 f. 


359 


238 


372 


Herc. für. 63 


713 


364 


325 f. 


358 


121 f. 


782 ff 


365 


345 


372 


168 f. 


Andr. 38 


369 


366 


320 


178 


169 


365 


504, 526, 534 368 


383, 4 


322 


326 


793 


373 


526 


361 f. 


329 


961 


307 


762 


592 (schon 




1152 


373 


836 


Cobet) 


311 


1290 


421 


860 ff 


660 


327 


1346 


372 


876 


813 


365 


Electr. 150, 158 


374 


1161, I 


1064 


366 


165 


323 


1261 


1076 


355 


413 f. 


374 


1417 


1219 


366 


649 


375 


1419 ff 


1224 


318 


831 


362 


SnppL 36 


1236 


366 


863 


328 


63 


Bacch. 207, 236 


368 


875 


376 


136 f. 


247 


339 


885 


358 


171 


270 


329 


1345 


376 


175 


647 


330 


Heracl. 132 


376 


339 


856, 666 


335 


145 f. 


377 


393 f. 


860 f., 983 




183 


326 


649 


1001, 1005 


369 


223 


331 


839 


1331, 1332 


336 


366, 396 


377 


944 f. 


1353 f. 


363 


684 ff. 


341 


1089 


Hec. 1311 


370 


766, 769 


378 


1118 


Hei. 130 


371 


■ 777 


379 


Hippel, 104 ff.